Kategorie: Mutter

Dein Grundvertrauen. Wie du endlich ankommen kannst und deinen Platz findest.

Dein Grundvertrauen. Wie du endlich ankommen kannst und deinen Platz findest.

Brunnen am Benediktushof Holzkirchen

Ankommen können

Gehen wir davon aus, dass es weder vor der Geburt noch während der Geburt noch in den ersten drei Lebensjahren einschränkende Traumata gab. Dann kann das Kind in seiner Seele vertrauensvoll bei der Mutter ankommen. Es fühlt sich willkommen, behütet und beschützt. Das ist wunderbar und ein großer Segen.

Ankommen können, sich gewollt, geliebt und angenommen fühlen ist ein Urwunsch von uns allen.

Nicht immer sind die Bedingungen für den Start ins Leben günstig. Schon vor der Geburt kann eine schwierige Beziehung und Lebenssituation der Eltern die Vorfreude auf das Kind trüben oder gar verhindern. Dann wird das Ankommen nicht freudevoll erlebt.

Oft höre ich den Satz „Ich war nicht gewollt.“ Das ist ein Satz, der Schmerzen und Narben in der Seele hinterlässt. Denn wir brauchen das Gefühl, in der Welt willkommen zu sein, um ein Grundvertrauen entwickeln zu können.

Wir Menschen brauchen als Neugeborene unbedingt andere Menschen. Wir können allein nicht überleben. Wir haben von Geburt an das innige Bedürfnis, enge intensive Gefühlsbeziehungen zu anderen Menschen herzustellen, um ein Grundvertrauen in die Welt zu entwickeln. Um uns geschützt und geborgen zu fühlen.

Vorsicht ist von Natur aus sinnvoll

Oft ist unsere Möglichkeit zu vertrauen von Kindheit an eingeschränkt oder geht uns im Laufe des Lebens verloren. Verletzungen, Enttäuschungen, Schicksalsschläge und Traumata in unserer Herkunftsfamilie und in unserem eigenen Leben haben unseren Glauben an das Leben verletzt. Wir haben eine Vorsicht entwickelt, die uns in schwierigen Lebenssituationen geholfen hat, uns zu orientieren und zu überleben.

Das Leben ist ständiger Wandel. Nichts bleibt wie es ist, wirklich gar nichts. Vorsicht und Umsicht sind deshalb wichtig für unser Überleben. Auch das fehlende Grundvertrauen und das Misstrauen sind ein Überlebensschutz und von Natur aus sinnvoll, sie schränken jedoch unser Leben stark ein.

Wir brauchen Inseln der Sicherheit und Geborgenheit, um nicht in Dauerspannung immer auf der Hut und auf der Suche nach einem sicheren Platz zu sein. Wir brauchen das Gefühl, dazuzugehören, angenommen zu sein, willkommen zu sein. Wir brauchen ein Grundvertrauen in diese Welt, aus dem heraus wir leben und wirken können.

Grundvertrauen heißt: Ich bin in der Welt willkommen

Wenn ein Kind von den Eltern gewünscht und gewollt ist und sich die Eltern und die dazugehörige Familie auf das Kind freut, dann ist eine gute Grundlage für ein Grundvertrauen gelegt. Sind die Bedingungen so gesegnet, dass die Mutter das Kind dann in ihrer tiefen Seele annehmen kann, dann ist eine wunderbare Basis für das Kind geschaffen.

Das Kind erfährt von Beginn seines Lebens an: Ich bin in der Welt willkommen.
In der Seele, im Zellbewusstsein und im Gehirn wird die Erfahrung abgespeichert, geborgen und sicher zu sein. Das ist ein großer Segen.

Doch immer wieder kommen Teilnehmer ins Seminar mit dem Anliegen, nicht wirklich ankommen zu können. Eine Familienaufstellung zeigt die Dynamiken, die in der Lebenssituation der Eltern wirken.

Wohin schaut der Vater? Wohin schaut die Mutter? Schauen die Eltern in ihrer Seele auf ihr Kind? Oder schauen sie auf ihre Herkunftsfamilien, auf verlorene Geschwister oder frühere Partner? Sehen sie das Kind überhaupt? Und wo ist der gute Platz für das Kind?

Ist es denn möglich, dieses innere Willkommen noch nachzuholen, wenn es damals nicht möglich war? So seltsam es klingen mag: Ja es ist möglich. Denn im tiefsten Inneren ist die Seele auf Heilung ausgerichtet. Sie möchte lieben dürfen und zugewandt sein.

Eine Teilnehmerin schreibt:

„Das Gefühl mich nicht anlehnen zu können und gleichzeitig viel Verantwortung für Andere zu tragen stand bei meiner Aufstellung im Mittelpunkt. Die Aufstellung zeigte, dass sowohl meine Mutter als auch mein Vater auf verstorbenen Familienmitgliedern schauten und mich nicht sehen konnten.

Meine Mutter war sehr mit ihrem ersten Kind verbunden, das sie in der Schwangerschaft verloren hatte und konnte nicht zu mir aufblicken.

Erst nachdem meine Mutter von ihrem verlorenen Kind Abschied nehmen konnte war es möglich, dass sie mich anschauen konnte. Über die Augen sind wir uns dann im tiefsten Inneren begegnet. Ihr Blick fiel direkt in mein Herz. Es tat so weh und war gleichzeitig so erlösend, endlich gesehen zu werden und ankommen zu können.

Und dieses Gefühl, einfach in ihren Armen liegen zu können und gehalten zu werden, das kann ich jetzt noch fühlen. Wie mein ganzer Körper weich wurde und ich einfach nur da sein durfte. Gewollt und gehalten.

Nach der Aufstellung hat es ein bisschen gedauert. Doch jetzt ist es viel schöner geworden zwischen uns. Und selbst in meiner jetzigen Familie hat sich die Aufstellung ausgewirkt. Ich bin viel mehr da. Und entspannter. Einfach ganz da.“

In einer Familienaufstellung zeigen sich die Dynamiken und Traumata, die bisher im Verborgenen gewirkt haben. Und erst wenn sie sich zeigen, können sie gelöst werden.

Dann wird aus Abneigung, Desinteresse, Gefühlsmangel, Angst und Unverständnis endlich ein sich gegenseitig Sehen können. Wenn das geschehen kann, dann verändert sich das Leben wesentlich. Dann können wir endlich da sein. Willkommen in dieser Welt.

Grundvertrauen heißt: Auf dieser Welt gibt es einen Platz für mich

Wenn wir die Familie aufstellen sehen wir oft, dass der Klient oder die Klientin zwar alle Familienmitglieder recht sicher an einen Platz im Raum stellen kann, aber keinen Platz für sich selbst findet.

Trotz Ausprobierens findet er keinen Platz, an dem er sich sicher fühlt. Das ist tragisch und schmerzhaft.

Es kann vielerlei Ursachen haben, wenn wir unseren Platz nicht finden. Manchmal ist es ein verlorenes Geschwisterkind, das früh verstorben ist oder durch eine Fehlgeburt oder eine Abtreibung nicht geboren wurde. Dann geschieht es, dass wir am falschen Platz in der Geschwisterreihe stehen. Das fühlt sich dann immer falsch an.

Auch wenn wir unbewusst der Mutter den Partner oder dem Vater die Partnerin ersetzen fühlt sich das falsch an. Das geschieht z.B., wenn einer der Eltern eine vorige Liebe verloren hat oder nach einer Trennung einer der Eltern den verlorenen Partner schmerzlich vermisst.

Auch wenn einer der Eltern dem anderen böse ist und unversöhnlich grollt kann das Kind unwissentlich den fehlenden Elternteil ersetzen. Das ist nicht nur eine Überforderung, sondern das Kind wird immer das Gefühl haben, nicht am rechten Platz zu sein.

Eine Teilnehmerin schreibt:

„Immer hatte ich das Gefühl, nicht zu wissen wohin ich gehöre. Als wäre ich aus Versehen in meine Familie hinein geboren wurden. Als wäre ich einfach in der falschen Familie gelandet. Ich habe mich nicht dazugehörig gefühlt. Und wirklich vertrauen, das war schwer. Eigentlich, wenn ich so zurück denke, war es gar nicht wirklich möglich.

In einer Aufstellung habe ich dann meine ganze Familie aufgestellt. Vater, Mutter, meine 3 Geschwister und mich. Erstaunt war ich, dass ich auch noch die ehemalige Verlobte meines Vaters auswählen sollte, mit der mein Vater vor meiner Mutter mehrere Jahre verlobt war.

Und dann geschah etwas für mich vollkommen faszinierendes: Als wir uns alle frei bewegen konnten stellten sich meine Geschwister zusammen, doch ich ging schnurstracks zur Verlobten meines Vaters an ihre Hand. So stand ich neben ihr, als wäre sie meine Mutter.

Mein Vater schaute weg weit in die Ferne. Es war, als wenn er niemanden von uns sieht.Er schaute wohl auf seine Erlebnisse im Krieg. Vielleicht auch in der Ferne auf seine Eltern, die unerreichbar waren. Ich hatte das Gefühl, als wäre er gar nicht wirklich da.

Meine Mutter schaute auf meinen Vater. Sie konnte uns Kinder dabei nicht sehen. Mich jedenfalls nicht, denn ich stand abseits an der Hand der Verlobten meines Vaters.

Dann sollte ich zu dieser Verlobten sagen: „Du bist nicht meine Mutter. Das da (ich zeigte auf meine Mutter) ist meine Mutter.“ Erstaunt lies die Verlobte meine Hand los. Meine Mutter schaute mich an und ich ging weinend zu ihr. Sie nahm mich in ihre Arme und hielt mich lange. Ich konnte kaum aufhören zu weinen. Endlich gehörte ich dazu.

Am Ende standen wir 4 Geschwister nebeneinander und die Eltern uns gegenüber. Zum ersten mal hatte ich das Gefühl, am richtigen Platz zu sein.

Es war kein glückliches Gefühl. Aber ich war so erleichtert. Es war eine große Last von mir gefallen.“

Viele Male habe ich in Aufstellungen gesehen, dass es möglich ist, auch jetzt noch den guten Platz in der Herkunftsfamilie zu finden und einzunehmen. Denn eine Familienaufstellung schenkt die Möglichkeit, dass der eigentliche gute Platz in der Herkunftsfamilie endlich sein darf.

Grundvertrauen heißt: Ich kann einfach da sein

Manchmal haben wir das Gefühl, nur dann anerkannt und gesehen zu werden, wenn wir viel oder etwas Besonderes leisten. Das ist nicht nur anstrengend, sondern erschöpft auf Dauer.

Es ermöglicht weder ein vertrauensvolles Grundgefühl noch ein gutes Selbstvertrauen. Denn immer steht der Zweifel im Raum. Ob das, was wir leisten auch genug ist und den Anforderungen der Anderen genügt?

Die Ursachen sind in den Familien sehr verscheiden. Oft liegen Kriegstraumata der Eltern oder Großeltern, Verlusttraumata, Flucht , Vertreibung oder Gewalterfahrungen zugrunde. Dann können die Eltern im tiefen Inneren einfach nicht auf das Kind schauen. Und das Kind hat dann das Gefühl, nur gesehen zu werden, wenn es etwas ganz Besonderes leistet.

Eine Familienaufstellung zeigt diese Ursachen auf und ermöglicht heilsame Lösungen.
Dann können wir darauf vertrauen können, dass es gut und genug ist, einfach da zu sein. Mit allem, was wir mitgebracht haben auf diese Welt. Mit unseren Talenten und Gaben, mit unserem ganz ureigenen Wesen. Dass wir so einfach da sein dürfen wie wir sind.

Verstrickungen und Traumata deiner Familiengeschichte lösen

Wenn du schon vieles ausprobiert hast und dich dennoch immer wieder belastende Gefühle bedrücken oder einengende Muster einschränken, dann ist es ein guter Weg, eine Familienaufstellung zu machen.

Mach eine Familienaufstellung, damit sich verborgene Dynamiken zeigen und lösen können, die dein Denken bisher nicht erfassen konnte. Dann wirst du frei für neue Schritte. Und die Fähigkeit, ein Risiko einzugehen und neu zu vertrauen entsteht dann viel, viel leichter.

Falls du dir noch nicht sicher bist, ob eine Familienaufstellung für dich der passende Weg ist, dann klicke hole dir kostenlos das E-Book „7 Beweggründe für eine Familienaufstellung“.

Eine große Chance der Familienaufstellung ist es, den in den ersten Lebenszeit geprägte Bindung noch nachträglich zu verändern. Dass das möglich ist sehe ich immer und immer wieder.

Wenn sich durch eine Familienaufstellung in der Mutter-Kind- Beziehung etwas zu Guten vollzieht, dann kann sich auch noch nach vielen Jahren innerer Anspannung und Ablehnung noch ein freundliches, entspanntes und auch liebevolles, manchmal sogar ein inniges Verhältnis zur Mutter entwickeln.

Bist du dann doch gewollt?

So seltsam es klingt, denn die Geburt liegt ja nun schon Jahrzehnte zurück: es wird oft noch nach so vielen Jahren möglich, dass die Eltern in der Aufstellung liebevoll auf das Kind schauen können. Die Aufstellung wirkt in einer Dimension, in der Zeit und Raum aufgehoben sind.

Das kann jeder anzweifeln. Es klingt ja auch wirklich seltsam. Aber was zählt ist das Leben nach der Aufstellung. Was hat sich dann verändert? Kannst du deiner Mutter in die Augen schauen? Kann deine Mutter dich sehen? Ist es leichter oder gar leicht geworden zwischen euch?

Und hast du das Gefühl, angekommen zu sein? In deiner Familie? Vielleicht auch im Beruf? Oder in deiner Partnerschaft? Probier es einfach aus. Du kannst nur deine eigenen Erfahrungen machen. Nur das zählt.

Was kannst du noch tun, um ein Grundvertrauen neu zu entwickeln?

Schau, ob du nicht doch schon so ein grundlegendes Vertrauen hat, was dir ganz selbstverständlich ist, z.B. in die Rhythmen des Natur.

Wenn du nicht gerade nördlich des nördlichen Wendekreis wohnst, so wirst du sicher darauf vertrauen, dass am Morgen die Sonne aufgeht, dass nach dem Winter der Frühling kommt, dass die kahlen Bäume im Frühling wieder Blätter bekommen, dass nach dem Regen wieder sonnige Zeiten kommen. Und du kannst darauf vertrauen, dass dein nächster Atemzug kommt und dass dein Herz von allein schlägt.

Du kannst deinen eigenen Gefühlen neu vertrauen lernen. Du kannst neue Erfahrungen zulassen, auf Schuldzuweisungen und Groll verzichten, die Verantwortung für dich selbst übernehmen.

Du kannst schauen, wie du dein Selbstvertrauen entwickeln kannst. Selbstvertrauen schafft ein Grundvertrauen. Wenn du etwas tun möchtest für dein Selbstvertrauen, dann hole dir hier kostenlos die pdf „Kraftquellen für mehr Selbstvertrauen“. Klicke einfach hier, ich sende dir dann sofort die Anleitung zu.

Zweimal im Jahr leite ich ein Themenseminar Vertrauen am Benediktushof in Holzkirchen. Der Benediktushof ist ein ganz besonderer Ort der Stille. Im Seminar arbeiten wir mit Familien- und Traumaaufstellungen, Körperarbeit, Gespräch und Meditation. Das Sitzen in der Stille unterstützt uns, uns zu zentrieren und aus unserer inneren Mitte heraus zu handeln.


Oder mach eine Familienaufstellung und komm in ein Aufstellungsseminar. Wenn du nicht sicher bist, ob für dich eine Familienaufstellung der nächste gute Schritt ist, dann klicke hier, ich sende dir dann sofort kostenlos das E-Book „5 Schritte zu mehr innerer Freiheit“ zu.

Ich wünsche dir immer wieder wunderbare Momente des Vertrauens. In das Leben, in andere Menschen, in größere Kräfte und ganz und vor allem in dich selbst. Und das Gefühl, gewollt und gewünscht, am richtigen Platz und willkommen zu sein.

Herzlichst
Renate

 

 


Impressum:
Text und Foto: Dr. Renate Wirth

www.aufstellungstage.de
www.renate-wirth.de
renate.wirth@aufstellungstage.de

Praxis: Prinzregentenstraße 7 in 10717 Berlin
Veröffentlichen des Textes und von dessen Auszügen nur mit Erlaubnis der Autorin.

Blockierte Mutterliebe. Wenn der Muttervogel nicht landen konnte.

Blockierte Mutterliebe. Wenn der Muttervogel nicht landen konnte.

Wenn die Mutter in ihrer Seele nicht auf das Kind schauen kann

Oft geschieht es, dass eine Mutter ihr Kind bestens versorgt, doch unbewusst ist sie mit ihrem Herzen anderswo. Ein Kind kann dies spüren. Es erreicht mit seiner Liebe die Mutter nicht. Seine Liebe kommt nicht an, das Kind zieht sich traurig und verunsichert zurück.

Diese Menschen haben das Gefühl, nicht gesehen zu werden, alleingelassen zu sein, nicht anerkannt zu sein, nicht geliebt zu werden, für andere nicht wichtig zu sein. Das ist tragisch.

Wenn die Kinderliebe nicht zur Mutter kann, zieht sie sich zurück. Alle weiteren Bemühungen zu überleben führen zu Ersatzhandlungen für diese eigentliche Liebe. Kinder setzen sich aus Liebe für ihre Eltern ein und opfern sich für sie. Und Eltern übersehen ihre Kinder aus Liebe zu ihren Eltern. So werden Schicksale von den Eltern an die Kinder weitergegeben.

Fehlt einem Kind die elterliche Bezugsperson, fehlt ihm damit auch das Gefühl der Zugehörigkeit zur Familie. Auch als erwachsener Mensch fühlt es sich noch einsam und sucht deshalb unbewusst nach Situationen im Leben, die ihn hoffen lassen, das Gefühl der Trennung heilen zu können.

Die Geschichte vom Muttervogel, der nicht landen konnte

Es wird erzählt, dass in früheren Zeiten bei den Lakota sich alle Frauen des Dorfes in der Hütte der Frau versammelten, die ein Kind zur Welt brachte. Sie warteten gemeinsam, ob der Muttervogel geflogen kommt. Denn sie wussten, dass es bei den vielen traumatischen Erlebnissen und Verlusten der Lakota-Frauen vorkam, dass eine Frau in ihrer Seele trauerte und das Kind nicht wirklich mit Freude annehmen konnte.

Wenn sie sahen, dass die Mutter ihr Kind im tiefsten Herzen willkommen heißen konnte und mit Liebe und offenem Herzen auf ihr Kind schaute, dann gingen alle wieder an ihre Arbeit oder in ihre Hütte, denn sie hatten gesehen, dass „der Muttervogel gelandet war“.

Wenn sie aber nach drei Tagen sahen, dass die junge Mutter in ihrer Seele nicht auf das Kind schauen konnte, dann nahmen sie das Kind und schauten im Dorf, wo denn der Muttervogel gelandet sei. Und gaben dieser Frau dann das neugeborene Kind.

Diese Geschichte hat mich sehr berührt. Sie zeugt von tiefer Frauenweisheit. Denn es lag nicht in der Macht der jungen Mutter, ob und wo der Muttervogel landete.

Was ist geschehen? Wohin schaut die Mutter im Herzen?

Was ist geschehen, wenn eine Mutter im Herzen nicht auf ihr Kind schauen kann? Wohin schaut die Mutter?

Geht die unterbrochene Hinbewegung von der Mutter aus, ist etwas Traumatisches oder Schwerwiegendes in der Familie der Mutter geschehen. Dann schaut die Mutter mit ihrem Herzen auf dieses Erlebnis oder auf einen verlorenen Menschen.

Es kann sein, dass sie auf ihre unerfüllte Liebe zur eigenen Mutter schaut. Und bei der Großmutter ist es das gleiche. Es gibt meist ein einschneidendes Erlebnis in der Familie, das diese Unterbrechung hervorruft.

Vielleicht schaut sie auf ein verlorenes früh verstorbenes Geschwisterkind. Oder auf traumatisches Erlebnisse, auf Kriegserlebnisse, Flucht, Gewalt oder andere traumatische Erfahrungen.

Die traumatischen und schier unfassbaren Erlebnisse der Eltern sowohl als Kriegskinder als auch als erwachsene Frauen und Männer im Krieg, am Ende des Krieges, in der Gefangenschaft, während und nach der Flucht und Vertreibung, Vergewaltigungen und der Verlust geliebter Menschen im Krieg und danach haben mehrere Generationen traumatisiert. Diese traumatischen Erlebnisse der Eltern haben sich auf die folgende und nächstfolgende Generation ausgewirkt.

Die langen Schatten des Krieges

Die nach dem Krieg geborenen Kinder und deren Kinder sind oft stark in ihrem Bindungsverhalten beeinflusst. Es ist ihnen oft nicht möglich, eine sichere Bindung zu ihren Eltern aufzubauen, da diese sowohl körperlich als auch emotional dem Kind nicht zur Verfügung standen. Die langen Schatten des Krieges wirken bis in die heutige Zeit hinein und beeinflussen das Bindungsverhalten dieser Generationen auch in deren Paarbeziehungen.

Die Beziehung zur Mutter und die Paarbeziehung

Die Bindungsfähigkeit eines Paares kommt aus dessen Herkunftsfamilie. Eine tiefe Bindung zwischen Mann und Frau kann nur entstehen, wenn sowohl der Mann als auch die Frau ihre Mutter ins Herz nehmen. Das ist besonders wichtig, da die Mutter die erste Bindung für das Kind ist und das spätere Beziehungsverhalten prägt.

Häufig ist zu sehen, dass sich in der Paarbindung Konflikte aus dem Herkunftssystem wiederholen. Es wird immer wieder das alte „Drama“ als neues „Drama“ inszeniert. Eine Lösung scheitert jedoch, da es in der Regel ein übernommenes Problem oder eine Verstrickung ist.

Eine Teilnehmerin schreibt:
„Ich habe die Männer tief verletzt auf der Suche nach der Liebe, die ich von meiner Mutter nicht bekommen konnte. Ich habe immer versucht anzukommen, und wenn ich das Gefühl hatte, dass das bei dem Mann nicht möglich ist, dann habe ich ihn verletzt, habe mir genommen was ich brauche, rücksichtslos. Denn ich kann nicht wirklich gut allein sein. Ich suche Halt.“

Halt zu haben, sich sicher und geborgen zu fühlen ist ein berechtigter tiefer Wunsch. Doch der Partner oder die Partnerin können nicht erfüllen, was sich unser Herz von der Mutter wünscht. Deshalb ist eine Familienaufstellung, die eine Hinbewegung zwischen Mutter und Kind ermöglicht, auch immer ein heilsamer Impuls für die Paarbeziehung.

Endlich gesehen und angenommen werden

Die Hirnforschung zeigt, dass das Gefühl, ausgegrenzt zu sein, nicht dazuzugehören und nicht angenommen zu werden die selben Netzwerke im Gehirn aktiviert wie bei körperlichem Schmerz. Das ständige Gefühl, nicht mit der Mutter im Frieden zu sein schwächt die Seele und den Körper und kann zu den verschiedensten Erkrankungen führen.

Karin, eine Teilnehmerin, schreibt:

„Mein ganzes Leben lang hat mich ein Problem belastet. Ich bin mit meiner Mutter nicht klar gekommen. Schon als kleines 4jähriges Mädchen hatte ich das Gefühl, meine Mutter nicht leiden zu können. … Bis ins Erwachsenenalter hat sie mir immer wieder unterschwellig das Gefühl vermittelt, ihrem Anspruch nicht zu genügen und alles nicht richtig zu machen. Mich hat das krank gemacht. Ich habe schlimme Magenprobleme und vielfältige Unverträglichkeiten, Migräne und Rückenprobleme.

Nach einer großen Auseinandersetzung mit meiner Mutter war ich so kaputt und hilflos, dass ich nur noch Hilfe wollte und mich so auf eine Aufstellung einlassen konnte.

Selten hatte ich so eine Angst vor irgendetwas. Mit Zittern und Zagen habe ich die ersten Aufstellungen in der Gruppe beobachtet. Niemals würde ich mich da hinstellen können. Alles würde in Tränen untergehen. Erst die Möglichkeit, dass ich auch für mich selbst eine Stellvertreterin wählen konnte gab mir die Kraft, mich darauf einzulassen. Und das war genau der richtige Weg für mich.

Alles was bisher richtig schien, war auf einmal hinfällig. Mein Weltbild brach auseinander. Meine Mutter hatte in der Aufstellung keinen Blick für mich und meinen Vater. Sie war erstarrt und starrte auf das, was da sonst noch wirkt.

Was hat mir diese Aufstellung gebracht? Mir wurde klar, dass ich nicht schuld bin am schwierigen Verhältnis zu meiner Mutter. Das war das Allerwichtigste. Demzufolge brauchte ich auch keine Strategien mehr zu entwickeln.

Dies nahm sehr viel Druck aus meinem Leben. Ich habe verstanden, dass ich leben und glücklich sein darf. Dies entkrampfte die Beziehung zu meinem Mann spürbar.

Nach der Aufstellung sagte Renate zu mir: Das wird auch etwas bei deiner Mutter bewirken. Das fand ich komisch. Aber inzwischen hat es sich bestätigt.

Erst einmal wurde es mit meiner Mutter nicht wesentlich einfacher. Darum habe ich auch noch eine Einzelaufstellung in Berlin gemacht. Ich suchte ein Handwerkszeug, wie ich mit meiner Mutter umgehen kann und hoffte, dass meine vielen körperlichen Probleme dadurch besser werden würden.

Nach dieser Aufstellung saß ich danach im Auto bei meinem Mann und sagte: Ich wusste, dass das nichts bringt. Das war rausgeschmissenes Geld. Ich war total kopfgesteuert, hatte gemacht was ich sollte, nichts gefühlt.

Und doch hat all das, was ich da angeschaut habe, inzwischen solche Nachwirkungen bei meiner Mutter und meiner Familie, dass ich nur staunen kann.

Die erste spürbare Veränderung war, dass ich mit meiner Mutter ruhiger und gelassener reden konnte. Und das Zweite war, dass meine Mutter sehr viel ruhiger und gelassener mit mir reden konnte.

Die größte Überraschung aber geschah Wochen später. Wir hatten meine Mutter zum Kaffeetrinken abgeholt und saßen zu dritt am Tisch. Plötzlich, wie aus heiterem Himmel, begann sie zu erzählen von ihrer Zeit im polnischen Arbeitslager. Dies hatte sie in dieser Weise bisher noch nie getan.

Auf einmal konnte sie sich an den Namen des Lagers erinnern, und erzählte sehr detailliert von ihren Leiden, die sie ertragen musste. Und das alles ohne Vorwürfe, ganz ruhig und gelassen. Zum Schluss sagte sie, dass das alles sehr schwer für sie ist und sie das möglichst vergessen möchte. Aber sie hätte uns nun Dinge erzählt, die sie nicht einmal ihrem Mann und ihrer Mutter gesagt habe.

Ich habe mir inzwischen noch psychologische Beratung geholt und kann heute sagen, dass meine körperlichen Symptome viel besser geworden sind. Meine Mutter ist, wie sie ist, aber wir können miteinander reden – auch immer wieder über ihre Vergangenheit. Das bewirkt bei uns ein neues Verständnis und Wertschätzung für sie. Und ich verstehe etwas besser, warum ich so bin, wie ich bin.“

In einer Familienaufstellung: Mit der Mutter in Frieden kommen

In meiner Aufstellungsarbeit erlebe ich es sehr häufig, dass eine unterbrochene Hinbewegung zwischen Mutter und Kind das ganze Leben beeinflusst. Es ist ein anhaltendes Leid. Auf die verschiedensten Wege versuchen die Menschen, damit irgendwie zurecht zu kommen.

Mit Ablenkung, mit räumlichem Abstand, sogar bis zum Kontaktabbruch. Doch das Problem löst sich dadurch nicht. Es bleibt eine Last auf dem Herzen. Und ein tiefer emotionaler Schmerz.

Wenn die unterbrochene Hinbewegung von der Mutter ausgeht, kann man mit der Großmutter arbeiten, ihre Verstrickung oder Trauer lösen, damit ihre Liebe zur Mutter fließen kann. Wenn diese Liebe bei der Mutter angekommen ist, erst dann kann die Mutter liebevoll auf die Klientin, ihre Tochter schauen.
Doch es gibt vielfältige Ursachen und Dynamiken, die einer unterbrochenen Liebe zwischen Mutter und Kind zugrunde liegen können.

Es ist eine der Hauptaufgaben der Aufstellungsarbeit herauszufinden: Wo ist in dieser Familie der Fluss der Liebe unterbrochen? Welche Hinbewegung konnte nicht ans Ziel kommen? Woher kommt diese Unterbrechung? Was sucht und wünscht sich das Herz? In einer Aufstellung wird es möglich, die Ursache zu finden und zu lösen.

Es ist nie zu spät

Natürlich ist es schöner, wenn jemand in jungen Jahren zur Aufstellung kommt und dann noch viele Jahre mit einem schönen Verhältnis zur Mutter erleben kann. Doch auch wenn die Mutter schon im hohen Alter ist ist es noch möglich, eine Hinbewegung zu erreichen und Frieden zwischen Mutter und Tochter oder Mutter und Sohn.

Lina, eine Teilnehmerin, schreibt:
wie ich dir ja bereits schon direkt nach unserem Seminar im Frühjahr kurz per mail mitgeteilt habe, ist zwischen mir und meiner Mutter erstaunliches passiert.

Meine Mutter wohnte ja als vollständig pflegebedürftig seit zweieinhalb Jahren bei uns im Haus. Es war sehr schwer zwischen uns. Ich konnte ihr nichts recht machen, trotz größter Anstrengung rund um die Uhr. Ich war sehr erschöpft.

Mein Wunsch und Anliegen für das Aufstellungsseminar war es, mehr zu einem liebevollen Umgang mit ihr zu finden und mich selbst wieder besser spüren zu können und an meiner nährenden Quelle anzubinden.

In der Aufstellung habe ich durch das Spüren meiner Ahnen hinter mir ein starkes Gefühl bekommen für das, was mir Kraft verleiht. In der Begegnung mit meiner Mutter, innerhalb der Aufstellung durfte ich Annahme spüren und mich von dem Mütterlichen nähren lassen, soviel und so lange ich es brauchte.

Dann nach meiner Rückkehr in den Alltag, eröffnete mir meine Mutter, dass sie in dem Heim, das für drei Wochen zur Verhinderungspflege geplant war, bleiben wolle, das sei für alle das Beste, dann könnten wir es machen wie früher: sie käme zu mir zu Besuch und ich zu ihr.

Da war ich baff, mit allem hatte ich gerechnet, nicht damit. Vor allem so ganz ohne Vorwurf bzw. ohne mir Unzulänglichkeit zu vermitteln.

Und so ist es bis heute: unsere Begegnungen sind sehr freundlich und liebevoll und immer mehr echte Herzensbegegnungen. Auch wenn ich mehrere Tage nicht bei ihr war, freut sie sich und bedankt sich, ist wertschätzend: „Schön dass du da warst“. Ich kann die Liebe zwischen uns spüren. Sie ist oft ganz still, doch in den Augen sehe ich sie.

Du hattest mir damals geantwortet, dass dies möglich war, weil sich durch die Aufstellung alte Verstrickungen gelöst haben. Da ich diese Entwicklung nicht aktiv gemacht habe, sonders das alles in der Aufstellung einfach geschehen ist, hinkt mein Verstand noch etwas hinterher. Das Ich braucht noch Zeit und ist immer wieder noch erstaunt, dass es so ist, wie es ist.“

Auch nach dem Tod wird noch Frieden möglich

Eine Klientin schreibt:
„Eine Aufstellung erspart dir jahrelange Therapie“, sagte meine Freundin. Wir hatten beide zeitlebens ein sehr schwieriges Verhältnis zu unseren Müttern.
Meine Mutter war 2006 mit 63 Jahren an Lungenkrebs gestorben. Sie war 1941 geboren und wie meine Großmutter stark traumatisiert von Krieg, Gewalterfahrungen und Vertreibung. Mein Stiefvater war 1980 bei einem Autounfall ums Leben gekommen.

Oft überfielen mich im Alltag Verlustgefühle gekoppelt an große Wut. Oft hatte ich vor meinem inneren Auge das Bild einer vollen Plastiktüte, die aufplatzt und deren Inhalt sich in alle Richtungen verteilt. So fühlte sich dann mein Innenleben an. Das war anstrengend.

Hin und hergerissen zwischen den widersprüchlichen Gefühlen, suchte ich nach einer Hilfestellung, um mit meiner Mutter und mir „ins Reine“ zu kommen. So kontaktierte ich das Büro von Renate und bekam schnell einen Einzeltermin.

Vor dem Termin war ich sehr aufgeregt, aber Renate hat mich mit ihrer ruhigen und Vertrauen erweckenden Art schnell abgeholt. Sie sah sich den Stammbaum an und stellte mir Fragen dazu. … Als ich anfing von meiner Mutter zu erzählen, begannen die Tränen zu fließen und ich weinte mit Unterbrechungen eigentlich die ganze Zeit über.

… In der Einzelsitzung stellten wir mehrere Sequenzen auf. Die Aufstellung endete damit, dass Renate in der Rolle meiner Mutter auf einem Stuhl saß und mich endlich sehen konnte. Jetzt erst konnte ich langsam auf sie zu gehen. Am Ende der Aufstellung saß ich zu ihren Füßen und hatte den Kopf in ihren Schoß gelegt. Damit konnte ich damals eigentlich am wenigsten anfangen.

… Die drei Stunden waren vorbei. Ich war vollkommen erschöpft… Als ich die Brücke nach Spandau überquerte, überkam mich eine große Ruhe. In meinem Inneren hatte sich etwas verändert. Plötzlich hatte ich das Gefühl, Mutti hat jetzt ihren Frieden – und ich auch. Dieses Gefühl hält bis heute an.

Durch die Aufstellungsarbeit und die Gespräche mit Renate gelang es mir, die schmerzlichen Erfahrungen neu zu bewerten und zu integrieren. Was auch immer da genau passiert ist, ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung.“

Wenn eine Hinbewegung zur Mutter nicht möglich ist

Wenn in einer Familienaufstellung eine Hinbewegung der Mutter zum Kind nicht möglich wird, kann der Klient oder die Klientin diese Situation nur annehmen, so wie sie ist. Dies ist ein sehr schwieriger und schwerwiegender Schritt. Doch wenn er gelingt entsteht Heilung und es wird ein innerer Frieden möglich. Auch im Außen kann endlich ein Frieden entstehen, der bisher nicht möglich war.

Neue neuronale Muster im Gehirn durch eine Familienaufstellung

Wir brauchen neue vertrauensvolle Erfahrungen. Wir brauchen neue emotionale Körpererfahrungen, um Geborgenheit und Vertrauen am eigenen Leibe zu erleben.

Wir brauchen die neue Erfahrung, in Sicherheit im Herzen und am Leib berührt werden zu können. Wir brauchen Hilfe, dass unsere Angst abfließen kann, einen Menschen, der unseren Schmerz aushält und uns durch den Schmerz begleitet.

Schritt für Schritt, bis neue neuronale Muster gebildet werden und der Körper versteht, dass die Gefahr vorbei ist, dass jetzt jetzt ist und dass er neu vertrauen kann. So entstehen neue innere Bilder, die neue neuronale Muster in unserem Gehirn ermöglichen.

Die Termine für die nächsten Seminare und die Möglichkeit zur Einzelarbeit findest du auf www.aufstellungstage.de.

Und falls du noch nicht sicher bist, ob eine Familienaufstellung für dich der nächste gute Schritt ist, dann hole dir hier gratis das eBook „5 Schritte zu mehr innerer Freiheit“.

Das Wunder Leben

Was kannst du außer einer Familienaufstellung noch tun? Du kannst deiner Mutter aufrichtig danken. Wann hast du das zum letzten Mal getan? Vielleicht hast du ja eine ganze lange Liste von Erinnerungen, die schmerzhaft sind. Doch gibt es heute einen Anlass oder eine Gelegenheit, deiner Mutter von Herzen zu danken?

Was du noch tun kannst? Verzichte auf Schuldvorwürfe. Lege sie einfach ab. Vielleicht steigst du darüber und lässt sie hinter dir.
Schau deiner Mutter einmal freundlich in die Augen. Denn euch verbindet ein großes Wunder: Das Wunder, dass du am Leben bist. Findest du nicht auch, dass das ein unglaublich großes Wunder ist?

Seelenfrieden ist wie ein Ankommen der Liebe nach einer langen Reise

Bei allem Vertrauen und aller Geborgenheit in der Welt gibt es auch ein Gefühl von Befremdung, Einsamkeit und Sehnsucht. Das ist natürlich und gehört zu unserem Menschsein dazu. Die Natur hat uns auch diese Gefühle gegeben, damit wir uns in der Welt orientieren können.

Wenn diese Gefühle jedoch vorherrschend sind und unser Leben bestimmen, wirken andere Dynamiken dahinter, meist unbewusste Verlusttraumata oder auch Bindungstraumata.

Wenn sie ans Licht kommen und gelöst werden können, können wir dieses Gefühl, in dieser Welt zu Hause zu sein, plötzlich fühlen. Es ist das Gefühl von Geborgenheit, angekommen und richtig zu sein. Wir fühlen uns zutiefst in uns selbst beheimatet, vom Leben gewollt. „Gottgewollt“ sagen manche Menschen dazu, willkommen in dieser Welt.

Dann hört die Suche auf. Wir finden unseren Platz, machen unseren Beruf zur Berufung und wählen einen Partner, mit dem wir ein zugewandtes, achtsames und liebevolles Leben leben können. In vollem Vertrauen in uns selbst, in das Leben und in das, was uns führt.

Wir sind Seelenwesen. Bei der Mutter anzukommen lässt uns existentielle Sinnhaftigkeit erfahren und das Gefühl, in der Welt willkommen zu sein. Es ist die Erfahrung: In dieser Welt gibt es einen Platz für mich, ich bin ein Geschenk für diese Welt, ich kann einfach DA SEIN. Ich bin angekommen in der Welt, in meiner Familie, im Beruf, bei mir selbst.

Ich wünsche Dir ein vertrauensvolles, leichtes und heiteres Verhältnis zu Deiner Mutter und von Herzen alles Liebe
Renate

 

 


Impressum:
Text und Foto: Dr. Renate Wirth

www.aufstellungstage.de
www.renate-wirth.de
renate.wirth@aufstellungstage.de

Praxis: Prinzregentenstraße 7 in 10717 Berlin
Veröffentlichen des Textes und von dessen Auszügen nur mit Erlaubnis der Autorin.

Warum die Mutter ein Leben lang die Wichtigste bleibt. Und wie es dir gelingt, mit der Mutter in Frieden zu kommen.

Warum die Mutter ein Leben lang die Wichtigste bleibt. Und wie es dir gelingt, mit der Mutter in Frieden zu kommen.

Der Einfluss der Mutter ist größer, als wir denken

Wer wären wir ohne die Mutter? Wir wären nicht da. Nicht geboren, nicht auf der Welt. Die Mutter ist das Tor ins Leben. Sie riskiert in der Schwangerschaft und unter der Geburt ihr Leben, damit wir zur Welt kommen können.

Die Mutter prägt unsere ersten Erfahrungen. Schon in der Schwangerschaft, während der Geburt und unmittelbar danach. Die Beziehung zur Mutter entscheidet über unser Grundvertrauen, mit dem wir dem Leben, und später uns selbst und anderen Menschen begegnen.

Familienaufstellungen zeigen, welch wesentlichen Einfluss die Beziehung zur Mutter auf unser Leben hat. Und dass es nie zu spät ist, mit der Mutter in Frieden zu kommen.

Auch wenn du jetzt denkst: Ja, aber nicht bei meiner extremen Familiengeschichte und allen Erfahrungen meiner Kindheit! Und ich sage dir: Doch, auch dann. Gerade dann. Denn deine Seele wartet schon lange darauf. Ich spreche hier nicht von Friede, Freude, Eierkuchen. Ich spreche von: In Frieden kommen.

Was fühlst du, wenn du Mama sagst?

Probiere es aus. Was fühlst du, wenn du Mama sagst? Liebe oder Freude? Traurigkeit oder Sehnsucht? Oder empfindest du Abwehr, Groll oder Vorwürfe? Welche inneren Bilder siehst du? Welche Erinnerungen steigen in dir auf?

Schau hin, ganz ohne Wertung. Es ist wie es ist. Nur wenn du anerkennst, dass es ist wie es ist kannst du Heilungsschritte gehen. Sie sind immer möglich.

Ein Bindungstrauma: Wenn das Vertrauen zur Mutter fehlt

Die Liebe der Kinder zu ihren Eltern ist unausweichlich. Sie ist von Geburt an da. Wenn sie unterbrochen wird durch Traumata und Trennungen vor oder zur Geburt oder in der Kindheit, entsteht eine „Unterbrochene Hinbewegung“. Die Kinderliebe kann nicht zur Mutter. Sie zieht sich zurück.

Alle weiteren Bemühungen zu überleben führen zu Ersatzhandlungen für diese eigentliche Liebe. Kinder setzen sich aus Liebe für ihre Eltern ein und opfern sich für sie. Und Eltern übersehen ihre Kinder aus Liebe zu ihren Eltern. So werden Schicksale von den Eltern an die Kinder weitergegeben.

Die unterbrochene Hinbewegung

Eine „Unterbrochenen Hinbewegung“ und ein Bindungstrauma zwischen Mutter und Kind entsteht, wenn das Kind in seiner Seele nicht bei der Mutter ankommen kann.

Ursachen können Verlusterfahrungen des Kindes vor der Geburt, Geburtstraumata, Trennungen, Traumata der Mutter und systemische Verstrickungen sein. Diese „Unterbrochene Hinbewegung“ kann entweder vom Kind ausgehen oder von der Mutter oder von Beiden.

Je nach den frühkindlichen Bindungsmöglichkeiten entwickelt sich ein Bindungsstil, der die Gefühle und das Verhalten des Kindes für das gesamte Leben prägt, wenn sich zwischen Mutter und Kind nicht wesentliche neue seelische Bewegungen vollziehen können.

John Bowlby beschreibt in seinen Untersuchungen die vier Bindungsstile: Sicherer Bindungsstil, unsicher-vermeidender Bindungsstil, unsicher-ambivalenter Bindungsstil und desorganisiert-chaotischer Bindungsstil.

Es ist eine der Hauptaufgaben der Aufstellungsarbeit herauszufinden: Wo ist in dieser Familie der Fluss der Liebe unterbrochen? Welche Hinbewegung konnte nicht ans Ziel kommen? Woher kommt diese Unterbrechung, welche Hinbewegung war davor schon unterbrochen?

Ein schwieriges Verhältnis zur Mutter ist ein tiefer emotionaler Schmerz

„Ich wollte nie so werden wie meine Mutter“. Und: „Ich kann mich nicht erinnern, dass es jemals leicht war zwischen mir und meiner Mutter.“ Und auch: „Ich tue wirklich alles, was in meiner Macht liegt. Aber es wird nicht besser zwischen mir und meiner Mutter.“

Es ist ein anhaltendes Leid. Auf die verschiedensten Wege versuchen die Menschen, damit irgendwie zurecht zu kommen. Mit Ablenkung, mit räumlichem Abstand, sogar bis zum Kontaktabbruch. Doch das Problem löst sich dadurch nicht. Es bleibt eine Last auf dem Herzen. Und ein tiefer emotionaler Schmerz. Oder ein Groll.

Was hat dir der Groll bisher gebracht?

Groll gegen dich oder andere kostet so viel Lebenskraft. Er bringt dir nur scheinbare Sicherheit und scheinbare Erleichterung. Denn Schuldzuweisungen können ein Schutz sein, um den dahinter liegenden Schmerz nicht fühlen zu müssen.

„Ich habe meiner Mutter verziehen.“ Das ist ganz unsäglich und schlimm. Denn was machst du da? Die Mutter ist schuldig, du bist ihr Richter und kannst ihr verzeihen oder auch nicht. Du stellst dich so über die Mutter. Das verletzt deine eigene Seele, denn sie will das nicht.

Doch du bist nicht hilflos deinen Gefühlen und Erinnerungen ausgeliefert. Was du selbst tun kannst: Verzichte auf Schuldzuweisungen. Schau auf den dahinter liegenden Schmerz und verzichte auf Schuldzuweisungen und Vorwürfe. Vorwürfe sind ein Vorwerfen. Das Vorwerfen des Fehdehandschuhs. Eine Aufforderung zum Duell.

Was du noch selbst tun kannst: verzichte auf Rechtfertigungen. „Sie konnte ja auch nicht anders.“ Oder „Sie hat ihr Bestes getan.“ Der Versucht zu erklären verhindert, dass sich der Schmerz zu einem Ende vollziehen kann. Die Erklärung steht dem Gefühl im Wege. Doch es meldet sich wieder, meist an vollkommen unpassender Stelle.

Und wenn du mit allem dennoch nicht mit deiner Mutter in Frieden kommst: Dann schau in einer Familienaufstellung, was da wirkt und was deine Seele sucht und braucht.

Wenn das Kind in der Seele nicht zur Mutter kann

Eine traumatische Geburt kann ein vertrauensvolles Ankommen des Kindes bei der Mutter verhindern. Auch sehr zeitige Trennungen von der Mutter durch Krankenhausaufenthalte oder traumatische Erfahrungen durch Operationen in der frühen Kindheit machen es dem Kind schwer oder unmöglich, bei der Mutter vertrauensvoll anzukommen.

Verliert ein Kind einen Zwilling im Mutterleib, kommt es als allein geborener Zwilling mit dem Gefühl der Trauer auf die Welt. Seine Seele ist auf das verlorene Zwillingsgeschwister ausgerichtet. Es kann mit dem Herzen die Mutter nicht „sehen“ beziehungsweise fühlen. Seine Liebe geht nicht zur Mutter, sondern zum verlorenen Geschwister. Das ist tragisch und beeinflusst sein weiteres Leben.

Die unterbrochene Hinbewegung kann auch dann vom Kind ausgehen, wenn das Kind auf Seelenebene mit einem anderen, oft zeitig verstorbenen Familienmitglied verbunden ist, und wenn es Gefühle, besonders das der Trauer, für andere Familienmitglieder übernommen hat.

Wenn das Kind in seiner Seele nicht bei der Mutter ankommen kann, fehlt ihm von Anfang an ein Grundvertrauen.

Symptome für mangelndes Grundvertrauen

Symptome für mangelndes Grundvertrauen sind Angst (in vielen Facetten), Angst und Abneigung vor körperlicher Nähe, Berührung und Hingabe, Misstrauen unbekannten Situationen und Menschen gegenüber, Zweifel und Selbstzweifel.

Auch das Gefühl der Einsamkeit, auf der Suche zu sein und nicht ankommen können, eine unbestimmte anhaltende Sehnsucht, die Suche nach dem perfekten Gegenüber, der perfekten Situation.

Schuldgefühle und Schuldzuweisungen, Kontaktschwierigkeiten, Anspannung, Verspannungen, Schmerzen, manche Erkrankungen und die Unfähigkeit, das Herz energetisch zu öffnen sind die Folge von mangelndem Grundvertrauen.

Für die Entwicklung eines Grundvertrauens braucht es ein sicheres Gefühl der Bindung, die Erfüllung der physischen Grundbedürfnisse (Essen, Trinken, Schlaf, Wärme…), das Gefühl, beschützt und geborgen zu sein, die Spiegelung der Gefühle und die Möglichkeit, bei Kummer und Schmerz getröstet zu werden.

Traumata vor der Geburt, der verlorene Zwilling (auch Gewalt in der Schwangerschaft oder Suizidversuch der Mutter in der Schwangerschaft)
Geburtstraumata Nabelschnur um den Hals
Trennungen nach der Geburt, Krankenhausaufenthalte des Kindes oder der Mutter

In einer Familienaufstellung: Der weite Weg zur Mutter

Geht die unterbrochene Hinbewegung vom Kind aus, gilt es in der Aufstellungsarbeit, das Kind ganz sacht auf die Mutter auszurichten, es zu führen, zum Blickkontakt oder einer kleinen Berührung. Ganz sanft. Kleine Schritte sind viel.

Der Mutter in einer Aufstellung neu zu begegnen ist ein innerseelischer Vollzug im Herzen. Er vollzieht sich vor allem über die Augen. Doch wir können ihn nicht „machen“, er kann sich nur aus dem Herzen heraus vollziehen.

Wir können nicht das Herz aufklappen, drin rumrühren und sagen: Nun liebt doch mal, das heilt euer Leid. Liebe lässt sich nicht herstellen. Sie vollzieht sich als Geschenk, wenn wir in der Aufstellung sehr behutsam sind und ihr Raum geben.

Bei der Mutter angekommen.

Elsbeth, eine Seminarteilnehmerin, schreibt:
„Die Beziehung zu meiner Mutter war zwar schon immer liebevoll, jedoch eher „platonisch“. Berührungen waren mir eher unangenehm.

Bei der Aufstellung im Mai bin ich zum ersten Mal bei meiner Mutter „angekommen“. Am Ende der Aufstellung war ich bei meiner Mutter, getröstet und gehalten. Den Kopf auf den Knien liegend. Dieses Bild empfinde ich noch immer als sehr tröstend.

Am Abend nach dieser Aufstellung bin ich nach Hause gekommen. Meine Eltern haben mir mitgeteilt, dass unser Hund gestorben ist. Meine Mutter ist aufgestanden, hat mich in den Arm genommen und mich getröstet. Und zum ersten Mal war mir ihr Geruch nicht unangenehm. Das hat mich sehr berührt.“

Neue neuronale Muster im Gehirn durch eine Familienaufstellung

Wir brauchen neue vertrauensvolle Erfahrungen. Wir brauchen neue emotionale Körpererfahrungen, um Geborgenheit und Vertrauen am eigenen Leibe zu erleben.

Wir brauchen die neue Erfahrung, in Sicherheit im Herzen und am Leib berührt werden zu können. Wir brauchen Hilfe, dass unsere Angst abfließen kann, einen Menschen, der unseren Schmerz aushält und uns durch den Schmerz begleitet.

Schritt für Schritt, bis neue neuronale Muster gebildet werden und der Körper versteht, dass die Gefahr vorbei ist, dass jetzt jetzt ist und dass er neu vertrauen kann. So entstehen neue innere Bilder, die neue neuronale Muster in unserem Gehirn ermöglichen.

Die Termine für die nächsten Seminare und die Möglichkeit zur Einzelarbeit findest du auf www.aufstellungstage.de.

Und falls du noch nicht sicher bist, ob eine Familienaufstellung für dich der nächste gute Schritt ist, dann hole dir hier gratis das eBook „5 Schritte zu mehr innerer Freiheit“.

Ich wünsche Dir ein vertrauensvolles, leichtes und heiteres Verhältnis zu Deiner Mutter und von Herzen alles Liebe
Renate

 

 


Impressum:
Text und Foto: Dr. Renate Wirth

www.aufstellungstage.de
www.renate-wirth.de
renate.wirth@aufstellungstage.de

Praxis: Prinzregentenstraße 7 in 10717 Berlin
Veröffentlichen des Textes und von dessen Auszügen nur mit Erlaubnis der Autorin.