Kategorie: Vater

Die Vaterwunde heilen. Wie Frieden mit dem Vater trotz allem gelingt

Die Vaterwunde heilen. Wie Frieden mit dem Vater trotz allem gelingt

Die Vaterwunde heilen. Wie Frieden mit dem Vater trotz allem gelingt

In jedem Leben gibt es Herausforderungen, Schweres und Schmerz. Manches können wir verstehen und finden Wege und Lösungen. Anderes ist unerklärlich und entzieht sich unseren Handlungsmöglichkeiten. Dann wirken Dynamiken, die wir nicht erkennen können und die sich unserem Wollen entziehen.

Die Vaterwunde heilen. Wie Frieden mit dem Vater trotz allem gelingt

Die Vaterthemen, mit denen die Teilnehmer zum Aufstellungsseminar kommen, sind vielfältig. Oft sind es sehr schmerzhafte Erfahrungen. Teilnehmer erzählen von abwesenden Vätern: „Mein Vater war da und doch nicht da.“, von der Suche nach dem Vater: „Ich kenne meinen Vater nicht.“ oder gar: „Ich weiß nicht, wer mein Vater ist.“. Auch „Mein Vater war gewalttätig.“, „Mein Vater war alkoholkrank.“ oder „Mit meinem Vater will ich nichts zu tun haben.“ sind Anliegen, mit denen die Menschen zur Familienaufstellung kommen.

Die Wunde, die der Vater in der Kinderseele hinterlassen hat, ist oft tief. Gibt es eine Chance, sie nach vielen Jahren oder gar Jahrzehnten noch zu heilen? Aus eigener Erfahrung und den Erfahrungen vieler Aufstellungen kann ich dies aus tiefstem Herzen bejahen: Es ist möglich, in der Seele Frieden mit dem Vater zu schließen. Trotz allem, was war.

Mehrere Blogartikel zum Thema Vater

Das Vaterthema ist groß. Deshalb gibt es mehrere Blogartikel zu den verschiedenen Themen. Wie du vielleicht vermutest, habe ich auch ein ganz eigenes Interesse an diesem Thema, und auch hierzu gibt es einen Blogartikel.

Der Blogartikel „Was sagt dein Herz, wenn du auf deinen Vater schaust? Die Vater-Gefühle erlösen“ beschreibt die Ursachen für die Gefühle der Menschen zum Vater. Liebe, Sehnsucht, Wut, Angst, Herzschmerz, Abwertung, Hass – die Gefühle sind vielfältig, die mit dem Vater verbunden sind. Manchmal kommt der Klient nicht mit einem Vater-Thema, sondern mit einem ganz anderen Anliegen. Er möchte Erfolg haben, einen Beruf, der ihn erfüllt oder eine gute Paarbeziehung. Oder er wünscht sich, dass er plötzliche Wut oder immer wiederkehrende Angst loswerden kann. Sabine erzählt, wie sich ihre Wut gegen den Vater und gegen die Männer an sich wandeln konnte.

Im Blogartikel „Vertauschte Rollen. Endlich beim Vater ankommen“ geht es um die verschiedenen Formen, als Kind in vertauschte Rollen zu geraten. Wie diese vertauschten Rollen das eigene Leben belasten zeigen die Geschichten von Katja und Angelika. Und wie es ihnen möglich wurde, in Liebe auf den Vater zu schauen.

Der zermürbende Streit der Eltern“ beschreibt die Verletzungen und deren Auswirkungen, die aus dem zermürbenden Streit der Eltern entstehen. Und wie es für Carmen möglich wurde, beide Eltern als eigene Personen zu sehen, sodass sie in Frieden auf Mutter und Vater schauen kann.

Ein Sohn kann das Mann-Sein nur beim Vater lernen“ ist ein Blogartikel, der die Auswirkungen von Abwertungen, Verstrickungen und belastenden Gefühlen auf das Mann-Sein des Sohnes beschreibt. Denn die Beziehung zum Vater und das innere Männerbild bestimmen die Kraft des Sohnes im Beruf, seinen Erfolg, die Paarbeziehungen und sein inneres Gleichgewicht. Josef beschreibt, wie er immer mehr in seiner Kraft ankam, als sich der Groll auf den Vater aufgelöst hat.

Der Blogartikel „Mein Vater war im Krieg. Schmerz, Leid und die Kraft des Vaters“ beschreibt, wie der Krieg mit seinen langen Schatten bis heute in den Seelen wirkt. Doch wir haben nicht nur das Leid geerbt, sondern auch den Lebenswillen und die Kraft des Vaters. Die Geschichten von Susanne erzählt von Heilung und neuer Zuversicht.

Im Artikel: „Ich weiß nicht, wer mein Vater ist. Der lange Weg der Suche.“ geht es um schweigende Mütter und die Geschichte von Irmgard. Um Findelkinder, Kinder der Babyklappe, um Kuckuckskinder, die dem Vater untergeschoben werden und Kinder von Samenbankvätern, die ihre Herkunft nicht kennen. Und um Kinder aus Vergewaltigungen und Liebesbeziehungen der Besatzungszeit. Aufstellungen ersetzen keinen Vaterschaftstest, sind aber dennoch sehr heilsam, um sich selbst und die eigenen Situation besser zu verstehen und der eigentlichen Liebe Raum zu geben.

Auch Väter lieben ihre Kinder von ganzem Herzen“. Väter reagieren anders als Mütter. Sie sind in ihren Gefühlen oft verhaltener, doch auch sie lieben ihre Kinder von ganzem Herzen. Sie wünschen sich, dass ihre Kinder gedeihen, dass sie die Kinder umarmen dürfen, dass sie ihre Kinder unterstützen können und dass sie ihren guten Weg finden. Peter erzählt von seiner großen Freude, seinen Sohn wiederzusehen.

Der Blogartikel „Der schönste Papa der Welt. Eine Ode an den Vater“ beschreibt meinen eigenen Heilungsweg, den langen Weg der Heilung meiner Kinderseele. Mein Vater war 8 Jahre in Krieg und Gefangenschaft und kam alkoholkrank und traumatisiert zurück. Ich bin ein Jahr später geboren und konnte mich nur an schlimme Ereignisse erinnern. Wie war es dennoch möglich, dass jetzt mein Herz weit und liebevoll ist, wenn ich an ihn denke?

Die Wirkung der Aufstellungen

Nach jedem Seminar sage ich den Teilnehmern, dass ich mich immer sehr freue, wenn ich ein Feedback per Mail bekomme, was sich nach der Aufstellung verändert hat. Die Teilnehmer berichten von unterschiedlichen Erfahrungen.

Nicht immer geschieht die Heilung sofort und so deutlich. Mancher Heilungsweg braucht Zeit und vollzieht sich in verschiedenen Schritten. Doch wenn die Heilung der Verletzungen, die uns in unserer Kindheit geschehen sind möglich wird und wir in inneren Frieden kommen, dann wird die Welt in unserem Inneren heller und schöner, entspannter und liebevoller.

Das wünsche ich auch dir

Ich wünsche auch dir, dass die Vaterwunde heilen kann in deinem Herzen. Dass du in Einklang kommen kannst mit dem, was war. Dass du deinem Vater im Herzen begegnen kannst in seinem tiefen Wesen.

Wenn du dir nicht sicher bist, ob eine Familienaufstellung für dich der nächste gute Schritt sein kann, dann kannst du dir hier kostenlos das eBook „5 Schritte zu mehr innerer Freiheit“ herunterladen. Oder du kannst als Stellvertreterin oder als Stellvertreter die Aufstellungsarbeit im Seminar kennenlernen. Hier findest du die Termine und kannst dich hier auch anmelden.

Oder schau in dein Herz. Was fühlt dein Herz, wenn du an deinen Vater denkst? Und was wünschst sich dein Herz?

Alles Liebe für dich.
Herzlichst
Renate

 

 


Impressum:
Text: Dr. Renate Wirth
Foto: pixabay.com

www.aufstellungstage.de
www.renate-wirth.de
renate.wirth@aufstellungstage.de

Praxis: Prinzregentenstraße 7 in 10717 Berlin
Veröffentlichen des Textes und von dessen Auszügen nur mit Erlaubnis der Autorin.

Was sagt dein Herz, wenn du auf deinen Vater schaust? Die Vater-Gefühle erlösen

Was sagt dein Herz, wenn du auf deinen Vater schaust? Die Vater-Gefühle erlösen

Was sagt dein Herz, wenn du auf deinen Vater schaust? Die Vater-Gefühle erlösen

Liebe, Sehnsucht, Wut, Angst, Herzschmerz, Abwertung, Hass – die Gefühle sind vielfältig, die mit dem Vater verbunden sind. Manchmal kommt der Klient nicht mit einem Vater-Thema, sondern mit einem ganz anderen Anliegen. Er möchte Erfolg haben, einen Beruf, der ihn erfüllt oder eine gute Paarbeziehung. Oder er wünscht sich, dass er plötzliche Wut oder immer wiederkehrende Angst loswerden kann.

Wenn ich dann nach dem Vater frage, offenbaren sich meist sofort deutliche Gefühle der Abneigung, der Abwertung oder des Schmerzes. Dahinter kann ich die Ohnmacht spüren, die der Klient noch immer fühlt, wenn er an den Vater denkt. Seine Liebe zum Vater war bisher chancenlos.

Die Vaterthemen, mit denen die Teilnehmer zum Aufstellungsseminar kommen, sind vielfältig. Sehr oft sind es sehr schmerzhafte Erfahrungen. Teilnehmer erzählen von abwesenden Vätern: „Mein Vater war da und doch nicht da.“, von der Suche nach dem Vater: „Ich kenne meinen Vater nicht“ oder gar: „Ich weiß nicht, wer mein Vater ist“. Auch „Mein Vater war gewalttätig.“, „Mein Vater war alkoholkrank.“ oder „Mit meinem Vater will ich nichts zu tun haben.“ sind Anliegen, mit denen die Menschen zur Familienaufstellung kommen.

Die Wunde, die der Vater in der Kinderseele hinterlassen hat, ist oft tief. Gibt es eine Chance, sie nach vielen Jahren oder gar Jahrzehnten noch zu heilen? Aus eigener Erfahrung und den Erfahrungen vieler Aufstellungen kann ich dies aus tiefstem Herzen bejahen: Es ist möglich, in der Seele Frieden mit dem Vater zu schließen. Trotz allem, was war.

Der Wunsch nach einem starken und liebevollen Vater

Sowohl Mädchen als auch Jungen wünschen sich einen starken und liebevollen Vater. Auch du hast dir sicher immer einen Vater gewünscht, der dir zuhört, dich liebt und dich beschützt. Einen der dich ermutigt, der dich umarmt, der mit dir spielt. Einen Vater, den du achten kannst, zu dem du aufschauen kannst, der dir Vorbild ist. Einen Vater, vor dem du keine Angst haben musst. Der da ist, wenn du ihn brauchst. Der nicht streitet und freundlich ist. Einen guten, einen wunderbaren Vater eben.

Nachfolgend möchte ich aufzeigen, welche Themen dazu geführt haben, dass es in der Kindheit leider nicht so war. Dass eine Wunde im Herzen entstanden ist im Kontakt mit dem Vater. Was dem zugrunde liegt und wie es möglich wird, in einer Aufstellung heilsame Schritte zu gehen.

Vertauschte Rollen. Nicht wirklich Kind sein können

Kinder möchten Kinder sein. Doch oft waren die Eltern traumatischen Lebenssituationen ausgesetzt.
Auch wenn der Vater anwesend war, so war er doch oft nicht wirklich „anwesend“. Die Kinderseele spürt das Leid des Vaters und will helfen. Nicht er war der Gebende, sondern das Kind. So werden die Rollen unbewusst vertauscht. Das Kind kümmert sich um den Vater und will ihn entlasten.

Auch Verstrickungen mit vorigen Partnern der Eltern führen zu vertauschten Rollen. Der Sohn ersetzt der Mutter eine vorige verlorene Liebe, die Tochter dem Vater. Es fühlt sich oft gut an, schließt aber immer einen der Eltern aus. Das ist tragisch.

Wenn der Vater als Partner im Herzen nicht wirklich für die Mutter zur Verfügung steht, kann der Sohn diesen Platz unbewusst einnehmen. Er stellt sich dann im Inneren über den Vater, wertet ihn ab und lehnt ihn ab. Auch das ist tragisch.

Es gibt sehr verschiedenen Formen von vertauschten Rollen in der Eltern-Kind-Beziehung. Doch alle vertauschten Rollen belasten das eigene Leben. Was ist hier die Lösung?

Wenn die verborgene Dynamik in der Aufstellung sichtbar wird und die „gute Ordnung“ in der Familie möglich wird, kann jeder seinen eigentlichen Platz einnehmen. Erst jetzt hat die Seele eine Chance, als Sohn oder Tochter auf den Vater zu schauen und dem Vater zu begegnen.

Wenn du verbunden und verstrickt bist in die Schicksale der Familienmitglieder

Wenn es schweres Schicksal gab in der Familie kommt es nicht selten vor, dass wir mit dem Großvater oder der Großmutter oder einem anderen Familienmitglied verbunden sind. Dann fühlen wir wie diese und sind in ihr Leben „verstrickt“. So kann es sein, dass wir die Abneigung und Abwertung und den Männerhass der Großmutter fühlen und mit tragen. Oder die Kriegstraumata des Großvaters. Oder das Leid des Onkels, der durch Suizid gegangen ist.

Diese Verbindungen und Verstrickungen sind so stark, dass wir in unserem Inneren ganz darauf ausgerichtet sind. Dann wird es schwer oder unmöglich, in der Seele auf den Vater zu schauen, so wie er ist. Und den Vater in seinem Wesen zu erkennen.

In der Aufstellung kommen diese verborgenen Verstrickungen und Seelenbewegungen ans Licht. Sich in Liebe zu lösen und dem Vergangenen zuzustimmen, so wie es war schenkt die Chance, ganz neu und oft zum ersten Mal im Inneren auf den Vater zu schauen. Wenn sich der Blick begegnet, kann etwas Neues beginnen. Es öffnet sich ein Tor der Heilung.

Der zermürbende Streit der Eltern

Kinder brauchen Sicherheit. Wenn die Eltern sich anhaltend streiten, fühlt sich das Kind existentiell bedroht. Es stellt sich dann auf die Seite des Schwächeren, um die Familie so zu stabilisieren und zahlt einen hohen Preis dafür. Oft ist die Mutter die Schwächere. So wird der männliche Anteil im Kind abgelehnt. Auf keinen Fall will die Tochter oder der Sohn so werden wie der streitende und vielleicht sogar gewalttätige Vater. Das hat einen sehr hohen Preis.

Eine Aufstellung ermöglicht, beide Eltern als eigene Personen zu sehen, sodass wir in Frieden auf Mutter und Vater schauen können und die körperliche Erfahrung machen können, dass wir auch mit dem Vater in Frieden kommen können.

Ich war nie gut genug für meinen Vater. Leistungsväter und der innere Druck

„Ich war nie gut genug für meinen Vater.“ Oder „ Er hat nur etwas gesagt, wenn ich einen Fehler gemacht habe.“ So oder ähnlich zeigt sich der Schmerz, in seiner Leistung vom Vater nicht anerkannt zu werden. Besonders Söhne, aber auch Töchter, leiden darunter.

Wenn wir die Situation aufstellen, so wird der Vater selbst oft von seinem Vater nicht gesehen. Sein Vater ist von einer größeren Seelenbewegung erfasst, ist oft selbst traumatisiert, schaut auf die Erde und kann seinen Sohn nicht sehen.

Wenn es in der Aufstellung gelingt, dass der Vater das Kind wirklich sehen kann, ihm in die Augen schauen kann, dann geschieht es nicht selten, dass sich Vater und Sohn oder Vater und Tochter ganz neu begegnen können. Nicht nur in der Aufstellung, sondern auch im realen Leben danach.

Als Schattenkind mit einem alkoholkranken Vater

Auch sogenannte „Schattenkinder“ wurden nicht gesehen. Es sind Kinder, die im Schatten von Familienmitgliedern aufwachsen. Diese Familienmitglieder können behinderte oder besonders intensive, lebhafte oder hochintelligente Geschwister sein, die die volle Aufmerksamkeit der Eltern brauchen. Oder aber ein Elternteil ist chronisch krank, behindert oder suchtabhängig.

Wenn der Vater alkoholabhängig ist, können die Kinder nicht in der Sonne ihrer Kindheit aufwachsen, sie leben im Schatten des problematischen Vaters. Dazu kommen Angst, Wut und Ablehnung. Das tut weh.

In der Aufstellung können wir schauen: Wo ist der gute Platz? Wo ist das Kind sicher? Wie kann das Kind in seiner Rolle als Kind gesehen werden? Wie kann seine Leistung gewürdigt werden, die es für die anderen aus Liebe vollbringt? Damit das „Schattendasein“ ein Ende hat.

Mein Vater war da und doch nicht da. Wie Trauma wirkt

Die Schatten des Krieges sind lang. Wenn der Vater als Kind den Krieg erlebt hat, Flucht oder Vertreibung miterlebt hat, Hunger, Angst und Zerstörung, dann hat er viel Schreckliches gesehen und erfahren. Wenn sein Vater im Krieg gefallen ist, wenn er die Mutter verloren hat oder er zusehen musste, wie sie vergewaltigt wurde, dann hinterlässt es in der Kinderseele ein Trauma.

Wenn ein Vater selbst im Krieg war, als Soldat oder als Offizier, hat er unfassbar Schreckliches erlebt. Meist können die Väter nicht darüber sprechen, es war zu furchtbar, es gibt keine Worte dafür. Die Väter, die den Krieg überlebt haben, waren vom Trauma geprägt.

Trauma hat sehr verschiedene Folgesymptome. Eines davon ist eine innere Abwesenheit. Dann hören wir Sätze wie: Mein Vater hat sich nicht um mich gekümmert.“ Oder „Mein Vater hat mich nicht gesehen.“ Oder gar: „Ich hatte einen schwachen Vater.“ All das sind Wunden in der Kinderseele. Doch sie können heilen.

Ich hatte einen schwachen Vater

Wenn es ein Sohn sagt, dann sagt er das zumeist in einer sehr abwertenden Haltung. Denn so hat er es empfunden. Es fehlte die Stärke des Vaters als Vorbild.

Die Wahrnehmung des Sohnes ist natürlich wahr. Der Vater war nicht in seiner Kraft. Er war krank, traumatisiert, der Mutter unterlegen, innerlich abwesend. Das war so. Das ist die Wahrheit. Doch was bewirkt die Abwertung? Sie versucht, den Schmerz abzuwehren. Den berechtigten Schmerz.

Wenn eine Tochter von einem „schwachen“ Vater spricht, dann höre ich meist eher ein Bedauern und ein mangelnder Schutz, der aus ihren Worten spricht. Dann kann es sein, dass sie „den starken Papa“ als nicht gelebtes inneres Bild später oft noch lange sucht, auch in einer Paarbeziehung. Das führt natürlich zu einer Tragik, denn kein Partner kann die fehlende Kraft des Vaters und ihn selbst ersetzen.

Wenn es dir so geht, kann eine Aufstellung hilfreich sein. Hier findest du die Termine und kannst dich hier auch anmelden. Eine Aufstellung hilft, die verborgenen Dynamiken zu erkennen und den Vater in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Wenn wir die Abwehr lassen können wird es möglich, dem Vater zuzustimmen, so wie er war und der eigenen männlichen Kraft in uns selbst endlich Raum zu geben.

Scheidungskinder. Der Schmerz der Trennung

Scheidungskinder tragen immer mit. Sie fühlen den Schmerz der Eltern, aber auch ihren eigenen Schmerz. Es ist, als hätte sich im eigenen Inneren etwas schmerzhaft getrennt, was zusammen gehört.

Scheidungskinder brauchen vor allem das Gefühl, für die Scheidung der Eltern nicht verantwortlich zu sein. Sie brauchen die Erlaubnis der Eltern, beide Eltern lieben zu dürfen. Sie brauchen das Gefühl, dass sie nicht Partei ergreifen müssen und dass die Eltern ihre Probleme selbst lösen können.

Wenn die Aufstellung zeigt, dass du als Kind trotz der Trennung der Eltern einen guten Platz hast, dann geschieht Heilung. Und wenn es gelingt, dass die Eltern in Achtung aufeinander schauen und im Kind den jeweiligen anderen Partner achten.

Sätze der Mutter zum Kind: „Du darfst auch deinen Vater lieben. Was zwischen Papa und mir ist, das lösen wir allein, du brauchst es nicht für uns tun, das schaffen wir schon selbst“ sind oft sehr heilsam.
Haben sich deine Eltern scheiden lassen, dann kann es sehr unterschiedliche Dynamiken in der Aufstellung geben, je nachdem, was zwischen den Eltern noch offen ist und was jeder noch braucht. Manchmal fehlt ein Dank, manchmal eine gegenseitige Achtung, manchmal braucht der Schmerz der Trennung noch Platz.

Es gibt nichts Allgemeingültiges. Immer wirkt es sehr entlastend, wenn das Kind sehen kann, dass es zwischen den Eltern versöhnliche Schritte gibt. Heilsame Schritte in der Aufstellung sind, wenn sich sowohl das Kind entspannt und die Eltern auch.

„Mit meinem Vater hatte ich schon immer ein sehr seltsames Gefühl. Ich hatte die Phantasie, er wäre nicht mein Vater. Bin ich vielleicht vertauscht? Vielleicht sind das gar nicht meine Eltern? Vielleicht bin ich adoptiert?“

Kinder spüren, wenn etwas in der Familie nicht stimmt. Wenn sie aber nicht wissen, was das ist, dann übermannen sie immer wieder die verschiedensten Gefühle, die sie nicht zuordnen können. Sie fragen sich: „Es ist doch alles in Ordnung! Wie kommt es dann, dass ich mich unsicher, den Eltern gegenüber abwehrend und aggressiv verhalte, manchmal so traurig bin und mich so deplatziert fühle?“

Diese Gefühle sind sehr quälend. Denn wir verstehen die eigenen Gefühle nicht. Wenn es dir so geht, kann eine Aufstellung hilfreich sein. Hier findest du die Termine und kannst dich hier auch anmelden.

Ich weiß nicht, wer mein Vater ist. Der lange Weg der Suche.

Wir alle haben das tiefe Bedürfnis zu wissen, wer unsere Eltern sind. Es ist uns zutiefst eingeerbt. Denn Vater und Mutter prägen unsere Identität. Wenn wir den Vater nicht kennen, sind wir immer auf der Suche nach uns selbst.

Zu diesem Thema gibt es einen eigenen Blogartikel. Im Artikel: „Ich weiß nicht, wer mein Vater ist. Der lange Weg der Suche“ geht es um schweigende Mütter, um Kuckuckskinder, die dem Vater untergeschoben werden und Kinder von Samenbankvätern, die ihre Herkunft nicht kennen. Und um Kinder aus Vergewaltigungen, besonders nach dem Krieg.

Aufstellungen ersetzen keinen Vaterschaftstest Sie sind dennoch sehr heilsam, um sich selbst und die eigene Situation besser zu verstehen und der eigentlichen Liebe Raum zu geben.

Ich kenne meinen Vater nicht. Die Suche nach dem Vaterbild

Wir brauchen ein inneres Vaterbild. Wenn wir zwar wissen, wer der Vater ist, einen Namen haben und eine Geschichte, ihn aber selbst nie erlebt haben mit eigenen Erfahrungen, so bleiben wir doch auf der Suche nach einem inneren Vaterbild.

Kinder aus einer Nacht und Kinder, deren Eltern sich in der Schwangerschaft, kurz nach der Geburt oder in den ersten zwei Lebensjahren trennen, haben kein inneres Bild von ihrem Vater. Auch wenn der Vater im Krieg gefallen ist oder zeitig verstorben ist, fehlen die eigenen Erfahrungen mit dem Vater. Es gab keine Chance, den Vater kennen zu lernen. Dann bleibt Sehnsucht und immer die Frage: Wie war mein Vater?

In einer Aufstellung kann das Kind dem Vater begegnen. Es ist zwar „nur ein Stellvertreter“, doch es gibt einen ersten Kontakt. Zusammenhänge werden sichtbar. Vielleicht gibt es einen Augenkontakt, vielleicht sogar eine Hinbewegung. Oder das Kind kann den liebevollen Blick sehen, mit dem der Vater in Liebe auf das Kind schaut. Dieses Bild bleibt heilend in der Seele des nun erwachsenen Kindes. Nach der anhaltenden Suche beginnt nun ein Heilungsweg, der immer mehr inneren Frieden bringt.

Mehrere Väter in Patchworkfamilien

Das gute Miteinander in einer Familie unterliegt einer Ordnung. Diese Ordnung hat mit Achtung zu tun. Sie besagt, dass Vorrang hat, wer zuerst da war und dass alle dazugehören. In sogenannten Patchworkfamilien, in denen es Kinder vorheriger Partner gibt, kommt oft die gute Ordnung von Natur aus durcheinander. Die Aufstellung zeigt, wo jeder seinen guten Platz hat und wie Achtung und Zugehörigkeit für alle möglich werden können.

Wenn ein Abschied fehlt. Endlich beim Vater ankommen

Vielleicht lebt der Vater nicht mehr. Oder vielleicht hast du schon lange keinen Kontakt mit ihm. Vielleicht konntest du nicht Abschied nehmen oder du hast noch immer Angstgefühle, wenn Situationen deiner Kindheit auftauchen und dich an deinen Vater erinnern. Es kann sein, dass du Sehnsucht hast nach einem Vater, den du nicht kennenlernen konntest. Oder dass du sogar nicht einmal weißt, wer dein Vater ist.

Aufstellungen ermöglichen, die Situation in größerem Zusammenhang zu sehen. Sie ermöglichen, dass es einen Blickkontakt gibt, vielleicht sogar eine Hinbewegung oder gar die Erfahrung, noch erleben zu können, was dir damals gefehlt hat. Und Abschied zu nehmen auf deine ganz eigene Weise.

Die Wut meinem Vater und Männern gegenüber

Sabine kommt mit dem Anliegen, dass sie nicht nur Wut auf ihren Vater hat, sondern dass sie diese Wut auch gegen die Männer an sich empfindet. Da ihr ja nicht alle Männer dieser Welt Leid zugefügt haben, kann diese Wut den Männern gegenüber ein übernommenes Gefühl sein. Vielleicht gehört es zu den Erfahrungen der Großmutter oder der Mutter? Ich denke diesen Gedanken und bin in der Aufstellung dann sofort wieder offen für das, was sich zeigt und lege meine Vorannahmen erst einmal zur Seite.

Hinter der Wut verbirgt sich oft Liebe, die nicht ans Ziel kommen kann. Deshalb stellen wir den Vater, seine Eltern, die Wut und Sabine auf. Sabine schreibt:

„In der Aufstellung zeigte sich, dass mein Vater voller Wut war und keine Liebe zulassen konnte. Ich weiß nicht mehr, wie es später doch gelang. Doch als es ihm gelang, die Liebe zu umarmen, wichen meine Angst und meine Wut ihm gegenüber. Mehr weiß ich zu dieser Aufstellung nicht mehr. Doch das Erstaunliche war:

Ungefähr eine Woche danach war ich bei meinen Eltern zu Besuch und was ich nie für möglich gehalten hatte, ich konnte meinen Vater umarmen, ich konnte mich neben ihn setzten – es konnte gar nicht nahe genug sein. Bis zu diesem Zeitpunkt versuchte ich immer, meinem Vater aus dem Weg zu gehen – möglichst ohne ihn zu verletzen. Im Nachgang hat sich zwischen uns ein sehr offenes und von Liebe getragenes Verhältnis entwickelt.

Ich bin sehr dankbar, dass ich über die Aufstellungsarbeit mehr zu mir selbst und zu meiner Familie finden konnte. Einige „Dinge“ muss ich sicherlich noch angehen aber meine Lebensqualität hat sich enorm verbessert.“ Ich danke dir Sabine. Danke für dein Kommen und dass du deine Erfahrungen mit uns teilst.

Die Seelenwunde des Vaters

Eine abwehrende, abweisende und abwertende Haltung dem Vater gegenüber hat, wie wir bisher gesehen haben, ihre Ursachen. Doch auch wenn wir die Ursachen kennen, so bleiben die Gefühle dem Vater gegenüber oft unverändert. „Er hatte es ja auch nicht leicht.“ Diese Aussage ändert noch nichts am Schmerz des Kindes. Es überdeckt ihn nur und versucht, etwas schön zu reden, was nicht schön war. Denn wenn wir „verstehen“ was war, verändern sich noch nicht unsere Gefühle und unsere Körperempfindungen.

Es ist ja zweifelsohne so, dass du berechtigte Wunden fühlst, wenn du an deinen Vater denkst. Doch was bewirken Schuldzuweisungen und Schuldvorwürfe? Abgesehen, dass sie unserer Seele nicht gut tun, belasten sie auch den Vater. Denn zu allem, was er erlebt hat, ist er nun auch noch zum „Täter“ geworden. Zum Täter seinem eigenen Kind gegenüber. Zu all seinen eigenen Wunden kommt dies nun noch hinzu.

Vorwürfe und Schuldzuweisungen und deine Macht als Kind

Du kannst dem Vater die Verantwortung für sein Tun nicht abnehmen. Die muss und kann er nur selbst tragen. Die Verantwortung und die Schuld bleiben bei ihm. Doch die Auswirkungen dieser Schuld bestimmst du als Kind. Wie du auf das Erlebte schaust. Ob du ihm zustimmst oder ob du den Vater als Person ablehnst, das bestimmst nur du. Da hat der Vater keinen Einfluss darauf. Das liegt nur allein in deiner Macht.

Und so haben wir alle als Kinder eine gewisse Macht über den Vater. Denn nur du kannst an deinem Verhältnis zum Vater etwas ändern, nicht er. Denn selbst wenn er jetzt nett sein sollte, was dich in deiner Kindheit geschmerzt hat, kann er jetzt nicht mehr ändern.

Den Vater erlösen

Wir haben die Macht, unseren Vater von unseren Erwartungen zu erlösen, von unseren Schuldzuweisungen, von unserem Groll und unserer Abwertung. Doch wie geht das?

Wenn du versuchst, dem Schmerz vorsichtig Raum zu geben, den du damals hattest. Du kannst nicht die Vergangenheit ändern. Doch du kannst sie annehmen wie sie war, die Familiengeschichte annehmen, so wie sie war. Das Schicksal annehmen, so wie es war.

Wenn es uns gelingt, das Schwierige, das zu unserer Familie gehört anzunehmen, vielleicht auch nur einen Teil davon, und es zum Guten zu wenden, dann können wir auf Vorwürfe und Schuldzuweisungen verzichten. Dann geht es uns besser, unabhängig davon, ob die Eltern noch leben oder vielleicht schon seit vielen Jahren verstorben sind. Dann geht es auch unseren Kindern besser und letztendlich auch unseren Eltern.

Der Kindheitsschmerz ist auf der Körperebene gespeichert

Auf Schuldzuweisungen zu verzichten gelingt oft nicht ohne Unterstützung, da der Kindheitsschmerz auf unserer Körperebene gespeichert ist. Wir spüren diese Erfahrungen im Körper. Im oberen Brustkorb wird es eng, der Schmerz sitzt in der Kehle, im Herzen zieht sich etwas zusammen, der Blick ist nicht offen, der Rücken ist angespannt, das Herz ist traurig. Zur Sicherheit hat sich unser Körper verschlossen. Sich geschützt. Im Inneren gibt es die Entscheidung: „Wenn ich ohne dich lebe bin ich sicherer.“

In einer Aufstellung können wir uns mit Unterstützung wagen, dieses Verschlossene vorsichtig zu öffnen. Den Vater zu sehen, wie er in seinem Wesen ist. Ihn nicht mehr als Gefahr, sondern als unseren Vater zu sehen.

Diese Erfahrung geschieht auf der Körperebene. Es ist oft nur ein kurzer Moment, der es möglich macht, den Vater ins Herz zu nehmen. Als Vater. Genau so, wie er ist und war. Dann entsteht eine neue Weite im Herzen, ein Fließen, ein neues Durchatmen-können, eine Wärme, die sich ausbreitet im Körper, eine nie gefühlte Leichtigkeit, ein klarerer Blick, eine Entspannung. Das spüren wir im Körper.

Die Wirkung der Aufstellungen

Nach jedem Seminar sage ich den Teilnehmern, dass ich mich immer sehr freue, wenn ich ein Feedback per Mail bekomme, was sich nach der Aufstellung verändert hat. Die Teilnehmer berichten von unterschiedlichen Erfahrungen.

Nicht immer geschieht die Heilung sofort und so deutlich. Mancher Heilungsweg braucht Zeit und vollzieht sich in verschiedenen Schritten. Doch wenn die Heilung der Verletzungen, die uns in unserer Kindheit geschehen sind möglich wird und wir in inneren Frieden kommen, dann wird die Welt in unserem Inneren heller und schöner, entspannter und liebevoller.

Das wünsche ich auch dir

Ich wünsche auch dir, dass die Vaterwunde heilen kann in deinem Herzen. Dass du in Einklang kommen kannst mit dem, was war. Dass du deinem Vater im Herzen begegnen kannst in seinem tiefen Wesen.

Wenn du dir nicht sicher bist, ob eine Familienaufstellung für dich der nächste gute Schritt sein kann, dann kannst du dir hier kostenlos das eBook „5 Schritte zu mehr innerer Freiheit“ herunterladen. Oder du kannst als Stellvertreterin oder als Stellvertreter die Aufstellungsarbeit im Seminar kennenlernen. Hier findest du die Termine und kannst dich hier auch anmelden.

Oder schau in dein Herz. Was fühlt dein Herz, wenn du an deinen Vater denkst? Und was wünschst sich dein Herz?

Alles Liebe für dich.
Herzlichst
Renate

 

 


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Text: Dr. Renate Wirth
Foto: pixabay.com

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Veröffentlichen des Textes und von dessen Auszügen nur mit Erlaubnis der Autorin.

Vertauschte Rollen. Endlich beim Vater ankommen

Vertauschte Rollen. Endlich beim Vater ankommen

Vertauschte Rollen. Endlich beim Vater ankommen

Vertauschte Rollen zwischen Eltern und Kindern sind nicht die Regel, aber bei weitem auch nicht die Ausnahme. Kinder fühlen sich im Inneren zuständig, dass es den Eltern gut geht. Sie ersetzen vorige Partner des Vaters oder der Mutter, nehmen die Rolle von Vater oder Mutter ein oder versuchen sogar, dem Vater oder der Mutter deren Eltern zu ersetzen. Das alles geschieht aus unbewusster Liebe.

Vertauschte Rollen: Als Tochter die Mutter vertreten

Nicht selten steht die Mutter in ihrer Seele nicht wirklich an der Seite des Vaters, da sie selbst auf traumatische Ereignisse schaut oder darin eingebunden ist. Wenn sie auf ihren verlorenen Vater, die schmerzhaft abwesende Mutter oder ein fehlendes Geschwisterkind schaut, dann steht sie in ihrer Seele für den Vater als Frau nicht wirklich zur Verfügung. Dann geschieht es, dass die Tochter den Platz der Mutter einnimmt, da sie die schmerzhafte Lücke für den Vater fühlt und diese ausgleichen will.

Als Kind geht das oft gut. Sie ist Balsam oder Trost für den Vater oder gar seine kleine Prinzessin. Doch später führt dies zu verwirrenden Gefühlen, zu Groll, Wut und Abwertung, Verachtung und Ablehnung. Und oft auch zur Ablehnung der Mutter. Die Tochter stellt sich unbewusst über die Mutter, sie empfindet sich „als die bessere Frau für den Vater.“

Wenn sich die verborgene Dynamik zeigt und Lösungsschritte für alle, auch für die Mutter, möglich werden, kann die Tochter ihren eigentlichen Platz einnehmen. Der Satz zur Mutter: „Du bist die bessere Frau für Papa.“ ist oft schmerzhaft, aber heilsam.

Vertauschte Rollen: Als Tochter eine vorige Liebe des Vaters vertreten

Es geschieht nicht selten, dass ein Mädchen unbewusst eine erste Liebe oder eine verlorene Liebe des Vaters vertritt. Auch das ist eine vertauschte Rolle. Die Tochter „ersetzt“ ihm diese Frau, ohne dass sich beide auch nur im geringsten dessen bewusst sind. Dann steht die Tochter nicht am richtigen Platz. In der Aufstellung zeigt sich das meist ganz deutlich. Die Folge sind auch hier verwirrende Gefühle.

Eine unerfüllte Liebe überdauert oft Jahrzehnte und geht auch über den Tod hinaus. Schicksalhafte Trennungen geben zwar den Weg frei für eine neue Bindung, aus der wir hervorgegangen sind. Doch unser Leben existiert durch einen Verzicht. Einen ungewollten, schicksalhaften Verzicht.

Was ist die Lösung? Wird die Frau dazugestellt, mit der der Vater noch im Herzen verbunden ist, so ändert sich sofort das Aufstellungsbild. Erst jetzt, wenn sich beide aufeinander zubewegen können, hat die eigentliche Seelenbewegung eine Chance, an ein gutes Ende zu kommen.

Den Verzicht der vorigen Liebe des Vaters durch die Mutter anzuerkennen bringt oft für alle Erleichterung. Es ist eine einfache Wahrheit. Wenn die Mutter zu einer vorigen Liebe des Vaters sagen kann: „Du warst vor mir da. Ich achte deinen Verzicht, auch wenn er nicht freiwillig war.“

Wenn die Wahrheit ans Licht kommt, hört sie auf zu wirken. Dann wird die „gute Ordnung“ in der Familie möglich. Erst dann kann die Tochter ihren ihr gemäßen Platz einnehmen. Und hat nun eine Chance, endlich als Tochter dem Vater zu begegnen.

Ich war immer „die zweite Frau“. Die große Liebe meines Vaters

Hier möchte ich die Geschichte von Angelika erzählen. Angelika schreibt:

„Schon lange wollte ich dir zu meiner ersten Aufstellung bei dir ein Feedback senden. Damals, vor ca. 4 Jahren, bin ich mit der Frage gekommen. Wieso bin ich in jeder Beziehung immer die „zweite“ Frau. Entweder wurde ich betrogen, oder in meiner langen Ehe weit hinter die Arbeit gestellt und nie wirklich wahrgenommen.

Du hast damals meine Eltern und mich aufgestellt. Meine Eltern sind zu Boden gerutscht, haben
Rücken an Rücken gelehnt auf dem Boden gesessen und jeder hat in eine andere Richtung geblickt.
Ich sehe mich noch heute vor Ihnen fast kriechen, nur damit sie mich ansehen, von mir Notiz nehmen. Es war vergeblich. Meine Mutter hat mich die ganze Aufstellung über nicht ein einziges Mal angesehen.

Meinem Vater hast du dann eine andere „zweite“ Frau an die Seite gegeben. Sie saßen gemeinsam Seite an Seite und haben mich beide angesehen. Ich weiß nicht mehr sicher, wie das Endbild war – aber es hat sich gut angefühlt.

Letztes Jahr an Ostern haben wir meinen Vater mit an den Königsee genommen, wo meine Mutter
auf einer REHA-Maßnahme in einer Klinik war. Als wir an einer kleinen Kirche vorbeigekommen sind, hat mein Vater auf einmal angefangen, von dieser Frau zu erzählen – es gab sie tatsächlich. Sehr lange und intensiv hat er von ihr und ihrer gemeinsamen Zeit, bevor er meine Mutter kennengelernt hat, berichtet. Barbara, so hieß sie, hat sich von ihm getrennt und es hat ihn all die Jahre nicht losgelassen.

Nachdem er von ihr erzählt hatte, hat sich wie ein Wunder das Verhältnis zwischen ihm und meiner
Mutter verändert. Meine Eltern haben Zeit ihres Lebens heftig gestritten und mein Vater hat meine
Mutter oft verbal schlecht behandelt. Auf einmal sieht er sie und ist glücklich, dass er sie hat. Er ist ganz mild und freundlich zu ihr geworden. Ob sie es schätzen kann, weiß ich nicht. Doch es tut mir gut es zu sehen.

Auch bei mir hat sich die Position verändert. Ich habe seit einigen Jahren eine Beziehung mit einem
verheirateten Mann – ich bin die klassische „zweite Frau“. Entgegen aller Vernunft können wir einfach
nicht ohne den Anderen, wobei immer klar war, dass er sich nicht trennt.

Etwa zeitgleich mit der Veränderung meines Vaters hat sich auch bei uns die gegenseitige Wahrnehmung verändert. Auch wenn wir nicht zusammen leben, bin ich inzwischen die Frau mit der er morgens „aufsteht“ und abends „ins Bett geht“, mit der er seine Sorgen wie die freudigen Momente teilt.

Es fühlt sich nicht mehr an wie die „zweite“ Frau. Danke Renate. Alles Liebe. Angelika“

Immer wieder können wir mit Erstaunen feststellen, dass die Wirkung der Aufstellungen weit über uns hinausreicht. Sie erfasst auch Familienmitglieder, die in der Aufstellung nicht selbst mit dabei waren. Auch für sie werden heilsame Schritte möglich.

Vertauschte Rollen: Als Sohn den Vater vertreten

Auch für Söhne kann die Ursache der Ablehnung und der Schwierigkeiten zwischen Vater und Sohn in unbewusst vertauschten Rollen liegen. Wenn der Vater als Partner im Herzen für die Mutter nicht wirklich zur Verfügung steht, wenn er zeitig verstorben ist oder sich von der Mutter getrennt hat, kann der Sohn den Platz des Vaters unbewusst einnehmen.

Es kommt nicht selten vor, dass eine verschobene Beziehung zwischen der Mutter und dem Sohn sich für beide richtig anfühlt. Wenn er als Sohn den Vater bei der Mutter vertritt versucht er, sich so zu verhalten, dass es der Mutter gut geht. Doch der Sohn zahlt einen hohen Preis.

Diese Söhne halten sich für etwas Besonderes. Sie sind daran gewöhnt, die Bewunderung von der Mutter zu bekommen. Doch mit dem inneren Gefühl: „Ich schaffe das nicht. Das ist mir zu groß.“ kommt der Sohn nicht in seine Kraft. Denn was der Mutter fehlt ist nicht der Sohn, sondern der Mann. Der Sohn kann ihr nicht geben, was ihr fehlt. Trotz aller Bemühungen schafft er es nicht. Das ist tragisch. Denn ein Mann kann das Mann-Sein nur beim Vater lernen.

Besonders tragisch ist es, wenn der Vater nicht nur fehlt, sondern auch von der Mutter verachtet wird. Der Sohn stellt sich dann im Inneren über den Vater, wertet ihn ab und lehnt ihn ab. Es ist deshalb besonders tragisch, da er damit schuldlos den männlichen Anteil in sich selbst abwertet. Dann hat der Sohn keine Kraft, zu sich selbst zu stehen, denn ihm fehlt die männliche Kraft.

Vertauschte Rollen: Als Sohn eine vorige Liebe der Mutter vertreten

Immer wieder sehe ich als Dynamik der Schwierigkeiten zwischen Vater und Sohn, wenn der Sohn unbewusst eine vorige Liebe der Mutter vertritt oder mit diesem Mann verbunden ist. Auch das ist tragisch. Denn damit ist der Zugang zum Vater versperrt.

Wenn die Mutter einen ersten Mann im Krieg verloren hat, dann war es nur durch diesen Tod möglich, dass der Vater nun die Mutter zur Frau nehmen konnte und somit der Klient die Chance hatte, als Sohn dieser Eltern geboren zu werden. Nur durch den Tod des ersten Mannes ist der Sohn am Leben. Das hält seine Seele nur dann aus, wenn er in Achtung auf diesen Verlust schaut. Es scheint jedoch für die Kinderseele die größere Kraft zu sein, der Mutter diesen Mann „zu ersetzen“.

Auch hier ist die Lösung: Wenn die Dynamik sichtbar wird und die „gute Ordnung“ in der Familie möglich wird, kann der Sohn seinen eigentlichen Platz einnehmen. Und hat nun endlich eine Chance, als Sohn auf seinen Vater zu schauen und dem Vater zu begegnen.

Vertauschte Rollen: Sich um den Vater kümmern

Kinder möchten Kinder sein. Doch oft waren die Väter traumatischen Lebenssituationen ausgesetzt. Die Schatten des Krieges sind lang. Selbst wenn der Vater da war, so kam es nicht selten vor, dass er doch nicht wirklich „anwesend“ war. Die Kinderseele spürt das Leid des Vaters und will helfen. Nicht er war der Gebende, sondern das Kind. So werden die Rollen unbewusst getauscht. Das Kind kümmert sich um den Vater, will ihn aufheitern und entlasten.

Das geht lange gut. Doch als Jugendliche und Erwachsene kommen Groll, Wut und Abwertung. Zum Groll kommen oft Verachtung und Ablehnung. Alles dies sind verständliche Reaktionen und Gefühle. Doch sie sind schmerzhaft und tun unserer Seele nicht gut. Unsere Seele will lieben dürfen. Auch unseren Vater.

Als Kind war ich zuständig, dass es meinem Vater gut geht

Hier möchte ich die Geschichte von Katja erzählen, deren Vater krank war und deren Aufgabe es war, den Vater aufzuheitern. Und wie es Katja gelang, die Liebe zu ihrem Vater auch noch nach 20 Jahren endlich leben zu dürfen.

Katja schreibt: „Nun zur Aufstellung im Sommer letzten Jahres. Wir hatten meinen Vater aufgestellt. Er war ein kranker und leidender Mann und ist schon vor mehr als 20 Jahren an Krebs verstorben. Unser Verhältnis war nie leicht. Ich war sein Lieblingskind und hatte die „Aufgabe“, dass es ihm gut geht. Zuckerbrot und Peitsche (wörtlich, nicht körperlich), ich hatte als Erwachsene rückblickend auf ihn oft Groll, Verachtung und Unverständnis.

In der Aufstellung ist mein Vater dann tatsächlich auch gleich zu Boden gegangen. Das heißt, ich habe noch versucht, ihn zu halten, so wie ich es auch als Kind getan habe, mental. Als er am Boden lag, war ich ratlos und fand nicht zu ihm, so wie auch im realen Leben, vor seinem Tod, da war ich 19 Jahre. Ich habe mich merkwürdig deplatziert gefühlt und fremd.

Er streckte die Hand nach mir aus und erst als ich mich neben ihn legte und in seinen Armen lag, konnte ich weinen, um ihn, um uns, um mich. Ich habe mich gehalten und geborgen, getröstet und geliebt gefühlt. Irgendwann konnte ich mich gut von ihm lösen und aufstehen und ein Stück entfernen.

Schon auf dem Heimweg habe ich tiefe Rührung und tiefe Liebe zu ihm gespürt, eine Befreiung und körperliche Kraft, regelrechte Gelöstheit und eine innere Fröhlichkeit und Dankbarkeit. Heute, mehr als ein Jahr später, merke ich, dass ich ihn tatsächlich ganz und gar gehen lassen konnte..

Es gibt keinen Ärger mehr, keine innere Schuldzuweisung, keine Verachtung. Ich merke auch, dass er die ganzen Jahre auf mich gewartet hatte und nun weggehen konnte, in eine andere Dimension.
Das innere Verhältnis zu ihm ist wie „reingewaschen“, und ich empfinde tiefe Dankbarkeit für ihn. Aber am meisten freut mich, dass ich gleich nach der Aufstellung das Bild meines verstorbenen Vaters aufstellen konnte und es nun jeden Tag mit Liebe und Dankbarkeit anschauen kann.“ Danke Katja. Ich freue mich mit dir.

Vertauschte Rollen sind nie bewusst

Es ist die große Chance der Aufstellungsarbeit, dass sich vertauschte Rollen zwischen Kindern und Eltern zeigen können. Erst wenn sie sichtbar werden wird es möglich, heilsame Schritte zu gehen und den eigentlichen Platz einzunehmen. Das wird als große Erleichterung empfunden. Denn erst jetzt wird es möglich, den eigenen Weg zu gehen. Und der Liebe zu den Eltern Raum zu geben.

Die Wirkung der Aufstellungen

Nach jedem Seminar sage ich den Teilnehmern, dass ich mich immer sehr freue, wenn ich ein Feedback per Mail bekomme, was sich nach der Aufstellung verändert hat. Die Teilnehmer berichten von unterschiedlichen Erfahrungen.

Nicht immer geschieht die Heilung sofort und so deutlich wie bei Katja. Mancher Heilungsweg braucht Zeit und vollzieht sich in verschiedenen Schritten. Doch wenn die Heilung der Verletzungen, die uns in unserer Kindheit geschehen sind, möglich wird und wir in inneren Frieden kommen, dann wird die Welt in unserem Inneren heller und schöner, entspannter und liebevoller. Das wünsche ich auch dir.

Wenn du dir nicht sicher bist, ob eine Familienaufstellung für dich der nächste gute Schritt sein kann, dann kannst du dir hier kostenlos das eBook „5 Schritte zu mehr innerer Freiheit“ herunterladen. Oder du kannst als Stellvertreterin oder als Stellvertreter die Aufstellungsarbeit im Seminar kennenlernen. Hier findest du die Termine und kannst dich hier auch anmelden.

Oder schau in dein Herz. Was fühlt dein Herz, wenn du an deinen Vater denkst? Und was wünschst sich dein Herz?

Ich wünsche dir, dass es dir gut geht. Und immer wieder heilsame Schritte, beim Lesen, beim Aufstellen und vor allem „im richtigen Leben“. Damit dein Herz weit und hell sein kann, wenn du an deinen Vater denkst.

Alles Liebe für dich.
Herzlichst
Renate

 

 


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Text: Dr. Renate Wirth
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renate.wirth@aufstellungstage.de

Praxis: Prinzregentenstraße 7 in 10717 Berlin
Veröffentlichen des Textes und von dessen Auszügen nur mit Erlaubnis der Autorin.

Mein Vater war im Krieg. Schmerz, Leid und die Kraft des Vaters

Mein Vater war im Krieg. Schmerz, Leid und die Kraft des Vaters

Mein Vater war im Krieg. Schmerz, Leid und die Kraft des Vaters

Ich hatte immer Angst in meinen Träumen, immer Albträume von Krieg und Mord und Verfolgung. Als ich sechs Jahre alt war habe ich meinen Vater einmal gefragt, ob man das erben kann mit dem Krieg. Nein, hat er geantwortet, das kann man nicht.

Aber ich habe die Bilder gesehen, obwohl ich sie ja nicht erlebt habe. Im Gegensatz zu meinen beiden größeren Geschwistern, die im Krieg geboren sind, habe ich den Krieg selbst nicht erlebt. Aber diese Bilder waren da.

Mein Vater war viele Jahre in Krieg und Gefangenschaft. Was er alles an Schrecklichem erlebt haben muss kann ich in keinster Weise nachempfinden. Er kam alkoholkrank aus dem Krieg zurück. Gebrochen. Dann, unmittelbar nach seiner Rückkehr, bin ich gezeugt worden. Ein Kind der Hoffnung auf eine bessere Zeit. Ein Hoffnungsträger.

Die Traumata des Krieges

Die Traumata des Krieges sind unvorstellbar. Das wirklich unvorstellbare Leid hat tiefe und nicht auszulöschende Spuren in den Seelen der Menschen hinterlassen. In den Seelen der Männer, Soldaten, der Täter und Opfer, der Frauen und Kinder.

Es gibt wohl kaum eine Familie, die nicht auf irgendeine Weise in die Nachwirkungen des zweiten Weltkrieges eingebunden ist, manchmal in die beider Kriege. Es ist kein Wunder, dass die Familienaufstellungsarbeit in Deutschland entstanden ist. Das hat sehr viel mit den tiefen und weitestgehend noch unverarbeiteten Gefühlen der Weltkriege hier in Deutschland zu tun.

In der Regel wurde alles ausgeklammert: Die toten Kameraden, die toten Opfer, die Vergewaltigungen, die Plünderungen, die Ausgebrannten, die Kriegsgefangenen, die Wiederheimkehrer, die tabuisierten und die traumatisierten Gefühle aus den jeweiligen Kriegen.

Krieg ist ein kollektives Thema

Krieg ist ein kollektiv großes Thema. Und es ist ein kollektives großes Schweigen. Der Beitrag des Familienstellens ist, die tabuisierten Gefühlsprozesse zu öffnen, die in den jeweiligen Generationen nicht wahrgenommen werden konnten, und diesen Gefühlen Raum zu gewähren. Das, was in den Kriegen geschehen ist, war verrückt, unbegreiflich groß und kaum artikulierbar und fassbar.

Die meist traumatisierte Kriegs-und Nachkriegsgeneration konnte kaum heilsame Schritte gehen. Erst jetzt wird, unter anderem durch die Aufstellungsarbeit, dem Tabuthema der Kriegserlebnisse Raum gegeben, sodass Heilungsimpulse möglich werden.

Über den Nachwirkungen des Krieges in den Seelen der Menschen lag lange Zeit ein gesellschaftliches und persönliches Tabu. Zurzeit gibt es eine Bewegung, den Menschen das Thema bewusst zu machen und das Tabu zu brechen.

Die Väter nach dem Krieg

Traumatisierte Väter standen nicht mehr für ein „normales“ Leben zur Verfügung. Sie hatten Seelenanteile im Krieg verloren. Dass sie sprachlos waren von all dem Entsetzen, dass sie alkoholkrank waren von all dem Entsetzen, war die einzige Möglichkeit für ihre Seele, das Grauen zu überleben. Sie waren starr, schwiegen, waren aggressiv oder verdrängten. „Es muss ja weitergehen.“ Wie sollten sie sich auch anders verhalten?

Es gab keine Therapie, kein Verständnis für das, was sie erlebt hatten, keinen Ort der Sicherheit. Der Krieg war in ihnen. Sie konnten ihren Erinnerungen und Albträumen selbst nicht entfliehen.

Eine der Möglichkeiten war, im Tun und in der Arbeit nach vorn zu schauen und Neues zu schaffen. Doch viele der Männer hatten nicht mehr die Kraft dazu.

Sich über den Vater stellen

Die Frauen nach dem Krieg waren trotz allen erlittenen Leides die „Stärkeren“. Sie haben die Männer oft abgewertet, da sie aggressiv, gewalttätig oder alkoholkrank und traumatisiert „für nichts zu gebrauchen waren“ und eine Last statt einer Unterstützung und Hilfe.

Von den Frauen abgewertet war auch das Bild der Kinder auf den Vater oft nicht achtungsvoll. Er brachte ja viel Leid, Ärger, erzeugte Angst, war einfach eine Gefahr. Oder aber schwach. Manchmal alles zusammen.

Lange Jahre habe ich mich über meinen Vater gestellt. Trotz der Gewalt, die von ihm ausging, wenn er getrunken hatte, hatte ich keine Angst vor ihm. Ich hatte sogar das Gefühl, dass ich stärker sei als er. Ich konnte ja mit 5 Jahren sein Fahrrad halten, während er es fallen gelassen hat. Ich wusste auch den Weg nach Hause aus der Wirtschaft, während er keine Orientierung mehr hatte. Ich war einfach stärker und besser als er. Was für eine Fehleinschätzung. Sie sollte mich viel Leid kosten.

Die Auswirkungen auf uns Nachgeborene

Die Auswirkungen sind sehr unterschiedlich, wir haben ja als Kind die unterschiedlichsten Erfahrungen gemacht. Was geblieben ist können Angst, Ängstlichkeit, Wutgefühle, nicht zuordenbare Aggressionen, Abwertungen, Paarproblematiken, anhaltende Geldprobleme, Misserfolge im Beruf und Krankheiten sein. Auch das Gefühl der Starre, von Schreibblockaden, nicht NEIN sagen können, verstummen oder nicht für sich einstehen können sind möglicherweise Nachwirkungen der Erfahrungen der Kriegstraumata des Vaters.

Ich konnte nicht für mich einstehen

Susanne kam mit dem Anliegen, dass sie im Konflikt mit anderen starr wird und sich nicht für sich selbst einsetzen kann. In der Aufstellung zeigte sich das starre Entsetzen des Vaters im Krieg. Einige Zeit danach schreibt mir Susanne:

„Meine erste Aufstellung bei dir hatte das Anliegen, dass ich nicht für mich einstehen konnte, dass ich nicht streiten konnte, sondern vollständig verstummte und erstarrte, sobald das anstand. Aufgestellt wurden meine Eltern.

In besonderer Weise durfte ich Einblick gewinnen in das Leben meines Vaters, der in dieser Aufstellung auf dem Schlachtfeld im Afrikafeldzug kurz vor dem Aufgeben war. So viele gefallene Kameraden! So viel Tod! Er befand sich in einer Art Starre, in der er fast geblieben wäre.

„Danke Vater, dass Du am Leben geblieben bist, Danke, dass darum auch ich leben darf“, durfte ich ihm sagen. Für zukünftige Streitgespräche bekam ich den Satz mit: „Ich will Frieden. Das ist mein Wesen.“

Mit einem neuen Verständnis ausgestattet kann ich heute für mich einstehen. Ich werde nie eine Gerne-Streiterin sein, doch die Starre ist gebrochen. Ich danke dir.“ Auch ich danke dir, Susanne, dass du gekommen bist.

Später schreibt mir Gertrud, die Stellvertreterin von Susannes Vater noch unabhängig davon folgende Zeilen: „Dein Seminar in Holzkirchen am Benediktushof war für mich bedeutsam. Mehr noch als meine eigene Aufstellung war es die Aufstellung von Susanne. Diese allerletzte Aufstellung hatte es für „mich“ wirklich in sich! Mein Part war der „Vater“in Susannes Aufstellung. Es ging um den Krieg, um ein Duell, um Leben und Tod. Ich rang wirklich um mein Leben, habe alle Kräfte, die mir zur Verfügung standen in dem Moment in der Aufstellung mobilisieren müssen. Ich durchlebte den Kampf real. Ich sah, dass dieses Duell in dieser Landschaft im Sumpfgebiet stattfand. Ich bin überzeugt, dass es dieses Duell wirklich gab.

Das hat mich noch lange nachbewegt. Denn auch mein Vater war im Krieg und 3 Jahre in Kriegsgefangenschaft in Murmansk/Russland in Gefangenschaft. Durch die Aufstellung von Susanne habe ich in der ganzen Tiefe gefühlt, was ein Kampf um Leben und Tod bedeutet. Ich bin mit meinem Vater in Frieden und bin sicher, dass auch er im Frieden ist.

Ich sende dir meine allerherzlichsten Grüße und vertraue auf die göttliche Kraft, die durch dich wirkt und bin dir im Herzen verbunden! Deine Gertraud“ Ich danke dir von Herzen, Gertraud, für deine Zeilen und dass du gekommen bist.

Nicht durch die Augen eines Kindes

Aufstellungen zeigen größere Zusammenhänge. Sie zeigen den Vater jenseits unserer Kindheitserfahrungen. Wenn es uns möglich ist, auf den Vater nicht aus den Augen eines Kindes zu schauen, sondern mit den Augen eines Erwachsenen, dann geschieht Heilung. Denn ein Kind urteilt nach seinen Kindheitserfahrungen. Es ist nicht in der Lage, das Existentielle und Schicksalhafte zu verstehen, in das der Vater eingebunden war.

Sein Urteil über den Vater ist ein Kinderurteil. Manchmal leben wir mit diesem Kinderurteil ein Leben lang. Doch als Erwachsene können wir neu auf den Vater schauen. Mit allem, was ihn in den Dienst genommen hat, was er erlebt und überstanden hat, mit seinen Verstrickungen und all seinem Schicksal.

Und mit den Augen des Erwachsenen sehen wir plötzlich ein neues Bild. Der Vater war stark, hat Schreckliches überlebt, war Kamerad für seine Kameraden, war voller Liebe und innerer Schönheit, konnte durchhalten, war musisch, liebevoll und groß.

Die Last, Deutsche zu sein

Eine Klientin schreibt mir, sie empfinde es als eine sehr bedrückende Last, Deutsche zu sein. Ich antworte ihr auf ihren Brief: „Zu Deinem Gefühl, die Last, Deutsche zu sein: Ja, es gab unfassbares Leid und Schuld. Ich kann es mit großer Demut nur anerkennen, wie es war. Wiedergutmachung ist ausgeschlossen, auch Sühne.

Doch für mich ist es eine unglaublich große Leistung, die die Deutschen vollbracht haben, diesen ganzen unfassbaren Krieg und die Zeit danach zu überleben. Auch wenn mein Vater alkoholkrank aus dem Krieg zurückgekommen ist, so sehe ich seine übermenschliche Kraft, trotz des ganzen Entsetzens es geschafft zu haben, zu überleben und zurück zu kommen.

Auch das sehe ich, wenn ich auf „Die Deutschen“ schaue. Nicht nur Goethe und die großen Geister der Aufklärung, auch die übermenschliche Leistung aller, die „im Namen von Gott und Vaterland“ durch diesen Krieg und die Zeit danach gegangen sind. Und Deutschland ist für mich auch die Wiedervereinigung ohne Blutvergießen und die Fähigkeiten aller großen Wissenschaftler, Künstler, Ärzte und Therapeuten und das soziale Netz.

Es steht mir nicht zu, mich in das Vergangene einzumischen, doch das Gute weiterzuführen, das aus all dem Leid entstanden ist, das ist die große Chance für mich als Nachgeborene in unserer Zeit. Auch in der Aufstellungsarbeit.“

Heilungsimpulse für die Seele

Aufstellungen können nur Heilungsimpulse sein. Hier geht es vor allem darum, die Größe der Kräfte anzuerkennen, vor dieser Größe und deren Auswirkungen inne zu halten und auf das Verlangen nach Wiedergutmachung, Vergeltung und Wertung zu verzichten.

Falls auch dein Vater oder dein Großvater im Krieg war und du Schwierigkeiten in deinem Leben lösen möchtest, dann ist eine Aufstellung ein guter heilsamer Weg. Wenn du dir nicht sicher bist, ob eine Familienaufstellung für dich der nächste gute Schritt sein kann, dann kannst du als Stellvertreterin oder als Stellvertreter die Aufstellungsarbeit im Seminar kennenlernen. Hier findest du die Termine und kannst dich hier auch anmelden.

Wenn du dir nicht sicher bist, ob eine Familienaufstellung für dich der nächste gute Schritt sein kann, dann kannst du dir hier die PDF 5 Schritte zu mehr innerer Freiheit herunterladen. Oder du kannst als Stellvertreterin oder als Stellvertreter die Aufstellungsarbeit im Seminar kennenlernen. Hier findest du die Termine und kannst dich auch anmelden.

Was kannst du jenseits einer Aufstellung noch tun? Suche dir ein positives Männerbild. Das trifft für Männer und Frauen zu. Manchmal ist es ein Lehrer, ein spiritueller Lehrer oder ein Therapeut. Es ist ein Mann, der dich wahrnimmt mit offenem Herzen dir zugewandt ist. Der sich für dich und dein Sosein interessiert. Jenseits einer Paarbeziehung.

Dieser Mann ersetzt deinen Vater nicht. Denn deinen Vater kann niemand ersetzen. Doch er lässt dich die Erfahrung machen, was dein Vater in seinem tiefsten Wesen jenseits aller Verstrickungen und Traumatisierungen auch war: Eine wunderbare große Kraft.

Ein Hauch von Schmerz

Mein Vater ist schon 45 Jahre nicht mehr in dieser sichtbaren Welt, und ich merke beim Nachdenken und Schreiben, wie viele Nuancen Schmerz, auch wenn es nur ein Hauch ist, noch immer da sind. Wenn ich etwas wieder gut machen könnte, dann wäre es diese Abwertung. Sehr spät erst habe ich die große Kraft fühlen können, die mein Vater hatte, diesen schrecklichen Krieg zu überleben und wieder nach Hause zu kommen. Um mir mein Leben zu schenken.

Ich wünsche dir und uns allen Frieden im Innen und Außen. Und dass es dir möglich ist, in Liebe und Achtung auf deinen Vater zu schauen.

Herzlichst
Renate

 

 


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Text: Dr. Renate Wirth
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Ich weiß nicht, wer mein Vater ist. Der lange Weg der Suche

Ich weiß nicht, wer mein Vater ist. Der lange Weg der Suche

Ich weiß nicht, wer mein Vater ist. Der lange Weg der Suche

Wir alle haben das tiefe Bedürfnis zu wissen, wer unsere Eltern sind. Es ist uns zutiefst eingeerbt. Denn Vater und Mutter prägen unsere Identität. Wenn wir die Eltern nicht kennen, sind wir immer auf der Suche nach uns selbst.

In unseren Herzen haben Vater und Mutter den größten Einfluss auf unser Dasein und unser Leben.
Denn jede unserer Zellen besteht aus Vater und Mutter. Du bist förmlich Vater und Mutter. Mit allen Ereignissen, die Vater und Mutter erlebt haben.

Natürlich bringst Du auch Eigenes mit auf die Welt. Ganz Eigenes, das nur dich ausmacht, das niemand anderes hat, nur du. Und im Laufe deines Lebens fügst du immer mehr Eigenes hinzu. Doch die Grundlage bleiben Vater und Mutter. Mit allem, was deine Geburt deine Eltern „gekostet“ hat. Ohne sie wärest du nicht da. Nicht da auf dieser Welt.

Das Tor zur eigenen Identität

Es ist ein Grundrecht jedes Menschen, seine wahre Herkunft zu erfahren. Aber nicht jeder hat die Möglichkeit dazu. Kinder der Babyklappe, einer anonymen Geburt und Findelkinder kennen weder Vater noch Mutter. Ihr Leben beginnt mit einem besonderen Schicksal. Die Zahl der Kinder ist nicht sehr hoch, die beide Eltern nicht kennen.

Wesentlich mehr Kinder in Deutschland kennen zwar ihre Mutter, wissen jedoch nicht, wer ihr Vater ist. Es sind Kinder von Müttern, die den Namen des Vaters nicht nennen wollen, Kinder von Samenbankvätern, Besatzungskinder nach dem Krieg oder „Kuckuckskinder“, die den Männern „untergeschoben“ wurden.

Viele dieser Kinder suchen ihren Vater. Oft ist es eine lange Suche im eigenen Inneren, manchmal auch eine Suche im Außen. Es ist eine Sehnsucht, die sie immer wieder nicht zur Ruhe kommen lässt. Sie suchen nach ihren Wurzeln, nach ihrer Identität.

Wenn die Mutter schweigt. Auf der Suche nach dem Vater

Irmgard kenne ich schon vom Kindergarten her. In der Schule hatten wir einen sehr engen Kontakt, später ist es weniger geworden und eine Zeitlang haben wir uns auch aus den Augen verloren. Schon als Kind war es etwas Besonderes, dass Irmgard keinen Vater hatte und nicht wusste, wer ihr Vater war. Damals hat es mich nicht sonderlich bewegt, denn viele Kinder hatten ja keinen Vater nach dem Krieg.

Als wir uns viel später wiedersahen, kamen wir natürlich auf das Thema Familienstellen, es war ja zu meinem Beruf geworden. Und bei einem Spaziergang erzählte sie mir, dass es sie noch immer sehr bewegte, nicht zu wissen, wer ihr Vater war. Es war wohl ein Gefühl, dass sie ein Leben lang immer wieder begleitet hatte. So habe ich Irmgard dann eingeladen, ihr Thema doch einmal aufzustellen.

Sie hatte noch nie eine Familienaufstellung erlebt. Ich habe mich sehr über ihren Brief danach gefreut. Der Brief erzählt von ihren Erfahrungen mit der Aufstellungsarbeit, aber auch von ihrem Anliegen und dem, was danach kam. Irmgard schreibt:

„Im Juli 2015 hatte ich mich entschlossen, an einem Wochenendseminar zur Familienaufstellung teil zu nehmen. Bis dahin kannte ich Familienaufstellungen nur vom „Hören, Sagen, Lesen“. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie „mein Problem“ dadurch gelöst werden sollte. Dieses trug ich schon viele Jahre mit mir herum, ohne zu bemerken, wie es mich immer mehr vereinnahmte.

Ich wusste nicht, wer mein leiblicher Vater ist. Wenn ich meine Mutter darauf hin ansprach, wich sie mir aus und weinte. Mit meinem Cousin, der ihr sehr nahestand, vereinbarte ich, dass er sie bitten würde, das „Geheimnis“ in einem verschlossenen Umschlag in seinem Safe zu hinterlegen. Er wollte mir diesen nach ihrem Tode überreichen.

Kurz danach starb meine Mutter unerwartet im Alter von 61 Jahren. Das Gespräch hatte nicht stattgefunden und meine Mutter hatte die für mich wichtige Information mit ins Grab genommen. Sie hatte, aus welchem Grund auch immer, mit keinem Menschen darüber gesprochen. Selbst in der Geburtsurkunde war kein Eintrag.

Zu Beginn des Seminars empfing mich eine warme Atmosphäre, ein Raum mit Stuhlkreis und vielen Zellstofftaschentüchern. Überrascht hat mich die große Teilnehmerzahl. Ob ich damit wohl zu meinem Ziel komme, waren meine Befürchtungen. Ich entschied, mir erst einmal einige Aufstellungen anzuschauen.

Zur ersten Aufstellung meldete sich ein Mann. Auch ein überraschender Fakt für mich. Ein Drittel der Beteiligten waren Männer. Als sich die vom Aufstellenden selbst ausgewählten Personen stellvertretend für Mitglieder des Familiensystems in Bewegung setzen und Aktionen folgten, dachte ich: „Das spielen die doch jetzt“.

Dass dem nicht so war erlebte ich bei der 2. Aufstellung. Hier wurde ich gebeten, die Mutter zu vertreten. Ich war plötzlich in der Rolle der Mutter und kam mir vor wie fremd gesteuert. Auch bei weiteren Vertretungen tat ich Dinge, die mit Emotionen und Verstand nicht zu erklären sind, mich aber im Nachgang noch sehr bewegten.

Am 2.Tag des Seminars wollte ich es wissen, was macht eine Aufstellung mit mir und mit meinem Thema als Aufstellende. Nachdem ich vor allen Beteiligten mein Thema dargelegt hatte (dies kann auch anonym erfolgen), suchte ich mir die Stellvertreter für mein Familiensystem aus und „ordnete“ sie im Raum.

Ich stand in der Mitte, meine Mutter und Vater stellte ich rechts und links voneinander entfernt in meine Blickrichtung. Die Großeltern mütterlicherseits seitlich von mir und die väterlicherseits am Ende des Raumes zu meinem Rücken.

Als erstes ging ich auf meine Mutter zu, umarmte sie und weinte unendlich viele Tränen. Dann kam mein Vater auf uns zu. Wir haben ihn beide weggestoßen und uns etwas entfernt. Er ging zurück und legte sich hin. Ein Zeichen von Krankheit oder Tod, wie ich aus den anderen Aufstellungen wusste.

Ich hatte plötzlich das Bedürfnis zu ihm zu gehen und legte mich zu ihm. Wir drückten uns lange und innig, obwohl es ein fremder Mensch war. Freudentränen rollten und ich sagte ihm, dass es mir gut geht und ich zwei tolle Kinder habe. Darauf hin hob er den Daumen und lächelte. Das war ein unglaublich schöner Moment, der mir die Kraft für das Danach gegeben hat.

Meine Mutter hat dann liegend Nähe zu meinem Vater gefunden. Die Großeltern mütterlicherseits haben sich schützend hinter mich gestellt. Die Großeltern väterlicherseits haben ihre Ablehnung zu mir deutlich gemacht, in dem sie sich zurückgezogen haben und keine Mine verzogen bei meinen Annäherungsversuchen.

Jetzt beim Aufschreiben bin ich erneut sehr aufgewühlt. Über ein Jahr danach weiß ich zwar immer noch nicht, wer mein Vater ist, aber das Thema bestimmt nicht mehr mein Leben. Die Familienaufstellung hat mir aufgezeigt, dass mein Vater stolz auf mich ist und mein Leben verfolgt hat. Auch kann ich jetzt meine Mutter verstehen, dass sie dieses „Geheimnis“ nicht preisgeben wollte bzw. konnte. Ich bin dankbar für das Angebot der Familienaufstellung. Möge noch vielen Menschen diese Lebenshilfe zu teil werden.“ Ich danke dir Irmgard.

Es ist nicht möglich, in einer Aufstellung herauszufinden, wer dein Vater ist. Doch es ist eine große Erfahrung, die Zusammenhänge zu sehen und zu erleben und Kontakt zu haben. Damit die Kinderseele und wir als Erwachsene Frieden finden können. Denn wenn du deinen Vater nicht kennst, so hast du dennoch das Bedürfnis nach einem inneren Vaterbild. Das ist in der Aufstellung möglich.

Auch ich erinnere mich noch gut an Irmgards Aufstellung. Auch an die ablehnende Haltung der väterlichen Großeltern. Ist das nun ein Bild, das den Seelenfrieden von Irmgard stört? Nein. Es ist ein Bild, dem sie zustimmen kann. Es war deutlich zu sehen, die Großeltern haben sich zurückgezogen, warum auch immer. Irmgard konnte dem zustimmen, vollkommen ohne Enttäuschung. Es war so.

Irmgard ist eine lebensfrohe, starke und wunderbare Frau, die ein intensives und gutes Leben lebt. Die Vorstellung, dass ihr Vater gut auf sie schaut von da, wo er jetzt ist, hat noch bestätigt, dass sie wohl allezeit behütet war. Dass sie die väterliche Kraft und Liebe alle Jahre schon in sich getragen hat. Die Aufstellung hat ihr dazu neben einer tiefen Erfahrung nun noch ein inneres Bild geschenkt.

Wenn ein seltsames Vatergefühl das Leben begleitet

Manchmal höre ich: „Mit meinem Vater hatte ich seit Jahren schon ein sehr seltsames Gefühl. Ich hatte die Phantasie, er wäre nicht mein Vater. Bin ich vielleicht vertauscht? Vielleicht sind das gar nicht meine Eltern? Vielleicht bin ich adoptiert?“

Kinder spüren, wenn etwas in der Familie nicht stimmt. Wenn sie aber nicht wissen, was das ist, dann übermannen sie immer wieder die verschiedensten Gefühle, die sie nicht zuordnen können. Sie fragen sich: Es ist doch alles in Ordnung! Wie kommt es dann, dass ich mich unsicher, den Eltern gegenüber abwehrend und aggressiv verhalte, manchmal so traurig bin und mich manchmal so deplatziert fühle?

Im Artikel geht es um Findelkinder, um die Kinder der Babyklappe, um Kinder von Samenbankvätern, die ihre Herkunft nicht kennen, um Kuckuckskinder, die dem Vater untergeschoben werden und um die Kinder aus Vergewaltigungen und Liebesbeziehungen der Alliierten am Ende des Krieges und in der Zeit danach.

Findelkinder

Jetzt ist es wohl in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern eher selten, dass Kinder vor der Kirchentür oder an einem anderen Ort ausgesetzt werden, damit sie jemand findet und sich ihrer annimmt. Ich hatte in all den Jahren nur einmal eine Klientin, die mit diesem Thema zur Aufstellung kam.

Die Klientin war im Alter von etwa 8 Wochen im Wald gefunden worden. Sie wurde adoptiert und hatte eine beschützte Kindheit. Dennoch war sie immer auf der Suche nach ihren Eltern. Sie hatte schon sehr viel unternommen, selbst ein Film wurde schon über ihren Weg gedreht, doch es kam kein Lebenszeichen von ihren Eltern. Nun wollte sie eine Familienaufstellung machen.

Ich werde diese Aufstellung nie vergessen. Sie stellte sich, die Adoptiveltern und die leiblichen Eltern auf. Die Adoptiveltern standen hinter ihr. Die leibliche Mutter wich zurück bis in die letzte Ecke des Raumes und begann herzzerreißend zu schluchzen. Genauso verhielt sich der Vater. Er ging rückwärts in die andere Ecke des Raumes, weinte und schaute zu seiner Tochter.

Eine große Liebe erfüllte den Raum. Die Klientin begegnete beiden mit den Augen, es war aber keinem der drei möglich, den Abstand zu verringern. Auch die Klientin weinte aus ganzem Herzen. Als sie sich etwas beruhigt hatte bat ich sie, den Eltern zu sagen: „Es geht mir gut, ich bin groß geworden. Es ist so schön, dass ich Eure Liebe sehen kann.“ Da beruhigte sich das Weinen der Eltern etwas und sie schauten mit einem schmerzhaften Lächeln voller Liebe auf ihre Tochter. Für alle war es fühlbar: Es entstand Frieden im Raum.

Oft steht ein großes großes Leid der Eltern hinter der Entscheidung, das Kind wegzugeben. So auch bei dieser Klientin. Wenig später sagte sie mir, sie hätte nun das Gefühl, sie könne aufhören zu suchen. Ich habe nichts mehr von ihr gehört. Vielleicht ist der Frieden, der damals mit der großen Liebe der Eltern den Raum erfüllte, bei ihr geblieben.

Kinder der Babyklappe, die anonyme und vertrauliche Geburt

Seit dem Jahr 2000 gibt es in mehreren Städten die Babyklappe, in die Kinder nach der Geburt sicher abgegeben werden können. Vielen Kindern wurde so das Leben gerettet. Sie finden in Adoptionsfamilien ein gutes Zuhause. Was es später für das Kind bedeutet ist sicherlich individuell sehr verschieden. Es gibt bisher dazu keine Aufstellungserfahrungen.

Bei der vertraulichen Geburt können Frauen im Krankenhaus entbinden. Niemand erfährt ihren Namen. Die Frau schreibt ihre Daten und die Herkunft des Kindes nur einmal auf, der Umschlag wird sofort verschlossen und ausschließlich das Kind hat das Recht, ab dem 16. Lebensjahr diesen Umschlag zu erhalten, um zu wissen, wer seine leiblichen Eltern sind.

Kinder von Samenbankvätern

Künstliche Befruchtung ist eine weit verbreitete, inzwischen etablierte Methode der Fortpflanzung.
Mehr als 100.000 Kinder in Deutschland verdanken ihr Leben einer Samenspende, die seit etwa fünfzig Jahren in Deutschland eine legale Methode der Kinderwunscherfüllung ist.

Der Samenspender ist ein vom Paar meist unbekannter Dritter oder bei gewollt alleinerziehenden Frauen ein Zweiter. Ärzte haben seit etwa drei Jahrzehnten die Pflicht, Auskunft über den Spender zu geben, wenn dies gewünscht wird, und Kinder haben gesetzlich das Recht, ab ihrem 16. Lebensjahr Kenntnis von ihrem genetischen Vater zu erhalten.

Doch nicht immer können sie auch ihr Recht in Anspruch nehmen, da Angaben fehlen. Im Verein „Spenderkinder“ haben sich die inzwischen erwachsenen Kinder zusammengeschlossen, um miteinander nach ihren Vätern zu suchen und sich gegenseitig mit ihren Erfahrungen zu unterstützen. Sie möchten wissen, wer ihr Vater ist.

Das Buch „Spenderkinder“ von Wolfgang Oelsner und Gerd Lehmkuhl lässt zehn dieser „Spenderkinder“ in Interviews zu Wort kommen mit ihren sehr unterschiedlichen Erfahrungen, Erlebnissen, Wünschen und Sichtweisen.

Doch nur etwa 10 Prozent der durch Samenspende gezeugten Kinder wissen von der Art und Weise ihrer Zeugung oder kennen gar ihren leiblichen Vater. Was bedeutet das systemisch? Es ist wichtig, es irgendwann dem Kind zu sagen. Es hat ja zwei Väter und dreimal Großeltern.

In der Aufstellung steht der leibliche Vater neben dem Ziehvater und der Ziehvater neben der Frau. Der Ziehvater und die Frau sind ja das Paar. Das Kind kann neben der Mutter stehen oder auch allen gegenüber und das Bild in sich aufnehmen.

Es braucht vor allem auch Dank. Der Frau zu ihrem Mann, der Mann zum leiblichen Vater, auch die Frau zum leiblichen Vater. „Danke, dass wir unser Kind haben dürfen.“ Es ist wichtig, zu betonen, dass es „unser“ Kind ist. Und dass die Eltern dem leiblichen Vater dankbar sind, sie aber die Eltern sind. Für das Kind ist es zumeist ein langer Prozess, das Leben dankbar anzunehmen, so wie es das Leben bekommen hat.

Das bedeutet letztendlich einen großen Verzicht des Kindes. „Wenn das der Preis ist, dass ich lebe, stimme ich dem zu. Mit allem, was es mich kostet und gekostet hat. Ich nehme das Leben so, wie ich es bekommen habe. Danke.“ Das ist ein großer Vollzug im Herzen. Meist geht dem Trauer voraus. Auch diese braucht Raum und alles braucht eine angemessene Zeit und manchmal genügt auch eine Aufstellung nicht. Denn das Thema ist groß und hat viele Facetten.

In einer Aufstellung kann man sehen, dass es auch möglich ist, dass ein „Spenderkind“ mit einem Familienmitglied der Familie des Spendervaters verbunden ist, so zum Beispiel mit der Großmutter väterlicherseits. Oder auch mit traumatischen Ereignissen in der väterlichen Herkunftsfamilie. Selbst wenn es den Spendenvater nicht kennt und auch nichts von dessen Familiengeschichte weiß.

Je nach dem Anliegen, mit dem die Teilnehmerin oder der Teilnehmer zum Aufstellungsseminar kommen, werden sich sehr verschiedene Dynamiken zeigen. Es ist ja zumeist ein Symptom, weshalb sich das „Spenderkind“ für einer Aufstellung entschieden hat.

Das können Symptome sein wie: „Ich bin immer auf der Suche.“ oder „Ich habe das Gefühl, nicht bei mir selbst ankommen zu können.“ oder „Ich wünsche mit einen Partner.“ oder „Mein Verhältnis zu meinen Eltern ist schwierig.“ Oder „Ich habe ein gesundheitliches Problem.“ Und vieles mehr. Je nach der Fragestellung werden sich ganz verschiedene Dynamiken zeigen. Eine der Dynamiken kann sein, dass das „Spendenkind“ in seiner Seele mit Dynamiken der väterlichen Herkunftsfamilie verbunden ist. Doch dies kann erst die Aufstellung zeigen.

Es werden sich in Zukunft mit Sicherheit noch neue wichtige Erkenntnisse zu den systemischen Dynamiken in der Familiengeschichte von „Spendenkindern“ zeigen. Die Aufstellungsarbeit ist da noch am Beginn. Die „Spenderkinder“ sind ja zum großen Teil noch jung, und der Weg zur Aufstellungsarbeit ist noch nicht sehr verbreitet.

Sicher werden viele „Spenderkinder“ mit ihrer Herkunft und ihrem Leben ganz im Einklang sein. Doch wenn es anhaltend nicht so ist, wenn die Seele immer auf der Suche ist und nicht ankommen kann oder andere Symptome das Leben einengen, dann ist eine Familienaufstellung ein zusätzlicher Schritt auf dem Weg, dem leiblichen Vater in der Seele zu begegnen.

Wenn du dir nicht sicher bist, ob eine Familienaufstellung für dich der nächste gute Schritt ist, dann kannst du dir hier kostenlos das eBook „5 Schritte zu mehr innerer Freiheit“ herunterladen. Oder du kannst als Stellvertreterin oder als Stellvertreter die Aufstellungsarbeit im Seminar kennenlernen. Hier findest du die Termine und kannst dich hier auch anmelden.

Kuckuckskinder

Es ist ein umgangssprachliches und auch stigmatisierendes Wort, das aber den eigentlichen Sachverhalt beschreibt. Väter ziehen Kinder groß, die nicht ihre eigenen sind, die ihnen „untergeschoben“ wurden. In Deutschland liegen die Schätzungen bei 2% bis 4% aller Kinder. Das ist viel. Was es systemisch bedeutet wird kaum diskutiert. Wir können es uns leicht vorstellen.
Das Kind ist irritiert, immer auf der Suche, ohne zu wissen wonach, und vertritt oft unbewusst den leiblichen Vater.

Aufstellungen zu diesem Thema sind sehr vorsichtig zu leiten. Die Aussage „in einer Aufstellung ist rausgekommen, dass ich wohl einen anderen Vater habe“ finde ich glattweg gefährlich.
Wir ersetzen mit einer Aufstellung keinen Vaterschaftstest und sind auch keine Richter oder Wahrsager.

Wenn ich das Gefühl habe, dass da in der Aufstellung noch jemand fehlt, dann stelle ich noch eine Person hinzu. An der Art der Dynamik kann man vielleicht sehen, dass es ein anderer Vater sein kann. Aber ich würde mich hüten, diese Vermutung auszusprechen.

Ich sage dann vielleicht: „Es sieht aus, als wenn es noch eine starke Bindung zu einem anderen Familienmitglied gibt. Vielleicht zeigt sich etwas in der nächsten Zeit, wer das sein könnte. Forsche nicht nach. Wenn du es wissen sollst, wird es sich zeigen. Vielleicht erzählt jemand etwas. Du wirst sehen. Bleib bei dem Endbild. Und deiner Liebe zu diesem Menschen.“

Rechtlich gibt es viele Bestrebungen. Ihr findet vielerlei im Internet, zu Vaterschaftstests und allem, was mit diesem Thema zusammenhängt. Systemisch wird es jedoch erst dann gut werden, wenn die eigentliche Liebe gesehen wird und die Leistung des Ziehvaters gewürdigt und anerkannt wird. Eine Verurteilung der Mutter steht uns nicht zu und ist systemisch nicht hilfreich, auch ihre Liebe und ihre Handlung brauchen Anerkennung. Es ist ein sehr feinfühliges Thema. Doch grundsätzlich hat wohl jedes Kind das Recht zu wissen, wer seine Eltern sind.

Aufstellungen ersetzen keinen Vaterschaftstest, sind aber dennoch sehr heilsam, um sich selbst und die eigene Situation besser zu verstehen und der eigentlichen Liebe Raum zu geben.

Die Kinder der Besatzer

Nach wissenschaftlichen Angaben wurden von 1945 bis 1955 mindestens 400.000 Kinder von Alliierten Soldaten mit deutschen Frauen gezeugt. Briten, Sowjets, Amerikaner und Franzosen waren die Väter dieser Kinder. Direkt zu Kriegsende waren es massive Vergewaltigungen, später begann eine Beziehungsphase. Da es ein Fraternisierungsverbot gab, waren diese Beziehungen oft großen Gefahren ausgesetzt. Auch die Kinder wurden oft als Bastarde oder Russenkinder stigmatisiert und waren massiven Angriffen und Abwertungen ausgesetzt.

Es waren Kinder der Gewalt, aber auch Kinder der Liebe. Wenn es zwischen den Eltern eine Liebesbeziehung gab und dies aufgedeckt wurde, wurden die Männer zumeist sofort bestraft oder „nach Hause geschickt“. Ein Klient erzählte, nachts sei ein LKW vorgefahren, Männer hätten den Vater gepackt, auf den LKW geworfen und niemand hätte mehr ein Lebenszeichen von ihm erhalten.

In den Familiengeschichten der Menschen, die zur Aufstellung kommen höre ich immer wieder: Der Vater des Vaters oder der Mutter, da weiß niemand, was mit ihm war. Mein Vater nicht und auch die Großmutter hat nichts erzählt. Doch in der Systemischen Arbeit sehen wir immer wieder: Wenn jemand ausgeschlossen ist in der Familie, durch ein Tabu oder ein Geheimnis oder durch einen tiefen Schmerz, dann „vertritt“ ihn oft, völlig unbewusst, ein Nachgeborener. Es ist oft der Enkel oder die Enkelin. Es ist, als wenn das Familiensystem es nicht erlaubt, dass jemand ausgeschlossen wird.

„Vertreten“ heißt, der Enkel verhält sich im ganz normalen Leben ähnlich wie der Großvater. Oder die Tochter wie der unbekannte Vater. Sie sind mit dem, der fehlt, verbunden. Kinder sind auf der Suche. Die heute knapp über Siebzigjährigen suchen noch immer ihren Vater. Manchmal machen es ihre Kinder für sie, manchmal auch ihre Enkel. Sie recherchieren, reisen an ferne Orte und verfolgen die Spur des Vaters oder Großvaters. Und nicht selten hat ihre Suche Erfolg.

Manchmal war eine Aufstellung der erste Schritt dazu. Um die Liebe und Bindung zu erkennen zwischen den Eltern, aus der sie hervorgegangen sind. Und für diese Liebe lohnte sich die Suche.

Kinder der Reproduktionsmedizin

Es gibt noch zu wenig Erkenntnisse und Erfahrungen, wie sich die verschiedenen Verfahren der Reproduktionsmedizin auf die Seele der Kinder und deren Geschwister und auf die Seelenbewegungen der Eltern auswirken. Es bleibt abzuwarten. Wichtig ist es, wertfrei auf den Klienten und seinen gewählten Weg zu schauen. Denn niemand weiß, auch wir nicht, welche Kräfte die Klienten führen und was zu leben und zu genießen, aber auch was zu tragen ihnen schicksalhaft zugedacht ist.

Bleiben wir also stets offen für alles Neue, stets wertfrei und immer ausnahmslos zugewandt.

Falls auch du oder einer deiner Eltern nicht weiß, wer sein Vater ist und es dir keine Ruhe lässt, dann komm zu einer Aufstellung. In der Aufstellung kannst du die Beziehungen und größeren Zusammenhänge sehen. Und vielleicht kann dann, so wie bei Irmgard, die Seele endlich beim Vater ankommen. Dann kann die Suche ein Ende finden und innerem Frieden Raum geben.

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Herzlichst
Renate

 

 


Impressum:
Text: Dr. Renate Wirth
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Praxis: Prinzregentenstraße 7 in 10717 Berlin
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