Kategorie: Selbstbestimmt leben

Selbstbestimmt leben. Dein Weg zu Dir selbst

Selbstbestimmt leben. Dein Weg zu Dir selbst

Selbstbestimmt leben. Dein Weg zu Dir selbst

„Nichts soll dich verwirren und erschrecken. Geh deinen Weg unbeirrbar.“ Dieser Ausspruch von Theresa von Avila aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, trifft er auch heute noch für uns zu? Unbeirrbar? In der Zeit der großen Möglichkeiten, der vielen Wege, der ständigen Entscheidungen. Wie kann ich da unbeirrbar sein? Und du? Bist du es?

Woran merke ich, dass ich selbstbestimmt lebe? Wenn ich machen kann was ich will? Wenn ich mir meine Wünsche erfüllen kann? Und was ist dieses SELBST? Können wir es beeinflussen? Ist es uns in die Wiege gelegt? Haben wir Kontakt zu unserem SELBST? Ist es etwas anderes als mein Ich? Oder als meine Seele? Wie können die anderen Menschen und Lebensumstände mein SELBST beeinflussen? Ist es veränderbar? Bin ich dieses SELBST? Oder bin ich gar mehr als dieses SELBST?
Wenn ich selbstbestimmt bin, dann bin ich im Einklang mit meinen Fähigkeiten, mit meinem Tun, mit meinen Entscheidungen. Im Einklang mit mir selbst, mit den anderen Menschen, mit den Situationen. Auch wenn die Menschen und Ereignisse um mich herum nicht einfach sind. Wenn ich selbstbestimmt Lösungen suche und finde, fühle ich mich im Einklang.
Wie aber komme ich da hin? In den nächsten 4 Schritten wird die Richtung sichtbar. Es geht nicht von heute auf morgen. Aber an jedem Tag gehst du ein Stück weiter auf dem Weg zu dir selbst.

1. Den eigenen inneren Garten kennenlernen

Es ist wohl eine Lebensaufgabe, sich selbst immer und immer besser kennenzulernen. Das können wir nur immer weiter verfeinern. Was sind deine Gaben, deine Talente, deine Fähigkeiten, deine Reaktionsmuster. Wie denkst und fühlst du in welchen Situationen, wie reagierst du auf Gefahr? Wie auf Zuwendung, wie auf Kritik, wie auf Lob? Was sind deine Schwächen, wo brauchst du Unterstützung? Was macht dich traurig, was „Bringt dich auf die Palme“, was beruhigt dich? Wie sind deine Selbstregulierungsmechanismen? Hast du Ängste, machst du dir Sorgen, hast du eher ein heiteres Gemüt?

Und so könnte die Liste immer weiter gehen. Du kannst dir ein A5 – Buch nehmen und dann beginne aufzuschreiben, was dir dazu einfällt. Versuche, möglichst nicht zu werten. Wenn du es doch tust, sei nachsichtig mit dir. Niemand ist perfekt, auch ich nicht und auch du nicht.

Und dann schau nach deinen Wünschen. Was wünschst du dir? Schau unzensiert nach den kleinen und großen Wünschen und nach deinen Bedürfnissen. Deine Bedürfnisse zeigen dir den Weg. Den Weg zu dir selbst.

2. Liebevolle Selbstfürsorge

Mir ist vollkommen bewusst, dass uns die Selbstfürsorge nicht in die Wiege gelegt wurde. Doch wir können sie lernen. Es ist kein einfacher Weg, die eigenen Gefühle anzuschauen, kennenzulernen, sie anzunehmen, auszuhalten, uns um sie zu kümmern wie um kleine Kinder, ihnen unsere Fürsorge zu geben und die Sicherheit, da sein zu dürfen. Und ihnen und ihrer Botschaft zuzuhören. Und dann und ganz vor allem: Die Verantwortung für uns selbst zu übernehmen. Ganz und gar. Dann sind wir erwachsen.

Du kannst dich jeden Abend fragen: Was habe ich mir heute Gutes getan? Welche meiner Bedürfnisse konnte ich erfüllen? Habe ich ausreichend Schlaf? Esse ich das, was mir gut tut? Umgebe ich mich mit wohlwollenden Menschen? Arbeite ich in dem Beruf, der mir am Herzen liegt? Sehe ich einen Sinn in dem, was ich tue? Jeden Tag ein wenig, bis es zur Selbstverständlichkeit wird, dass du dir selbst Gutes tust.

3. Freundlich und sicher Grenzen setzen

Wenn du selbstbestimmt leben möchtest brauchst du unbedingt die Fähigkeit zu erkennen, wie du in Beziehungen reagierst. Kannst du deine eigenen Interessen schützen? Kannst du deine Bedürfnisse achten und wertschätzen?
Setze deine Bedürfnisse an erste Stelle. Du bist nicht weniger wichtig als alle anderen. Und wenn du dich nicht um deine Bedürfnisse kümmerst, wer sollte es dann tun?

Es gibt keinen sicheren Weg zum Erfolg.
Nur einen sicheren Weg zum Misserfolg, nämlich den, es jedem recht machen zu wollen.

Begegnung geschieht immer an der Grenze. An der Grenze zwischen dir und mir. Um uns in der Begegnung sicher und entspannt zu fühlen brauchen wir sichere Eigengrenzen. Und wir brauchen die Fähigkeit, die Tore zum Anderen selbst öffnen und schließen zu können. Nicht wie der Andere das möchte, sondern wie wir das wünschen.

Im Blogartikel „Selbstbestimmt leben. Wie du elegant Grenzen setzen kannst ohne den anderen zu verletzen“ kannst du lesen, was du tun kannst und wie es konkret geht, Ja zu sagen wenn du Ja meinst und Nein zu sagen wenn du Nein meinst.

Nun kann man natürlich die Techniken nur üben. So wie wir vom Lesen keine Muskeln bekommen, sondern nur vom Trainieren. Doch wenn wir uns für das Thema öffnen, kommen die anderen Dinge zu uns. Wir gehen in Resonanz mit dem Thema und eins fügt sich zum anderen. Und eines Tages wirst du erstaunt feststellen, dass es dir nun leicht fällt, deine eigenen Interessen anzusprechen, ohne den anderen zu verlieren oder zu verletzen.

4. Selbstbestimmt sich in einer Beziehung öffnen können

Wenn wir uns abgrenzen aus Angst vor Verletzungen und unser Herz nicht öffnen können, ist auch das nicht selbstbestimmt. Denn auch hier ist das Leid groß. Einsamkeit, das Gefühl, dass Nähe bedrohlich ist, fehlende gute, tragende Beziehungen und Schwierigkeiten, im Beruf erfolgreich zu sein machen das Leben schwer.

Für ein offenes Herz brauchen wir unbedingt das Gefühl, in der Welt willkommen zu sein, in der Welt einen Platz zu haben und dazugehören zu dürfen. Das Gefühl, dass unsere Liebe erwidert wird, dass es Sinn macht, auf dieser Welt zu sein.

Wenn in den ersten Lebensjahrzehnten alles ideal gegangen ist, dann geschieht das wie von selbst. Doch ein Leben geht nicht ohne Verletzungen. Sind sie nicht so gravierend, heilt das Leben sie aus. Doch ein wesentlicher Mangel und große eigene körperliche und emotionale Verletzungen und Gefahren können die Biochemie und Erfahrungswelt so beeinflussen, dass das Herz in Vorsicht, Angst oder Groll sich eng zusammenzieht, eine Schutzmauer aufbaut und in diesem Zustand bleibt. Doch ein enges Herz lässt unsere Energie nicht fließen, wir werden müde und fühlen uns im Mangel.

Selbst erlebte Verletzungen sind eine Ursache für ein sich schützendes Herz. Eine andere Ursache können systemische Traumata sein. Gefühle, die von anderen Menschen gefühlt werden, besonders von engen Familienmitgliedern, können unser Herz in Angst und Schrecken, in Wut, Groll oder Ablehnung versetzen. Das Herz reagiert so, als wären die Gefahren und Verletzungen uns selbst passiert. Hier sind Aufstellungen zum Lösen der systemischen Verstrickungen ein guter Weg.

Manchmal geschieht ein Wunder und das Herz öffnet sich wie von selbst. Doch wenn wir darauf warten, dass ein Wunder geschieht, kann darüber das Leben vergehen. Denn große Wunder kommen, wie sie wollen. Das Wunderbare ist, dass wir selbst etwas tun können, unserem Herzen zu ermöglichen, sich vorsichtig zu öffnen. Dann geschehen täglich Wunder. Lies mehr dazu im Artikel „Selbstbestimmt leben. Wie geht das eigentlich mit dem Herz öffnen?

Wir können ganz bewusst Schritte gehen, dass das Herz aus seiner Vorsichtshaltung herauslugt und sich öffnen kann. Für uns selbst, für andere, für die Liebe. Liebe können wir nicht machen, sie entzieht sich unserem Wollen. Wir können nur immer mehr bereit dafür sein. Aufstellungen sind hier ein heilsamer Weg.

Ich wünsche dir ein selbstbestimmtes Leben in wertschätzenden, offenen und zugewandten Beziehungen zu den Menschen, die dich umgeben und mit denen du deinen Lebensweg teilst.

Herzlichst
Renate

 


Impressum:
Text: Dr. Renate Wirth
Foto: pixabay.com

www.aufstellungstage.de
www.renate-wirth.de
renate.wirth@aufstellungstage.de

Praxis: Prinzregentenstraße 7 in 10717 Berlin
Veröffentlichen des Textes und von dessen Auszügen nur mit Erlaubnis der Autorin.

Selbstbestimmt leben. Wie geht das eigentlich mit dem Herz öffnen?

Selbstbestimmt leben. Wie geht das eigentlich mit dem Herz öffnen?

Einmal wurde ich von einem guten Freund aus seiner Betroffenheit heraus nach einem Seminar gefragt: „Wie geht das eigentlich mit dem Herz öffnen?“ Ich war einen Moment sprachlos, was sollte ich da in zwei, drei Sätzen sagen? Nach einigen Sätzen, die nicht annähernd den Kern der Frage beantworten konnten, kam dann von mir der Satz: „Es ist ein großes Thema, da braucht es ein ganzes Seminar dafür.“ So entstand die Aufstellungswoche „Weite Seele – Weites Meer“ in Arillas auf Korfu, in der es um das Öffnen unseres Herzens geht.

Selbstbestimmt leben heißt, dass wir uns abgrenzen können, wenn wir es brauchen, dass wir aber ebenso unser Herz öffnen können, wenn wir uns eine zugewandte Beziehung wünschen.

Ich bin mir voll bewusst, dass auch eine Woche Seminar nur ein Einstieg in dieses große Thema sein kann. Dass es ein Lebensweg ist, immer mehr das Herz zu öffnen. Zu allererst für sich selbst. Dann für andere Menschen. Dann für alle Wesen und Wesenheiten. Dann auch für größere Kräfte, für Schicksalsbewegungen, für alles, für das Dunkle und Helle, das Schöne und Schmerzhafte, für Freude und Leid. Für das Leben wie es ist. Für alles.

Wie sollte da eine Woche ausreichen? Doch jeder Weg beginnt irgendwann mit dem ersten Schritt. Viele Schritte sind wir schon gegangen auf unserem Lebensweg, haben Erfahrungen gesammelt von der ersten Lebensstunde an, die unser Herz berührt haben, es geprägt und gestaltet haben. Wir haben keine Eile. Schauen wir also ganz entspannt auf die nächsten Schritte und gehen sie zuversichtlich in ihrer eigenen Zeit.

Wenn das Herz sich nicht öffnen kann

Es ist vollkommen berechtigt, auch manchmal das Herz zu schützen und zu verschließen, wenn wir es aus eigener Entscheidung tun. Doch es gibt immer wieder Situationen und Beziehungen, in denen sich unser Herz nicht aus eigener Entscheidung verschließt. Situationen, in denen es schwer fällt, das Herz zu öffnen, obwohl wir es uns selbst sehr wünschen. Oft sogar von ganzem Herzen wünschen.

So möchte Katrin, eine junge Frau, gern eine Paarbeziehung, aber immer wenn es ernst wird verschließt sich ihr Herz, sie bekommt Angst und Fluchtgedanken, und manchmal auch eine tiefe Abneigung. Sie weiß, dass diese Reaktion nicht zur Situation passt, denn gerade ihr jetziger Partner sei einfach freundlich und zugewandt. Dennoch kann sie nichts an ihrem inneren Rückzug ändern. Wie Katrin geht es vielen Frauen.

Oder Matthes. Sein Verhältnis zum Vater sei arg schlecht, erzählt er. Wenn er es genauer sagen würde: Er könne nur verächtlich auf den Vater schauen. Es störe ihn selbst, da der Vater ja „ganz ok.“ sei. Aber kaum mache der Vater eine Bemerkung, ziehe Matthes sich sofort in sein Schneckenhaus zurück und schaue von da aus abwertend auf den Vater.

Oft kommen Menschen, die sich ein besseres Verhältnis zur Mutter wünschen. Es gibt augenscheinlich keinen Grund für die innere Ablehnung. Aber beim besten Willen öffnet sich das Herz nicht für mehr Nähe.

Ein weites Herz

Die Natur mit ihrer Magie erreicht uns im tiefsten Herzen. Blühende Bergwiesen, ehrwürdige alte Bäume, majestätische Berge, ein Sonnenaufgang und das weite, weite Meer berühren uns zutiefst. Das Herz wird still und weit, es staunt, es ist von der Größe des Daseins berührt. Im Einklang mit dem Augenblick ist alles gut so wie es ist, wir können mit offenem Herzen frei und ruhig atmen. Mit allem verbunden sind wir im Frieden mit uns selbst.

Was macht den Zauber dieses Augenblickes? Es ist unser offenes Herz. Die Größe im Außen verbindet uns für kurze Zeit mit unserer eigenen Größe. Wir gehören dazu, zu dieser majestätischen Natur, wir sind ein Teil von ihr, wir sind wie sie selbst: Groß, berührend und voller Schönheit. In uns verbinden sich Himmel und Erde. Alles ist ein Geschenk.

Der Alltag

Im Alltag geht uns dieses Gefühl der Weite jedoch oft recht schnell wieder verloren. Ängste, Ärger, sorgenvolle Gedanken, körperliche und emotionale Schmerzen, Traumata und Mangelgefühle lassen das Herz eng werden. Doch unserer Seele ist das alles nicht wesentlich. Sie will lieben dürfen, weit werden, sich verbunden fühlen.

Die Seele

Sind unser Herz und unsere Seele das Gleiche? Ja und doch nicht ganz. Die Seele ist der fühlbare Aspekt des Geistes, des großen Geistes (spirit), der alles mit allem verbindet. Wir haben keine Seele, wir sind in einer Seele. Wir sind beseelt. Und auch unser Herz ist beseelt. Das Herz fühlt diese Seele und alles, was in ihr ist. Je näher wir verbunden sind, je mehr kann unser Herz dies fühlen.

Das Herz

Unser Herz ist mehr als ein Körperorgan. Es ist so groß in seiner Weisheit, dass unser Verstand es kaum erfassen kann. So meint das chinesische und japanische Zeichen für Herz den Herzgeist (jap. Kokoro) Bewusstsein, Inneres, Gemüt, Seele, das Wahre Wesen oder den Geist jenseits der Dualitäten.

Auch in unserem Kulturkreis wird das Herz immer mehr in seiner umfassenden Bedeutung gesehen. Das Herz hält uns nicht nur unermüdlich am Leben, es ist ein Wahrnehmungsorgan, wir können mit dem Herzen fühlen, denken, entscheiden, das Herz kann schwer sein oder leicht, eng oder weit, heiter oder traurig, wir können uns ein Herz fassen, das Herz kann schmerzen oder sogar brechen.

Das Herz ist energetisch zweigeteilt, und wenn es zu viel Leid fühlen muss, dann bricht es energetisch auseinander, es kann die Gefühle nicht mehr weiterleiten. Der Mensch kann keine Freude mehr fühlen und keinen Schmerz. Die Last war für das Herz zu schwer.

Doch nicht immer sind es existentielle Bedrohungen und schwere Verluste, die unser Herz verschließen. Das Herz schützt sich auch bei Sorgen und Angst, indem es eng wird und schmerzhaften Gefühlen nicht oder nur dosiert Einlass gewährt. Das ist sinnvoll zum Überleben. Doch ein enges Herz lässt unsere Energie nicht fließen, wir werden müde und fühlen uns im Mangel.

Selbsterlebte Verletzungen und familiäre Traumata

Ein Leben geht nicht ohne Verletzungen. Sind sie nicht so gravierend, heilt das Leben sie aus. Doch ein wesentlicher Mangel und große eigene körperliche und emotionale Verletzungen und Gefahren können die Biochemie und Erfahrungswelt so beeinflussen, dass das Herz in Vorsicht, Angst oder Groll sich eng zusammenzieht, eine Schutzmauer aufbaut und in diesem Zustand bleibt.

Selbsterlebte Verletzungen sind eine Ursache für ein sich schützendes Herz. Eine andere Ursache können systemische Traumata sein. Gefühle, die von anderen Menschen gefühlt werden, besonders von engen Familienmitgliedern, können unser Herz in Angst und Schrecken, in Wut, Groll oder Ablehnung versetzen. Das Herz reagiert so, als wären die Gefahren und Verletzungen uns selbst passiert.

Meist verbinden sich systemische Verletzungen und persönlich erlebter Herzschmerz, sie sind Folge oder bedingen sich. Aufstellungen ermöglichen einen heilsamen Weg, diese Schmerzen zu wandeln. Denn worum geht es bei der Heilung des Herzens, damit es sich trauen kann, sich neu zu öffnen? Was brauchen wir? Es sind neue Bilder. Neue innere Seelenbilder. Der Seele das zu ermöglichen, was sie im tiefsten Inneren möchte: Ankommen.

Neue innere Bilder

Für ein offenes Herz brauchen wir unbedingt das Gefühl, in der Welt willkommen zu sein, in der Welt einen Platz zu haben und dazugehören zu dürfen. Das Gefühl, dass unsere Liebe erwidert wird, dass es Sinn macht, auf dieser Welt zu sein. Wir brauchen ein offenes Herz wie die Luft zum Atmen, wir brauchen die Liebe, um gut leben zu können. Je offener unser Herz ist, desto mehr fühlen wir unsere Einbindung in das große Ganze, fühlen uns weit, reich beschenkt und fähig, liebevolle, beschützende, bereichernde Beziehungen zu leben.

Liebe und Angst

Es gibt nur zwei Grundausrichtungen: Liebe und Angst. Mit der Liebe sind viele Gefühle verbunden, so z. B. innere Weite, Freude, Zufriedenheit, Dankbarkeit, Offenheit, Zuversicht, Bereitwilligkeit, Mut, Fülle. Auch mit der Angst sind viele Gefühle verbunden, z.B. Abwehr, Groll, Ärger, Wut, Vorsicht, Unzufriedenheit, Anspannung, Enge, Missmut, Mangel.

Manchmal geschieht ein Wunder und das Herz öffnet sich wie von selbst. Wenn wir uns neu verlieben, wenn wir plötzlich in der Natur die Größe des Lebens erfahren, wenn wir große Gefahren wie durch ein Wunder überleben oder wenn wir spirituelle Erfahrungen machen dürfen. Das kann man nicht machen, das geschieht. Wir werden vom Leben beschenkt.

Doch wenn wir darauf warten, dass ein Wunder geschieht, kann darüber das Leben vergehen. Denn große Wunder kommen, wie sie wollen. Das Wunderbare ist, dass wir selbst etwas tun können, unserem Herzen zu ermöglichen, sich vorsichtig zu öffnen. Dann geschehen täglich Wunder.

Wie geht das?

Schau auf dich selbst. Wer bist du, was fühlst du, was wünschst du dir? Was sind deine Visionen, Gaben, Möglichkeiten und Grenzen? Wer ist dieses „Ich“? Stelle dir immer wieder die große Frage: Wer bin ich? Was möchte ich? Wem will ich dienen? Was will ich wirklich-wirklich?

Und wenn du nicht weiter kommst, dann mach eine Familienaufstellung. Denn familiäre Traumata können mit nachdenken nicht gelöst werden. Wenn deine Beziehung zur Mutter oder zum Vater, zu deinen Geschwistern, zu deinem Partner oder deiner Partnerin oder zu deinen Kindern belastet sind, dann ist es schwer, ein inneres Gefühl der Weite und Ganzheit zu haben.

Nur wenn wir keine Mangelbedürfnisse haben, können wir unser Herz öffnen für die Liebe, für andere Menschen und für uns selbst. Liebe können wir nicht machen, sie entzieht sich unserem Wollen. Wir können nur immer mehr bereit dafür sein. Eine Familienaufstellung kann familiäre Traumata wandeln und dich auf deinem Weg unterstützen. Hier findest du die Termine und kannst dich hier auch anmelden.

Hier noch einige Möglichkeiten, das Herz zu unterstützen:

Das sind im folgenden nur einige Ideen, sie haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Füge all dem einfach noch deine eigenen Erfahrungen hinzu.

Meditation: Meditation ist hilfreich, sich selbst kennenzulernen und sich dem, was ist, zu öffnen. Schau welcher Weg dir liegt, die Wege sind sehr verschieden. Wenn du einen Lehrer oder eine Lehrerin hast, der du vertraust, ist es einfacher, den Weg zu gehen.

Der Weg der Metta-Meditation (Herzmeditation) ist ein Weg des Mitgefühls und der Mitfreude, der das Herz sanft und nachhaltig öffnet. Du wünschst dir selbst, den anderen und allen Wesen Gutes. „Möge ich glücklich sein, möge ich sicher sein, möge ich gesund sein, möge ich mit Freude für mich selbst sorgen können“ sind ausgewählte Sätze, die im Inneren wiederholt werden. Zuerst für dich selbst, dann für andere.

Dankbarkeit: Geh den Weg der Dankbarkeit. Er ist ein Königsweg. Wenn du jede Erfahrung, die dir begegnet als eine Chance siehst, die das Leben dir schenkt, um zu heilen und damit jeder Erfahrung, wirklich jeder Erfahrung dankbar bist, dann wirst du irgendwann ganz im Frieden von dieser Welt gehen können. Und vorher leichter leben.

Handeln: Geh immer mehr vom NEIN zum JA. Zu dir selbst, deinen eigenen Gefühlen, zu dem was ist. Schau wo du „nein“ sagst. Und schau, was du brauchst, um zu dieser Situation JA sagen zu können. Was willst du ändern? Und dann schau, was du brauchst, um es zu ändern und dann tu es.

Körper: Sei freundlich zu deinem Körper, damit er neue Erfahrungen machen kann. Denn in ihm, und hier in jeder Zelle und besonders in den Faszien, sind belastende Gefühle gespeichert. Schenke ihm Fürsorge und neue Erfahrungen. Lerne ihn kennen, erhöhe deine Aufmerksamkeit, Körperempfindungen wahrzunehmen und zu verstehen. Lass dich berühren.

Natur und Atem: Geh in die Natur, so oft es geht, sie ist ein großer Lehrer und Heiler und öffnet das Herz. Ermögliche deinem Atem, frei zu fließen. Schau ob es Blockaden im Körper gibt, die deinen Atem behindern. Löse sie sanft, sie sind mit großen einengenden Erfahrungen verbunden.

Aromatherapie, Bachblüten und Pflanzenheilkunde: Rose, Jasmin, Estragon als Ätherische Öle (Duftlampe), Rosenölbäder, Duftmassagen, Basisöl Jojoba- oder Sesamöl (auf 1 EL Basisöl 2 Tr. Jasmin + 3 Tr. Estragon, Öl auf die Handflächen, Brust/Herzbereich sanft massieren)
Bachblüten: Red Chestnut (Rote Kastanie), Willow (Weide) und Chicory (Zichorie), jeweils 2 mischen
Pflanzenheilkunde: Weißdorn- oder Melissentee und Thymian-Honigwein unterstützen das Herz.

Edelsteine: Smaragd, Chrysopras, Jade und Rosenquarz, an einer Goldkette auf der Haut oder als Handschmeichler. Jade ist der Stein der Liebe. Du kannst dich auf den Rücken legen und entspannen und einen Jadestein auf die Brustmitte legen. Und Dir vorstellen, wie sich dein Herz immer weiter entspannt, wie es heilt und sich voller Vertrauen liebevoll öffnet.

Affirmationen und Vokalvibration: Kurz nach dem Aufwachen oder kurz vor dem Einschlafen, z.B.: Ich öffne mein Herz. Ich nehme mich so, wie ich bin, liebevoll an. Ich gebe und empfange mit offenem Herzen. Den Vokal „A“ tönen regt das 4. Chakra an.

Visualisieren: Lege dich auf den Rücken, die linke Hand auf die Brust in Herzhöhe, die Finger zeigen nach rechts, die rechte Hand darauf. Atme ganz entspannt. Stelle dir vor, dass du beim Einatmen in deine Hände Lebensenergie aufnimmst als goldenes Licht. Und dann stelle dir vor, wie diese Energie beim Ausatmen als goldenes Licht von deinen Händen in dein Herz fließt und du bei jedem Ausatmen ein wenig freier, weiter und heiler wirst.

Glauben: Der Glauben und die Verbindung zu größeren lichtvollen Kräften bewirkt das Gefühl, beschützt, geliebt und geborgen zu sein, wir können vertrauen, unser Herz öffnet sich wie von allein.

Zuversicht, Liebe und Ausklang

Lieben können wir von Anfang an, wir bringen diese Fähigkeit mit auf die Welt. Auch das Bedürfnis nach Verbundenheit und Geborgenheit. Von anderen Menschen gesehen, gehört, verstanden und berührt zu werden, empfinden wir als ein großes Geschenk.

Liebe erwächst aus unserer Ganzheit, sie erfüllt sich aus dem, was wir geben und ist der Sinn des Lebens. Liebe ist jetzt, Gegenwart, sie ist ein JA zu dem, was ist. Sie äußert sich in vier Aspekten: Liebevoller Zuwendung, Freude an der Freude des Anderen, Mitgefühl sowie zu wissen, wann man genug getan hat. Liebe ist absichtslos. Sie ist einfach.

Die Grundstruktur unseres Universums ist Einheit, Liebe und Verbundenheit. Wir sind alle miteinander verbunden, schon jetzt. Nur Deine Verletzungen stehen davor. Doch sie können heilen.

Du kannst ein Familienstellenseminar wählen, wenn es in deiner Familie nicht einfach ist. Hier findest du alle Termine und kannst dich hier auch anmelden. Oder du entscheidest dich für das Seminar „Selbstbestimmt leben“, in dem du üben kannst, das Eigene zu erkennen und zu schützen und ohne zu verletzen elegant Grenzen zu setzen. Und wenn du deinem Herzen viel Gutes tun möchtest, dann melde dich an für die Aufstellungswoche „Weite Seele – Weites Meer“ in Arillas auf Korfu direkt am Meer.

Sei von Herzen willkommen.
Alles Gute für dich.

Renate

 

 


Impressum:
Text: Dr. Renate Wirth
Foto: pixabay.com

www.aufstellungstage.de
www.renate-wirth.de
renate.wirth@aufstellungstage.de

Praxis: Prinzregentenstraße 7 in 10717 Berlin
Veröffentlichen des Textes und von dessen Auszügen nur mit Erlaubnis der Autorin.

Selbstbestimmt leben – den eigenen Weg gehen. Wie du elegant Grenzen setzen kannst, ohne den Anderen zu verletzen.

Selbstbestimmt leben – den eigenen Weg gehen. Wie du elegant Grenzen setzen kannst, ohne den Anderen zu verletzen.

Du bist überzeugt, dass du deinen eigenen Weg gehst? Dass du JA sagst wenn du JA meinst und NEIN sagst, wenn du NEIN meinst? Dass du dich selbst kennst, deine Gedanken, deine Gefühle, deine Talente, deine Wünsche, alles, was dich selbst ausmacht? Dass du weißt, was du SELBST bist und wie du dieses dein SELBST selbstbestimmt leben kannst? Das ist einfach wunderbar. Ganz und gar wunderbar. Dann brauchst du diesen Artikel nicht weiter zu lesen.

Solltest Du aber manchmal JA sagen, wenn du NEIN meinst oder nur mit schlechtem Gewissen deine eigenen Interessen vertreten, dann lohnt es sich, weiter zu lesen. Und nicht nur zu lesen, sondern auch zu schauen, wie du dir neue Möglichkeiten erschaffen kannst, immer mehr deinen eigenen Weg zu gehen.

Denn selbstbestimmt zu leben gehört zu unseren elementaren Grundbedürfnissen. Um gesund zu bleiben und in unserer Kraft zu sein brauchen wir die Möglichkeit, das Leben zu verstehen und es nach unseren Wünschen gestalten zu können.

Ein Gefühl der Weite

Als es mir zum ersten Mal gelang, in einer schwierigen Situation sicher und zielgerichtet Grenzen zu setzen, empfand ich ein unerwartetes Gefühl von Weite. Ich konnte plötzlich tief durchatmen, mein Brustkorb weitete sich förmlich, und in meinem Inneren entstand ein Gefühl von neuer und unerwarteter Freiheit. Zuerst verwunderte es mich, denn ich hatte bisher mit Grenzen setzen die Vorstellung von Abgrenzung, Eingrenzung und Enge verbunden. Doch das Gegenteil war der Fall.

Wie kam das? Ich hatte eine neue Freiheit erfahren. Die Freiheit, ohne Schaden und Schuldgefühle NEIN zu sagen. Die Freiheit, meine Bedürfnisse zu artikulieren und durchzusetzen. Und die Freiheit, den anderen klar wissen zu lassen, was ich brauche, denke und will. Ich war frei von der Angst, die Beziehung durch meine neu gesetzten Grenzen zu gefährden oder zu verletzen.

Als ich allein war, musste ich plötzlich laut lachen. So also fühlt es sich an, gesunde Grenzen zu setzen. Weit, leicht und frei. Ich experimentierte noch eine Zeitlang, dann war es mir klar: es muss gar nicht schwierig sein. Mit etwas Übung ist es leicht, elegant und sogar heiter.

Nun kann man natürlich die Techniken nur üben. So wie wir vom Lesen keine Muskeln bekommen, sondern nur vom Trainieren. Doch wenn wir uns für das Thema öffnen, dann kommen die anderen Dinge zu uns. Wir gehen in Resonanz mit dem Thema und eines fügt sich zum anderen.

Zugehören dürfen

Wir Menschen sind Horden-Wesen. Wir brauchen unbedingt die Gemeinschaft, um überleben zu können. Wir brauchen die Möglichkeit, in der Familie oder in einer Gruppe dazugehören zu dürfen. Das ist eines der Grundgesetze unseres menschlichen Daseins.

Ein Säugling kann allein nicht überleben. Auch wenn wir erwachsen sind ist uns das Bedürfnis, dazugehören zu dürfen, tief eingeerbt. Auch als Erwachsene fühlen wir uns nur sicher, wenn wir zu einer Gruppe dazugehören dürfen. Nicht nur in Gefahrensituationen, auch im ganz normalen Alltag müssen wir zu anderen Menschen dazugehören dürfen.

Für diese Zugehörigkeit sind wir bereit, auch das Eigene zu opfern. Wir sind uns dessen oft nicht bewusst. Doch die Angst, die Beziehung zu unserem Gegenüber zu verlieren, wenn wir die eigenen Interessen vertreten und verfolgen, wirkt unbewusst hinter vielen Entscheidungen und Verhaltensweisen mit.

Es jedem recht machen wollen

Es gibt keinen sicheren Weg zum Erfolg. Nur einen sicheren Weg zum Misserfolg, nämlich den, es jedem recht machen zu wollen.

Es geht einfach nicht. Wenn du aus der Angst heraus, dass der andere dich ablehnen wird versuchst, es ihm recht zu machen, verlierst du dich selbst und nicht selten auch ihn. Denn irgendwann wirst du nicht mehr in deiner Stärke sein, da du dich selbst aus den Augen verloren hast.

Begegnung geschieht immer an der Grenze

Begegnung geschieht immer an der Grenze. An der Grenze zwischen dir und mir. Wir brauchen sichere Eigengrenzen, um uns aus dieser Sicherheit heraus für andere und das große Ganze öffnen zu können, ohne uns selbst zu verlieren. Nur so haben wir die Fähigkeit, die Grenzen selbstbestimmt öffnen oder schließen zu können. Nicht wie der Andere das möchte, sondern wie wir das wünschen.

Wo und was sind unsere Eigengrenzen? Unsere Haut und Aura markieren eine Grenze, aber auch unsere Worte und Gesten, Gefühle und Gedanken sind Grenzen, die wir beeinflussen können.

Ebenso können ein räumlicher oder zeitlicher Abstand oder eine emotionale Distanz klare Grenzen aufzeigen. Auch indirekte Grenzen, die wir als Gürtellinie, Archillesferse, Fettnapf bezeichnen, sind Grenzen.

Welche dieser Grenzen nutzt du in vollem Bewusstsein und in welchen Situationen? Welche eher selten oder gar nicht? Wo beginnst du und deine Aura? Wie weit darf wer dir nahekommen? Welche Worte und Gesten, welche Mimik benutzt du, um Nähe und Distanz zu gestalten?

Das Gute an Grenzen

Grenzen geben Sicherheit. Sie geben Orientierung und ermöglichen Ehrlichkeit. Sie ermöglichen, zu sich selbst zu stehen, die eigenen Wünsche zu leben, den eigenen Weg zu gehen. Grenzen geben Schutz und bewirken Achtung, Respekt und Selbstrespekt. Grenzen ermöglichen Liebe und ein Miteinander, in dem es beiden gut geht. Es lohnt sich.

Grenzprobleme

Grenzprobleme äußern sich auf verschiedene Art und Weise. Es gibt Menschen, die kein NEIN sagen können, andere können nicht JA sagen, wieder andere können das NEIN oder das JA der anderen nicht hören. So verschieden die Symptome auch sind, in allen Fällen gibt es kein sicheres Miteinander.

Zu nachgiebige Menschen: Weil offene Grenzen

Zu nachgiebigen Menschen fällt es schwer, NEIN zu sagen. Sie können dem Anderen nur schwer Grenzen setzen und merken zu spät, wann und wo sie hätten ein NEIN sagen wollen. Sie haben oft Angst vor Liebesverlust, Ausgrenzung und Zurückweisung. Doch wer nicht NEIN sagen kann, wird krank. Viele klinisch-psychologische Symptome und Erkrankungen, wie Depression, Angstzustände, Essstörungen, Süchte, Zwangserkrankungen, Burnout, chronische Müdigkeit, Wut, Hass, Missbrauch und Gewalt, Ehe- und Beziehungsschwierigkeiten, u.v.m. haben ihre Wurzel in Konflikten mit Grenzen.

Doch Konflikte mit Grenzen haben nicht immer Krankheitscharakter. Das Gefühl, überfordert zu sein, sich ständig zu bemühen und doch nicht alles zu schaffen und Schuldgefühle beim NEIN-Sagen können dazu führen, dass das Leben außer Kontrolle gerät. Der Alltag hinterlässt das ständige Gefühl, dass alles nicht zu schaffen ist, die Anforderungen von außen steigen, die Leistungsfähigkeit sinkt. Seele und Körper sind müde. Und irgendwann sind die eigenen Grenzen erreicht und überschritten.

Ursachen können traumatische Erfahrungen der Kindheit, Verluste in der Familie, auch in früheren Generationen, fehlende Geborgenheit und fehlende Vorbilder sein. Das Üben, NEIN zu sagen ohne den anderen zu verletzen ist ein Weg. Gleichzeitig ist es aber wesentlich, familiäre Traumata zu lösen, die bis in die Gegenwart wirken.

Hier kann eine Familienaufstellung ein großer Segen sein. Ich habe viele Menschen erlebt, deren Nähe-Distanz-Probleme sich erst nach einer Aufstellung verändern konnten. Denn es ist notwendig, die Ursachen zu finden und zu lösen, die dem Problem zugrunde liegen.

Manipulative Menschen: Die Grenzen nicht akzeptieren

Ein anderes Grenzproblem haben diejenigen Menschen, die das NEIN der anderen nicht hören und nicht akzeptieren wollen und können. Sie versuchen, den Anderen manipulativ oder aggressiv zu beherrschen und ihren Willen durchzusetzen. Diesem Verhalten liegen oft Hilflosigkeit, frühe Traumata oder Kindheitserfahrungen zugrunde, die kein klares Miteinander ermöglicht haben. Sie wurden entweder selbst oft nicht gehört, hatten zu nachgiebige Eltern oder wuchsen mit sich widersprechenden Botschaften auf. Immer wieder sehe ich, dass frühe Trennungen und familiäre Traumata Ursache für dieses Verhalten sind.

Auch hier ist das Leid groß. Einsamkeit, das Gefühl, das Nähe bedrohlich ist, fehlende gute, tragende Beziehungen und Schwierigkeiten, im Beruf erfolgreich zu sein machen das Leben schwer. Auch hier kann eine Familienaufstellung ein großer Segen sein.

Unzugängliche Menschen: Wenn das Vertrauen fehlt

Menschen, die aus Vorsicht oder Resignation sich einer Beziehung zu anderen Menschen verschließen, sind oft unzugänglich. Ihnen fällt es schwer, ihre Grenzen zu öffnen. Aus dem Bedürfnis, nicht verletzt zu werden, lassen unzugängliche Menschen ihre Grenzen auch dort geschlossen, wo sie ein ungefährliches Miteinander haben könnten.

Menschen, denen das Vertrauen fehlt, glauben nicht an die gute Absicht des Anderen. Sie können nicht um Unterstützung bitten, da sie von vornherein davon ausgehen, dass der Andere nicht bereit ist, sie zu geben. So vermeiden sie, dem Anderen an der eigenen Grenze zu begegnen.

Nun könnten wir ja sagen, diese Menschen entscheiden selbstbestimmt. Doch es ist nicht so. Sie haben nicht die freie Wahl, es bleibt ihnen nichts anderes übrig. Oft leiden diese Menschen an Einsamkeit und Selbstzweifeln und hätten gern die Möglichkeit, anders entscheiden zu können.

Die Ursachen von Grenzproblemen

Die Ursachen von Grenzproblemen sind vielfältig. Meist sind es frühe Grenzverletzungen durch körperliche, seelische und emotionale Gewalt, z.B. bei Alkoholerkrankung, Sucht, psychisch kranken und instabilen Eltern, Feindseligkeit, körperlichem oder emotionalem Missbrauch, Liebesentzug bei Widerspruch. Auch Glaubenssätze, die behindern, Angst und Schuldgefühle sind Ursachen, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse hintenan zu stellen und dem eigenem SELBST keinen Raum gewähren zu können.

Das SELBST kennenlernen

Wenn ich in einer Aufstellung den Klienten, das Selbst und die Seele aufstelle, dann kann man fast ausnahmslos sehen, dass der Klient nicht auf das eigene SELBST schaut, sondern wie gebannt auf den Seelenaspekt. Die Seele ist der Aspekt, der über uns hinausweist und uns mit dem uns Umgebenden verbindet. Zumeist ist dies unsere Familie.

Stellen wir in der Aufstellung dann Aspekte der Familie auf, zeigen sich oft große emotionale Bewegungen. Unbeachtet, manchmal voller Angst, manchmal aber auch ganz klar steht das SELBST da. Wenn sich die familiären Verstrickungen lösen konnten kommt dann der so wesentliche Moment: Der Klient (oder die Klientin) schaut zum ersten Mal auf das eigene SELBST.

Verwundert, manchmal ungläubig, manchmal voller Freude und Liebe. Jetzt erst wird er sich seiner SELBST bewusst. Er sieht die eigene Schönheit und Stärke. Die die ganze Zeit schon da war. Ein neues Kapitel kann beginnen.

Mit dem eigenen SELBST auf das Leben schauen

Was kannst du jetzt tun? Jetzt kannst du üben, elegant und freundlich Grenzen zu setzen, um dein SELBST zu beschützen. Ihm in deinem Leben Raum zu geben. Deinen Gaben, deinen Wünschen, deinen Zielen, deinem ganz eigenen Wesen Raum zu geben.

Suche dir ein Motiv, das auf die Zukunft ausgerichtet ist

Vermeide Motive, die auf die Vergangenheit ausgerichtet sind. Aus Furcht vor Liebesverlust, vor Zorn, Gewalt und Unzufriedenheit, vor Einsamkeit, Schuldgefühlen, Gesichtsverlust und Rückzahlung Grenzen zu setzen sind auferlegte Grenzen.

Wenn das Motiv auf die Zukunft ausgerichtet ist, so sind die Grenzen frei gewählt. Sie sind ausgerichtet auf Orientierung, Sicherheit, Selbstachtung, Achtung des Anderen, Liebe und Selbstliebe, Vertrauen und Selbstvertrauen, Entscheidungsfreiheit, Hingabe und Offenheit.

Was liegt in deiner Verantwortung?

Innerhalb deiner Verantwortung liegen deine Gefühle, Gedanken, Einstellungen und Überzeugungen, deine Handlungen, Wünsche, Talente, Worte und Werte, dein Vertrauen und deine Liebe. Das ist viel.

Doch nicht alles liegt in deiner Verantwortung und ist von dir zu beeinflussen. Außerhalb deiner Verantwortung liegen dein Schicksal und die Gefühle, Sichtweisen und Handlungen der Anderen. Du kannst sie nicht beeinflussen. Auch für systemische Verstrickungen und familiäre Traumata bist du nicht verantwortlich. Es liegt nicht in deiner Macht zu entscheiden, in welche Familie du hineingeboren wirst und was da geschehen ist in der Familiengeschichte, da kannst du nichts dafür.

Doch es liegt in deiner Macht, diese Ereignisse deiner Familiengeschichte in dein Leben so zu integrieren, dass sie dich nicht mehr schwächen, sondern dir sogar als Ressource zur Verfügung stehen.

Das ist der Sinn einer Familienaufstellung. Zu sehen, was wirkt und zu finden, was löst. Um die Chance zu haben, nicht von den Ereignissen bestimmt zu werden, die schon lange der Vergangenheit angehören, sondern den eigenen Weg selbst mitzugestalten. Dass du dich öffnen kannst für ein liebevolles Miteinander. Oder auch NEIN sagen kannst ohne Schuldgefühle.

Nein sagen ohne Schuldgefühle

Wer JA sagen kann, kann auch NEIN sagen. Sage JA wenn du JA meinst und sage NEIN, wenn es gegen deine Interessen geht.

Wer manchmal NEIN sagt wird geachtet. Er vermittelt, dass seine Zeit kostbar ist. Wenn du das Muster durchschaust, warum du JA sagst, wirst du frei für ein NEIN. Sage NEIN ohne zu verletzen. Wenn du NEIN sagst, bleib dabei.

Nein sagen ohne zu verletzen

Schau auf dein Gegenüber wohlwollend. Auch wenn der andere etwas anderes möchte als du. Billige ihm zu, eine andere Meinung und andere Ziele zu haben. Das ist rechtens. Schau, wohin er schaut, damit du ihn verstehen kannst. Dann schau auf deinen Wunsch und deine Ziele.

Finde heraus, was dir fehlt. Was wünschst du dir? Wesentlich ist, ein starkes Motiv zu finden, das auf die Zukunft ausgerichtet ist. Und übernimm die Verantwortung für dich selbst. Nicht der Andere ist für dein Wohlergehen verantwortlich. Nur du selbst bist es.

Und wunderbar ist es, wenn du Freude daran hast, elegant und zugewandt Grenzen zu setzen. Das macht alles viel leichter.

Die Techniken:

Zentriere dich. Entspanne, stelle Blickkontakt her, hab einen guten Stand. Signalisiere deine Bereitschaft: Ich habe Interesse an dir und höre dir zu. Dann teile deine eigene Wahrheit mit, nur einen Satz, kein Zögern, die Stimme klar, verständlich und ruhig, nicht hoch, – dann Schweigen.

Keine Rechtfertigungen oder Entschuldigungen und keine Erklärungen. Wenn du NEIN sagst bleib dabei. Auch wenn der andere bettelt, fleht oder droht. Deine Klarheit wird auch andere positiv beeinflussen. Wenn Du den Kontakt halten möchtest, gib eine Aussicht auf später, andere Alternativen und ein neues Miteinander. Zuletzt ermögliche einen freundlichen Abschied.

Du hast es ausprobiert? Herzlichen Glückwunsch. Lobe dich, egal wie es war. Registriere deine Gefühle und schreibe sie ggf. auf. Respektiere deine Reaktionen, aber auch die deines Gegenübers. Übe weiter, auch mit Freunden. Körperübungen zum Zentrieren sind gut. Und stärke deine Eigengrenzen, Struktur schaffen hilft zur Klarheit.

Setze deine Bedürfnisse an erste Stelle

Setze deine Bedürfnisse an erste Stelle. Du bist nicht weniger wichtig als der Andere.
Du bist genau so viel wert wie der Andere. Rede dir keine Schuldgefühle ein und lass dir keine einreden.

Übe solche Sätze: „Ja, ich habe mich entschlossen, das zu tun. Ja, das entspricht genau meinen Vorstellungen. Nein, das werde ich nicht tun. Nein, das möchte ich nicht.“

Keine Angst vor Gefühlen

Unsere Gefühle sind die Boten für unsere Wünsche. Auch wenn sie manches Mal den anderen nicht passen und vielleicht auch dir selbst nicht, verdränge sie nicht, schicke sie nicht weg. Sie zeigen dir, was du eigentlich brauchst und dir wünschst. Such dir einen geschützten Platz, wo sie sein dürfen, nimm sie wahr und höre ihnen zu, wenn du sie aushalten kannst.

Fehler dürfen sein. Sage einfach: Es tut mir leid. Das ist genug. Und dann korrigiere den Fehler, wenn es möglich ist. Kein Streit. Kein Kampf. Nur Klarheit.

Wie geht es weiter?

Oft ist lesen nicht genug. Sich klar und freundlich, elegant und selbstsicher, wohlwollend und ohne Schuldgefühle abzugrenzen braucht Übung. In Verbindung mit der Möglichkeit, familiäre Traumata zu lösen. Dafür gibt es das Seminar „Selbstbestimmt leben“. Hier kannst du dich anmelden, wenn du weitere Schritte gehen möchtest. Sei willkommen.

Anliegen des Seminars ist, das Selbst (deine Gaben, deine Talente, die nur du mit auf die Welt gebracht hast), dein handelndes und denkendes Ich und deine mit allen verbundene Seele wieder zusammen zu führen. Traumata haben sie getrennt. Wenn alle drei wieder zusammenkommen, sich sehen, sich wirklich erkennen und anlächeln, dann werden wir ganz und frei.

Ich wünsche dir viel Freude beim Üben und Ausprobieren.
Alles Gute für dich.

Renate

 

 


Impressum:
Text: Dr. Renate Wirth
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