Kategorie: Familienaufstellungen

Mit Herz und Seele. Erfüllt leben. Der Blog zum Sinn einer Familienaufstellung

Mit Herz und Seele. Erfüllt leben. Der Blog zum Sinn einer Familienaufstellung

Die Anliegen

„Ich wollte nie so werden wie meine Mutter, und nun bin ich doch so.“ Und „Ich versuche immer wieder, etwas anders zu machen, aber ich komme ständig in die gleiche Situation.“ Oder „Ich verstehe das nicht, wir wollen es beide nicht, aber immer wieder kommt es zu Streit.“

So oder ähnlich beschreiben es die Menschen, die zum Seminar oder in die Einzelarbeit kommen. Es ist das Gefühl, dass der eigene Willen Grenzen hat und Kräfte wirken, die sich unserem Denken und Wollen entziehen.

Trotz bestem Wissen und Bemühen

Auch mir ging es vor vielen Jahren so. Trotz bestem Wissen und Bemühen habe ich oft gemerkt, dass ich immer wieder im gleichen Dilemma gelandet bin. Ich war auf der Suche, ohne zu wissen wonach ich eigentlich suchte.

Das Herz war schwer in ganz unpassenden Momenten, wenn es mir eigentlich hätte gut gehen müssen. Und dieser dauernde Streit mit meinem Mann, den wir beide schon lange leid waren. Dabei hatten wir schon -zig Anläufe genommen, dies zu ändern.

Diese plötzliche, so oft nicht angemessene Wut immer wieder in seltsamen Momenten, die Verzweiflung und die darauffolgende Hoffnungslosigkeit waren für mich unbegreiflich, obwohl ich solch kluge Ratgeberbücher gelesen hatte. Manchmal war es schier zum Verzweifeln, wie im Hamsterrad.

Die eigene Lebensgeschichte und die Geschichte der Familie

Mir war klar: Viele unserer Schwierigkeiten sind in unserer Lebensgeschichte begründet. Mein Vater war lange in Krieg und Gefangenschaft, auch unmittelbar nach dem Krieg gab es Angst, Unsicherheit und Mangel in unserer Familie.

Doch es gibt wohl wenige Menschen, die eine ideale Kindheit hatten und ohne Verletzungen aus dieser Zeit durchs Leben gehen. Diese Verletzungen haben uns geprägt, sie sind unsere Erfahrungen, sie sind auf gewisse Weise wertvoll. Wir können sie verstehen.

Es sind aber nicht immer die Prägungen unserer eigenen Lebensgeschichte, die uns das Leben schwer machen. Leidvolle Erfahrungen und Traumata in unseren Familien können noch nach Generationen intensiv unser Leben bestimmen.

Ist beispielsweise der Vater früh verstorben, sind Geschwister nicht erwachsen geworden, ist jemand in der Familie vermisst oder alkoholkrank oder stark behindert oder hat Gewalt erlebt, gab es Flucht und Vertreibung, Gewalt oder, oder, oder… Das ist Schicksal. Das geht an der Familie nicht spurlos vorbei.

Oft ist es uns nicht bewusst, wir wissen nichts von den Ereignissen und schon gar nicht, was davon noch bis heute auf uns wirkt. Wenn wir Gefühle durchleben, die wir nicht verstehen, können Traumata aus unserer Familie unbewusst wie Fesseln auf uns wirken.

Mit Herz und Seele. Erfüllt leben. Der Blog zum Sinn einer Familienaufstellung

Es ist das Anliegen dieses Blogs zu zeigen, dass unsere Gefühle, wie sie sind, nicht falsch sind, auch wenn wir sie nicht verstehen. Auch wenn sie nicht angemessen sind zur jeweiligen Situation. Dass sie in einem anderen Kontext durchaus Sinn machen.

Und es ist das Anliegen dieses Blogs zu zeigen, welche Dynamiken hinter unserem menschlichen Miteinander wirken. Dass es Lösungen gibt für das, was uns oft als so unerklärlich erscheint.

Es ist auch das Anliegen dieses Blogs zu zeigen, wie hinter all dem Leid eine unbewusste Liebe wirkt, die schon lange darauf wartet, heilen zu dürfen.

Und es ist das Anliegen des Blogs, Zuversicht zu vermitteln und Wege aufzuzeigen, damit es uns möglich wird, mit Herz und Seele ein erfülltes Leben zu leben.

In der Familie, in der Partnerschaft, im Beruf. Ein gesundes, mit Sinn erfülltes, gutes und liebevolles Leben. Trotz schwerer und besonderer Schicksale in der Familie. Damit das Leid ein Ende hat.

Das wünsche ich uns allen. Möge das Leben gut zu uns sein.

Renate

Impressum:
Text und Foto: Dr. Renate Wirth

www.aufstellungstage.de
www.renate-wirth.de
renate.wirth@aufstellungstage.de

Praxis: Prinzregentenstraße 7 in 10717 Berlin
Veröffentlichen des Textes und von dessen Auszügen nur mit Erlaubnis der Autorin.
Familienaufstellungen

Familienaufstellungen und andere Aufstellungen. Wie geht es ganz konkret?

Familienaufstellungen und andere Aufstellungen. Wie geht es ganz konkret?

Wenn das Problem nicht in uns selbst, sondern im System liegt

Wenn das Problem nicht in uns selbst, sondern in der Familiengeschichte begründet ist, kann dies zu familiären, beruflichen oder gesundheitlichen Problemen führen bis hin zum Wunsch, selbst nicht mehr leben zu wollen. Und das auch, wenn wir diese Menschen nicht kennen und wenn sie vielleicht schon längere Zeit nicht mehr am Leben sind.

Schwere Schicksale, wie der Verlust der Heimat, eines Partners, Kindes oder Geschwisters durch Krankheit, Unfall, Suizid, Mord oder Krieg, Adoptionen, Abtreibungen, Früh- und Fehlgeburten, schwere Behinderungen, Trennungen, schwere Schuld, Missbrauch und Gewalt können sich auf die anderen Familienmitglieder auswirken.

Diese Auswirkungen entstehen aus unbewusster Bindung und Liebe. Es sind Seelenbewegungen. Wir können diese Seelenbewegungen nicht sehen, wir können sie nur an ihren Wirkungen erkennen. Diese Seelenbewegungen zu erkennen und ihnen zu ermöglichen, dass sie sich zu einem guten heilsamen Ende vollziehen können, ist das Geschenk der Aufstellungsarbeit.

Was ist eine Systemaufstellung?

Das „Systeme Stellen“ oder die Systemaufstellung ist ein Begriff, der verschiedene Aufstellungswege und Aufstellungsansätze zusammenfasst. Es geht um das Aufstellen und Sichtbarmachen von Beziehungen, die in Systemen wirken.

Dabei kann ein System eine Familie sein (Familienaufstellung) oder eine Organisation (Organisationsaufstellung), ein Mensch (Aufstellung innerer Persönlichkeitsanteile), eine Erkrankung (Symptomaufstellungen, Medikamentenaufstellung) oder eine Frage (Tetralemma-Aufstellungen). Es gibt Themenaufstellungen zu Geld, Orten und Glaubensfragen sowie Naturaufstellungen und vieles mehr.

Wir denken zumeist, es liegt an uns

Wenn uns belastende Gefühle bedrücken denken wir zumeist, die Schwierigkeiten liegen an uns. Wenn wir uns nur mehr anstrengen, wenn wir dies oder das anders machen würden, dann werden die Probleme schon zu ändern sein.

Doch so ist es oft nicht. Das, was hinter unserem Problem wirkt, ist oft unbewusst und entzieht sich unserer bewussten Kontrolle. Denn Probleme können systemisch bedingt sein. Systemisch bedingt heißt, es kann etwas aus dem System unbewusst auf dich wirken, was sich der eigenen Kontrolle entzieht. Meist ist es das Familiensystem.

So kann es z.B. sein, dass familiäre Bindungen verhindern, zielgerichtet und erfolgreich den eigenen Weg zu gehen. Ein Tabu in der Familie, ein fehlender Segen oder Werte, die nicht mit der Familiengeschichte übereinstimmen, können den Erfolg, das Glück und eine erfüllende Partnerschaft verhindern und Ursache von Krankheiten sein.

Schwere Schicksale in der Familie

Schwere Schicksale in der Familie, wie der Verlust der Heimat, eines Partners, eines Kindes oder von Geschwistern durch Krankheit, Unfall, Suizid, Mord oder Krieg, Adoptionen, Abtreibungen, Früh- und Fehlgeburten, schwere Behinderungen, Trennungen, schwere Schuld, Missbrauch und Gewalt können sich auf die anderen Familienmitglieder auswirken.

Sie können zu familiären, beruflichen oder gesundheitlichen Problemen führen bis hin zum Wunsch, selbst nicht mehr leben zu wollen. Und das auch, wenn wir diese Menschen nicht kennen und wenn sie vielleicht schon längere Zeit nicht mehr am Leben sind.

Wie lässt sich erklären, dass die Ereignisse vorangegangener Generationen und die Erlebnisse unserer Familienmitglieder auch noch nach langer Zeit auf uns wirken, auch dann, wenn wir nichts von diesen Ereignissen wissen?

Was ist eine Familienaufstellung?

Beim Familienstellen werden Mitglieder der Familie aufgestellt. Es ist oft nicht die ganze Familie, sondern es werden die Familienmitglieder ausgewählt und aufgestellt, die eine Lösung des Problems im Einklang mit den anderen Mitgliedern der Familie ermöglichen. Man kann seine Herkunftsfamilie und/oder seine Gegenwartsfamilie aufstellen.

Worauf basiert die Aufstellungsarbeit?

Wie der Name Aufstellung schon sagt, man stellt jemanden hin. Die Methode basiert auf der uns Menschen eingeborenen Fähigkeit, unsere Gefühle räumlich wahrzunehmen. Das heißt, wenn man jemanden mag, dann geht man nah zu ihm hin, umarmt ihn vielleicht sogar. Im Volksmund sagen wir: „Der/die steht mir nahe.“ Wenn man aber jemanden nicht mag, sagen wir, der soll weggehen, bleiben wo der Pfeffer wächst oder wir gehen selbst weg.

Und wenn wir vor jemandem Angst haben, dann weichen wir zurück. Das macht nicht unser Kopf, der da sagt: „Geh mal 5 Schritte zurück“, das macht unser Körper, es geschieht einfach. Und wenn wir mit jemandem nichts zu tun haben wollen, dann schauen wir weg, oder wir verkreuzen die Arme vor der Brust und drehen uns weg.

All diese Bewegungen sind uns nicht bewusst. Sie geschehen einfach spontan. Und das nutzt die Aufstellungsarbeit, um tiefe innere Bewegungen ans Licht zu bringen. Die uns oft nicht bewusst sind, die aber dennoch wirken.

Das ist die große Chance der Aufstellungsarbeit. Es kommt etwas ans Licht, was tief in unserem Inneren verborgen ist und was uns oft nicht bewusst ist. Und erst wenn es sichtbar ist wird es möglich, heilsame Schritte zu gehen. Die bisher unserem Verstand verschlossen waren.

Was geschieht ganz konkret?

Alle Teilnehmer sitzen auf Stühlen im Kreis. Der Stuhl neben mir ist für diejenige oder denjenigen frei, der als nächstes aufstellen wird. Im Raum ist Stille. Dann bitte ich eine Person neben mich. Ich frage sie nach ihrem Anliegen und nach besonderen Ereignissen in der Familie.

Dann bitte ich sie, sich für bestimmte Familienmitglieder Stellvertreter aus der Gruppe auszuwählen und diese im Raum aufzustellen. Die Teilnehmerin bzw. der Teilnehmer sucht sich dann z.B. eine Person für den Vater, eine für die Mutter, Personen stellvertretend für die Geschwister und eine Person für sich selbst und stellt diese im Raum auf.

Der Klient bleibt gesammelt. Er fasst die Personen an den Schultern und führt sie an einen Platz im Raum. Dabei geht er ganz nach seinem Gefühl, möglichst ohne viel zu denken. Er stellt sie einfach hin. Das ist schon alles.

Die Stellvertreter nehmen wahr, was sie fühlen. Ein Bild der Beziehungen entsteht. Es ist zumeist deutlich zu sehen und zu fühlen und berührt tief. Es gilt, zu sehen und anzuerkennen, was ist. Auch wenn es schmerzhaft ist. Erst durch dieses Sichtbarwerden ist über mehrere Zwischenschritte eine Lösung möglich.

Während in der Anamnese natürlich gesprochen wird, wenn es um das Anliegen und die Familiengeschichte geht, arbeite ich in den Aufstellungen vorwiegend im Schweigen, damit sich tiefe Seelenbewegungen vollziehen können. Denn die Seele hat keine Worte, sie hat innere Bilder.

Muss ich ein konkretes Anliegen haben?

Eine Aufstellung ohne ein Anliegen geht nicht! Es kann jedoch sein, dass du das Anliegen nicht genau erfassen und formulieren kannst, dass es sich im Laufe des Seminares ändert oder dass mehrere Anliegen sich überlagern. Das ist nicht selten so, es ist kein Problem und liegt in der Sache selbst begründet.

Verstrickungen oder Identifizierungen mit Familienmitgliedern ermöglichen manchmal keine eigene Klarheit. Der vorbereitende Fragebogen und das Anamnesegespräch unterstützen dich, dein Anliegen dann zur Aufstellung zu benennen.

Was können Anliegen sein?

Adoption, Abtreibungen, Angst, Beruf, Belastungen, Depressive Stimmungen, Eltern, Entscheidungen, Erfolg, Fehlgeburt, Geschwister, Kinder, Kinderwunsch, Krankheit, Krebs, Liebe, Missbrauch, Orientierung, Paarprobleme, Patchworkfamilien, Platz finden, Scheidung, Schuldgefühle, Sehnsucht, Sucht, Suizid, Todessehnsucht, Trauer, Trennung, Unfall, Verluste können Anliegen sein.

Es gibt so verschiedene Anliegen wie es Menschen gibt. Einengende Gefühle können sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext zu Kraftverlust oder gar zu Krankheit führen und uns an eine Grenze bringen, die wir bisher nicht überschreiten konnten.

Kann jedes Anliegen aufgestellt werden?

Die Anliegen der Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer sind sehr verschieden. Grundsätzlich kann jedes Anliegen, das nicht selbst gelöst werden kann, aufgestellt werden.

Wenn du dir nicht sicher bist, ob dein Anliegen für eine Familienaufstellung passend ist, dann hole dir hier gratis das eBook „7 Beweggründe für eine Familienaufstellung“.

Ich habe mehr als 5000 Aufstellungen miterlebt, doch keine Aufstellung war wie die andere. Jede Familie, jedes Schicksal und jede Lösung sind einmalig.

Was heißt Familienaufstellung in der Stille?

Im Laufe der Jahre hat das Familienstellen in seiner Methodik eine deutliche Wandlung erfahren. Das Familienstellen in seiner ursprünglichen Form arbeitet überwiegend mit Sätzen, die eine heilende und lösende Wirkung zeigen. In den Aufstellungen zeigte sich später immer klarer, dass sich im Familiensystem Seelenbewegungen vollziehen, die an den Bewegungen der Teilnehmer sichtbar werden.

Ich arbeite überwiegend mit Aufstellungen in der Stille. Wenn sowohl der Aufstellende, als auch der Klient und die Gruppe gesammelt sind, entsteht so ein Seelenbild der Familie und ihrer Bewegungen. Es wird ein für die Seele wirksames neues heilendes „Lösungsbild“ anstelle des alten Bildes gesetzt, das eine Lösung auf einer tiefen Ebene möglich werden lässt.

Besonders danke ich hier auch meinem Lehrer Harald Homberger, der mir tiefe heilsame Erfahrungen ermöglicht hat und mich gelehrt hat, die Tiefe von Aufstellungen im Schweigen zu erfahren und weitergeben zu können.

Wenn du noch Fragen hast, dann schreibe mir eine Mail oder vereinbare einen Telefontermin. Auf der Kontaktseite findest du die Möglichkeit dazu.

Ich wünsche dir alles Gute.
Renate

 

 


Impressum:
Text und Foto: Dr. Renate Wirth

www.aufstellungstage.de
www.renate-wirth.de
renate.wirth@aufstellungstage.de

Praxis: Prinzregentenstraße 7 in 10717 Berlin
Veröffentlichen des Textes und von dessen Auszügen nur mit Erlaubnis der Autorin.

Alles in Ordnung. Eigentlich. Wie ich zur Aufstellungsarbeit kam

Alles in Ordnung. Eigentlich. Wie ich zur Aufstellungsarbeit kam

Ein ganz normales Leben

Im Sommer 1997 war von alledem, was da kommen würde, noch nichts zu merken. Ich war vollkommen gesund, war mitten im Leben, hatte eine wunderbare Familie und einen spannenden Beruf. Ich hatte eine Outdoorfirma für Kurse in der Natur und gerade einen Überlebenskurs hinter mir mit einer wunderbaren Gruppe: Leben im Wald, Feuer machen, eine Unterkunft bauen ohne Zelt, Wildpflanzen sammeln, Essen in der Kochgrube garen, Brot im selbstgebauten Ofen backen, Wildspuren lesen.

Eben alles, was du so brauchst, wenn du nach Kanada reist und dort deinen Rucksack verlierst. Wie auch immer, vielleicht weil dein Kanu kentert und der Rucksack von dannen schwimmt. Wir wollten Überleben lernen. Doch dass es bald wirklich um mein Überleben gehen würde ahnte ich damals nicht.

Und auch im Winter zu 1998 war noch nicht zu ahnen, was das neue Jahr bringen würde. Ich hatte drei Hundeschlitten-Kurse im Isergebirge mit einem Freund, dem die 33 Huskys gehörten. Ein Schlittengespann zu führen, Iglu bauen (die Fensterscheiben waren Eisflächen aus dem nahegelegenen Bach), im Schnee bei 20 Grad minus ohne Zelt übernachten, Feuer machen im Schnee, ich war gut drauf, konnte rennen, war gesund und hatte Kraft, die temperamentvollen Hunde sicher zu halten. Auch die Hunde waren gesund und voller Lust am Laufen. Am Abend waren wir geschafft, aber glücklich.

Nichts ahnend

Nach 7 Wochen im Schnee auf der Rückfahrt allein im Auto musste ich nach einigen Stunden an den Straßenrand fahren und erst einmal schlafen. Ich war plötzlich todmüde. Es war doch alles in Ordnung, eigentlich. Sicher war es das Abspannen nach dieser intensiven Zeit, die viele frische Luft, fahren mit Schneeketten und die lange Fahrt. Ich kam gut zu Hause an. Nichts ahnend, was mich in der kommenden Zeit erwarten würde.

Das Frühjahr war auch ohne Überlebenskurs abenteuerlich, ich plante neue Seminare.
Im Mai ging ich wie jedes Jahr zur Mammografie, routinemäßig, so nebenbei. Ich erwartete wie jedes Jahr ein „Alles in Ordnung“. Nichtsahnend verkündete mir der Arzt beim Auswerten der Bilder, es wäre der Verdacht auf einen Tumor, es sei wichtig, mich umgehend im Krankenhaus vorzustellen für eine OP.

Ich erklärte dem Arzt, dass wir eine große Kanutour nach Schweden als Seminar geplant haben in 8 Wochen und alles schon organisiert sei, ich würde danach zu dieser OP gehen. Der Arzt sah mich an und sagte: „Dann brauchen sie vielleicht nicht mehr zu gehen. Gehen sie sofort.“

Eine andere Welt

Ich war wie schlaftrunken in der kommenden Zeit und konnte nicht glauben, was gerade geschah. Zwei Operationen, 4 Monate Chemotherapie, 30 Bestrahlungen. Dann hatte ich die Nase voll und bat um Urlaub. Geplant waren nochmals 4 Monate Chemotherapie. Mir wurden 4 Wochen Urlaub gewährt. Es war inzwischen Dezember geworden.

Freunde nahmen mich mit nach Norwegen zum Schlittenhundetraining. Fünf LKW, 5 Musher, 70 Schlittenhunde und ich. Endlich wieder Freiheit, Natur und Schnee. Weit weg vom Klinikgeschehen. Ich kochte Essen für alle. Und bat nach einiger Zeit um eine Woche für mich allein sein zu können in den Bergen. Die Männer stimmten zu.

Mein Rucksack und ich kamen auf den Tandemschlitten und wir fuhren lange bergan. Ganz oben, weit weg von der Zivilisation, wo es nur noch Krüppelkiefern gab, 50 cm Schnee und 20 Grad minus, stand eine Hütte. Hier oben pfiff ein eisiger Wind. Mein Schlitten wurde abgekoppelt, die Männer fuhren weiter mit ihren Hunden.

Da stand ich nun mit meinem Schlüssel in der Hand in dieser weißen Stille. Und versuchte, die Tür der Hütte zu öffnen. Sie war eingefroren. Nach zwei Stunden Mühen, Tränen und Gottes Gnade ging die Tür auf. Unendlich erleichtert hatte ich endlich ein Dach über dem Kopf. Die Tage sind kurz in Norwegen im Dezember, es wird zeitig dunkel und es war eiskalt.

Es gab kein Wasser und kein Licht. Es war nicht möglich durchs Fenster zu schauen, sie waren dick mit Eisblumen zugefroren. Hinter der Hütte war ein Holzverschlag und in der Hütte ein Eisenkasten mit einem Ofenrohr. Ich musste mir einen Weg zum Holzverschlag durch den Schnee schaufeln. Bald brannte das Feuer im Ofen und eine Stunde später war es gemütlich warm in der Hütte in der Nähe des Ofens. Wasser war geschmolzener Schnee und eine Kerze gab Licht.

Ich war angekommen. Diesmal ganz bei mir selbst. Die kurzen Ausflüge nach draußen lehrten mich zu leben. In diesem eisigen Wind war jeder Moment eine Entscheidung: Du brauchst nur fünf Minuten nichts zu tun, dann bist du erfroren. Jeder Moment war eine Entscheidung für oder gegen das Leben. Da wusste ich: Ich hatte mich für das Leben entschieden. Bei jedem Schritt. Bei jeder Bewegung.

Später habe ich die schützende Hütte nur noch zum Holz holen und für das Nötigste verlassen, Ausflüge waren unnützer Luxus. Mit Kerzen war sparsam umzugehen, wie auch mit dem wenigen Brot. Lesen war nur kurze Zeit möglich, dann war es zu dunkel. Also war ich einfach da. Nur da. Und begriff zum ersten mal, was für eine Gnade es ist, einfach nur da zu sein. Am Leben.

Zurück in Deutschland

Zurück in Deutschland war zum Jahresbeginn meine Schonzeit vorbei und es ging weiter mit der Chemotherapie, diesmal höher dosiert. Meine geliebte Mutter verstarb Mitte Januar im hohen Alter. Sie ging friedlich in die andere Welt. Ein schwerer Abschied für mich. Ohne Haare war ich zur Beerdigung und dachte mir: Ja, es war abzusehen. Und dennoch war es viel zu früh. Von ihren Sachen konnte ich mich noch lange nicht trennen.

Von der Chemotherapie wurde ich immer kränker. Anfang April ging nichts mehr. Ich konnte nur noch gestützt laufen und musste die letzte Behandlung lassen, es ging einfach nicht mehr. Mein Mann begleitete mich in die Habichtswaldklinik zur Anschlussheilbehandlung. Wir schafften es gerade so vom Auto bis ins Zimmer. Hinlegen. Nur Hinlegen.

Wieder eine andere Welt

Nun war ich nochmals in einer neuen Welt angekommen. Ununterbrochen liefen mir die Tränen. Nach so langer Zeit fühlte ich mich trotz meines geschwächten Zustandes sicher und geborgen. Alles war hell und freundlich. Nicht wie Krankenhaus. Liebevoll und irgendwie ganz anders. Hier kam mir das erste Mal das Wort Heilung in den Sinn. Wie Heilung geschieht, das wusste ich nicht. Doch alles berührte mein Innerstes.

Da wurden Mantren gesungen, ich konnte keine Zeile mitsingen, nur weinen. Doch das waren Tränen der Erleichterung. Natürliche Medikamente, ayurvedisches Essen, Entgiftung, unterstützende Therapien, viel Zeit, Fürsorge, Zuwendung, Verständnis und Schönheit überall. Und dann geschah etwas Außergewöhnliches, das meinen späteren Weg bestimmen würde. Noch war ich völlig ahnungslos, was da auf mich zukam.

Vollkommen ahnungslos

In der ersten Psychotherapiestunde saß mir als Psychoonkologe Harald Homberger gegenüber. Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie eine Psychotherapiestunde gehabt und hatte keine Ahnung, was da kommen würde. In dieser ersten Stunde habe ich durch Harald, der später mein Lehrer und Freund wurde, die Aufstellungsarbeit kennengelernt. Die Aufstellung und die Welt der Seele. Ohne zu wissen, was Aufstellungen sind und wofür sie gut sein sollen habe ich eine erste Aufstellung erlebt.

In dieser ersten Aufstellung, von der ich nicht einmal wusste, dass es eine Aufstellung war und noch nicht einmal, dass es Familienaufstellungen überhaupt gibt, geschweige denn, wie sie wirken, habe ich am eigenen Leib ganz Unglaubliches erfahren.

Später erfuhr ich, dass es eine Familienaufstellung war

In der Anamnese fragte der Therapeut nach Ereignissen der Familie, wer dazugehört und nach besonderen Schicksalen. Besondere Schicksale gab es in meiner Familie, meine Eltern hatten Geschwister zeitig verloren, mein Vater war zeitig verstorben und ich hatte meinen ersten Mann durch Suizid verloren, als ich gerade 28 Jahre alt war. Wir hatten damals einen einjährigen gemeinsamen Sohn.

Nach einem kurzen Anamnesegespräch empfahl der Therapeut eine Aufstellung. Er erklärte kurz das Setting, ich sei ich selbst und der Therapeut vertrete meinen verstorbenen ersten Mann. Ich solle ohne zu sprechen meinen inneren Bewegungsimpulsen folgen und er würde dann sagen, wann die Aufstellung zu Ende sei.

Der Therapeut in der Rolle meines ersten Mannes legte sich sofort auf die Erde. Und ich? Was tat ich vollkommen unaufgefordert? Ich legte mich dazu. Lag da und war ganz im Frieden. War endlich angekommen. Nichts war mehr wichtig, alles war so gut wie es war. Ich war nicht glücklich oder unglücklich. Ich war in einem grenzenlosen Frieden.

Nachdem der Therapeut die Aufstellung beendet hatte stand ich sehr verwirrt auf. „Wissen sie, was das bedeutet?“, fragte er mich. Ich schüttelte den Kopf. „Ihre Seele will sterben. Ihre Seele will ihrem ersten Mann folgen.“

Will denn meine Seele etwas anderes als ich?

Ich war gänzlich fassungslos. Natürlich wollte ich nicht sterben, so ein Quatsch, wer das sagt ist einfach seltsam gestrickt. Ich war mitten im Leben, voller Ideen und Kraft. Ich hatte 4 wunderbare Kinder, eine guten und klugen Mann, ein schönes Haus mit Garten am See, eine spannende Arbeit. Und wieso kann meine Seele etwas anderes wollen als ich? Wer ist dieses Ich und wer ist meine Seele?

Eigentlich ist doch außer dieser nun Gottseidank überstandenen Erkrankung doch alles in Ordnung. Gab es da etwa noch etwas? Ja, es gab noch etwas: Diese Sehnsucht nach „ich weiß nicht wonach“. Ja, die gab es immer. Und diese immer wiederkehrende latente unangemessene Wut. Und hin und wieder diese Resignation. Aber das heißt doch noch lange nicht, sterben zu wollen! Und der Tod meines ersten Mannes war ja nun auch schon mehr als 20 Jahre her! Vorbei ist vorbei.

Ich war vollkommen aus meiner Mitte geraten. Die Erkrankung aus heiterem Himmel, was ist das mit der Seele, mit den hinter allem wirkenden Dynamiken, dem Unsichtbaren, was da wirkt? Was gibt es da noch, was mein Verstand nicht begreifen kann?

Die Seele hat ihre eigenen Gesetze

„Die Seele hat ihre eigenen Gesetze.“ hat mein Therapeut und späterer Lehrer und Freund Harald Homberger damals in der Klinik zu mir gesagt. Ich verstand nichts. Wirklich rein gar nichts. Was da eine Seele sein soll und dass es da sogar Gesetze gibt, das war für mich einfach alles ein großes Fragezeichen. Und zu viel Unbegreifliches auf einmal.

Viel später erst, als ich in den Aufstellungen gesehen habe, dass die Bewegungen der Menschen, die sich in der Stille vollziehen, ganz andere sind als das, was sie noch zwei Minuten vorher gesagt haben, da habe ich vieles verstanden. Und ich konnte sehen, dass sich diese Bewegungen, die vorher undenkbar waren oft erst durch die Aufstellung gezeigt haben.

Immer und immer wieder konnte ich sehen, dass diese Seelenbewegungen oft überhaupt nicht identisch mit unseren emotionalen Bewegungen sind. Wir können z.B. Wut haben auf den Vater, der gewalttätig war, ihn ablehnen oder ihn meiden. Aber unsere Seele macht diese Bewegungen nicht mit. Sie kann gerade entgegen gesetzte Bewegungen haben, die wir überhaupt nicht verstehen. Sie liebt einfach. Auch gerade diesen Vater.

Ich wollte verstehen, was da verborgen auf uns wirkt

So begab ich mich auf die Reise in die Welt der Seele und der Familienaufstellungen und begann immer mehr herauszufinden, was unbewusst hinter unserem Miteinander auf uns Menschen wirkt. Wie es bewusst werden kann und wie Heilung möglich wird. Zuerst habe ich alle Bücher gelesen, derer ich habhaft werden konnte. Und habe viele Fragen gestellt. Dann hatte ich mehrere Aufstellungen zu verschiedenen Lebensthemen. Zwei Jahre später begann ich dann eine zweijährige Weiterbildung bei Harald Homberger zur Systemischen Aufstellungsarbeit.

Selbst zum Beginn der Weiterbildung wusste ich noch nicht, dass es kurz danach der Beruf werden würde, den ich nun schon mehr als 10 Jahre mit ganzem Herzen ausübe. Er hat mich seither nicht einen Tag mehr losgelassen. Noch immer faszinieren mich die Dynamiken, Erkenntnisse, die innewohnende Weite und die Heilungswege der Aufstellungsarbeit.

2004 gründete ich die „Praxis für Systemaufstellungen“, um den Menschen mit Hilfe der Aufstellungen Heilungsschritte zu ermöglichen, die der Verstand allein nicht gehen kann. Ich bin gesund und danke von ganzem Herzen allen, die dazu beigetragen haben. Was mir geschenkt wurde, gebe ich gern und dankbar weiter.

Dein erster Kontakt mit der Aufstellungsarbeit

Da ich bei meinen ersten eigenen Aufstellungen viel Unverständnis und oft auch Angst hatte, weiß ich aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühlt, zum ersten Mal eine Familienaufstellung zu erleben. Man weiß ja wirklich nicht, was sich da zeigen wird, es hat ja bisher im Verborgenen gewirkt.

Ja da hast du Recht, wir wissen es beide nicht, was genau geschehen wird. Doch was ich genau weiß, ist, dass deine Seele Heilungsschritte gehen möchte, sonst würdest du nicht zur Aufstellung kommen. Und was ich dir zusichern kann ist meine achtsame und fürsorgliche Arbeitsweise.

Eine Familienaufstellung ersetzt keinen Arzt, sie übersteigt auch die Psychotherapie. Doch wenn du Probleme in deiner Familie, in deiner Paarbeziehung, im Beruf oder gesundheitliche Probleme hast, die du bisher nicht auf andere Weise lösen konntest und psychisch gesund bist dann kannst du schauen, was da vielleicht im Verborgenen auf dich wirkt und welche Lösungsschritte du gehen kannst. Hier findest du die Termine für die Aufstellungsseminare und wie du dich anmelden kannst.

Und falls du die Aufstellungsarbeit erst einmal kennenlernen möchtest, ohne gleich selbst ein eigenes Anliegen aufzustellen, dann kannst du auch erst einmal als Stellvertreter*in am Seminar teilnehmen, um mich und meine Arbeitsweise kennenzulernen. Denn es braucht ein gewisses Vertrauen, damit du dich mir und der Aufstellungsarbeit anvertrauen kannst.

Wenn du nicht sicher bist, ob für dich eine Familienaufstellung der nächste gute Schritt ist, dann klicke hier, ich sende dir dann sofort kostenlos das E-Book „5 Schritte zu mehr innerer Freiheit“ zu.

Alles Gute für dich und herzliche Grüße
Renate

 


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Text und Foto: Dr. Renate Wirth

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Dein Grundvertrauen. Wie du endlich ankommen kannst und deinen Platz findest.

Dein Grundvertrauen. Wie du endlich ankommen kannst und deinen Platz findest.

Brunnen am Benediktushof Holzkirchen

Ankommen können

Gehen wir davon aus, dass es weder vor der Geburt noch während der Geburt noch in den ersten drei Lebensjahren einschränkende Traumata gab. Dann kann das Kind in seiner Seele vertrauensvoll bei der Mutter ankommen. Es fühlt sich willkommen, behütet und beschützt. Das ist wunderbar und ein großer Segen.

Ankommen können, sich gewollt, geliebt und angenommen fühlen ist ein Urwunsch von uns allen.

Nicht immer sind die Bedingungen für den Start ins Leben günstig. Schon vor der Geburt kann eine schwierige Beziehung und Lebenssituation der Eltern die Vorfreude auf das Kind trüben oder gar verhindern. Dann wird das Ankommen nicht freudevoll erlebt.

Oft höre ich den Satz „Ich war nicht gewollt.“ Das ist ein Satz, der Schmerzen und Narben in der Seele hinterlässt. Denn wir brauchen das Gefühl, in der Welt willkommen zu sein, um ein Grundvertrauen entwickeln zu können.

Wir Menschen brauchen als Neugeborene unbedingt andere Menschen. Wir können allein nicht überleben. Wir haben von Geburt an das innige Bedürfnis, enge intensive Gefühlsbeziehungen zu anderen Menschen herzustellen, um ein Grundvertrauen in die Welt zu entwickeln. Um uns geschützt und geborgen zu fühlen.

Vorsicht ist von Natur aus sinnvoll

Oft ist unsere Möglichkeit zu vertrauen von Kindheit an eingeschränkt oder geht uns im Laufe des Lebens verloren. Verletzungen, Enttäuschungen, Schicksalsschläge und Traumata in unserer Herkunftsfamilie und in unserem eigenen Leben haben unseren Glauben an das Leben verletzt. Wir haben eine Vorsicht entwickelt, die uns in schwierigen Lebenssituationen geholfen hat, uns zu orientieren und zu überleben.

Das Leben ist ständiger Wandel. Nichts bleibt wie es ist, wirklich gar nichts. Vorsicht und Umsicht sind deshalb wichtig für unser Überleben. Auch das fehlende Grundvertrauen und das Misstrauen sind ein Überlebensschutz und von Natur aus sinnvoll, sie schränken jedoch unser Leben stark ein.

Wir brauchen Inseln der Sicherheit und Geborgenheit, um nicht in Dauerspannung immer auf der Hut und auf der Suche nach einem sicheren Platz zu sein. Wir brauchen das Gefühl, dazuzugehören, angenommen zu sein, willkommen zu sein. Wir brauchen ein Grundvertrauen in diese Welt, aus dem heraus wir leben und wirken können.

Grundvertrauen heißt: Ich bin in der Welt willkommen

Wenn ein Kind von den Eltern gewünscht und gewollt ist und sich die Eltern und die dazugehörige Familie auf das Kind freut, dann ist eine gute Grundlage für ein Grundvertrauen gelegt. Sind die Bedingungen so gesegnet, dass die Mutter das Kind dann in ihrer tiefen Seele annehmen kann, dann ist eine wunderbare Basis für das Kind geschaffen.

Das Kind erfährt von Beginn seines Lebens an: Ich bin in der Welt willkommen.
In der Seele, im Zellbewusstsein und im Gehirn wird die Erfahrung abgespeichert, geborgen und sicher zu sein. Das ist ein großer Segen.

Doch immer wieder kommen Teilnehmer ins Seminar mit dem Anliegen, nicht wirklich ankommen zu können. Eine Familienaufstellung zeigt die Dynamiken, die in der Lebenssituation der Eltern wirken.

Wohin schaut der Vater? Wohin schaut die Mutter? Schauen die Eltern in ihrer Seele auf ihr Kind? Oder schauen sie auf ihre Herkunftsfamilien, auf verlorene Geschwister oder frühere Partner? Sehen sie das Kind überhaupt? Und wo ist der gute Platz für das Kind?

Ist es denn möglich, dieses innere Willkommen noch nachzuholen, wenn es damals nicht möglich war? So seltsam es klingen mag: Ja es ist möglich. Denn im tiefsten Inneren ist die Seele auf Heilung ausgerichtet. Sie möchte lieben dürfen und zugewandt sein.

Eine Teilnehmerin schreibt:

„Das Gefühl mich nicht anlehnen zu können und gleichzeitig viel Verantwortung für Andere zu tragen stand bei meiner Aufstellung im Mittelpunkt. Die Aufstellung zeigte, dass sowohl meine Mutter als auch mein Vater auf verstorbenen Familienmitgliedern schauten und mich nicht sehen konnten.

Meine Mutter war sehr mit ihrem ersten Kind verbunden, das sie in der Schwangerschaft verloren hatte und konnte nicht zu mir aufblicken.

Erst nachdem meine Mutter von ihrem verlorenen Kind Abschied nehmen konnte war es möglich, dass sie mich anschauen konnte. Über die Augen sind wir uns dann im tiefsten Inneren begegnet. Ihr Blick fiel direkt in mein Herz. Es tat so weh und war gleichzeitig so erlösend, endlich gesehen zu werden und ankommen zu können.

Und dieses Gefühl, einfach in ihren Armen liegen zu können und gehalten zu werden, das kann ich jetzt noch fühlen. Wie mein ganzer Körper weich wurde und ich einfach nur da sein durfte. Gewollt und gehalten.

Nach der Aufstellung hat es ein bisschen gedauert. Doch jetzt ist es viel schöner geworden zwischen uns. Und selbst in meiner jetzigen Familie hat sich die Aufstellung ausgewirkt. Ich bin viel mehr da. Und entspannter. Einfach ganz da.“

In einer Familienaufstellung zeigen sich die Dynamiken und Traumata, die bisher im Verborgenen gewirkt haben. Und erst wenn sie sich zeigen, können sie gelöst werden.

Dann wird aus Abneigung, Desinteresse, Gefühlsmangel, Angst und Unverständnis endlich ein sich gegenseitig Sehen können. Wenn das geschehen kann, dann verändert sich das Leben wesentlich. Dann können wir endlich da sein. Willkommen in dieser Welt.

Grundvertrauen heißt: Auf dieser Welt gibt es einen Platz für mich

Wenn wir die Familie aufstellen sehen wir oft, dass der Klient oder die Klientin zwar alle Familienmitglieder recht sicher an einen Platz im Raum stellen kann, aber keinen Platz für sich selbst findet.

Trotz Ausprobierens findet er keinen Platz, an dem er sich sicher fühlt. Das ist tragisch und schmerzhaft.

Es kann vielerlei Ursachen haben, wenn wir unseren Platz nicht finden. Manchmal ist es ein verlorenes Geschwisterkind, das früh verstorben ist oder durch eine Fehlgeburt oder eine Abtreibung nicht geboren wurde. Dann geschieht es, dass wir am falschen Platz in der Geschwisterreihe stehen. Das fühlt sich dann immer falsch an.

Auch wenn wir unbewusst der Mutter den Partner oder dem Vater die Partnerin ersetzen fühlt sich das falsch an. Das geschieht z.B., wenn einer der Eltern eine vorige Liebe verloren hat oder nach einer Trennung einer der Eltern den verlorenen Partner schmerzlich vermisst.

Auch wenn einer der Eltern dem anderen böse ist und unversöhnlich grollt kann das Kind unwissentlich den fehlenden Elternteil ersetzen. Das ist nicht nur eine Überforderung, sondern das Kind wird immer das Gefühl haben, nicht am rechten Platz zu sein.

Eine Teilnehmerin schreibt:

„Immer hatte ich das Gefühl, nicht zu wissen wohin ich gehöre. Als wäre ich aus Versehen in meine Familie hinein geboren wurden. Als wäre ich einfach in der falschen Familie gelandet. Ich habe mich nicht dazugehörig gefühlt. Und wirklich vertrauen, das war schwer. Eigentlich, wenn ich so zurück denke, war es gar nicht wirklich möglich.

In einer Aufstellung habe ich dann meine ganze Familie aufgestellt. Vater, Mutter, meine 3 Geschwister und mich. Erstaunt war ich, dass ich auch noch die ehemalige Verlobte meines Vaters auswählen sollte, mit der mein Vater vor meiner Mutter mehrere Jahre verlobt war.

Und dann geschah etwas für mich vollkommen faszinierendes: Als wir uns alle frei bewegen konnten stellten sich meine Geschwister zusammen, doch ich ging schnurstracks zur Verlobten meines Vaters an ihre Hand. So stand ich neben ihr, als wäre sie meine Mutter.

Mein Vater schaute weg weit in die Ferne. Es war, als wenn er niemanden von uns sieht.Er schaute wohl auf seine Erlebnisse im Krieg. Vielleicht auch in der Ferne auf seine Eltern, die unerreichbar waren. Ich hatte das Gefühl, als wäre er gar nicht wirklich da.

Meine Mutter schaute auf meinen Vater. Sie konnte uns Kinder dabei nicht sehen. Mich jedenfalls nicht, denn ich stand abseits an der Hand der Verlobten meines Vaters.

Dann sollte ich zu dieser Verlobten sagen: „Du bist nicht meine Mutter. Das da (ich zeigte auf meine Mutter) ist meine Mutter.“ Erstaunt lies die Verlobte meine Hand los. Meine Mutter schaute mich an und ich ging weinend zu ihr. Sie nahm mich in ihre Arme und hielt mich lange. Ich konnte kaum aufhören zu weinen. Endlich gehörte ich dazu.

Am Ende standen wir 4 Geschwister nebeneinander und die Eltern uns gegenüber. Zum ersten mal hatte ich das Gefühl, am richtigen Platz zu sein.

Es war kein glückliches Gefühl. Aber ich war so erleichtert. Es war eine große Last von mir gefallen.“

Viele Male habe ich in Aufstellungen gesehen, dass es möglich ist, auch jetzt noch den guten Platz in der Herkunftsfamilie zu finden und einzunehmen. Denn eine Familienaufstellung schenkt die Möglichkeit, dass der eigentliche gute Platz in der Herkunftsfamilie endlich sein darf.

Grundvertrauen heißt: Ich kann einfach da sein

Manchmal haben wir das Gefühl, nur dann anerkannt und gesehen zu werden, wenn wir viel oder etwas Besonderes leisten. Das ist nicht nur anstrengend, sondern erschöpft auf Dauer.

Es ermöglicht weder ein vertrauensvolles Grundgefühl noch ein gutes Selbstvertrauen. Denn immer steht der Zweifel im Raum. Ob das, was wir leisten auch genug ist und den Anforderungen der Anderen genügt?

Die Ursachen sind in den Familien sehr verscheiden. Oft liegen Kriegstraumata der Eltern oder Großeltern, Verlusttraumata, Flucht , Vertreibung oder Gewalterfahrungen zugrunde. Dann können die Eltern im tiefen Inneren einfach nicht auf das Kind schauen. Und das Kind hat dann das Gefühl, nur gesehen zu werden, wenn es etwas ganz Besonderes leistet.

Eine Familienaufstellung zeigt diese Ursachen auf und ermöglicht heilsame Lösungen.
Dann können wir darauf vertrauen können, dass es gut und genug ist, einfach da zu sein. Mit allem, was wir mitgebracht haben auf diese Welt. Mit unseren Talenten und Gaben, mit unserem ganz ureigenen Wesen. Dass wir so einfach da sein dürfen wie wir sind.

Verstrickungen und Traumata deiner Familiengeschichte lösen

Wenn du schon vieles ausprobiert hast und dich dennoch immer wieder belastende Gefühle bedrücken oder einengende Muster einschränken, dann ist es ein guter Weg, eine Familienaufstellung zu machen.

Mach eine Familienaufstellung, damit sich verborgene Dynamiken zeigen und lösen können, die dein Denken bisher nicht erfassen konnte. Dann wirst du frei für neue Schritte. Und die Fähigkeit, ein Risiko einzugehen und neu zu vertrauen entsteht dann viel, viel leichter.

Falls du dir noch nicht sicher bist, ob eine Familienaufstellung für dich der passende Weg ist, dann klicke hole dir kostenlos das E-Book „7 Beweggründe für eine Familienaufstellung“.

Eine große Chance der Familienaufstellung ist es, den in den ersten Lebenszeit geprägte Bindung noch nachträglich zu verändern. Dass das möglich ist sehe ich immer und immer wieder.

Wenn sich durch eine Familienaufstellung in der Mutter-Kind- Beziehung etwas zu Guten vollzieht, dann kann sich auch noch nach vielen Jahren innerer Anspannung und Ablehnung noch ein freundliches, entspanntes und auch liebevolles, manchmal sogar ein inniges Verhältnis zur Mutter entwickeln.

Bist du dann doch gewollt?

So seltsam es klingt, denn die Geburt liegt ja nun schon Jahrzehnte zurück: es wird oft noch nach so vielen Jahren möglich, dass die Eltern in der Aufstellung liebevoll auf das Kind schauen können. Die Aufstellung wirkt in einer Dimension, in der Zeit und Raum aufgehoben sind.

Das kann jeder anzweifeln. Es klingt ja auch wirklich seltsam. Aber was zählt ist das Leben nach der Aufstellung. Was hat sich dann verändert? Kannst du deiner Mutter in die Augen schauen? Kann deine Mutter dich sehen? Ist es leichter oder gar leicht geworden zwischen euch?

Und hast du das Gefühl, angekommen zu sein? In deiner Familie? Vielleicht auch im Beruf? Oder in deiner Partnerschaft? Probier es einfach aus. Du kannst nur deine eigenen Erfahrungen machen. Nur das zählt.

Was kannst du noch tun, um ein Grundvertrauen neu zu entwickeln?

Schau, ob du nicht doch schon so ein grundlegendes Vertrauen hat, was dir ganz selbstverständlich ist, z.B. in die Rhythmen des Natur.

Wenn du nicht gerade nördlich des nördlichen Wendekreis wohnst, so wirst du sicher darauf vertrauen, dass am Morgen die Sonne aufgeht, dass nach dem Winter der Frühling kommt, dass die kahlen Bäume im Frühling wieder Blätter bekommen, dass nach dem Regen wieder sonnige Zeiten kommen. Und du kannst darauf vertrauen, dass dein nächster Atemzug kommt und dass dein Herz von allein schlägt.

Du kannst deinen eigenen Gefühlen neu vertrauen lernen. Du kannst neue Erfahrungen zulassen, auf Schuldzuweisungen und Groll verzichten, die Verantwortung für dich selbst übernehmen.

Du kannst schauen, wie du dein Selbstvertrauen entwickeln kannst. Selbstvertrauen schafft ein Grundvertrauen. Wenn du etwas tun möchtest für dein Selbstvertrauen, dann hole dir hier kostenlos die pdf „Kraftquellen für mehr Selbstvertrauen“. Klicke einfach hier, ich sende dir dann sofort die Anleitung zu.

Zweimal im Jahr leite ich ein Themenseminar Vertrauen am Benediktushof in Holzkirchen. Der Benediktushof ist ein ganz besonderer Ort der Stille. Im Seminar arbeiten wir mit Familien- und Traumaaufstellungen, Körperarbeit, Gespräch und Meditation. Das Sitzen in der Stille unterstützt uns, uns zu zentrieren und aus unserer inneren Mitte heraus zu handeln.


Oder mach eine Familienaufstellung und komm in ein Aufstellungsseminar. Wenn du nicht sicher bist, ob für dich eine Familienaufstellung der nächste gute Schritt ist, dann klicke hier, ich sende dir dann sofort kostenlos das E-Book „5 Schritte zu mehr innerer Freiheit“ zu.

Ich wünsche dir immer wieder wunderbare Momente des Vertrauens. In das Leben, in andere Menschen, in größere Kräfte und ganz und vor allem in dich selbst. Und das Gefühl, gewollt und gewünscht, am richtigen Platz und willkommen zu sein.

Herzlichst
Renate

 

 


Impressum:
Text und Foto: Dr. Renate Wirth

www.aufstellungstage.de
www.renate-wirth.de
renate.wirth@aufstellungstage.de

Praxis: Prinzregentenstraße 7 in 10717 Berlin
Veröffentlichen des Textes und von dessen Auszügen nur mit Erlaubnis der Autorin.

Im Einklang mit der großen Seele. Über die Wirkung der Aufstellungsarbeit. Ein Interview

Im Einklang mit der großen Seele. Über die Wirkung der Aufstellungsarbeit. Ein Interview

Ein Interview von Stefanie Link mit Dr. Renate Wirth

Das Phänomen der Aufstellungen

Stefanie Link:
„Die therapeutische Arbeit mit Aufstellungen hat in den letzten Jahren viele Menschen erreicht: Es gibt Systemaufstellungen, Organisationsaufstellungen, Familienaufstellungen, Symptomaufstellungen, um nur einige zu nennen. Sowohl privat als auch beruflich werden Aufstellungen genutzt, um hemmende Beziehungen eines Systems erkennen und verändern zu können. Aufstellungen haben Eingang in viele Lebensbereiche und Berufsfelder gefunden und damit den Rahmen der Therapie schon längst überschritten. In Pädagogik, Politik, Medizin, Wirtschaft und in vielen anderen Gebieten werden Aufstellungen mit Erfolg eingesetzt. Wie wirken denn eigentlich diese Aufstellungen?“

Renate Wirth:
„Das Phänomen der Aufstellungen ist die sogenannte repräsentierende Wahrnehmung. Der Klient stellt Stellvertreter im Raum für die Personen auf, die an seinem Problem beteiligt sind. Diese Personen kennen den Klienten nicht, sie kennen die Personen nicht, die sie vertreten, sie sind also fremd. Das Phänomen dabei ist, dass die Stellvertreter Gefühle wahrnehmen, die nicht zu ihnen selbst, sondern zur Person gehören, für die sie stellvertretend stehen.

Wenn das jemand so sagt, stößt er im Allgemeinen auf Unverständnis und Zweifel. Vom Zweifler zum Glaubenden wird man, wenn man zum ersten Mal in einer Stellvertreterrolle gestanden hat und diese Fremdgefühle am eigenen Leib erlebt hat. Dann erfährt man plötzlich eine völlig neue Dimension der menschlichen Wahrnehmung“.

Stefanie Link:
„Ich habe selbst schon Aufstellungen miterlebt und kann das bestätigen. Weltweit haben Millionen Menschen in den letzten Jahren diese Erfahrung gemacht. Wie können fremde Menschen plötzlich stellvertretend Wahrnehmungen haben, die sie im normalen Leben nicht erfahren?“

Renate Wirth:
„Immer mehr Naturwissenschaftler gehen heute davon aus, dass es neben unserer rational zu verstehenden Welt noch eine transmentale oder transrationale Welt gibt, in der sich die Wirklichkeit unserem logischen Denken entzieht. Quantenphysiker sprechen von einem Quantenfeld, in dem alles miteinander verbunden ist und alles mit allem kommunizieren kann.

Der englische Biologe Rupert Sheldrake prägte den Begriff des „Morphischen Feldes“ und der „Morphischen Resonanz“. Morphische Felder sind genauso real wie Gravitationsfelder oder Magnetfelder, an deren Existenz heute niemand mehr zweifelt. Sie sind überall in der Natur zu finden.
Morphische Felder sind fähig, Informationen zu registrieren. Sie verfügen über eine gewisse Art von Gedächtnis und sind weitgehend unabhängig von Zeit und Raum.

Es gibt inzwischen wissenschaftliche Studien, die das Phänomen der repräsentierenden Wahrnehmung belegen. Wie dieses Phänomen jedoch wirkt, dazu wird es in den kommenden Jahren mit Sicherheit noch neue Erkenntnisse geben.“

Aufstellungen wirken auf vier Ebenen

Stefanie Link:
„In einer Aufstellung können hemmende Beziehungsmuster in einem aufgestellten Berufssystem oder Familiensystem erkannt werden. Wie wirken diese Aufstellungen und wie kommt es zu einer Lösung oder Klärung des Problems?“

Renate Wirth:
„Aufstellungen wirken auf vier Ebenen. Auf der Körperebene, auf der Erkenntnisebene, auf der Gefühlsebene und auf der Seelenebene. Nun ist es ein Unterschied, ob eine Organisationsaufstellung Strukturen eines Firmenanliegens klären soll oder ein Mensch mit einer Krebserkrankung als Anliegen zur Aufstellung kommt, um nur zwei Beispiele zu nennen.

In der Organisationsaufstellung wird der Aufsteller überwiegend auf der kognitiven Ebene arbeiten, beim Anliegen der Krebserkrankung, wo es um Leben und Tod geht, überwiegend auf der Seelenebene. Das ist jetzt ein wenig plakativ gesagt, um das zu verdeutlichen. Grundsätzlich sind wir als Menschen ja nicht in verschiedene Ebenen aufzuteilen. Natürlich wirken immer alle vier Ebenen mit, aber in unterschiedlichem Ausmaß. Es ist ein Unterschied, ob es um Erkenntnis oder um Heilung geht.

Auf welcher Ebene eine Aufstellung vorrangig wirkt, ist nicht nur vom Thema, sondern vor allem von der Arbeitsweise des Aufstellers abhängig. Von seiner angewandten Methode und von seiner eigenen Persönlichkeit. Das trifft auf Organisationsaufstellungen und Familienaufstellungen gleichermaßen zu“

Familienaufstellung und Heilung im Herzen

Stefanie Link:
„Wir waren eben beim Leid. Was hat denn die Liebe damit zu tun?“

Renate Wirth:
„Nun, das haben wir ja schon alle mal im Leben erfahren. Dass Liebe und Leid in bestimmten Aspekten zusammengehören. Wenn wir das Leid nicht wollen und das Herz für denjenigen verschließen, der es uns angetan hat, dann hat auch die Liebe als zugehöriger Aspekt keine Chance. Und dieses „Liebe-zulassen-können“ im eigenen Herzen, das heilt.“

Stefanie Link:
„Es geht also darum, als erstes das Leid anzunehmen?“

Renate Wirth:
„Ja! Aber das sagt sich so einfach. Der Klient kann es nicht von allein. Gerade das ist das Problem. Wenn wir ihm sagen, er soll sein Leid annehmen und Liebe zulassen. Das kann er eben gerade nicht. Es geht einfach nicht. Wenn es ginge, hätte er es ja schon getan.

Wir als Aufsteller müssen den ersten Schritt tun. Das heißt als erstes: Wir nehmen die Situation so ins Herz, wie sie ist. Das Leid, die Täter, die Ausgeschlossenen, alle, die zum System gehören, mit allem, was passiert ist. Ich öffne allen und allem mein Herz. Ohne zu werten. Bin einfach nur da und halte es aus. So baut sich das Feld auf. Das sogenannte heilende Feld.

Und es heißt als zweites, dem Klienten die Erfahrung zu ermöglichen, dass zu seinem Leid, zu seinem Hass, seiner Angst oder Wut, seiner Suche und Verzweiflung Liebe gehört. Dass er aus Liebe leidet.

Es geht nur, wenn er diese Erfahrung selbst machen kann. Wenn er diese Erfahrung in seinem Herzen spüren kann. Als „innerer seelischer Vollzug im Herzen“, wie mein Freund und Lehrer Harald Homberger so schön sagt.

Stefanie Link:
„Können Sie an dieser Stelle nochmal kurz erklären, was ein „innerer seelischer Vollzug im Herzen“ genau bedeutet?“

Renate Wirth:
„Ja, wie geht das? Was vollzieht sich da im Herzen? Als Aufsteller kann man ja nicht im Herzen des Klienten rumrühren, damit sich etwas „innerseelisch vollzieht“. Man kann keine Lösung „machen“. Wir können nur Angebote machen, die der Klient als neue Erfahrung erlebt. Beispielsweise durch einen Blick in die Augen dessen, der ihm dieses Leid zugefügt hat. Wenn er dessen Liebe sieht, vollzieht sich vielleicht etwas in seinem Herzen. So er kann spüren, wo seine Seele hin will, was sie wirklich will.

Oder durch einen Satz. Wenn der Klient ihn als Wahrheit empfindet, kann er eine neue Erfahrung machen, die sein Herz bewegt. Oder durch ein Bild. Wenn er sieht, welchen Bewegungen und Bindungen der andere folgt und unterliegt. Wo das eigentlich herkommt, was auf ihn wirkt. Oder durch ein „Ja, so war es“. Durch ein Zustimmen also zu dem, was war. So wie es war.

Diese Erfahrungen sind im „normalen Leben“ außerhalb der Aufstellung nicht möglich. Zum Beispiel den Abschied von einem Toten zu fühlen oder von einem abgetriebenen Kind. Da vollzieht sich Heilung auf der Seelenebene. Das hat mit unserem Denken wenig zu tun. Es vollzieht sich von selbst im Herzen. Wenn wir still und achtsam sind.”

Lösungen und was die Familienaufstellung bewirkt

Stefanie Link:
„Wir waren eben beim Leid. Was hat denn die Liebe damit zu tun?“

Renate Wirth:
„Nun, das haben wir ja schon alle mal im Leben erfahren. Dass Liebe und Leid in bestimmten Aspekten zusammengehören. Wenn wir das Leid nicht wollen und das Herz für denjenigen verschließen, der es uns angetan hat, dann hat auch die Liebe als zugehöriger Aspekt keine Chance. Und dieses „Liebe-zulassen-können“ im eigenen Herzen, das heilt.“

Stefanie Link:
„Es geht also darum, als erstes das Leid anzunehmen?“

Renate Wirth:
„Ja! Aber das sagt sich so einfach. Der Klient kann es nicht von allein. Gerade das ist das Problem. Wenn wir ihm sagen, er soll sein Leid annehmen und Liebe zulassen. Das kann er eben gerade nicht. Es geht einfach nicht. Wenn es ginge, hätte er es ja schon getan.

Wir als Aufsteller müssen den ersten Schritt tun. Das heißt als erstes: Wir nehmen die Situation so ins Herz, wie sie ist. Das Leid, die Täter, die Ausgeschlossenen, alle, die zum System gehören, mit allem, was passiert ist. Ich öffne allen und allem mein Herz. Ohne zu werten. Bin einfach nur da und halte es aus. So baut sich das Feld auf. Das sogenannte heilende Feld.

Und es heißt als zweites, dem Klienten die Erfahrung zu ermöglichen, dass zu seinem Leid, zu seinem Hass, seiner Angst oder Wut, seiner Suche und Verzweiflung Liebe gehört. Dass er aus Liebe leidet.

Es geht nur, wenn er diese Erfahrung selbst machen kann. Wenn er diese Erfahrung in seinem Herzen spüren kann. Als „innerer seelischer Vollzug im Herzen“, wie mein Freund und Lehrer Harald Homberger so schön sagt.

Stefanie Link:
„Können Sie an dieser Stelle nochmal kurz erklären, was ein „innerer seelischer Vollzug im Herzen“ genau bedeutet?“

Renate Wirth:
„Ja, wie geht das? Was vollzieht sich da im Herzen? Als Aufsteller kann man ja nicht im Herzen des Klienten rumrühren, damit sich etwas „innerseelisch vollzieht“. Man kann keine Lösung „machen“. Wir können nur Angebote machen, die der Klient als neue Erfahrung erlebt. Beispielsweise durch einen Blick in die Augen dessen, der ihm dieses Leid zugefügt hat. Wenn er dessen Liebe sieht, vollzieht sich vielleicht etwas in seinem Herzen. So er kann spüren, wo seine Seele hin will, was sie wirklich will.

Oder durch einen Satz. Wenn der Klient ihn als Wahrheit empfindet, kann er eine neue Erfahrung machen, die sein Herz bewegt. Oder durch ein Bild. Wenn er sieht, welchen Bewegungen und Bindungen der andere folgt und unterliegt. Wo das eigentlich herkommt, was auf ihn wirkt. Oder durch ein „Ja, so war es“. Durch ein Zustimmen also zu dem, was war. So wie es war.

Diese Erfahrungen sind im „normalen Leben“ außerhalb der Aufstellung nicht möglich. Zum Beispiel den Abschied von einem Toten zu fühlen oder von einem abgetriebenen Kind. Da vollzieht sich Heilung auf der Seelenebene. Das hat mit unserem Denken wenig zu tun. Es vollzieht sich von selbst im Herzen. Wenn wir still und achtsam sind.”

Eine Familienaufstellung in der Stille

Stefanie Link:
„Sie sprechen von Voraussetzungen, um Aufstellungen zu leiten. Es gibt mittlerweile so viele Aufstellungsarten, die verschiedensten Aufsteller und die verschiedensten Charaktere. Sie selbst arbeiten mit den sogenannten „Bewegungen der Seele“, einer Aufstellungsform, die sehr still ist. Kann das jeder lernen, oder braucht es eine besondere Gabe, um Aufstellungen leiten zu können?“

Renate Wirth:
„Da ist zuerst die Erkenntnis, dass es noch mehr gibt zwischen Himmel und Erde, als das, was man sehen und anfassen kann. Und wie schon gesagt, es ist eine besondere innere Haltung die Voraussetzung. Das Arbeiten im gegenwärtigen Moment. Mutig und demütig, achtsam und mit einer ausgeprägten Wahrnehmung.

Ja, das kann man lernen. Und eine gewisse Sicht auf die Welt, auf das „Große Ganze“, auf das, was die alten Meditationswege als Seele oder das Göttliche oder den großen Geist bezeichnen. Und dazu kommt das Wissen um systemische Zusammenhänge. Das braucht es natürlich auch.“

Stefanie Link:
„Sie sagen, die Bewegungen der großen Seele oder des Universums seien auf Liebe und Heilung ausgerichtet. Was bedeutet das?“

Renate Wirth:
„Zen sagt: „Die Wesensnatur ist reines Mitgefühl. Alles bewegt sich in einem unendlichen Bewusstseinsstrom. Dieses Bewusstseinsfeld ist jenseits aller Dualitäten reines Mitgefühl und Liebe.“

Dieses „jenseits aller Dualitäten“ gehört nicht zu unserer Erfahrungswelt. Wir können nur in Dualitäten wahrnehmen. So ist unser Geist beschaffen. Also Glück und Leid, Liebe und Hass, Freude und Trauer… Beides zusammen, alles zusammen. Auch das Leid, auch das sogenannte Böse ist diese Wesensnatur. Auch das Dunkle. Alles steht im Dienst, ist eine Manifestation, eine Form dieses reinen Bewusstseinsfeldes aus Mitgefühl. Das ist die heilende Kraft, die hinter allem wirkt.

Vielleicht braucht man diese Sicht auf die Welt auch nicht, wenn man Aufstellungen leitet. Man fühlt das Feld, wenn man sich öffnet, das reicht. Aber da kommt natürlich gleich die Frage: Dich öffnen wofür? Und was fühlt man da? Der Physiker Rupert Sheldrake nennt sie morphologische Felder, Bert Hellinger spricht von wissenden Feldern, die Weisen aller großen Meditationswege und auch die moderne Quantenphysik sprechen von einem unendlichen Bewusstseinsstrom. Das meine ich, wenn ich sage, es sei nützlich, eine gewisse Sicht auf die Welt, auf das „Große Ganze“ zu haben.“

Die Aufstellungsarbeit erlernen

Stefanie Link:
„Sie nennen das Wissen um systemische Zusammenhänge eine Voraussetzung, um Aufstellungen leiten zu können. Ist dieses Wissen fassbar, kann jeder dieses systemische Wissen erlernen?“

Renate Wirth:
„Es ist inzwischen eine eigene Wissenschaft entstanden, die die systemischen Zusammenhänge der Aufstellungsarbeit einschließt. Dazu gehören die Ordnungen der Liebe, persönliches und kollektives Gewissen, Bindung, Rangfolge und Zugehörigkeit, die Wirkungen von Verstrickungen, Identifizierungen und die Wirkung der transgenerativen Weitergabe von Traumata, um nur einige zu nennen. Durch die Arbeit von Bert Hellinger und die vieler namhafter Aufsteller, die seine Arbeit weiterentwickelt haben, neue Erkenntnisse hinzu gewonnen und veröffentlicht haben, hat sich die Aufstellungsarbeit in den letzten Jahren in unglaublicher Schnelligkeit ausgebreitet. Und sie ist noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung angekommen.

Dieses Grundlagenwissen kann man lernen, wie jede andere Wissenschaft auch. Doch genauso wichtig wie dieses Wissen ist die Haltung des Aufstellers. Sie setzt menschliche Wertschätzung und eine besondere innere Haltung voraus. Auch diese Haltung kann man lernen. Und ich gehe noch einen Schritt weiter. Man kann sie nicht nur lernen. Ich bin der Meinung, man muss sie auch lernen. Nur das Wissen um die systemischen Zusammenhänge allein reicht meiner Ansicht nach nicht aus. Beides gehört zusammen.“

Stefanie Link:
„Nun bleibt noch die Frage zu den Ausbildungsmöglichkeiten, der Dauer und den Kosten. Braucht man Voraussetzungen, um eine Ausbildung machen zu können? Welchen Abschluss gibt es dafür?“

Renate Wirth:
„Viele Aufsteller bieten eine Ausbildung an. Im Internet kann man auf verschiedenen Seiten Ausbildungen finden. Generell macht es Sinn, den Aufsteller vorher in seiner Arbeitsweise kennenzulernen, zum Beispiel, indem man an seinen Seminaren teilnimmt.

Die Ausbildungsdauer ist verschieden, auch die Kosten für die Ausbildung differieren. Zum Abschluss der Ausbildung erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat.

Die Bestrebungen der Deutschen Gesellschaft für Systemaufstellungen, der DGfS und der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für systemische Lösungen IAG sind derzeit darauf ausgerichtet, Ausbildungsrichtlinien festzulegen und Studiengänge mit wissenschaftlicher Ausrichtung zu etablieren. Diese Entwicklung ist zu begrüßen, was sie bewirkt, wird die nahe Zukunft zeigen.“

Stefanie Link:
„Frau Dr. Wirth, ich danke Ihnen von Herzen für dieses sehr interessante und äußerst informative Gespräch! Und wünsche Ihnen allzeit viele heilsame Erfahrungen in Ihren Aufstellungen und Seminaren!“

 

 


Impressum:
Interview: Stefanie Link
2010 veröff. Zeitschrift SEIN
Text und Bild: Dr. Renate Wirth

www.aufstellungstage.de
www.renate-wirth.de
renate.wirth@aufstellungstage.de

Praxis: Prinzregentenstraße 7 in 10717 Berlin
Veröffentlichen des Textes und von dessen Auszügen nur mit Erlaubnis der Autorin.