Kategorie: Schicksal

Vertrauen in das Leben. Wie es dir möglich wird, trotz Schicksal in das Leben zu vertrauen

Vertrauen in das Leben. Wie es dir möglich wird, trotz Schicksal in das Leben zu vertrauen

hell und dunkel

Eine große Sehnsucht

Wir haben wohl alle eine große Sehnsucht danach, uns fallenlassen zu können in eine allumfassende Geborgenheit. In dieser Welt gehalten und geborgen zu sein. Einfach sicher zu sein.

Doch wir haben viele Male genau eine gegenteilige Erfahrung gemacht. In vielen Situationen hat es immer und immer wieder an dieser Sicherheit und Geborgenheit gefehlt.

Wir haben Enttäuschungen erlebt, Schicksalsschläge, unerwartete Verluste, Abwertung und Zurückweisungen. Wie kannst du da in solch ein unbeständiges, unsicheres, sich immer wandelndes Leben vertrauen?

Ich glaube daran, dass das Leben mir immer wieder die Hand reicht

Vertrauen in das Leben heißt für mich: Ich glaube daran, dass das Leben mir immer wieder die Hand reicht und mir Lösungen zeigt, auch und besonders in schmerzhaften Stunden.

Ich glaube daran, dass das Leben mir immer wieder Chancen bietet. Und ich glaube daran, dass das Leben selbst eine Chance ist: Zu heilen, zu lernen und Gutes zu tun.

Bin ich da blauäugig bei allem, was immer wieder und gerade auch jetzt in der Welt geschieht? Ist Vertrauen in das Leben nur ein Glauben? Der Glauben, dass das Leben letztendlich gut ausgeht? Nur eine Hoffnung?

Ja, es gehört auch der Glauben dazu, dass es das Leben gut mit mir meint. Aber es gehört vor allem die Erfahrung dazu, die ganz persönliche Erfahrung, dass das Leben trotz aller Schwierigkeiten und Herausforderungen mir doch immer die nächsten guten Schritte gezeigt hat.

Dass aus allem Schmerzhaftem letztendlich auch immer etwas Gutes, Heilsames, Neues entstanden ist.

Dem Leben zu vertrauen heißt, meinem Eingebundensein in diese Welt zu vertrauen. Meinen Eltern zu vertrauen.

Darauf zu vertrauen, dass es einen Platz gibt für mich in dieser Welt, dass ich willkommen bin.

Auch wenn das Leben herausfordernd ist, auch wenn es mal seine hellen und mal seine dunklen Seiten zeigt. Zu vertrauen, dass alles zusammen gehört und es dennoch immer wieder gut weiter gehen kann.

Der Start ins Leben: Bist du willkommen und behütet in diesem Leben?

Nicht immer sind die Bedingungen für den Start ins Leben günstig. Vielleicht haben Traumata in der Herkunftsfamilie der Eltern oder selbst erlebte Traumata vor oder während der Geburt deinen Start ins Leben erschwert und dein Vertrauen in dieses Leben von vornherein eingeschränkt oder ganz und gar unmöglich gemacht.

Vielleicht wurdest du nicht freudig erwartet oder warst gleich nach der Geburt von den Eltern getrennt oder hattest medizinische Eingriffe zu erdulden. Dann bist du berechtigterweise in eine Vorsichtshaltung gegangen, hast dich in deiner Seele zurückgezogen, statt dich vertrauensvoll auf dieses neue Leben einlassen zu können.

Auch Trennungen und Traumata in den ersten Lebensjahren hinterlassen Schmerzen und Narben in der Seele. Dann entsteht statt eines vertrauensvollen Sich-einlassen-können ein Zustand ständiger innerer Vorsicht, um neuen Gefahren zu entgehen.

Dieser Zustand bewirkt eine Art Dauerstress in der Seele und eine Kompensationshaltung als innere Haltung, um diesen Stress zu ertragen und nicht ständig fühlen zu müssen.

Diese Kompensation kann ganz verschiedene Gesichter haben: Es kann eine innere Kampfansage dem Leben gegenüber sein: „Du kriegst mich nicht unter!“.

Oder ein resignierter innerer Rückzug: „Ich kann mich auf niemanden verlassen“ oder „Ich kann nur mir selbst vertrauen.“

Was du tun kannst, wenn dein Verhältnis zu deinen Eltern nicht leicht ist

Ganz besonders hilfreich ist eine Familienaufstellung, wenn das Verhältnis zwischen dir und deinen Eltern schwierig oder belastet ist. Besonders wenn es schon vom Anfang des Lebens her nicht einfach war zwischen dir und deinen Eltern und so in dir kein Grundvertrauen entstehen konnte.

Das Leben kommt nun mal von unseren Eltern, und wenn du es nicht leicht hattest mit dem vertrauensvollen Verhältnis zu deinen Eltern, dann ist es mit dem Vertrauen ins Leben auch nicht wirklich leicht.

Eine Familienaufstellung kann hier Wunder bewirken. Ich habe viele, wirklich sehr viele berührende und heilsame Aufstellungen erleben dürfen, in denen es auch noch nach Jahrzehnten zu einem vollkommen neuen Verhältnis zu den eigenen Eltern kommen konnte.


Wenn du dir wünschst, dass dein Verhältnis zu deinen Eltern sich entspannt und freundlich, liebevoll oder verständnisvoll wird, dann mach eine Familienaufstellung. Schau hier nach den Terminen für ein Seminar, du kannst dich hier auch anmelden.

Oder vereinbare einen Termin für eine Einzelsitzung oder gönne dir die Teilnahme an der Jahresgruppe zur Weiterbildung, sie ist ein Geschenk an dich selbst für dein ganzes Leben.

Unabhängig davon, ob deine Eltern noch leben oder nicht, ob du bei deinen Eltern aufgewachsen bist oder nicht, ob deine Eltern zusammen gelebt haben oder ob du deinen Vater kanntest: Eine Familienaufstellung zeigt die Dynamiken auf, die in deiner Familie auf dich wirken. Sie wird ein neues Verhältnis zu deinen Eltern ermöglichen.

Wenn du dir nicht sicher bist, ob eine Familienaufstellung der hilfreiche Schritt für dich ist, dann klicke hier, wir senden dir dann kostenlos das E-Book „5 Schritte zu mehr innerer Freiheit“ zu.


Plötzlich und unerwartet: Mit dem Tod konfrontiert

Doch selbst wenn der Start ins Leben günstig für dich war und du die segensreiche Erfahrung machen konntest für ein Grundvertrauen, so gibt es dennoch keine Garantie, dass dieses Vertrauen nicht im Laufe des Lebens erschüttert wird. Manchmal erleben wir plötzlich und völlig unerwartet schwierige Situationen, die das Leben an uns heran trägt.

Eine schwere existentielle Erkrankung, deren Diagnose mich bei vollkommener Gesundheit plötzlich mit der Möglichkeit des Todes konfrontiert. Plötzlich ist alles anders. Ich habe nichts gemerkt. Worauf kann ich da noch vertrauen? Nicht einmal in meinen eigenen Körper und nicht in meine eigene Wahrnehmung. Wie kam es, dass ich vorher nichts gemerkt habe?

Oder dieser Unfall eines Freundes. Kein Abschied. Gestern war er noch da, wir haben gemeinsam Tee getrunken, erzählt und gelacht. Und heute? Jetzt gibt es nie wieder eine Chance, auch nur für 5 Minuten beieinander zu sein.

Oder diese plötzliche Trennung. Der Geliebte hat eine andere Frau, und das schon seit einiger Zeit. Und ich habe nichts gemerkt. Wem kann ich hier noch vertrauen? Dem Leben? Dem Schicksal? Mir und meiner Wahrnehmung? Nicht dem Geliebten und nicht dieser Frau, die ich so gut zu kennen glaubte. Und kann das nicht immer wieder passieren?

Vorsicht ist von Natur aus sinnvoll

Ja, das kann immer wieder passieren. Nichts ist von Dauer, nichts ist sicher. Das Leben ist ständiger Wandel. Nichts bleibt wie es ist, wirklich gar nichts. Vorsicht und Umsicht sind deshalb wichtig für unser Überleben.

Auch das fehlende Vertrauen und das Misstrauen sind ein Überlebensschutz und von Natur aus sinnvoll, sie schränken jedoch unser Leben stark ein. Wir brauchen Inseln der Sicherheit und Geborgenheit, um nicht in Dauerspannung immer auf der Hut und auf der Suche nach sicheren Lebensbedingungen zu sein.

Wenn dich schwere Ereignisse getroffen haben wird es meist schwierig, an ein gutes Ende zu glauben. Wir machen dem Leben, dem Schicksal, uns selbst Vorwürfe. Und das Vertrauen ins Leben ist nicht mehr fühlbar.

Wenn ein besonderer Schicksalsschlag in deinem Leben dein Vertrauen stark auf die Probe gestellt hat oder es einfach hinweggewischt hat, dann ist eine Aufstellung wirksame Hilfe. Wenn du erkennen kannst, womit das Ereignis verbunden ist, welche Gefühle dich jetzt besonders belasten und wie du eingebunden bist in größere Zusammenhänge, dann werden Heilungsschritte möglich.


Und wenn du auch nicht sofort neu vertrauen kannst, so kannst du doch mit dem Ereignis in Frieden kommen. Diese innere Zustimmung heilt und gibt neuem Vertrauen wie einer zarten Pflanze eine Chance, da zu sein und zu wachsen. Dem Vertrauen, dass nach jedem Winter ein Frühling kommt und nach jeder Nacht ein neuer Morgen. Und dass das Leben sinnvoll weitergeht.

Zweimal im Jahr leite ich ein Themenseminar Vertrauen am Benediktushof in Holzkirchen. Der Benediktushof ist ein ganz besonderer Ort der Stille.

Im Seminar arbeiten wir mit Familien- und Traumaaufstellungen, Körperarbeit, Gespräch und Meditation. Das Sitzen in der Stille unterstützt uns, uns zu zentrieren und aus unserer inneren Mitte heraus zu handeln. Hier findest du die Termine und kannst dich hier auch anmelden.

Was du noch tun kannst

Setze dich hin und schreibe auf, was das Leben dir bisher Gutes getan hat. Nimm dafür ein großes Blatt Papier. Wenn du magst, nimm bunte Stifte und klebe Bilder dazu.

Und dann beantworte dir selbst folgende Fragen: Was habe ich vom Leben bekommen bei meiner Geburt? Welche Gaben? Was hat mir das Leben für Hilfen geschenkt in schwierigen Situationen? Welche Chancen hat mir das Leben bisher gewährt und geschenkt?

Was hat mir das Leben für Herausforderungen gestellt und wie hat es mir ermöglicht, diese Herausforderungen zu meistern? Wofür bin ich dem Leben dankbar? Was ist gut, was soll so bleiben? Und was wünsche ich mir noch vom Leben?

Und schreibe auch dazu, was du bereit bist dem Leben (als Gegenleistung) zu geben für alles Gute, was es dir geschenkt hat. (Dankbarkeit, deine Zeit, Liebe, Freude, Bereitwilligkeit, Vertrauen, Kraft, Zuversicht…)

Vertrauen in größere Kräfte

Wenn es dir gegeben ist, in größere Kräfte zu vertrauen, so wird es mit dem Vertrauen in das unbeständige Leben leichter. Vertrauen in eine größere Kraft ist der Glaube an eine wohlwollende, liebevolle Kraft, die uns begleitet. Für Kinder ist die Existenz von Kräften, die nicht sichtbar sind, aber dennoch da sind, noch vollkommen normal.

Als unsere damals dreijährige Freundin Luka bei uns zu Besuch war, saß sie im Garten gedankenverloren im Gras und strich mit ihren kleinen Fingern immer wieder durch das weiche Gras. Als ich sie fragte, ob sie denn nachdenke, antwortete sie: „Nein, ich kämme Mutter Erde die Haare.“ Es war nichts Verwunderliches daran.

Im Laufe des Lebens gelangt diese Überzeugung jedoch immer mehr in Vergessenheit. Wie es möglich wird, größeren Kräften neu zu vertrauen weiß ich nicht. Vielleicht ist es Gnade, vielleicht eine innere Öffnung in besonderen Lebenssituationen.

Manchmal erfahren wir die Größe und Unermesslichkeit der Schöpfung in der Verbindung mit der Natur. Im Römerbrief lesen wir: Gott ist zwar unsichtbar, doch an seinen Werken, der Schöpfung, haben die Menschen seit jeher seine göttliche Macht und Größe sehen und erfahren können (Römer 1,20 Hfa).

Es gibt im Leben eines Menschen manchmal plötzlich einen Moment, in dem er mit unumstößlicher Sicherheit weiß, dass es größere Kräfte gibt, die außerhalb seiner eigenen Möglichkeiten wirken. Und manchmal sind es gerade die sehr schweren Lebenssituationen, die uns diese Einsichten schenken.

Nicht nur in einer Kathedrale, auch an ganz unerwarteten Orten und Situationen kann uns die Gewissheit begegnen, behütet und getragen zu sein.

Wir Menschen haben verschiedene Namen für diese Kräfte, die jenseits von Raum und Zeit wirken. Wir nennen sie unter anderem Gott, Jesus, Maria, Schutzengel, Lichtwesen, Ahnen, Schicksal, Leere, Gottheit, das große Ganze ….

Wer größeren Kräften vertraut, macht die Erfahrung: Ich bin eingebunden in einen größeren Zusammenhang, der über mich hinausweist. Er geht über mein eigenes SEIN hinaus.

In diesem Eingebundensein bin ich sicher, gewollt, geliebt und beschützt. Ich erfahre die Qualitäten von Stille, Reinheit, Heilung, Schönheit, Liebe. Ich darf einfach da sein.

Ein Angebot zum Ausprobieren

Vertrauen in größere Kräfte heißt hier: Es gibt Kräfte, die über mich hinausweisen und die mir wohlgesonnen sind. Kräfte der Liebe, des Schutzes, des Mitgefühls und der Heilung. Du kannst ausprobieren, dir vorzustellen, dass auch du beschützt bist.

Setze dich entspannt an einen bequemen Platz und schließe die Augen. Stelle dir eine Kraft vor, die dich genau so annimmt wie du bist. Vielleicht entsteht in dir ein Name für diese Kraft. Stelle dir vor, dass sie dich behütend und liebevoll beschützt. Und dann entspanne dich in diesen Schutz hinein.

Ruhe einfach aus, fühle den tiefen Frieden, der von dieser Liebe ausgeht und dich weich umfängt. Lass für kurze Zeit die Fragen. Es ist gerade nicht wichtig, dass du verstehst. Wenn es genug ist, öffne langsam wieder die Augen.

Wenn du noch kein Vertrauen fühlst, dann tu so „als ob“. Dieses „Tun als ob“ ist das Tor, durch dass die Zuversicht kommen kann. Und falls das alles nichts für dich ist, dann mach dir da nichts draus. Lass es einfach sein. Auch gut. Manchmal geschehen die Wunder gerade dann, wenn wir sie weder wollen noch erwarten.

Die Zweifel kommen mit Sicherheit

Ja, die Zweifel kommen mit Sicherheit, sie gehören zum Vertrauen dazu. Schicke sie nicht weg, denn sie kommen wieder, schneller als du denkst.

Das Yoga Rahasja, eine Form des Yoga, schreibt u.a. zum Umgang mit dem Zweifel:
Sprich folgenden Satz aus oder denke ihn: „Eine größere Kraft wird mich beschützen.“ Dann schau auf den Zweifel, schau ihn still an, sieh ihn dir gegenüberstehen und schau genau hin, und dann richte dich wieder aus auf deinen Satz: „Eine größere Kraft wird mich beschützen.“

Tue das immer wieder, wenn der Zweifel kommt. Wenn der Zweifel kommt, schau ihn an, aber dann geh weiter deinen Weg. Lass die größere Kraft und ihren Schutz immer mehr in dich hinein, damit sie in dir wirken kann. Ohne zu wissen wie.

Wunderbare Momente des Vertrauens

Vertrauen in das Leben ist ein Weg. Manchmal gelingt er ganz leicht, da gibt es keinen Zweifel mehr. Ein andermal braucht es schon eine besondere innere Ausrichtung, um das Vertrauen nicht zu verlieren. Aber immer wieder kann ich in den Aufstellungen sehen: Unsere Seele will lieben dürfen. Sie will vertrauen können und sich dem Leben öffnen. Das ist ihr eigentliches Wesen.

So wünsche ich dir immer wieder wunderbare Momente des Vertrauens. In das Leben, in andere Menschen, in größere Kräfte und in dich selbst.

Renate

 

 


Impressum:
Text und Foto: Dr. Renate Wirth

www.aufstellungstage.de
www.renate-wirth.de
renate.wirth@aufstellungstage.de

Praxis: Prinzregentenstraße 7 in 10717 Berlin
Veröffentlichen des Textes und von dessen Auszügen nur mit Erlaubnis der Autorin.
Familienaufstellungen. Mehr innere Freiheit

Schicksal oder freier Wille? Wie es dir immer mehr gelingt, selbstbestimmt zu leben.

Schicksal oder freier Wille? Wie es dir immer mehr gelingt, selbstbestimmt zu leben.

Selbstbestimmt leben

Selbstbestimmt zu leben gehört zu unseren elementaren Grundbedürfnissen. Um gesund zu bleiben und in unserer Kraft zu sein brauchen wir die Möglichkeit, das Leben zu verstehen und es nach unseren Wünschen gestalten zu können.

Du hattest gerade alles mit viel Engagement nach deinen Vorstellungen gestaltet, da trennt sich plötzlich der Partner, oder jemand stirbt viel zu früh oder die Arbeit geht verloren. Wo bleibt da der freie Wille und die Chance, selbstbestimmt zu leben?

Es sind nicht nur große Schicksalsschläge, die unserem freien Willen Grenzen setzen. Es sind auch die immer wiederkehrenden belastenden Gefühle, die wir nicht verstehen können. Traurigkeit, obwohl wir niemanden verloren haben, plötzliche Wut, die nicht passend zur Situation ist oder lang anhaltender Groll, der sich auch bei allem guten Willen nicht auflösen lässt.

Und diese immer wiederkehrenden Muster! Immer wieder der falschen Partner. Immer wieder Geldprobleme. Immer wieder Streit in der Familie. Und dabei hattest du es dir so fest vorgenommen, dass sich das endlich ändern wird! Doch mit allem guten Willen ist es bisher nicht gelungen. Das ist doch in keinster Weise selbstbestimmt!

Dass sich das Leben unablässig wandelt und dass nichts so bleibt, wie es soeben noch war, ist nicht das Schlimmste, wir haben ja auch die Fähigkeit, uns immer wieder neuen Bedingungen anzupassen und uns neu zu entscheiden. Doch oft haben wir nicht das Gefühl, das Leben so gestalten zu können, wie es deinen eigenen Wünschen entspricht. Was liegt dem zugrunde und wie kannst du das ändern?


Immer wieder die gleichen Muster

„Ich wollte nie so werden wie meine Mutter, und nun bin ich es doch“ oder „Ich versuche immer wieder etwas anders zu machen, aber ich komme immer wieder in die gleiche Situation“.

„Immer wieder gerate ich an den falschen Partner“, oder „Ich bin ständig auf der Suche und weiß nicht wonach“ und „Ich kann machen was ich will, aber ich habe immer kein Geld“.

So und ähnlich beschreiben es die Menschen, die zur Aufstellung kommen. Es ist das Gefühl, dass der eigene Wille Grenzen hat und Kräfte wirken, die sich ihrem Denken und Wollen entziehen und die Menschen an ihre Grenzen bringen. Auf Dauer werden diese Menschen kraftlos, mutlos oder sogar krank.

Wir denken zumeist, es liegt an uns

Wenn uns belastende Gefühle bedrücken denken wir zumeist, die Schwierigkeiten liegen an uns. Wenn wir uns nur mehr anstrengen, wenn wir dies oder das anders machen würden, dann werden die Probleme schon zu ändern sein.

Doch so ist es oft nicht. Das, was hinter unserem Problem wirkt, ist oft unbewusst und entzieht sich unserer bewussten Kontrolle. Denn Probleme können systemisch bedingt sein. Systemisch bedingt heißt, es kann etwas aus dem System unbewusst auf dich wirken, was sich der eigenen Kontrolle entzieht. Meist ist es das Familiensystem.

So kann es z.B. sein, dass familiäre Bindungen verhindern, zielgerichtet und erfolgreich den eigenen Weg zu gehen. Ein Tabu in der Familie, ein fehlender Segen oder Werte, die nicht mit der Familiengeschichte übereinstimmen, können den Erfolg, das Glück und eine erfüllende Partnerschaft verhindern und Ursache von Krankheiten sein.

Schwere Schicksale in der Familie

Schwere Schicksale in der Familie, wie der Verlust der Heimat, eines Partners, eines Kindes oder von Geschwistern durch Krankheit, Unfall, Suizid, Mord oder Krieg, Adoptionen, Abtreibungen, Früh- und Fehlgeburten, schwere Behinderungen, Trennungen, schwere Schuld, Missbrauch und Gewalt können sich auf die anderen Familienmitglieder auswirken.

Sie können zu familiären, beruflichen oder gesundheitlichen Problemen führen bis hin zum Wunsch, selbst nicht mehr leben zu wollen. Und das auch, wenn wir diese Menschen nicht kennen und wenn sie vielleicht schon längere Zeit nicht mehr am Leben sind.

Wie lässt sich erklären, dass die Ereignisse vorangegangener Generationen und die Erlebnisse unserer Familienmitglieder auch noch nach langer Zeit auf uns wirken, auch dann, wenn wir nichts von diesen Ereignissen wissen?

Wir sind alle miteinander verbunden

Sowohl die moderne Quantenphysik als auch die alten Weisheitslehren weisen darauf hin, dass alles mit allem verbunden ist. Dass wir eingebunden sind in Felder, die weit über uns hinausweisen. Diese Felder tragen Informationen.

Prof. Hans-Peter Dürr, Quantenphysiker und Nobelpreisträger, beschreibt, dass es unserem menschlichen Verstand nicht möglich ist, die Wirklichkeit auch nur annäherungsweise zu begreifen. Hatte man in der alten Physik noch angenommen, dass die Welt aus Substanz und Materie besteht, wissen wir jetzt, dass die Welt verdichteter (geronnener) Geist ist. Jeder von uns ist Teil dieses Feldes und wirkt kreativ auf dieses ein.

Pater Willigis Jäger, Holzkirchen, Benediktiner und Zenmeister schreibt in seinem Buch „Die Welle ist das Meer“, dass alle Religionen von der Erfahrung des All-eins-seins mit verschiedenen Namen sprechen: Der Urgrund allen Seins, das Meer, das Göttliche, die Liebe, der Große Geist (Spirit), die Weltenseele, Nicht-Zwei, Buddhanatur sind einige der Namen für eine Wirklichkeit, die sich kaum in Worte fassen lässt.

Die transgenerationale Weitergabe von Traumata

Der englische Biologe Rupert Sheldrake prägte den Begriff des „Morphischen Feldes“. Morphische Felder sind überall präsent, von der Bildung eines Kristalls, einer Aminosäure und einer Familie, einer Organisation bis hin zur Bildung eines Planeten oder einer Galaxie.

Zentrales Charakteristikum morphischer Felder ist, dass sie sich entwickeln. Sie sind fähig, Informationen zu registrieren und sich dementsprechend zu verändern. Ihre Struktur hängt von den in der Vergangenheit aufgenommenen Informationen ab, sie verfügen damit über eine gewisse Art von Gedächtnis.

Wenn morphische Felder überall in der Natur zu finden sind, heißt das, dass die Natur selbst ein Gedächtnis darstellt. Das heißt auch, dass der Einfluss der Vergangenheit immer gegenwärtig ist.

Gehen wir davon aus, dass wir als Lebewesen alle miteinander verbunden sind, so lässt sich annehmen, dass die Schicksale einzelner Familienmitglieder nicht vergessen werden. Sie werden durch unbewusste Bindung und Liebe auch von anderen Familienmitglieder gefühlt.

Wir sprechen hier von Seelenbewegungen. Wir können diese Seelenbewegungen nicht sehen, wir können sie nur an ihren Wirkungen erkennen. In unseren Seelenbewegungen fühlen wir die Verbindung zu unseren Familienmitgliedern weiter. Vor allem zu deren Schicksalen, wenn diese nicht in Frieden kommen konnten.

Sind wir dem Schicksal dadurch ausgeliefert?

Die Erkenntnisse der systemischen Forschung und der modernen Epigenetik zeigen, dass die Reaktionen auf Traumata über Generationen weitergegeben werden. Diese Traumata verändern zwar nicht das Erbgut, sie bleiben jedoch als unbewusste Erinnerung auch nach mehreren Generationen erhalten und werden so an die nachfolgenden Generationen weitergegeben. Hier führen sie zu Reaktionen, die denen der selbst erlebten Traumata ähneln.

Sind wir dann dem Schicksal ausgeliefert, je nachdem, was in unseren Familien geschehen ist? Oder haben wir einen Spielraum für unseren eigenen Willen? Und was ist dieses Schicksal?

Unberechenbares Schicksal

Was ist das, dieses Schicksal? Bei genauerem Hinschauen zeigt sich als Essenz der verschiedensten Ansichten, das Schicksal sei das Ergebnis der Wirkung einer größeren Kraft oder von höheren Mächten, die die Ereignisse des Lebens gestalten und die unabhängig von unserem eigenen Wollen wirken. Nun sind diese Ereignisse ja nicht immer angenehm und schon gar nicht vorhersehbar.

Ein unberechenbares Schicksal macht Angst, hinterlässt Beklemmung und das Gefühl, ausgeliefert zu sein. Das sind durchweg Emotionen, mit denen wir uns nicht gut fühlen. Und Vertrauen in das Leben ermöglicht ein unberechenbares Schicksal nun schon gar nicht.

Lieber wäre es uns doch, wir hätten das Gefühl, mit unserem freien Willen doch einiges selbst entscheiden und bewegen zu können. Denn in unsere eigene Kraft können wir, wenn auch begrenzt, doch eher vertrauen als in ein unberechenbares Schicksal.


Hadern mit dem Schicksal: Eine Aufstellung

In einer Weiterbildung sagt Anna K. : „Ich hadere oft mit dem Schicksal. Mit meinem, mit dem gesellschaftlichen, kulturellen, politischen. Ich hinterfrage lange, hätte man da nicht was anders machen können?

Und jetzt, in der Aufstellung zum Schicksal meiner behinderten Tante, die im Heim in der Nazizeit „verstarb“, da fiel es mir so schwer, auf das Schicksal zu schauen und zuzustimmen, dass es war wie es war und damit in Frieden zu kommen. Deshalb möchte ich fragen: Gibt es denn einen freien Willen? Können wir unser Leben beeinflussen oder ist alles Schicksal?“

Die Teilnehmer der Weiterbildung reagierten sofort mit einem intensiven Für und Wider und es entstand ein sehr emotionaler Austausch von Meinungen. Um die ganze Frage mehr aufzuhellen entschied ich mich, diese Frage aufzustellen.

Ausgewählt wurden 5 Stellvertreter: Je einen für das Schicksal, die größere Kraft (hier mit Gott bezeichnet), das Leben, den freien Willen und den Menschen. Es war eine sehr tiefe und berührende Aufstellung, die vollkommen im Schweigen verlief. Im Raum breitete sich eine atemlose Stille aus, wir hielten förmlich den Atem an, so bewegend war das, was sich da zeigte.

Zuerst stand das Schicksal zwischen dem Menschen und dem freien Willen. Wie auch immer der Mensch sich bewegte, das Schicksal stand vor ihm und der Mensch und der freie Wille hatten keine Chance, zusammen zu kommen.

Das Leben selbst war über den Bemühungen des Menschen, das Schicksal zu umgehen und zum freien Willen zu gelangen, ganz aus dem Blick geraten.

Es dauerte lange. Erst als der Mensch aufhörte, das Schicksal zu umgehen oder manipulieren zu wollen und sich langsam der größeren Kraft zuwendete, veränderte sich alles.

Nun stand der Mensch der größeren Kraft gegenüber. Er wurde ruhig. Mit einer Hand auf dem Herzen und ganz leicht gebeugtem Kopf konnte er deren Größe in Demut anerkennen.

Plötzlich ging das Schicksal zur Seite, stellte sich neben die große Kraft und machte Platz für den freien Willen. Der freie Wille kam langsam auf den Menschen zu und beide begegneten sich still.

Auch das Leben kam näher. Nun konnte der Mensch mit dem freien Willen an der Seite auf das Leben schauen. Das Schicksal und die größere Kraft schauten auf den Menschen und das Leben.

Jedes Jetzt ist Schicksal

Später schrieb mir Anna K.: „Die Aufstellung war wichtig für mich. Ich habe gesehen, dass es einen freien Willen gibt, dass ich nicht ausgeliefert bin. Er steht mir zur Verfügung, weil ich dem Ruf gefolgt bin, mich anvertraut habe, Menschen gefunden habe, die mir den Raum gegeben haben, mir zu helfen. Danke, danke, danke.

Mir gefällt am besten die folgende Aussage über das Schicksal: Jedes Jetzt ist Schicksal. Es ist Ergebnis dessen, was geschehen und was nicht mehr zu verändern ist. Schicksal ist Vorgabe. Erst von jetzt an kann man etwas aus ihm machen. Das Ergebnis eines jeden Machens wird neues Schicksal sein.“

Ich danke dir, Anna K., und der ganzen Gruppe für diese berührende und erhellende Aufstellung.


So wie das Schicksal war, so war es

Wenn wir kämpfen für oder gegen etwas, weil wir denken, wir haben verstanden, dann kostet das unendlich viel Kraft und bringt nur Kampf in die Welt. Aber anzuerkennen, dass wir in größere Felder eingebunden sind, die wir auch oft nicht verstehen und benennen können, dass diese Felder und Kräfte auch Schmerzhaftes mit sich bringen, manchmal auch etwas, das kaum auszuhalten war, diesem zuzustimmen: „Ja so war es.“ heißt, dem Leben und dem, was es mit sich bringt, zuzustimmen.

Der wesentliche Schritt: Anerkennen was war

Es ist dieses Anerkennen dessen, was war. Nicht als gut oder schlecht, sondern nur: „Ja so war es. Genau so“. Und dann entsteht plötzlich ein weiter Raum zum Handeln. Nicht, um das Schicksal zu ändern, denn so wie es war, so war es. Da entsteht ein innerer Frieden. Es entsteht ein Raum zum Handeln, um Neues zu bewirken. Kreatives. Auch Lebenslust, Liebe und Heilung.

Vertrauen in das Leben bedeutet auch, Vertrauen zu haben in die Fähigkeit, dem Leben zuzustimmen wie es ist und dennoch immer wieder weiterzugehen und immer wieder neu zu handeln.

Vertrauen in das Schicksal

Vertrauen in das Schicksal können wir wohl nicht willentlich machen, wir können uns ihm nur öffnen. Es ist dieses „Ja“ zum Leben. Auch zu dem, was war. Und zu dem was gerade ist. Und zu dem, was wir noch nicht kennen, in das wir nur vertrauen können. Wenn uns dieses „Ja“ gelingt wird das Leben leichter. Der indische Philosoph Rabindranath Tagore schreibt dazu:

Schicksal, ich folge dir freiwillig,
denn täte ich es nicht,
so müsste ich es dennoch unter Tränen tun.

Wird in einer Familienaufstellung auch das Schicksal mit aufgestellt, wird es meist als entlastend, groß und friedlich wahrgenommen. Ich habe beobachtet, dass die Seele des Klienten oft schon lange darauf gewartet hat, Frieden mit dem Schicksal zu schließen, um heilen zu können.

Der nächste Schritt: Eingefrorene Gefühle und Traumata lösen

Das Schicksal anzunehmen, das schreibt sich so schnell hin. Aber wir können es zumeist nicht ohne Unterstützung. Denn wenn wir dem einfach zustimmen könnten, dann hätten wir es sicher schon getan. Es sind die eingefrorenen Gefühle und die Schockstarre des Traumas, die verhindern, dass die Gefühle sich zu einem guten friedlichen Ende vollziehen können.

Und hier wirkt die Aufstellungsarbeit in mehrerer Hinsicht segensreich. Sie schafft den Raum, damit sich das eigentliche Trauma zeigen kann, das hinter dem aktuellen Problem verborgen liegt.

Dann schafft sie den Raum, dass sich die damit verbundenen Gefühle zeigen und zu einem guten Ende vollziehen können. Und sie schafft den Raum, dass die Liebe in der Familie endlich eine Chance hat da zu sein.

Oft schenkt eine Familienaufstellung auch die Möglichkeit, endlich gesehen zu werden oder auch, sich von Familienmitgliedern verabschieden zu können, wenn das bisher nicht möglich war. Dann entsteht von ganz allein ein inneres Ja zu dem, was war. Wir kommen in Frieden mit dem, was geschehen ist und dem, was uns heute bleibt.


Der Sinn einer Familienaufstellung

Familienaufstellungen bewirken tiefe Bewegungen in unserem Herzen. Traumata können gewandelt werden und heilsame Impulse neue Lebensmöglichkeiten schenken. Dann können wir freier über unser Leben entscheiden, in unsere eigene Kraft kommen und unseren eigenen selbstgewählten Weg gehen.

Eine Familienaufstellung kann dir inneren Frieden bringen und der Seele und dem Herzen ermöglichen, neu zu vertrauen. Auch und gerade dem Leben zu vertrauen. Wenn du nicht sicher bist, ob eine Familienaufstellung für dich jetzt der nächste gute Schritt ist, dann klicke hier, ich sende dir dann umgehend und kostenlos das E-Book „5 Schritte zu mehr innerer Freiheit“ zu.

Neuer Freiraum zum Handeln

Wenn dich über längere Zeit belastende Gefühle bedrücken oder einengende Lebensmuster daran hindern, dein freies Potential zu leben, so ist das für dich kein festgeschriebenes Schicksal. Wenn du erkennen kannst, was dich belastet und diesen Gefühlen zustimmst: „Ja so ist es bei mir. So ist es jetzt.“ dann ist das schon der wesentliche Schritt, um neue Wege zu gehen.

Jetzt kannst du handeln. Schau in deine Familiengeschichte. Schau nach Möglichkeiten der Heilung. Frage nach. Lass dir das E-Book zusenden. Oder komme als Stellvertreter_in zum Aufstellungsseminar, um zu schauen, ob diese Arbeit für dein Thema heilsame Lösungsschritte bringen kann.
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Und genieße deinen freien Willen, den du heute hast.

Alles Gute und herzliche Grüße
Renate

 

 


Impressum:
Text und Foto: Dr. Renate Wirth

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renate.wirth@aufstellungstage.de

Praxis: Prinzregentenstraße 7 in 10717 Berlin
Veröffentlichen des Textes und von dessen Auszügen nur mit Erlaubnis der Autorin.

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