Vertrauen in das Leben. Wie es dir möglich wird, trotz Schicksal in das Leben zu vertrauen

Vertrauen in das Leben. Wie es dir möglich wird, trotz Schicksal in das Leben zu vertrauen

hell und dunkel

Eine große Sehnsucht

Wir haben wohl alle eine große Sehnsucht danach, uns fallenlassen zu können in eine allumfassende Geborgenheit. In dieser Welt gehalten und geborgen zu sein. Einfach sicher zu sein.

Doch wir haben viele Male genau eine gegenteilige Erfahrung gemacht. In vielen Situationen hat es immer und immer wieder an dieser Sicherheit und Geborgenheit gefehlt.

Wir haben Enttäuschungen erlebt, Schicksalsschläge, unerwartete Verluste, Abwertung und Zurückweisungen. Wie kannst du da in solch ein unbeständiges, unsicheres, sich immer wandelndes Leben vertrauen?

Ich glaube daran, dass das Leben mir immer wieder die Hand reicht

Vertrauen in das Leben heißt für mich: Ich glaube daran, dass das Leben mir immer wieder die Hand reicht und mir Lösungen zeigt, auch und besonders in schmerzhaften Stunden.

Ich glaube daran, dass das Leben mir immer wieder Chancen bietet. Und ich glaube daran, dass das Leben selbst eine Chance ist: Zu heilen, zu lernen und Gutes zu tun.

Bin ich da blauäugig bei allem, was immer wieder und gerade auch jetzt in der Welt geschieht? Ist Vertrauen in das Leben nur ein Glauben? Der Glauben, dass das Leben letztendlich gut ausgeht? Nur eine Hoffnung?

Ja, es gehört auch der Glauben dazu, dass es das Leben gut mit mir meint. Aber es gehört vor allem die Erfahrung dazu, die ganz persönliche Erfahrung, dass das Leben trotz aller Schwierigkeiten und Herausforderungen mir doch immer die nächsten guten Schritte gezeigt hat.

Dass aus allem Schmerzhaftem letztendlich auch immer etwas Gutes, Heilsames, Neues entstanden ist.

Dem Leben zu vertrauen heißt, meinem Eingebundensein in diese Welt zu vertrauen. Meinen Eltern zu vertrauen.

Darauf zu vertrauen, dass es einen Platz gibt für mich in dieser Welt, dass ich willkommen bin.

Auch wenn das Leben herausfordernd ist, auch wenn es mal seine hellen und mal seine dunklen Seiten zeigt. Zu vertrauen, dass alles zusammen gehört und es dennoch immer wieder gut weiter gehen kann.

Der Start ins Leben: Bist du willkommen und behütet in diesem Leben?

Nicht immer sind die Bedingungen für den Start ins Leben günstig. Vielleicht haben Traumata in der Herkunftsfamilie der Eltern oder selbst erlebte Traumata vor oder während der Geburt deinen Start ins Leben erschwert und dein Vertrauen in dieses Leben von vornherein eingeschränkt oder ganz und gar unmöglich gemacht.

Vielleicht wurdest du nicht freudig erwartet oder warst gleich nach der Geburt von den Eltern getrennt oder hattest medizinische Eingriffe zu erdulden. Dann bist du berechtigterweise in eine Vorsichtshaltung gegangen, hast dich in deiner Seele zurückgezogen, statt dich vertrauensvoll auf dieses neue Leben einlassen zu können.

Auch Trennungen und Traumata in den ersten Lebensjahren hinterlassen Schmerzen und Narben in der Seele. Dann entsteht statt eines vertrauensvollen Sich-einlassen-können ein Zustand ständiger innerer Vorsicht, um neuen Gefahren zu entgehen.

Dieser Zustand bewirkt eine Art Dauerstress in der Seele und eine Kompensationshaltung als innere Haltung, um diesen Stress zu ertragen und nicht ständig fühlen zu müssen.

Diese Kompensation kann ganz verschiedene Gesichter haben: Es kann eine innere Kampfansage dem Leben gegenüber sein: „Du kriegst mich nicht unter!“.

Oder ein resignierter innerer Rückzug: „Ich kann mich auf niemanden verlassen“ oder „Ich kann nur mir selbst vertrauen.“

Was du tun kannst, wenn dein Verhältnis zu deinen Eltern nicht leicht ist

Ganz besonders hilfreich ist eine Familienaufstellung, wenn das Verhältnis zwischen dir und deinen Eltern schwierig oder belastet ist. Besonders wenn es schon vom Anfang des Lebens her nicht einfach war zwischen dir und deinen Eltern und so in dir kein Grundvertrauen entstehen konnte.

Das Leben kommt nun mal von unseren Eltern, und wenn du es nicht leicht hattest mit dem vertrauensvollen Verhältnis zu deinen Eltern, dann ist es mit dem Vertrauen ins Leben auch nicht wirklich leicht.

Eine Familienaufstellung kann hier Wunder bewirken. Ich habe viele, wirklich sehr viele berührende und heilsame Aufstellungen erleben dürfen, in denen es auch noch nach Jahrzehnten zu einem vollkommen neuen Verhältnis zu den eigenen Eltern kommen konnte.


Wenn du dir wünschst, dass dein Verhältnis zu deinen Eltern sich entspannt und freundlich, liebevoll oder verständnisvoll wird, dann mach eine Familienaufstellung. Schau hier nach den Terminen für ein Seminar, du kannst dich hier auch anmelden.

Oder vereinbare einen Termin für eine Einzelsitzung oder gönne dir die Teilnahme an der Jahresgruppe zur Weiterbildung, sie ist ein Geschenk an dich selbst für dein ganzes Leben.

Unabhängig davon, ob deine Eltern noch leben oder nicht, ob du bei deinen Eltern aufgewachsen bist oder nicht, ob deine Eltern zusammen gelebt haben oder ob du deinen Vater kanntest: Eine Familienaufstellung zeigt die Dynamiken auf, die in deiner Familie auf dich wirken. Sie wird ein neues Verhältnis zu deinen Eltern ermöglichen.

Wenn du dir nicht sicher bist, ob eine Familienaufstellung der hilfreiche Schritt für dich ist, dann klicke hier, wir senden dir dann kostenlos das E-Book „5 Schritte zu mehr innerer Freiheit“ zu.


Plötzlich und unerwartet: Mit dem Tod konfrontiert

Doch selbst wenn der Start ins Leben günstig für dich war und du die segensreiche Erfahrung machen konntest für ein Grundvertrauen, so gibt es dennoch keine Garantie, dass dieses Vertrauen nicht im Laufe des Lebens erschüttert wird. Manchmal erleben wir plötzlich und völlig unerwartet schwierige Situationen, die das Leben an uns heran trägt.

Eine schwere existentielle Erkrankung, deren Diagnose mich bei vollkommener Gesundheit plötzlich mit der Möglichkeit des Todes konfrontiert. Plötzlich ist alles anders. Ich habe nichts gemerkt. Worauf kann ich da noch vertrauen? Nicht einmal in meinen eigenen Körper und nicht in meine eigene Wahrnehmung. Wie kam es, dass ich vorher nichts gemerkt habe?

Oder dieser Unfall eines Freundes. Kein Abschied. Gestern war er noch da, wir haben gemeinsam Tee getrunken, erzählt und gelacht. Und heute? Jetzt gibt es nie wieder eine Chance, auch nur für 5 Minuten beieinander zu sein.

Oder diese plötzliche Trennung. Der Geliebte hat eine andere Frau, und das schon seit einiger Zeit. Und ich habe nichts gemerkt. Wem kann ich hier noch vertrauen? Dem Leben? Dem Schicksal? Mir und meiner Wahrnehmung? Nicht dem Geliebten und nicht dieser Frau, die ich so gut zu kennen glaubte. Und kann das nicht immer wieder passieren?

Vorsicht ist von Natur aus sinnvoll

Ja, das kann immer wieder passieren. Nichts ist von Dauer, nichts ist sicher. Das Leben ist ständiger Wandel. Nichts bleibt wie es ist, wirklich gar nichts. Vorsicht und Umsicht sind deshalb wichtig für unser Überleben.

Auch das fehlende Vertrauen und das Misstrauen sind ein Überlebensschutz und von Natur aus sinnvoll, sie schränken jedoch unser Leben stark ein. Wir brauchen Inseln der Sicherheit und Geborgenheit, um nicht in Dauerspannung immer auf der Hut und auf der Suche nach sicheren Lebensbedingungen zu sein.

Wenn dich schwere Ereignisse getroffen haben wird es meist schwierig, an ein gutes Ende zu glauben. Wir machen dem Leben, dem Schicksal, uns selbst Vorwürfe. Und das Vertrauen ins Leben ist nicht mehr fühlbar.

Wenn ein besonderer Schicksalsschlag in deinem Leben dein Vertrauen stark auf die Probe gestellt hat oder es einfach hinweggewischt hat, dann ist eine Aufstellung wirksame Hilfe. Wenn du erkennen kannst, womit das Ereignis verbunden ist, welche Gefühle dich jetzt besonders belasten und wie du eingebunden bist in größere Zusammenhänge, dann werden Heilungsschritte möglich.


Und wenn du auch nicht sofort neu vertrauen kannst, so kannst du doch mit dem Ereignis in Frieden kommen. Diese innere Zustimmung heilt und gibt neuem Vertrauen wie einer zarten Pflanze eine Chance, da zu sein und zu wachsen. Dem Vertrauen, dass nach jedem Winter ein Frühling kommt und nach jeder Nacht ein neuer Morgen. Und dass das Leben sinnvoll weitergeht.

Zweimal im Jahr leite ich ein Themenseminar Vertrauen am Benediktushof in Holzkirchen. Der Benediktushof ist ein ganz besonderer Ort der Stille.

Im Seminar arbeiten wir mit Familien- und Traumaaufstellungen, Körperarbeit, Gespräch und Meditation. Das Sitzen in der Stille unterstützt uns, uns zu zentrieren und aus unserer inneren Mitte heraus zu handeln. Hier findest du die Termine und kannst dich hier auch anmelden.

Was du noch tun kannst

Setze dich hin und schreibe auf, was das Leben dir bisher Gutes getan hat. Nimm dafür ein großes Blatt Papier. Wenn du magst, nimm bunte Stifte und klebe Bilder dazu.

Und dann beantworte dir selbst folgende Fragen: Was habe ich vom Leben bekommen bei meiner Geburt? Welche Gaben? Was hat mir das Leben für Hilfen geschenkt in schwierigen Situationen? Welche Chancen hat mir das Leben bisher gewährt und geschenkt?

Was hat mir das Leben für Herausforderungen gestellt und wie hat es mir ermöglicht, diese Herausforderungen zu meistern? Wofür bin ich dem Leben dankbar? Was ist gut, was soll so bleiben? Und was wünsche ich mir noch vom Leben?

Und schreibe auch dazu, was du bereit bist dem Leben (als Gegenleistung) zu geben für alles Gute, was es dir geschenkt hat. (Dankbarkeit, deine Zeit, Liebe, Freude, Bereitwilligkeit, Vertrauen, Kraft, Zuversicht…)

Vertrauen in größere Kräfte

Wenn es dir gegeben ist, in größere Kräfte zu vertrauen, so wird es mit dem Vertrauen in das unbeständige Leben leichter. Vertrauen in eine größere Kraft ist der Glaube an eine wohlwollende, liebevolle Kraft, die uns begleitet. Für Kinder ist die Existenz von Kräften, die nicht sichtbar sind, aber dennoch da sind, noch vollkommen normal.

Als unsere damals dreijährige Freundin Luka bei uns zu Besuch war, saß sie im Garten gedankenverloren im Gras und strich mit ihren kleinen Fingern immer wieder durch das weiche Gras. Als ich sie fragte, ob sie denn nachdenke, antwortete sie: „Nein, ich kämme Mutter Erde die Haare.“ Es war nichts Verwunderliches daran.

Im Laufe des Lebens gelangt diese Überzeugung jedoch immer mehr in Vergessenheit. Wie es möglich wird, größeren Kräften neu zu vertrauen weiß ich nicht. Vielleicht ist es Gnade, vielleicht eine innere Öffnung in besonderen Lebenssituationen.

Manchmal erfahren wir die Größe und Unermesslichkeit der Schöpfung in der Verbindung mit der Natur. Im Römerbrief lesen wir: Gott ist zwar unsichtbar, doch an seinen Werken, der Schöpfung, haben die Menschen seit jeher seine göttliche Macht und Größe sehen und erfahren können (Römer 1,20 Hfa).

Es gibt im Leben eines Menschen manchmal plötzlich einen Moment, in dem er mit unumstößlicher Sicherheit weiß, dass es größere Kräfte gibt, die außerhalb seiner eigenen Möglichkeiten wirken. Und manchmal sind es gerade die sehr schweren Lebenssituationen, die uns diese Einsichten schenken.

Nicht nur in einer Kathedrale, auch an ganz unerwarteten Orten und Situationen kann uns die Gewissheit begegnen, behütet und getragen zu sein.

Wir Menschen haben verschiedene Namen für diese Kräfte, die jenseits von Raum und Zeit wirken. Wir nennen sie unter anderem Gott, Jesus, Maria, Schutzengel, Lichtwesen, Ahnen, Schicksal, Leere, Gottheit, das große Ganze ….

Wer größeren Kräften vertraut, macht die Erfahrung: Ich bin eingebunden in einen größeren Zusammenhang, der über mich hinausweist. Er geht über mein eigenes SEIN hinaus.

In diesem Eingebundensein bin ich sicher, gewollt, geliebt und beschützt. Ich erfahre die Qualitäten von Stille, Reinheit, Heilung, Schönheit, Liebe. Ich darf einfach da sein.

Ein Angebot zum Ausprobieren

Vertrauen in größere Kräfte heißt hier: Es gibt Kräfte, die über mich hinausweisen und die mir wohlgesonnen sind. Kräfte der Liebe, des Schutzes, des Mitgefühls und der Heilung. Du kannst ausprobieren, dir vorzustellen, dass auch du beschützt bist.

Setze dich entspannt an einen bequemen Platz und schließe die Augen. Stelle dir eine Kraft vor, die dich genau so annimmt wie du bist. Vielleicht entsteht in dir ein Name für diese Kraft. Stelle dir vor, dass sie dich behütend und liebevoll beschützt. Und dann entspanne dich in diesen Schutz hinein.

Ruhe einfach aus, fühle den tiefen Frieden, der von dieser Liebe ausgeht und dich weich umfängt. Lass für kurze Zeit die Fragen. Es ist gerade nicht wichtig, dass du verstehst. Wenn es genug ist, öffne langsam wieder die Augen.

Wenn du noch kein Vertrauen fühlst, dann tu so „als ob“. Dieses „Tun als ob“ ist das Tor, durch dass die Zuversicht kommen kann. Und falls das alles nichts für dich ist, dann mach dir da nichts draus. Lass es einfach sein. Auch gut. Manchmal geschehen die Wunder gerade dann, wenn wir sie weder wollen noch erwarten.

Die Zweifel kommen mit Sicherheit

Ja, die Zweifel kommen mit Sicherheit, sie gehören zum Vertrauen dazu. Schicke sie nicht weg, denn sie kommen wieder, schneller als du denkst.

Das Yoga Rahasja, eine Form des Yoga, schreibt u.a. zum Umgang mit dem Zweifel:
Sprich folgenden Satz aus oder denke ihn: „Eine größere Kraft wird mich beschützen.“ Dann schau auf den Zweifel, schau ihn still an, sieh ihn dir gegenüberstehen und schau genau hin, und dann richte dich wieder aus auf deinen Satz: „Eine größere Kraft wird mich beschützen.“

Tue das immer wieder, wenn der Zweifel kommt. Wenn der Zweifel kommt, schau ihn an, aber dann geh weiter deinen Weg. Lass die größere Kraft und ihren Schutz immer mehr in dich hinein, damit sie in dir wirken kann. Ohne zu wissen wie.

Wunderbare Momente des Vertrauens

Vertrauen in das Leben ist ein Weg. Manchmal gelingt er ganz leicht, da gibt es keinen Zweifel mehr. Ein andermal braucht es schon eine besondere innere Ausrichtung, um das Vertrauen nicht zu verlieren. Aber immer wieder kann ich in den Aufstellungen sehen: Unsere Seele will lieben dürfen. Sie will vertrauen können und sich dem Leben öffnen. Das ist ihr eigentliches Wesen.

So wünsche ich dir immer wieder wunderbare Momente des Vertrauens. In das Leben, in andere Menschen, in größere Kräfte und in dich selbst.

Renate

 

 


Impressum:
Text und Foto: Dr. Renate Wirth

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renate.wirth@aufstellungstage.de

Praxis: Prinzregentenstraße 7 in 10717 Berlin
Veröffentlichen des Textes und von dessen Auszügen nur mit Erlaubnis der Autorin.
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