Autor: RENATE WIRTH

Weite Seele – Weites Meer. Wie Familienaufstellungen unsere Chakren unterstützen.

Weite Seele – Weites Meer. Wie Familienaufstellungen unsere Chakren unterstützen.

Mit mehr als dreitausend kleineren und sieben großen Hauptchakren ist unser Körper ein hoch organisiertes energetisches System, das auf jeden unserer Gedanken, Gefühle und inneren Bilder und auf unser Handeln reagiert. Die Chakren der Menschen sind in ihrer jeweiligen Größe, Energie und Bewegung unterschiedlich. Sie können entweder offen oder mehr oder weniger blockiert sein.

Die Chakren stehen in enger Verbindung zum Nervensystem des Menschen. Das Nervensystem besteht aus dem Zentralnervensystem (Gehirn und Rückenmark), aus dem peripheren Nervensystem sowie aus dem willkürlichen und unwillkürlichen Nervensystem. Somit steuert die Offenheit unserer Chakren auch unsere Organe, die Reizaufnahme und unsere Wahrnehmungsmöglichkeiten.

Über unsere Wahrnehmungsorgane und unsere Chakren sind wir energetisch mit unserer Umwelt verbunden. Wir nehmen die Energien unserer Umwelt auf. Je offener wir sind, desto mehr Energie kann fließen. Unsere Chakren sind als Energiezentren des Körpers bedeutsam für die Verbindung zu unserer Umwelt und für unser eigenes Energieniveau.

Traumata und Chakren

Emotionale Verletzungen, Schmerzen, Angst, Trennungen, Traumata und Leid blockieren den Fluss unserer Lebensenergien. Dies kann zu Krankheiten, Beziehungsschwierigkeiten, Depression und Kraftlosigkeit führen. Je nachdem, wann die z.T. sehr massiven Störungen unseres Energiesystems auftreten, nehmen ihre Auswirkungen verschiedene Formen an und zeigen sich in sehr unterschiedlichen Symptomen.

Die Energie kommt ins Stocken, wenn die Emotionen ins Stocken kommen, da sich die Energie im Körper abhängig von der Energie unserer Gefühle bewegt. Traumata bewirken eine Stagnation unserer Gefühle und Energien.

Aufstellungen schenken die Möglichkeit, die Blockaden in unseren Energiezentren schrittweise zu lösen. Im Folgenden möchte ich einen kurzen Einblick geben in die verschiedenen Chakren in dem vollen Bewusstsein, dass diese Ausführungen keinen Anspruch auf Vollständigkeit haben. Sie sind nur ein Einstieg in die Thematik, wie Chakren durch Aufstellungsarbeit in ihrer Öffnung unterstützt werden können.

Das Erste Chakra: Das Wurzel- oder Basischakra

Das Wurzelchakra hat die Farbe Rot. Es befindet sich im Beckenboden. Es ist mit seiner Öffnung nach unten zur Erde gerichtet. Es entfaltet sich etwa vom 1. bis 7. Lebensjahr. Dem ersten Chakra werden die Wirbelsäule, Knochen, Zähne, Nägel, Anus, Rektum, Dickdarm, Mastdarm, Enddarm, Prostata, Blut und Zellaufbau zugeordnet. Zugeordnete Drüsen sind die Nebennieren, die Adrenalin und Noradrenalin produzieren.

Durch das Basis-Chakra sind wir mit der Erde verbunden, auch mit der Mutter und dem Dasein an sich. Es ist mit der Ursprungsfamilie verbunden, mit unseren Eltern, Geschwistern, Großeltern oder anderen Menschen, die uns aufgezogen haben.

Anne kam mit dem Anliegen ins Seminar, dass ihr immer wieder schon am Morgen die Energie fehlt. Sie schreibt: „Liebe Renate, nun wieder im Alltag angekommen schwingt das Wochenende noch in mir… Durch meine nun gefundenen Eltern fühle ich mich mit Liebe u. Freude ins Leben gebracht. Das ist eine ganz andere Ausgangsposition fürs Leben- ich freue mich auf den Tag u. die Menschen, wenn ich am Morgen die Augen aufmache, kann mit Liebe und einem weiten Herz auf die Menschen zugehen. Bisher hatte ich so eine Angst, Scheu (etwas depressiv) vor jedem Tag, ob ich denn alles schaffe u.s.w. Das Schwere, Dunkle ist weg. Ich habe keine Angst mehr u. Vertrauen in das Leben. Ich glaube auch die Beziehung zu meinem Mann verändert sich endlich zu einem (Liebes)Partner. Danke, danke, danke!“

Geburtstraumata, Verluste und Traumata vor der Geburt oder in den ersten Lebensjahren und familiäre Traumata können wesentliche Blockaden sein und verhindern, dass sich das Kind in der Welt willkommen und geborgen fühlt. Dann ist die Basis von Anfang an schwer, Vorsicht und Ängstlichkeit, Wut, Ärger und Abwehr machen es dann dem kleinen Herzen schwer, sich vertrauensvoll dem Leben zu öffnen und sich anzuvertrauen.

Mehr dazu findest du in den Blogartikeln „Warum die Mutter ein Leben lang die Wichtigste bleibt“ und „Blockierte Mutterliebe. Wenn der Muttervogel nicht landen konnte“. Wenn wir die Beziehung zu den Eltern aufstellen, dann tun wir ganz wesentlich etwas für unser Wurzelchakra und damit auch für unsere anderen Chakren.

Wenn du dich für eine Familienaufstellung entscheidest, dann findest du hier alle Termine und kannst dich hier auch anmelden.

Was du noch tun kannst zur Reinigung und Aktivierung des Ersten Chakras:
Bachblüten (Clematis, Sweet Chestnut, Rock-Rose), Farbtherapie (Rot), Vokalvibration(ein geschlossenes „u“, Naturerfahrungen (roter Sonnenaufgang und Sonnenuntergang), Aromatherapie (Zedernöl, Gewürznelkenöl, Rosmarin, Zypresse), Edelsteine (Achat, Hämatit, Blutjaspis, Granat, Rote Koralle, Rubin), Pflanzenheilkunde (Baldrian, Holunder, Lindenblüten).

Sich erden, barfuß laufen: An den Sohlen beider Füße liegen mehrere kleine Chakren. Du kannst dir vorstellen, wie diese energetische Wurzeln bilden und über diese Wurzeln die Energie des Erdkerns aufnehmen und in das erste Chakra leiten können. Das erste Chakra verwendet Erdenergie, um die physische Gesundheit deines menschlichen Körpers zu erhalten. Ist es dir nicht möglich, barfuß zu laufen, kannst du es auch visualisieren.

Das Zweite Chakra oder das Sakralchakra:

Das zweite Chakra liegt im Unterbauch direkt unter dem Bauchnabel und hat die Farbe Orange. Im zweiten Chakra, dem Sakralchakra, (Entwicklung etwa im Zeitraum vom 7. bis14. Lebensjahr) geht es um unsere Einbindung in eine Gruppe, in unsere Familie, um Zugehörigkeit und Sicherheit. Es geht um unsere Gefühle, um unsere Sinnlichkeit und Sexualität. Es ist das Zentrum ursprünglicher ungefilterter Emotionen, sexueller Energien und schöpferischer Kräfte.

Alle Traumata blockieren die Gefühle. Existentielle Traumata, wie Gewalt, Vergewaltigungen und Missbrauch, Trennungen und Gefahr an Leib und Leben wirken sich blockierend auf alle Chakren, besonders aber auch auf das Zweite Chakra aus. Der Fluss des Lebens wird drastisch gestört.

Und nicht nur durch Situationen, die wir selbst erlebt haben. Auch familiäre Traumata wirken oft in der gleichen Stärke auch auf die nächste und übernächste Generation. Epigenetische Forschungen belegen, dass Traumata, besonders die der furchtbaren Kriegserlebnisse, über Generationen weitergegeben werden.

Theresia traf ich das erste Mal in einem Aufstellungsseminar in Würzburg. Sie kam mit dem Anliegen, sich nichts merken zu können. Obwohl ich selbst von meiner Mama ein ausgesprochen gutes Gedächtnis geerbt habe, konnte ich mich in der Anamnese zu meinem großen Erstaunen schon nach wenigen Minuten an nichts mehr erinnern, was Theresia soeben gesagt hatte. So etwas war mir noch nie passiert. Ich war ganz in ihr Feld eingebunden. So nahm ich Papier und Stift und wir begannen von vorn.

Theresia schreibt danach: „Das erste Seminar war ein großes Erlebnis für mich. Mein Anliegen war: Ich möchte mir am Telefon die Termine, Wünsche und die vereinbarten Zeiten meiner Kunden merken können. Ich hatte neu in meinem Beruf angefangen und es belastete mich sehr, dass ich mir nichts merken konnte. Nach dem Telefonat war alles wie weg gepustet (Name, Tag, was es sein sollte…).

Die Aufstellung zeigte: Es hatte mit meiner Mutter und ihrer Vergewaltigung zu tun. Nach dieser Aufstellung konnte ich ca. 5-6 Tage danach mir am Telefon schon einiges merken. Doch es brauchte noch eine zweite Aufstellung, auch diese hatte nochmals mit der Vergewaltigung meiner Mutter im Krieg zu tun.

Danach hat sich mein großes Problem in sehr kurzer Zeit gelöst. Vorher war das Telefonieren Horror für mich. Doch nach der 2. Aufstellung machte es mir sogar richtig Spaß, an`s Telefon zu gehen. Jetzt konnte ich mir alles merken. Wunderbar, ein neues Lebensgefühl.“

Eine Fehlfunktion des Sakralchakras kann auch in der Pubertät ihren Ursprung haben. Die erwachenden sexuellen Kräfte können eine starke Verunsicherung hervorrufen, die zu einer Verneinung und Zurückweisung der Sexualität und des eigenen schöpferischen Potentials führen kann.

Verschiedene Wege der Heilung sind möglich. Aufstellungen sind ein wunderbarer Weg. Fühlen wir uns sicher, zugehörig, geborgen, dann lassen neue innere heilsame Bilder den Fluss der Lebensenergien wieder im Körper fließen. Die Gefühle kommen wieder in ihre ursprüngliche Lebendigkeit und der Körper kann sich für Freude, Berührung und Sexualität neu öffnen.

Wenn du dich für eine Familienaufstellung entscheidest, dann findest du hier alle Termine und kannst dich hier auch anmelden.

Was du noch tun kannst zur Reinigung und Aktivierung des Zweiten Chakras:
Verzichte auf Schuldgefühle und Schuldzuweisungen, gib allen Emotionen Raum. Schenke dir selbst freudevolle Erlebnisse. Naturerfahrungen (das Licht des Mondes, besonders des Vollmondes und die Berührung mit klarem Wasser), Vokalvibration (ein geschlossenes „o“), Bachblüten (Oak, Olive, Pinie), Aromatherapie (Ylang Ylang, Myrrhe, Vanille, Sandelholzöl), Farbtherapie (Orange), Yoga (Hatha Yoga und Kundalini-Yoga), Edelsteine (Karneol und Mondstein) und als Pflanzen Brennessel, Scharfgarbe und Petersilie.

Das Dritte Chakra oder der Solarplexus:

Das Dritte Chakra mit der Farbe Gelb oder Goldgelb ist mit dem unteren Rücken, der Bauchhöhle, dem Verdauungssystem, mit Magen und Leber, Milz und Gallenblase und dem vegetativen Nervensystem verbunden. Auch werden dem dritten Chakra die Bauchspeicheldrüse und die Leber zugeordnet.

Im dritten Chakra, dem Solarplexus (Jugend) geht es um Autonomie. Sich selbst als selbstbestimmte Persönlichkeit zu fühlen mit eigenen Handlungsmöglichkeiten und Grenzen ist hier der Schritt weg von der behütenden Herkunftsfamilie hin zum ganz Eigenen. Jetzt entwickelt sich eine Bewusstheit für das eigene Ich. Ganz auf sich selbst ausgerichtet kann eine gesunde Entwicklung hier eine wunderbare Basis schaffen für Selbstannahme, Selbstliebe, Selbstvertrauen und eine gesunde Selbstsicherheit. Die große Frage heißt hier: Wer bin ich? Was sind meine Möglichkeiten, Ziele, Visionen, Gaben? Auch hier helfen Aufstellungen.

G. ist eine schöne Frau mit einer großen Ausstrahlung. Sie schreibt: „…Durch die Aufstellungsarbeit konnten meine Kindheitstraumen, die Verlassenheitsängste und dieses Gefühl, „nichts“ wirklich fühlen zu können, angeschaut und mehr und mehr von mir „verstanden“ werden. Es waren teilweise schmerzhafte Prozesse, durch die ich jedoch durch Renate achtsam begleitet wurde.

Zwischenzeitlich hat sich mein Leben enorm weiterentwickelt. Ich spüre die Liebe zu mir selber, meinen Mut und meine Kraft und das große Potenzial in mir. Die Beziehung zu meiner Mutter und zu meiner Schwester wandelte sich in ein echtes und liebevolles Miteinander. Mein Blick auf meinen verstorbenen Vater änderte sich in eine positivere und verständnisvollere Sichtweise. Auch in der Beziehung zu meinem Mann spüre ich nun diese lang vermisste Geborgenheit und Anteilnahme, und sehe jetzt sein Bestreben, mir stetig und auf seine Weise zu zeigen, dass er mich wertschätzt und liebt. Es gelingt mir nun, auch in dieser festen Beziehung den Weg einer Herzpowerfrau zu gehen, auch ohne den anderen auszugrenzen oder mich gleichzeitig zu verlieren.“

Es ist kein einfacher Weg, die eigenen Gefühle anzuschauen, kennenzulernen, sie anzunehmen, auszuhalten, uns um sie zu kümmern wie um kleine Kinder, ihnen unsere Fürsorge zu geben und die Sicherheit, da sein zu dürfen. Und ihnen und ihrer Botschaft zuzuhören. Und dann die Verantwortung für uns selbst zu übernehmen. Ganz und gar. Das Seminar „Selbstbestimmt leben“ kann dich auf diesem Weg begleiten und unterstützen.

Was du noch tun kannst zur Reinigung und Aktivierung des Dritten Chakras:
Musik (feurige Rhythmen), Vokalvibration (geschlossenes „o“), Farbtherapie (Gelb), Edelsteine (Tigerauge, Bernstein, Edeltopas, Zitrin), Aromaöle ( Lavendel, Rosmarin, Bergamotte), Bachblüten (Impatiens, Scleranthus, Hornbeam), Yoga (Karma-Yoga), Pflanzentherapie (Fenchel, Kamille, Wacholder).

Das Vierte Chakra oder das Herzchakra:

Im 4. Chakra, dem Herzchakra sind wir nun beim Herzen angelangt. Dem Vierten Chakra sind die Farbe Grün, das Herz, der obere Rücken mit dem Brustkorb und der Brusthöhle, der untere Lungenbereich, das Blut und der Blutkreislauf und die Haut sowie die Thymusdrüse zugeordnet. Die Thymusdrüse steuert das Lymphsystem und stärkt das Immunsystem.

Jetzt als junger Erwachsener (etwa vom 21. – 28. Lebensjahr) haben wir das große Bedürfnis, uns wieder mit anderen zu verbinden, doch nun auf ganz neue Art und Weise. Erst wenn wir uns unserer Selbst sicher sind, können wir uns für ein anderes Ich und alles, was uns umgibt öffnen. Uns mit Himmel und Erde verbinden, mit anderen Menschen und Lebewesen.

Nicht aus der Bedürftigkeit der Kindheit heraus, weil wir ohne die Anderen nicht überleben können, sondern jetzt aus dem Bedürfnis heraus, unsere Liebe zu teilen, sie auf neue Art zu verschenken. Es wird uns ein Bedürfnis, uns neu zu öffnen und die Erfahrungen von Geben und Empfangen, lieben und geliebt werden in ihrer ganzen Tiefe zu leben.

Wenn in den ersten Lebensjahrzehnten alles ideal gegangen ist, dann geschieht das wie von selbst. Doch ein Leben geht nicht ohne Verletzungen. Sind sie nicht so gravierend, heilt das Leben sie aus. Doch ein wesentlicher Mangel, schmerzhafte Trennungen und große körperliche und emotionale Verletzungen und Gefahren können die Biochemie und Erfahrungswelt so beeinflussen, dass das Herz in Vorsicht, Angst oder Groll sich eng zusammenzieht, eine Schutzmauer aufbaut und in diesem Zustand bleibt. Auch familiäre Traumata können eine Ursache dafür sein.

Claudia kam mehrmals zur Familienaufstellung. Sie war ausgesprochen warmherzig, obwohl sie mehrere große Verluste und viel Ablehnung erfahren hatte, sowohl in ihrer Herkunftsfamilie als auch durch den Vater ihrer Kinder. Nun schreibt Claudia:

„..- Die Familienaufstellungen, die ich miterleben und selbst aufstellen durfte, waren auf meinem Weg sehr bedeutende und kraftvolle Hilfen, um Klarheit, Lösungsmöglichkeiten und Heilung für mich zu erlangen. Es war auch sehr schön, mich als Stellvertreter in anderen Rollen zu erleben. Einmal vertrat ich das geliebte Kind einer Mutter, und einmal vertrat ich ein Kind, das liebevolle Zuwendung von seinem Vater und Großvater bekam. Das war sehr berührend, beglückend und heilsam, wenn auch fremd für mich. Und doch erinnerte sich irgendetwas in mir, wie es ist, mütterliche, väterliche und großväterliche Liebe zu bekommen, obwohl ich es so in diesem Leben nicht erlebt habe. Einmal war ich in der Rolle eines Mannes, der seine Frau sehr liebte, und ich erinnere mich, dass diese Liebe eine große, ruhige Kraft in mir war.

Am Ende von Aufstellungen, in denen sich viel lösen durfte, hast du manches Mal gesagt: so viel Liebe! Da dachte ich mir immer, dass in jeder Familie in Wirklichkeit so viel Liebe da ist, die nur befreit werden muss…und manchmal hast du gesagt: Schau liebevoll auf ihn! Ich hab den Satz als Kostbarkeit mitgenommen. Auch wenn man für jemanden „nichts“ tun kann, so kann man das Wichtigste doch tun: Liebevoll auf ihn schauen.“ Danke Claudia, du mit dem weiten Herzen.

Was du außer Aufstellungen noch tun kannst zur Reinigung und Aktivierung des Vierten Chakras:
Naturerlebnisse (Stille Spaziergänge, grüne Wiesen, Wald, Blüten, rosafarbene Blumen), Musik (Klassische Musik und sakrale Musik) Aromatherapie (Rose, Jasmin, Estragon), Vokalvibration „A“, Edelsteine (Smaragd, Chrysopras, Jade, Rosenquarz), Bachblüten (Red Chestnut, Willow, Chicory), und Pflanzentherapie (Weißdorn, Thymian, Melisse). Im Blogartikel: „Wie geht das eigentlich mit dem Herz öffnen?“ findest du mehr dazu.

Das Fünfte Chakra oder das Kehlkopfchakra:

Das Fünfte Chakra (Farbe hellblau) ist das Kommunikationszentrum und befindet sich zwischen der Halsgrube und dem Kehlkopf. Es entspringt der Halswirbelsäule. Ihm werden der Hals,-Nacken- und Kieferbereich zugeordnet, die Ohren, die Stimme, die Luftröhre, die Bronchien, der obere Lungenbereich, die Speiseröhre, die Arme sowie die Schilddrüse.

Viele emotionale Schrecken und Verletzungen verengen und blockieren das Fünfte Chakra. Sie verschlagen uns die Stimme, wir halten den Atem an, bekommen kein Wort heraus, beißen die Zähne zusammen, schlucken Verletzungen runter, die uns schaden. Die Verbindung vom Kopf zum Körper wird gestört. Das führt entweder zu unbedachten Handlungen, da die Gefühle nicht bedacht werden können oder aber die Gefühle werden vom Kopf intellektualisiert. Beides lässt den Fluss der Energien und der Ganzheit nicht zu.

Auch für die Aktivierung des Fünften Chakras sind Familienaufstellungen ein heilsamer Weg. Sie zeigen Dynamiken auf, die hinter Symptomen und Verhalten verborgen liegen und schwer zu durchschauen sind. Was hat dir oder jemandem in deiner Familie damals die Sprache verschlagen? Was ist unaussprechlich? Welche Gefühle oder Familiengeheimnisse dürfen nicht beim Namen genannt werden? Wo gibt es Schuld, Täter und Opfer? Was ist Unerhörtes und Unsagbares in deiner Familie geschehen? Was sollte am besten für immer aus dem Gedächtnis gestrichen werden?

Was du noch tun kannst zur Reinigung und Aktivierung des Fünften Chakras:
Naturerfahrungen. Schau in den blauen wolkenlosen klaren Himmel. Schau auf das weite blaue Meer, höre den Wellen zu. Obertonreiche und sakrale Musik, Mantren singen, der Vokal „e“, Edelsteine (Aquamarin, Türkis, Calcedon), als Aromatherapie Salbei und Eukalyptus, Bachblüten (Agrimony, Cerato, Mimulus), Pflanzentherapie (Pfefferminze, Salbei, Huflattich) und als Yogaform Mantra-Yoga.

Das Sechste Chakra oder das Stirnchakra:

Das Sechste Chakra (Farbe indigoblau, violett) wird auch als Drittes Auge bezeichnet und befindet sich einen Fingerbreit über der Nasenwurzel in der Mitte auf der Stirn. Ihm werden alle Sinne, auch in Form der übersinnlichen Wahrnehmung sowie Gesicht, Augen, Nase, Ohren, Nebenhöhlen, Kleinhirn und das Zentralnervensystem zugeordnet sowie die Hirnanhangdrüse (Hypophyse), die die Funktion aller Drüsen steuert.

Hier ist der Sitz aller Bewusstwerdungsprozesse. Die meisten Gedanken, die unser Leben bestimmen, werden von unseren unerlösten emotionalen Mustern gesteuert. Die emotionsgeladenen Gedanken beherrschen unser Handeln und schaffen unsere subjektive Realität.

Und hier sind wir wieder bei den fünf vorher beschriebenen Chakren angelangt. Denn unsere Emotionen der Kindheit, Jugend und der späteren Jahre werden erst dann klares Denken und klare Gedanken ermöglichen, wenn die Emotionen, die unser Denken lenken, frei von Traumata und Verstrickungen und anhaltendem Schmerz sind.

Kannst du erkennen, wie und was du denkst? Welche Gefühle lassen diese Gedanken entstehen? Wie denkst du über dich selbst, über deine Eltern, deine Geschwister, deinen Partner, deine Kinder? Wie denkst du über deine Arbeit, deine Kollegen, deine Finanzen, deine Gesundheit, den Sinn deines Tuns? Sind deine Gedanken klar und fähig zu klarem Unterscheidungsvermögen?

Falls du merkst, dass dich belastende Gedanken bedrücken, mach eine Aufstellung. Wenn sich dahinter liegende Emotionen und Dynamiken zeigen, wird dein Denken klarer, freier, heiterer, dankbarer und sinnerfüllter sein.

Wenn du dich für eine Familienaufstellung entscheidest, dann findest du hier alle Termine und kannst dich hier auch anmelden.

Was du noch tun kannst zur Reinigung und Aktivierung des Sechsten Chakras:
In den tiefblauen, mit Sternen übersäten Nachthimmel schauen, alle Klänge, die den Geist beruhigen, Vokalvibration auf „i“, als Edelsteine Lapislazuli, Indigoblauer Saphir, Opal und Sodalith, als Aromaöle MinzeEukalyptus und Jasmin und in der Pflanzentherapie Johanniskraut, Augentrost und Fichte. Die Yogaform ist das Jnana-Yoga als Weg der Erkenntnis und Geistesschulung.

Das Siebente Chakra oder das Kronen-Chakra:

Das Siebente Chakra befindet sich am höchsten Punkt in der Mitte unseres Kopfes und öffnet sich nach oben. Es trägt die Farbe Violett, auch weiß und goldfarben und ist mit dem Großhirn und der Zirbeldrüse (Epiphyse) verbunden.

Ich möchte das Kronenchakra hier nur der Vollständigkeit halber mit erwähnen, es gibt keine direkte Beziehung zur Aufstellungsarbeit. Im Siebenten Chakra gibt es keine Blockaden im eigentlichen Sinne, es kann nur mehr oder weniger entwickelt sein.

Was du tun kannst: Meditation auf den verschiedensten Meditationswegen. Die Weite des Meeres, die Einsamkeit eines Berggipfels. Die Musik für das Kronenchakra ist die Stille. Als Edelsteine unterstützen Amethyst, Diamant und Bergkristall, als Aromen die Lotusblüte, das Rosenholzöl und Weihrauch, das Harz des Olibanum-Baumes. Unterstützende Bachblüten sind Wild Rose und Wild Chestnut.

Wenn du selbst heilsame Erfahrungen machen möchtest, um dein Herz liebevoll zu unterstützen, dann komm mit nach Arillas auf Korfu zur Aufstellungswoche „Weite Seele – Weites Meer“. Diese Woche verbindet die Familienaufstellungen mit Chakrenarbeit und widmet sich dem Herzen. Hier findest du den Termin und kannst dich hier auch anmelden.

Ich wünsche dir eine liebevolle, klare, schöne und sinnerfüllte Zeit.
Alles Gute für dich.

Renate

 

 


Impressum:
Text: Dr. Renate Wirth
Foto: insidtravel.com

www.aufstellungstage.de
www.renate-wirth.de
renate.wirth@aufstellungstage.de

Praxis: Prinzregentenstraße 7 in 10717 Berlin
Veröffentlichen des Textes und von dessen Auszügen nur mit Erlaubnis der Autorin.

Selbstbestimmt leben. Wie geht das eigentlich mit dem Herz öffnen?

Selbstbestimmt leben. Wie geht das eigentlich mit dem Herz öffnen?

Einmal wurde ich von einem guten Freund aus seiner Betroffenheit heraus nach einem Seminar gefragt: „Wie geht das eigentlich mit dem Herz öffnen?“ Ich war einen Moment sprachlos, was sollte ich da in zwei, drei Sätzen sagen? Nach einigen Sätzen, die nicht annähernd den Kern der Frage beantworten konnten, kam dann von mir der Satz: „Es ist ein großes Thema, da braucht es ein ganzes Seminar dafür.“ So entstand die Aufstellungswoche „Weite Seele – Weites Meer“ in Arillas auf Korfu, in der es um das Öffnen unseres Herzens geht.

Selbstbestimmt leben heißt, dass wir uns abgrenzen können, wenn wir es brauchen, dass wir aber ebenso unser Herz öffnen können, wenn wir uns eine zugewandte Beziehung wünschen.

Ich bin mir voll bewusst, dass auch eine Woche Seminar nur ein Einstieg in dieses große Thema sein kann. Dass es ein Lebensweg ist, immer mehr das Herz zu öffnen. Zu allererst für sich selbst. Dann für andere Menschen. Dann für alle Wesen und Wesenheiten. Dann auch für größere Kräfte, für Schicksalsbewegungen, für alles, für das Dunkle und Helle, das Schöne und Schmerzhafte, für Freude und Leid. Für das Leben wie es ist. Für alles.

Wie sollte da eine Woche ausreichen? Doch jeder Weg beginnt irgendwann mit dem ersten Schritt. Viele Schritte sind wir schon gegangen auf unserem Lebensweg, haben Erfahrungen gesammelt von der ersten Lebensstunde an, die unser Herz berührt haben, es geprägt und gestaltet haben. Wir haben keine Eile. Schauen wir also ganz entspannt auf die nächsten Schritte und gehen sie zuversichtlich in ihrer eigenen Zeit.

Wenn das Herz sich nicht öffnen kann

Es ist vollkommen berechtigt, auch manchmal das Herz zu schützen und zu verschließen, wenn wir es aus eigener Entscheidung tun. Doch es gibt immer wieder Situationen und Beziehungen, in denen sich unser Herz nicht aus eigener Entscheidung verschließt. Situationen, in denen es schwer fällt, das Herz zu öffnen, obwohl wir es uns selbst sehr wünschen. Oft sogar von ganzem Herzen wünschen.

So möchte Katrin, eine junge Frau, gern eine Paarbeziehung, aber immer wenn es ernst wird verschließt sich ihr Herz, sie bekommt Angst und Fluchtgedanken, und manchmal auch eine tiefe Abneigung. Sie weiß, dass diese Reaktion nicht zur Situation passt, denn gerade ihr jetziger Partner sei einfach freundlich und zugewandt. Dennoch kann sie nichts an ihrem inneren Rückzug ändern. Wie Katrin geht es vielen Frauen.

Oder Matthes. Sein Verhältnis zum Vater sei arg schlecht, erzählt er. Wenn er es genauer sagen würde: Er könne nur verächtlich auf den Vater schauen. Es störe ihn selbst, da der Vater ja „ganz ok.“ sei. Aber kaum mache der Vater eine Bemerkung, ziehe Matthes sich sofort in sein Schneckenhaus zurück und schaue von da aus abwertend auf den Vater.

Oft kommen Menschen, die sich ein besseres Verhältnis zur Mutter wünschen. Es gibt augenscheinlich keinen Grund für die innere Ablehnung. Aber beim besten Willen öffnet sich das Herz nicht für mehr Nähe.

Ein weites Herz

Die Natur mit ihrer Magie erreicht uns im tiefsten Herzen. Blühende Bergwiesen, ehrwürdige alte Bäume, majestätische Berge, ein Sonnenaufgang und das weite, weite Meer berühren uns zutiefst. Das Herz wird still und weit, es staunt, es ist von der Größe des Daseins berührt. Im Einklang mit dem Augenblick ist alles gut so wie es ist, wir können mit offenem Herzen frei und ruhig atmen. Mit allem verbunden sind wir im Frieden mit uns selbst.

Was macht den Zauber dieses Augenblickes? Es ist unser offenes Herz. Die Größe im Außen verbindet uns für kurze Zeit mit unserer eigenen Größe. Wir gehören dazu, zu dieser majestätischen Natur, wir sind ein Teil von ihr, wir sind wie sie selbst: Groß, berührend und voller Schönheit. In uns verbinden sich Himmel und Erde. Alles ist ein Geschenk.

Der Alltag

Im Alltag geht uns dieses Gefühl der Weite jedoch oft recht schnell wieder verloren. Ängste, Ärger, sorgenvolle Gedanken, körperliche und emotionale Schmerzen, Traumata und Mangelgefühle lassen das Herz eng werden. Doch unserer Seele ist das alles nicht wesentlich. Sie will lieben dürfen, weit werden, sich verbunden fühlen.

Die Seele

Sind unser Herz und unsere Seele das Gleiche? Ja und doch nicht ganz. Die Seele ist der fühlbare Aspekt des Geistes, des großen Geistes (spirit), der alles mit allem verbindet. Wir haben keine Seele, wir sind in einer Seele. Wir sind beseelt. Und auch unser Herz ist beseelt. Das Herz fühlt diese Seele und alles, was in ihr ist. Je näher wir verbunden sind, je mehr kann unser Herz dies fühlen.

Das Herz

Unser Herz ist mehr als ein Körperorgan. Es ist so groß in seiner Weisheit, dass unser Verstand es kaum erfassen kann. So meint das chinesische und japanische Zeichen für Herz den Herzgeist (jap. Kokoro) Bewusstsein, Inneres, Gemüt, Seele, das Wahre Wesen oder den Geist jenseits der Dualitäten.

Auch in unserem Kulturkreis wird das Herz immer mehr in seiner umfassenden Bedeutung gesehen. Das Herz hält uns nicht nur unermüdlich am Leben, es ist ein Wahrnehmungsorgan, wir können mit dem Herzen fühlen, denken, entscheiden, das Herz kann schwer sein oder leicht, eng oder weit, heiter oder traurig, wir können uns ein Herz fassen, das Herz kann schmerzen oder sogar brechen.

Das Herz ist energetisch zweigeteilt, und wenn es zu viel Leid fühlen muss, dann bricht es energetisch auseinander, es kann die Gefühle nicht mehr weiterleiten. Der Mensch kann keine Freude mehr fühlen und keinen Schmerz. Die Last war für das Herz zu schwer.

Doch nicht immer sind es existentielle Bedrohungen und schwere Verluste, die unser Herz verschließen. Das Herz schützt sich auch bei Sorgen und Angst, indem es eng wird und schmerzhaften Gefühlen nicht oder nur dosiert Einlass gewährt. Das ist sinnvoll zum Überleben. Doch ein enges Herz lässt unsere Energie nicht fließen, wir werden müde und fühlen uns im Mangel.

Selbsterlebte Verletzungen und familiäre Traumata

Ein Leben geht nicht ohne Verletzungen. Sind sie nicht so gravierend, heilt das Leben sie aus. Doch ein wesentlicher Mangel und große eigene körperliche und emotionale Verletzungen und Gefahren können die Biochemie und Erfahrungswelt so beeinflussen, dass das Herz in Vorsicht, Angst oder Groll sich eng zusammenzieht, eine Schutzmauer aufbaut und in diesem Zustand bleibt.

Selbsterlebte Verletzungen sind eine Ursache für ein sich schützendes Herz. Eine andere Ursache können systemische Traumata sein. Gefühle, die von anderen Menschen gefühlt werden, besonders von engen Familienmitgliedern, können unser Herz in Angst und Schrecken, in Wut, Groll oder Ablehnung versetzen. Das Herz reagiert so, als wären die Gefahren und Verletzungen uns selbst passiert.

Meist verbinden sich systemische Verletzungen und persönlich erlebter Herzschmerz, sie sind Folge oder bedingen sich. Aufstellungen ermöglichen einen heilsamen Weg, diese Schmerzen zu wandeln. Denn worum geht es bei der Heilung des Herzens, damit es sich trauen kann, sich neu zu öffnen? Was brauchen wir? Es sind neue Bilder. Neue innere Seelenbilder. Der Seele das zu ermöglichen, was sie im tiefsten Inneren möchte: Ankommen.

Neue innere Bilder

Für ein offenes Herz brauchen wir unbedingt das Gefühl, in der Welt willkommen zu sein, in der Welt einen Platz zu haben und dazugehören zu dürfen. Das Gefühl, dass unsere Liebe erwidert wird, dass es Sinn macht, auf dieser Welt zu sein. Wir brauchen ein offenes Herz wie die Luft zum Atmen, wir brauchen die Liebe, um gut leben zu können. Je offener unser Herz ist, desto mehr fühlen wir unsere Einbindung in das große Ganze, fühlen uns weit, reich beschenkt und fähig, liebevolle, beschützende, bereichernde Beziehungen zu leben.

Liebe und Angst

Es gibt nur zwei Grundausrichtungen: Liebe und Angst. Mit der Liebe sind viele Gefühle verbunden, so z. B. innere Weite, Freude, Zufriedenheit, Dankbarkeit, Offenheit, Zuversicht, Bereitwilligkeit, Mut, Fülle. Auch mit der Angst sind viele Gefühle verbunden, z.B. Abwehr, Groll, Ärger, Wut, Vorsicht, Unzufriedenheit, Anspannung, Enge, Missmut, Mangel.

Manchmal geschieht ein Wunder und das Herz öffnet sich wie von selbst. Wenn wir uns neu verlieben, wenn wir plötzlich in der Natur die Größe des Lebens erfahren, wenn wir große Gefahren wie durch ein Wunder überleben oder wenn wir spirituelle Erfahrungen machen dürfen. Das kann man nicht machen, das geschieht. Wir werden vom Leben beschenkt.

Doch wenn wir darauf warten, dass ein Wunder geschieht, kann darüber das Leben vergehen. Denn große Wunder kommen, wie sie wollen. Das Wunderbare ist, dass wir selbst etwas tun können, unserem Herzen zu ermöglichen, sich vorsichtig zu öffnen. Dann geschehen täglich Wunder.

Wie geht das?

Schau auf dich selbst. Wer bist du, was fühlst du, was wünschst du dir? Was sind deine Visionen, Gaben, Möglichkeiten und Grenzen? Wer ist dieses „Ich“? Stelle dir immer wieder die große Frage: Wer bin ich? Was möchte ich? Wem will ich dienen? Was will ich wirklich-wirklich?

Und wenn du nicht weiter kommst, dann mach eine Familienaufstellung. Denn familiäre Traumata können mit nachdenken nicht gelöst werden. Wenn deine Beziehung zur Mutter oder zum Vater, zu deinen Geschwistern, zu deinem Partner oder deiner Partnerin oder zu deinen Kindern belastet sind, dann ist es schwer, ein inneres Gefühl der Weite und Ganzheit zu haben.

Nur wenn wir keine Mangelbedürfnisse haben, können wir unser Herz öffnen für die Liebe, für andere Menschen und für uns selbst. Liebe können wir nicht machen, sie entzieht sich unserem Wollen. Wir können nur immer mehr bereit dafür sein. Eine Familienaufstellung kann familiäre Traumata wandeln und dich auf deinem Weg unterstützen. Hier findest du die Termine und kannst dich hier auch anmelden.

Hier noch einige Möglichkeiten, das Herz zu unterstützen:

Das sind im folgenden nur einige Ideen, sie haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Füge all dem einfach noch deine eigenen Erfahrungen hinzu.

Meditation: Meditation ist hilfreich, sich selbst kennenzulernen und sich dem, was ist, zu öffnen. Schau welcher Weg dir liegt, die Wege sind sehr verschieden. Wenn du einen Lehrer oder eine Lehrerin hast, der du vertraust, ist es einfacher, den Weg zu gehen.

Der Weg der Metta-Meditation (Herzmeditation) ist ein Weg des Mitgefühls und der Mitfreude, der das Herz sanft und nachhaltig öffnet. Du wünschst dir selbst, den anderen und allen Wesen Gutes. „Möge ich glücklich sein, möge ich sicher sein, möge ich gesund sein, möge ich mit Freude für mich selbst sorgen können“ sind ausgewählte Sätze, die im Inneren wiederholt werden. Zuerst für dich selbst, dann für andere.

Dankbarkeit: Geh den Weg der Dankbarkeit. Er ist ein Königsweg. Wenn du jede Erfahrung, die dir begegnet als eine Chance siehst, die das Leben dir schenkt, um zu heilen und damit jeder Erfahrung, wirklich jeder Erfahrung dankbar bist, dann wirst du irgendwann ganz im Frieden von dieser Welt gehen können. Und vorher leichter leben.

Handeln: Geh immer mehr vom NEIN zum JA. Zu dir selbst, deinen eigenen Gefühlen, zu dem was ist. Schau wo du „nein“ sagst. Und schau, was du brauchst, um zu dieser Situation JA sagen zu können. Was willst du ändern? Und dann schau, was du brauchst, um es zu ändern und dann tu es.

Körper: Sei freundlich zu deinem Körper, damit er neue Erfahrungen machen kann. Denn in ihm, und hier in jeder Zelle und besonders in den Faszien, sind belastende Gefühle gespeichert. Schenke ihm Fürsorge und neue Erfahrungen. Lerne ihn kennen, erhöhe deine Aufmerksamkeit, Körperempfindungen wahrzunehmen und zu verstehen. Lass dich berühren.

Natur und Atem: Geh in die Natur, so oft es geht, sie ist ein großer Lehrer und Heiler und öffnet das Herz. Ermögliche deinem Atem, frei zu fließen. Schau ob es Blockaden im Körper gibt, die deinen Atem behindern. Löse sie sanft, sie sind mit großen einengenden Erfahrungen verbunden.

Aromatherapie, Bachblüten und Pflanzenheilkunde: Rose, Jasmin, Estragon als Ätherische Öle (Duftlampe), Rosenölbäder, Duftmassagen, Basisöl Jojoba- oder Sesamöl (auf 1 EL Basisöl 2 Tr. Jasmin + 3 Tr. Estragon, Öl auf die Handflächen, Brust/Herzbereich sanft massieren)
Bachblüten: Red Chestnut (Rote Kastanie), Willow (Weide) und Chicory (Zichorie), jeweils 2 mischen
Pflanzenheilkunde: Weißdorn- oder Melissentee und Thymian-Honigwein unterstützen das Herz.

Edelsteine: Smaragd, Chrysopras, Jade und Rosenquarz, an einer Goldkette auf der Haut oder als Handschmeichler. Jade ist der Stein der Liebe. Du kannst dich auf den Rücken legen und entspannen und einen Jadestein auf die Brustmitte legen. Und Dir vorstellen, wie sich dein Herz immer weiter entspannt, wie es heilt und sich voller Vertrauen liebevoll öffnet.

Affirmationen und Vokalvibration: Kurz nach dem Aufwachen oder kurz vor dem Einschlafen, z.B.: Ich öffne mein Herz. Ich nehme mich so, wie ich bin, liebevoll an. Ich gebe und empfange mit offenem Herzen. Den Vokal „A“ tönen regt das 4. Chakra an.

Visualisieren: Lege dich auf den Rücken, die linke Hand auf die Brust in Herzhöhe, die Finger zeigen nach rechts, die rechte Hand darauf. Atme ganz entspannt. Stelle dir vor, dass du beim Einatmen in deine Hände Lebensenergie aufnimmst als goldenes Licht. Und dann stelle dir vor, wie diese Energie beim Ausatmen als goldenes Licht von deinen Händen in dein Herz fließt und du bei jedem Ausatmen ein wenig freier, weiter und heiler wirst.

Glauben: Der Glauben und die Verbindung zu größeren lichtvollen Kräften bewirkt das Gefühl, beschützt, geliebt und geborgen zu sein, wir können vertrauen, unser Herz öffnet sich wie von allein.

Zuversicht, Liebe und Ausklang

Lieben können wir von Anfang an, wir bringen diese Fähigkeit mit auf die Welt. Auch das Bedürfnis nach Verbundenheit und Geborgenheit. Von anderen Menschen gesehen, gehört, verstanden und berührt zu werden, empfinden wir als ein großes Geschenk.

Liebe erwächst aus unserer Ganzheit, sie erfüllt sich aus dem, was wir geben und ist der Sinn des Lebens. Liebe ist jetzt, Gegenwart, sie ist ein JA zu dem, was ist. Sie äußert sich in vier Aspekten: Liebevoller Zuwendung, Freude an der Freude des Anderen, Mitgefühl sowie zu wissen, wann man genug getan hat. Liebe ist absichtslos. Sie ist einfach.

Die Grundstruktur unseres Universums ist Einheit, Liebe und Verbundenheit. Wir sind alle miteinander verbunden, schon jetzt. Nur Deine Verletzungen stehen davor. Doch sie können heilen.

Du kannst ein Familienstellenseminar wählen, wenn es in deiner Familie nicht einfach ist. Hier findest du alle Termine und kannst dich hier auch anmelden. Oder du entscheidest dich für das Seminar „Selbstbestimmt leben“, in dem du üben kannst, das Eigene zu erkennen und zu schützen und ohne zu verletzen elegant Grenzen zu setzen. Und wenn du deinem Herzen viel Gutes tun möchtest, dann melde dich an für die Aufstellungswoche „Weite Seele – Weites Meer“ in Arillas auf Korfu direkt am Meer.

Sei von Herzen willkommen.
Alles Gute für dich.

Renate

 

 


Impressum:
Text: Dr. Renate Wirth
Foto: pixabay.com

www.aufstellungstage.de
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renate.wirth@aufstellungstage.de

Praxis: Prinzregentenstraße 7 in 10717 Berlin
Veröffentlichen des Textes und von dessen Auszügen nur mit Erlaubnis der Autorin.

Selbstbestimmt leben – den eigenen Weg gehen. Wie du elegant Grenzen setzen kannst, ohne den Anderen zu verletzen.

Selbstbestimmt leben – den eigenen Weg gehen. Wie du elegant Grenzen setzen kannst, ohne den Anderen zu verletzen.

Du bist überzeugt, dass du deinen eigenen Weg gehst? Dass du JA sagst wenn du JA meinst und NEIN sagst, wenn du NEIN meinst? Dass du dich selbst kennst, deine Gedanken, deine Gefühle, deine Talente, deine Wünsche, alles, was dich selbst ausmacht? Dass du weißt, was du SELBST bist und wie du dieses dein SELBST selbstbestimmt leben kannst? Das ist einfach wunderbar. Ganz und gar wunderbar. Dann brauchst du diesen Artikel nicht weiter zu lesen.

Solltest Du aber manchmal JA sagen, wenn du NEIN meinst oder nur mit schlechtem Gewissen deine eigenen Interessen vertreten, dann lohnt es sich, weiter zu lesen. Und nicht nur zu lesen, sondern auch zu schauen, wie du dir neue Möglichkeiten erschaffen kannst, immer mehr deinen eigenen Weg zu gehen.

Denn selbstbestimmt zu leben gehört zu unseren elementaren Grundbedürfnissen. Um gesund zu bleiben und in unserer Kraft zu sein brauchen wir die Möglichkeit, das Leben zu verstehen und es nach unseren Wünschen gestalten zu können.

Ein Gefühl der Weite

Als es mir zum ersten Mal gelang, in einer schwierigen Situation sicher und zielgerichtet Grenzen zu setzen, empfand ich ein unerwartetes Gefühl von Weite. Ich konnte plötzlich tief durchatmen, mein Brustkorb weitete sich förmlich, und in meinem Inneren entstand ein Gefühl von neuer und unerwarteter Freiheit. Zuerst verwunderte es mich, denn ich hatte bisher mit Grenzen setzen die Vorstellung von Abgrenzung, Eingrenzung und Enge verbunden. Doch das Gegenteil war der Fall.

Wie kam das? Ich hatte eine neue Freiheit erfahren. Die Freiheit, ohne Schaden und Schuldgefühle NEIN zu sagen. Die Freiheit, meine Bedürfnisse zu artikulieren und durchzusetzen. Und die Freiheit, den anderen klar wissen zu lassen, was ich brauche, denke und will. Ich war frei von der Angst, die Beziehung durch meine neu gesetzten Grenzen zu gefährden oder zu verletzen.

Als ich allein war, musste ich plötzlich laut lachen. So also fühlt es sich an, gesunde Grenzen zu setzen. Weit, leicht und frei. Ich experimentierte noch eine Zeitlang, dann war es mir klar: es muss gar nicht schwierig sein. Mit etwas Übung ist es leicht, elegant und sogar heiter.

Nun kann man natürlich die Techniken nur üben. So wie wir vom Lesen keine Muskeln bekommen, sondern nur vom Trainieren. Doch wenn wir uns für das Thema öffnen, dann kommen die anderen Dinge zu uns. Wir gehen in Resonanz mit dem Thema und eines fügt sich zum anderen.

Zugehören dürfen

Wir Menschen sind Horden-Wesen. Wir brauchen unbedingt die Gemeinschaft, um überleben zu können. Wir brauchen die Möglichkeit, in der Familie oder in einer Gruppe dazugehören zu dürfen. Das ist eines der Grundgesetze unseres menschlichen Daseins.

Ein Säugling kann allein nicht überleben. Auch wenn wir erwachsen sind ist uns das Bedürfnis, dazugehören zu dürfen, tief eingeerbt. Auch als Erwachsene fühlen wir uns nur sicher, wenn wir zu einer Gruppe dazugehören dürfen. Nicht nur in Gefahrensituationen, auch im ganz normalen Alltag müssen wir zu anderen Menschen dazugehören dürfen.

Für diese Zugehörigkeit sind wir bereit, auch das Eigene zu opfern. Wir sind uns dessen oft nicht bewusst. Doch die Angst, die Beziehung zu unserem Gegenüber zu verlieren, wenn wir die eigenen Interessen vertreten und verfolgen, wirkt unbewusst hinter vielen Entscheidungen und Verhaltensweisen mit.

Es jedem recht machen wollen

Es gibt keinen sicheren Weg zum Erfolg. Nur einen sicheren Weg zum Misserfolg, nämlich den, es jedem recht machen zu wollen.

Es geht einfach nicht. Wenn du aus der Angst heraus, dass der andere dich ablehnen wird versuchst, es ihm recht zu machen, verlierst du dich selbst und nicht selten auch ihn. Denn irgendwann wirst du nicht mehr in deiner Stärke sein, da du dich selbst aus den Augen verloren hast.

Begegnung geschieht immer an der Grenze

Begegnung geschieht immer an der Grenze. An der Grenze zwischen dir und mir. Wir brauchen sichere Eigengrenzen, um uns aus dieser Sicherheit heraus für andere und das große Ganze öffnen zu können, ohne uns selbst zu verlieren. Nur so haben wir die Fähigkeit, die Grenzen selbstbestimmt öffnen oder schließen zu können. Nicht wie der Andere das möchte, sondern wie wir das wünschen.

Wo und was sind unsere Eigengrenzen? Unsere Haut und Aura markieren eine Grenze, aber auch unsere Worte und Gesten, Gefühle und Gedanken sind Grenzen, die wir beeinflussen können.

Ebenso können ein räumlicher oder zeitlicher Abstand oder eine emotionale Distanz klare Grenzen aufzeigen. Auch indirekte Grenzen, die wir als Gürtellinie, Archillesferse, Fettnapf bezeichnen, sind Grenzen.

Welche dieser Grenzen nutzt du in vollem Bewusstsein und in welchen Situationen? Welche eher selten oder gar nicht? Wo beginnst du und deine Aura? Wie weit darf wer dir nahekommen? Welche Worte und Gesten, welche Mimik benutzt du, um Nähe und Distanz zu gestalten?

Das Gute an Grenzen

Grenzen geben Sicherheit. Sie geben Orientierung und ermöglichen Ehrlichkeit. Sie ermöglichen, zu sich selbst zu stehen, die eigenen Wünsche zu leben, den eigenen Weg zu gehen. Grenzen geben Schutz und bewirken Achtung, Respekt und Selbstrespekt. Grenzen ermöglichen Liebe und ein Miteinander, in dem es beiden gut geht. Es lohnt sich.

Grenzprobleme

Grenzprobleme äußern sich auf verschiedene Art und Weise. Es gibt Menschen, die kein NEIN sagen können, andere können nicht JA sagen, wieder andere können das NEIN oder das JA der anderen nicht hören. So verschieden die Symptome auch sind, in allen Fällen gibt es kein sicheres Miteinander.

Zu nachgiebige Menschen: Weil offene Grenzen

Zu nachgiebigen Menschen fällt es schwer, NEIN zu sagen. Sie können dem Anderen nur schwer Grenzen setzen und merken zu spät, wann und wo sie hätten ein NEIN sagen wollen. Sie haben oft Angst vor Liebesverlust, Ausgrenzung und Zurückweisung. Doch wer nicht NEIN sagen kann, wird krank. Viele klinisch-psychologische Symptome und Erkrankungen, wie Depression, Angstzustände, Essstörungen, Süchte, Zwangserkrankungen, Burnout, chronische Müdigkeit, Wut, Hass, Missbrauch und Gewalt, Ehe- und Beziehungsschwierigkeiten, u.v.m. haben ihre Wurzel in Konflikten mit Grenzen.

Doch Konflikte mit Grenzen haben nicht immer Krankheitscharakter. Das Gefühl, überfordert zu sein, sich ständig zu bemühen und doch nicht alles zu schaffen und Schuldgefühle beim NEIN-Sagen können dazu führen, dass das Leben außer Kontrolle gerät. Der Alltag hinterlässt das ständige Gefühl, dass alles nicht zu schaffen ist, die Anforderungen von außen steigen, die Leistungsfähigkeit sinkt. Seele und Körper sind müde. Und irgendwann sind die eigenen Grenzen erreicht und überschritten.

Ursachen können traumatische Erfahrungen der Kindheit, Verluste in der Familie, auch in früheren Generationen, fehlende Geborgenheit und fehlende Vorbilder sein. Das Üben, NEIN zu sagen ohne den anderen zu verletzen ist ein Weg. Gleichzeitig ist es aber wesentlich, familiäre Traumata zu lösen, die bis in die Gegenwart wirken.

Hier kann eine Familienaufstellung ein großer Segen sein. Ich habe viele Menschen erlebt, deren Nähe-Distanz-Probleme sich erst nach einer Aufstellung verändern konnten. Denn es ist notwendig, die Ursachen zu finden und zu lösen, die dem Problem zugrunde liegen.

Manipulative Menschen: Die Grenzen nicht akzeptieren

Ein anderes Grenzproblem haben diejenigen Menschen, die das NEIN der anderen nicht hören und nicht akzeptieren wollen und können. Sie versuchen, den Anderen manipulativ oder aggressiv zu beherrschen und ihren Willen durchzusetzen. Diesem Verhalten liegen oft Hilflosigkeit, frühe Traumata oder Kindheitserfahrungen zugrunde, die kein klares Miteinander ermöglicht haben. Sie wurden entweder selbst oft nicht gehört, hatten zu nachgiebige Eltern oder wuchsen mit sich widersprechenden Botschaften auf. Immer wieder sehe ich, dass frühe Trennungen und familiäre Traumata Ursache für dieses Verhalten sind.

Auch hier ist das Leid groß. Einsamkeit, das Gefühl, das Nähe bedrohlich ist, fehlende gute, tragende Beziehungen und Schwierigkeiten, im Beruf erfolgreich zu sein machen das Leben schwer. Auch hier kann eine Familienaufstellung ein großer Segen sein.

Unzugängliche Menschen: Wenn das Vertrauen fehlt

Menschen, die aus Vorsicht oder Resignation sich einer Beziehung zu anderen Menschen verschließen, sind oft unzugänglich. Ihnen fällt es schwer, ihre Grenzen zu öffnen. Aus dem Bedürfnis, nicht verletzt zu werden, lassen unzugängliche Menschen ihre Grenzen auch dort geschlossen, wo sie ein ungefährliches Miteinander haben könnten.

Menschen, denen das Vertrauen fehlt, glauben nicht an die gute Absicht des Anderen. Sie können nicht um Unterstützung bitten, da sie von vornherein davon ausgehen, dass der Andere nicht bereit ist, sie zu geben. So vermeiden sie, dem Anderen an der eigenen Grenze zu begegnen.

Nun könnten wir ja sagen, diese Menschen entscheiden selbstbestimmt. Doch es ist nicht so. Sie haben nicht die freie Wahl, es bleibt ihnen nichts anderes übrig. Oft leiden diese Menschen an Einsamkeit und Selbstzweifeln und hätten gern die Möglichkeit, anders entscheiden zu können.

Die Ursachen von Grenzproblemen

Die Ursachen von Grenzproblemen sind vielfältig. Meist sind es frühe Grenzverletzungen durch körperliche, seelische und emotionale Gewalt, z.B. bei Alkoholerkrankung, Sucht, psychisch kranken und instabilen Eltern, Feindseligkeit, körperlichem oder emotionalem Missbrauch, Liebesentzug bei Widerspruch. Auch Glaubenssätze, die behindern, Angst und Schuldgefühle sind Ursachen, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse hintenan zu stellen und dem eigenem SELBST keinen Raum gewähren zu können.

Das SELBST kennenlernen

Wenn ich in einer Aufstellung den Klienten, das Selbst und die Seele aufstelle, dann kann man fast ausnahmslos sehen, dass der Klient nicht auf das eigene SELBST schaut, sondern wie gebannt auf den Seelenaspekt. Die Seele ist der Aspekt, der über uns hinausweist und uns mit dem uns Umgebenden verbindet. Zumeist ist dies unsere Familie.

Stellen wir in der Aufstellung dann Aspekte der Familie auf, zeigen sich oft große emotionale Bewegungen. Unbeachtet, manchmal voller Angst, manchmal aber auch ganz klar steht das SELBST da. Wenn sich die familiären Verstrickungen lösen konnten kommt dann der so wesentliche Moment: Der Klient (oder die Klientin) schaut zum ersten Mal auf das eigene SELBST.

Verwundert, manchmal ungläubig, manchmal voller Freude und Liebe. Jetzt erst wird er sich seiner SELBST bewusst. Er sieht die eigene Schönheit und Stärke. Die die ganze Zeit schon da war. Ein neues Kapitel kann beginnen.

Mit dem eigenen SELBST auf das Leben schauen

Was kannst du jetzt tun? Jetzt kannst du üben, elegant und freundlich Grenzen zu setzen, um dein SELBST zu beschützen. Ihm in deinem Leben Raum zu geben. Deinen Gaben, deinen Wünschen, deinen Zielen, deinem ganz eigenen Wesen Raum zu geben.

Suche dir ein Motiv, das auf die Zukunft ausgerichtet ist

Vermeide Motive, die auf die Vergangenheit ausgerichtet sind. Aus Furcht vor Liebesverlust, vor Zorn, Gewalt und Unzufriedenheit, vor Einsamkeit, Schuldgefühlen, Gesichtsverlust und Rückzahlung Grenzen zu setzen sind auferlegte Grenzen.

Wenn das Motiv auf die Zukunft ausgerichtet ist, so sind die Grenzen frei gewählt. Sie sind ausgerichtet auf Orientierung, Sicherheit, Selbstachtung, Achtung des Anderen, Liebe und Selbstliebe, Vertrauen und Selbstvertrauen, Entscheidungsfreiheit, Hingabe und Offenheit.

Was liegt in deiner Verantwortung?

Innerhalb deiner Verantwortung liegen deine Gefühle, Gedanken, Einstellungen und Überzeugungen, deine Handlungen, Wünsche, Talente, Worte und Werte, dein Vertrauen und deine Liebe. Das ist viel.

Doch nicht alles liegt in deiner Verantwortung und ist von dir zu beeinflussen. Außerhalb deiner Verantwortung liegen dein Schicksal und die Gefühle, Sichtweisen und Handlungen der Anderen. Du kannst sie nicht beeinflussen. Auch für systemische Verstrickungen und familiäre Traumata bist du nicht verantwortlich. Es liegt nicht in deiner Macht zu entscheiden, in welche Familie du hineingeboren wirst und was da geschehen ist in der Familiengeschichte, da kannst du nichts dafür.

Doch es liegt in deiner Macht, diese Ereignisse deiner Familiengeschichte in dein Leben so zu integrieren, dass sie dich nicht mehr schwächen, sondern dir sogar als Ressource zur Verfügung stehen.

Das ist der Sinn einer Familienaufstellung. Zu sehen, was wirkt und zu finden, was löst. Um die Chance zu haben, nicht von den Ereignissen bestimmt zu werden, die schon lange der Vergangenheit angehören, sondern den eigenen Weg selbst mitzugestalten. Dass du dich öffnen kannst für ein liebevolles Miteinander. Oder auch NEIN sagen kannst ohne Schuldgefühle.

Nein sagen ohne Schuldgefühle

Wer JA sagen kann, kann auch NEIN sagen. Sage JA wenn du JA meinst und sage NEIN, wenn es gegen deine Interessen geht.

Wer manchmal NEIN sagt wird geachtet. Er vermittelt, dass seine Zeit kostbar ist. Wenn du das Muster durchschaust, warum du JA sagst, wirst du frei für ein NEIN. Sage NEIN ohne zu verletzen. Wenn du NEIN sagst, bleib dabei.

Nein sagen ohne zu verletzen

Schau auf dein Gegenüber wohlwollend. Auch wenn der andere etwas anderes möchte als du. Billige ihm zu, eine andere Meinung und andere Ziele zu haben. Das ist rechtens. Schau, wohin er schaut, damit du ihn verstehen kannst. Dann schau auf deinen Wunsch und deine Ziele.

Finde heraus, was dir fehlt. Was wünschst du dir? Wesentlich ist, ein starkes Motiv zu finden, das auf die Zukunft ausgerichtet ist. Und übernimm die Verantwortung für dich selbst. Nicht der Andere ist für dein Wohlergehen verantwortlich. Nur du selbst bist es.

Und wunderbar ist es, wenn du Freude daran hast, elegant und zugewandt Grenzen zu setzen. Das macht alles viel leichter.

Die Techniken:

Zentriere dich. Entspanne, stelle Blickkontakt her, hab einen guten Stand. Signalisiere deine Bereitschaft: Ich habe Interesse an dir und höre dir zu. Dann teile deine eigene Wahrheit mit, nur einen Satz, kein Zögern, die Stimme klar, verständlich und ruhig, nicht hoch, – dann Schweigen.

Keine Rechtfertigungen oder Entschuldigungen und keine Erklärungen. Wenn du NEIN sagst bleib dabei. Auch wenn der andere bettelt, fleht oder droht. Deine Klarheit wird auch andere positiv beeinflussen. Wenn Du den Kontakt halten möchtest, gib eine Aussicht auf später, andere Alternativen und ein neues Miteinander. Zuletzt ermögliche einen freundlichen Abschied.

Du hast es ausprobiert? Herzlichen Glückwunsch. Lobe dich, egal wie es war. Registriere deine Gefühle und schreibe sie ggf. auf. Respektiere deine Reaktionen, aber auch die deines Gegenübers. Übe weiter, auch mit Freunden. Körperübungen zum Zentrieren sind gut. Und stärke deine Eigengrenzen, Struktur schaffen hilft zur Klarheit.

Setze deine Bedürfnisse an erste Stelle

Setze deine Bedürfnisse an erste Stelle. Du bist nicht weniger wichtig als der Andere.
Du bist genau so viel wert wie der Andere. Rede dir keine Schuldgefühle ein und lass dir keine einreden.

Übe solche Sätze: “Ja, ich habe mich entschlossen, das zu tun. Ja, das entspricht genau meinen Vorstellungen. Nein, das werde ich nicht tun. Nein, das möchte ich nicht.”

Keine Angst vor Gefühlen

Unsere Gefühle sind die Boten für unsere Wünsche. Auch wenn sie manches Mal den anderen nicht passen und vielleicht auch dir selbst nicht, verdränge sie nicht, schicke sie nicht weg. Sie zeigen dir, was du eigentlich brauchst und dir wünschst. Such dir einen geschützten Platz, wo sie sein dürfen, nimm sie wahr und höre ihnen zu, wenn du sie aushalten kannst.

Fehler dürfen sein. Sage einfach: Es tut mir leid. Das ist genug. Und dann korrigiere den Fehler, wenn es möglich ist. Kein Streit. Kein Kampf. Nur Klarheit.

Wie geht es weiter?

Oft ist lesen nicht genug. Sich klar und freundlich, elegant und selbstsicher, wohlwollend und ohne Schuldgefühle abzugrenzen braucht Übung. In Verbindung mit der Möglichkeit, familiäre Traumata zu lösen. Dafür gibt es das Seminar „Selbstbestimmt leben“. Hier kannst du dich anmelden, wenn du weitere Schritte gehen möchtest. Sei willkommen.

Anliegen des Seminars ist, das Selbst (deine Gaben, deine Talente, die nur du mit auf die Welt gebracht hast), dein handelndes und denkendes Ich und deine mit allen verbundene Seele wieder zusammen zu führen. Traumata haben sie getrennt. Wenn alle drei wieder zusammenkommen, sich sehen, sich wirklich erkennen und anlächeln, dann werden wir ganz und frei.

Ich wünsche dir viel Freude beim Üben und Ausprobieren.
Alles Gute für dich.

Renate

 

 


Impressum:
Text: Dr. Renate Wirth
Foto: pixabay.com

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renate.wirth@aufstellungstage.de

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Veröffentlichen des Textes und von dessen Auszügen nur mit Erlaubnis der Autorin.

Vorsicht Weihnachten. Die 7 großen Probleme zum Weihnachtsfest und wie du trotz allem das Fest der Gefühle entspannt genießen kannst.

Vorsicht Weihnachten. Die 7 großen Probleme zum Weihnachtsfest und wie du trotz allem das Fest der Gefühle entspannt genießen kannst.

Erfahrungsgemäß ist ja das Weihnachtsfest ein Ereignis, an dem meist die Familie zusammenkommt. Oft schon im Vorfeld zeigen sich familiäre Probleme, die eigentlich schon das ganze Jahr über da waren, aber nicht so offensichtlich, wie sie dann in der Vorweihnachtszeit oder auch direkt zum Weihnachtsfest oder in den Tagen danach sichtbar und fühlbar werden.

Es sind nicht nur die Anspannung der Vorweihnachtszeit und die hohen Erwartungen, die mit dem Weihnachtsfest verbunden sind, die Weihnachten oft schwierig werden lassen. Im Weihnachtsfest wird der Wunsch nach Frieden in der Familie besonders deutlich. Und oft wird auch genau da am deutlichsten, was dem Familienfrieden fehlt.

Die Seele hat ihre eigenen Gesetze

Wir denken zumeist, wir können alles regeln und nach unseren Wünschen gestalten. Grundsätzlich ist das natürlich wunderbar, wenn uns das immer wieder partiell gelingt. Doch wenn wir uns auch noch so erwachsen, unabhängig und selbstbestimmt fühlen, für unsere Seele gelten eigene Gesetze.

Unsere Seele möchte lieben dürfen, vor allem die, die uns nahestehen. Manchmal verhindern jedoch Ereignisse in der Familiengeschichte ein liebevolles Miteinander. Doch auch dann unterliegen wir diesen inneren Dynamiken, die sich besonders zum Weihnachtsfest zeigen.

Es gibt innere verborgene Gesetze, die hinter unserem menschlichen Miteinander wirken. Sie wirken unerbittlich, ganz gleich, ob wir uns ihrer bewusst sind oder nicht. Meist wirken sie gerade dann am stärksten, wenn sie seit Jahren oder gar seit Jahrzehnten unbewusst Einfluss auf unser Familienleben haben.

Es sind vor allem die uns innewohnenden Gesetze von Bindung, Ordnung und Ausgleich, deren Wirkungen zum Weihnachtsfest so deutlich sichtbar werden. Sie äußern sich in Problemen, die wir mit etwas Verständnis umgehen oder auch entspannt lösen können.

Problem Nr. 1: Das Bedürfnis nach Bindung

Wir Menschen sind Gruppenwesen. Wir brauchen die Gruppe, es ist ein archetypisches Bedürfnis, da unser Überleben seit jeher abhängig ist von der Bindung an eine Gruppe. Ohne diese Bindung ist es uns Menschen nicht möglich, existent zu sein.

Das Bedürfnis nach Bindung beeinflusst viele unserer Gefühle und Handlungsweisen. Zum Weihnachtsfest, dem Fest der Familie, werden diese Gefühle besonders sichtbar. Wir sind zwar erwachsen, doch wir bleiben ein Leben lang Sohn oder Tochter, Bruder oder Schwester, Vater oder Mutter.

Es gibt vielerlei Bindungen, in die wir eingebunden sind. Die Bindung an die Herkunftsfamilie, die Paarbindung, die Bindung zu unseren Kindern, aber auch die Bindung im Kontext der Firma oder sogar des Sportvereins wirken auf uns. Am stärksten aber wirkt die Bindung an die Familie.

Du kannst dich aus der Bindung der Familie lösen, aber nicht aus der Mutter-Kind-Bindung. Doch selbst wenn du die Familienbindungen löst und keinen Kontakt mehr hast, bleibt in der Seele ein essentielles Bedürfnis, eingebunden zu sein. Falls das nicht möglich ist, wird der Schmerz am Weihnachtsfest besonders deutlich spürbar. Da helfen oft alle bisher bewährten Abwehrmechanismen nicht. Der tiefe Schmerz, nicht mit der Familie zusammen sein zu können, kommt wehmütig im Herzen an.

Was kannst du tun?

Sicher hast du schon entschieden, mit wem du in diesem Jahr den Weihnachtsabend verbringst. Wenn es nicht deine Familie sein kann, dann kannst du an deine Familie denken. Vielleicht gelingt es dir, dich an schöne Momente mit deiner Familie zu erinnern. Du kannst im Herzen Vater und Mutter danken, dass du auf dieser Welt sein darfst.

Wenn du mit guten heilsamen Gedanken am Heiligabend an die denkst, die zu dir und deiner Familie gehören, dann schenkst du auch dir selbst gute heilsame Gedanken. Kannst du lächelnd zustimmen, dass du eben kein Eremit in der Höhle auf dem Berg bist, sondern gern in der Gesellschaft freundlicher Menschen bist? Kannst du dir selbst zubilligen, dass du gern entspannt in freundlicher Gesellschaft die Weihnachtstage verbringen möchtest? Schau dich um, es wird Menschen geben, die sich darauf freuen, dass du zum Weihnachtsfest mit ihnen zusammen sein wirst.

Problem Nr. 2: Das Bedürfnis, dass alle dazugehören

Zum Bedürfnis nach Bindung gehört, dass alle in der Familie dazugehören dürfen. Alle heißt hier, alle die mit dir verwandt sind. Alle die du kennst und die du nicht kennst. Niemand darf ausgeschlossen werden.

Doch gerade das geschieht in den Familien immer wieder. Oft gibt es in der Familie ausgeschlossene Familienmitglieder. Jemand der in den Augen der Familie schuldig geworden ist, mit dem die Familie nicht im Frieden ist, über den nicht gesprochen wird, der nicht geladen ist. Schon gar nicht am Heiligen Abend.

Was kannst du tun?

Nun können ja nicht alle mit am Tisch sitzen beim Weihnachtsabend oder unterm Tannenbaum. Doch du kannst an sie denken. Das ist oft schon viel und genug.

Ganz besonders in Patchworkfamilien braucht es schon viel kluges Überlegen, wer wann mit wem das Weihnachtsfest feiert. Jede Regelung, in der nicht alle dabei sein können, widerspricht unserem angeborenen Bedürfnis, dass alle dazugehören dürfen.

Deshalb gratuliere dir zu jeder Lösung, die du findest. Lehne dich entspannt zurück und verschiebe die Klärung der Probleme auf später. Das Problem an den Weihnachtstagen klären zu wollen bringt zumeist keine Lösung, sondern nur neue Probleme.

Problem Nr. 3: Das Bedürfnis, den anderen zu beschenken

Andere Menschen zu beschenken ist uns ein eingeborenes Bedürfnis. Es fördert unsere Bindung, erfreut den anderen und uns selbst, wenn wir an dessen Freude teilhaben dürfen. Schon ganz kleine Kinder sind glücklich, wenn sie der Mama oder dem Papa einen Stein oder ein selbstgemaltes Bild schenken können. Wo können wir das Bedürfnis, unsere liebsten Menschen zu beschenken, am ehesten befriedigen? Natürlich zum Weihnachtsfest.

Doch welches Geschenk kann es sein? Bei der Fülle der Möglichkeiten ist das Auswählen oft schon eine große Herausforderung und mit angestrengten Überlegungen und Einkäufen verbunden. Ist es das richtige Geschenk? Wird er oder sie sich darüber freuen? Liegt es in meinen Möglichkeiten?

Zu überlegen, zu kaufen, zu basteln, zu besorgen bringt schon zumeist Anspannung und Stress mit sich. Denn es soll ja wirklich genau das Passende sein. Doch was ist genau das Passende?

Was kannst du tun?

Mit dem besten Vorsatz kann es passieren, dass du nicht genau das Richtige triffst. Das macht überhaupt nichts, erkenne an, dass dein guter Wille da war. Dann nimm es leicht mit einem inneren Schmunzeln. „70 Prozent sind perfekt“, pflegt meine ZEN-Lehrerin zu sagen. Das ist genug. Und falls du genau das richtige getroffen hast, wunderbar. Ein Grund mehr, dich entspannt mit dem Beschenkten mitzufreuen.

Problem Nr. 4: Das Bedürfnis nach Ausgleich

In unserem menschlichen Miteinander wirkt auch das unerbittliche Bedürfnis nach Ausgleich. Das Bedürfnis nach dem Ausgleich zwischen Geben und Nehmen. Und gerade das Weihnachtsfest ist hier eine besondere Herausforderung. Das Geschenk soll angemessen, nicht zu groß und nicht zu klein, einfach und passend sein. Wir wollen auf keinen Fall ein Geschenk, für das wir keine angemessene Gegenleistung geben können.

Wenn wir zu große Geschenke erhalten, fühlen wir uns unwohl. Es bringt uns das Gefühl, in der Schuld des anderen zu stehen. Das ist ein ungutes Gefühl, das wir so bald wie möglich wieder loswerden und ausgleichen wollen.

Wenn wir zu kleine Geschenke erhalten, geht es uns meist besser als umgekehrt. Doch dann bleibt beim Schenkenden ein ungutes Gefühl, was unser beider Miteinander meist auch nicht guttut. Summa summarum: es ist nicht einfach. Das Schenken nicht und das beschenkt werden auch nicht.

Was kannst du tun?

Nimm leichten Herzens an. Wenn du gern annimmst, ist das für den Schenkenden das größte Geschenk. Er beschenkt dich nicht in der Absicht, dich in seine Schuld zu bringen. Was auch immer du bekommst, nimm es gern an. Das kommende Jahr ist lang, du kannst auch zu anderen Gelegenheiten einen Ausgleich schaffen.

Wenn du viel gibst und wenig bekommst, was macht das schon? Das Leben wird dich an anderer Stelle beschenken. Es gleicht gern aus, und manchmal bekommst du dann unerwartet ein Geschenk oder ein Mensch hilft dir gerade da, wo du es nicht erwartet hast. Und das meist eher, als du denkst.

Problem Nr. 5: Stress, Zeitnot und Geldprobleme

Wir kennen es alle: Tagelang Geschenke besorgen, kochen, backen, einpacken, alles planen und überdenken. Noch kurz vor der Bescherung am Weihnachtsabend noch dies und das erledigen. Und zusätzlich auch in der Firma bis zuletzt Arbeitsdruck und Zeitmangel. Alles kostet mehr als geplant und sprengt das Budget. Es ist alles andere als entspannt.

Was kannst du tun?

Zuallererst einmal zustimmen, dass es ist, wie es ist. Meist so, wie in jedem Jahr. Trotz aller guten Vorsätze. Wieder mal Stress und keine Zeit. Aha.

Wie wäre es, in diesem Jahr mal Zeit zu verschenken? Ein Gespräch, Hilfe im Haushalt, eine unerwartete Unterstützung unter Freunden oder in der Familie? Zeit, die nichts kostet, die so knapp ist und die jeder brauchen kann?

Oder zum Beispiel eine Geschichte. Hier füge ich Dir eine Geschichte als Pdf bei, die ich geschenkt bekommen habe.

Auch wohlwollende und wertschätzende Worte sind Geschenke. Geschenke, die jedem guttun und die wir alle brauchen. Sie kosten nichts und sind dennoch kostbar. Wen kannst du mit deinen Worten beschenken?

Problem Nr. 6: Die dunkle Jahreszeit

Es ist nicht so einfach mit dieser dunklen Jahreszeit. Früh ist es noch dunkel beim zur Arbeit fahren und abends schon wieder. Das Licht dieser Tage reicht nicht aus, und die Sonnentage sind knapp.
Unsere Tradition hat einen Ausgleich dafür geschaffen: Die Tradition des Advent. Jede Woche eine Kerze anzünden, jede Woche eine Kerze mehr. Die Lichter in den Fenstern beim Nachhause kommen. Christbaumkerzen, Leuchtsterne an den Fenstern. Ist es dir dennoch zu dunkel?

Was kannst du tun?

Nichts. Es ist einfach eine dunkle Jahreszeit. Doch mir tut das Wissen gut, dass zum Weihnachtsfest das Licht neu geboren wird (Ja, du hast recht, schon zwei Tage zuvor.) Das Licht in der Weihnachtskrippe und das Licht am Himmel. Und dass es Tag für Tag heller werden wird.

Mehr kann ich nicht tun. Oder doch: Ich kann noch mehr Kerzen anzünden. Und mich darauf freuen, dass es bald wieder heller wird.

Problem Nr. 7: Die hohen Erwartungen

Gehen wir von der wunderbaren Situation aus, dass du in deiner Familie Geborgenheit erlebt hast und dich auf das Weihnachtsfest gemeinsam mit deiner Familie wirklich freust. Dein Bedürfnis nach Bindung findet einen Raum, in dem es da sein darf.

Gehen wir weiterhin von der wunderbaren Situation aus, dass alle Familienmitglieder zum Weihnachtsfest dabei sein dürfen, mit uns unter dem Tannebaum sitzen oder in unseren Herzen mit dabei sein können.

Und gehen wir zusätzlich von der wunderbaren Situation aus, dass der Austausch von Geschenken und damit das Geben und Nehmen gelungen sind.

Du hast alles bedacht? Der Tannenbaum erstrahlt in wunderbarem Glanz, der Festtagsbraten ist fertig mit allem drum und dran, auch für die Vegetarier am Tisch ist vorgesorgt. Sogar einen echten Weihnachtsmann wird es für die Kinder geben. Du hast alles getan, damit es in diesem Jahr ein wunderbares Weihnachtsfest werden wird. Nun kann einem gelungenen Fest eigentlich nichts mehr im Wege stehen.

Doch Vorsicht! Wie kann es dennoch dazu kommen, dass trotz aller Liebe, trotz Wohlwollen und Zugewandtsein, trotz aller guten Vorsätze es dennoch wieder zu einem plötzlichen Streit und zu Enttäuschung kommt? Es sind die zu hohen Erwartungen. Die Erwartung, dass alles so schön sein soll und perfekt und wunderbar gelungen. Doch das überfordert meist sowohl uns selbst als auch das heilige Weihnachtsfest.

Was kannst du tun?

Schraub deine Erwartungen etwas herunter. Das Weihnachtsfest kann nicht all das leisten zu erfüllen, was an Bedürfnissen und Wünschen in dir wohnt. Schau, was dir wirklich fehlt. Und was du dir außer den Wünschen auf deinem Wunschzettel wirklich wirklich wünschst. Wer kann dir diese Wünsche erfüllen?

Meine Großmutter pflegte zu sagen: „Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen.“ Gönne dir ruhige Minuten und Stunden. Denn auch das Freuen ist anstrengend. Und falls jemand mit dir gerade heute ein Problem klären möchte, dann denk an das Zauberwort.

Das Zauberwort

Solltest du das Glück haben, mit deiner Familie zusammen sein zu können, dann versuche nicht, etwas zu klären, was sowieso schon lange zwischen euch ein Problem ist. Es gibt ein Zauberwort, wenn jemand etwas zu dir sagt, was dir nicht gefällt. Es heißt AHA. Und dabei kannst du es bewenden lassen. Alles andere verschiebe auf die Zeit, wenn das Jahr wieder heller wird. Und das Zusammensein wieder einfacher und entspannter ist.

Ich möchte meinen Artikel mit einem Text von Eveline Erlsbacher aus einem SOS Kinderdorf beschließen. Er trägt die Überschrift: Wir brauchen die Familie.

Wir brauchen die Familie

„In den letzten Jahrzehnten fand ein ungeheurer Wertewandel statt, der alle unsere Lebensbereiche erfasst hat. Die Fortschritte, die wir in der Medizin, in anderen Wissenschaften und vor allem in der Absicherung der äußeren Lebensbedingungen erreicht haben, sind gewaltig. Sie garantieren uns ein nie dagewesenes Maß an persönlicher Freiheit.

Das Tempo, in dem wir vorwärts eilen, lässt keine Zeit, zwischenmenschliche Konflikte auszutragen und zu lösen. Und dabei möchten wir immer wieder erschöpft aufhören, uns diesem unseligen Zeitgeist bedingungslos und um jeden Preis anzupassen. Sehnen uns ganz einfach nach Liebe, Vertrauen, Ansprache, der Wärme einer Umarmung, die uns tröstet und trägt.

Auch abseits aller Biedermeierromantik ist es vor allem die Familie, die diese Erwartungen erfüllen kann. Sie ist am besten geeignet, die Rechte der Kinder zu schützen, Geborgenheit zu vermitteln und neben der Absicherung materieller Bedürfnisse auch Seelenbildung zu ermöglichen.

Sie soll behütende Mitte sein in einer Welt, die nach allen Seiten so offen ist dass es „zieht“. Familie darf Herz zulassen und Gefühle, darf ruhig auch ganz unzeitgemäß ein Stück heile Welt sein, die dem Guten traut. Weil es eine Grundsehnsucht in uns Menschen gibt nach Angenommen sein, nach Vertrautheit und der Schaffung belastbarer Beziehungen.“

Meine Wünsche für dich

Vielleicht ist für dich Weihachten ein religiöses christliches Fest, vielleicht feierst du auch die Erinnerung an die Traditionen deiner Kindheit. Oder du fährst in Urlaub oder du magst eher allein sein.

Ich wünsche dir, dass du auf deine Art und Weise das Weihnachtsfest gestalten und erleben kannst, so wie du es dir wünschst.

Ich wünsche dir, dass du Schwierigkeiten ruhig aus dem Weg gehen kannst. Es gibt ein Zauberwort. Es heißt AHA. Ich wünsche dir, dass dir das Zauberwort AHA im richtigen Moment einfällt. Das Ganze Jahr über, besonders aber an den Weihnachtstagen. Für ein friedliches Miteinander mit den Menschen, die dir am Herzen liegen.

Und falls du dennoch ein Problem hast, versuche nicht, es in den Weihnachtstagen zu lösen. Melde dich an zu einem Aufstellungsseminar, auch im neuen Jahr gibt es Termine. Bis dahin kann das Problem erst einmal ruhig warten.

Was ich dir jedoch vor allem wünsche ist, dass du das Schenken und das Beschenktwerden, das Zusammensein mit deinen Liebsten, das gute Essen, die Lieder, die Geschichten und die Freude entspannt genießen kannst. Denn dafür ist das Weihnachtsfest gedacht.

Alles Liebe für dich.
Renate

 

 


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Text: Dr. Renate Wirth
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Enttäuschung, Verrat und Vertrauensbruch. Was du tun kannst gegen Groll und Verbitterung

Enttäuschung, Verrat und Vertrauensbruch. Was du tun kannst gegen Groll und Verbitterung

Lang anhaltender Groll und innere Schuldzuweisungen vergiften unser Leben

Lang anhaltender Groll und innere Schuldzuweisungen vergiften unser Leben. Sie verhindern fast immer eine Lösung. Denn nichts ist so zeitresistent wie Groll. Noch nachdem die Scheidung schon 20 Jahre her ist erzählen mir Menschen immer noch vorwurfsvoll die gleichen Ereignisse, die sie damals verletzt haben. Sie sind dem anderen böse, als wäre es erst vorige Woche gewesen. Doch dieser Groll verhindert, sich neuen vertrauensvollen Beziehungen zu öffnen. Denn: „Man weiß ja nie, ob so etwas einem wieder passiert“. Ein gebranntes Kind scheut ja bekanntermaßen das Feuer.

Was passiert also? Aus Angst vor neuem Schmerz verschließt sich das Herz und trifft dann die Entscheidung: „Nein, da bleib ich doch lieber alleine!“ Oder „Das muss ich mir nicht mehr antun, man weiß ja, was dabei rauskommt.“

Gut, das ist auch eine Entscheidung. Nicht jeder muss heiraten, in einer Paarbeziehung leben, mit Firmenpartnern zusammenarbeiten. Es gibt auch Menschen, die von Natur aus eher Einzelgänger sind. Doch wenn es eine Entscheidung ist, weil ein Mensch dich verletzt hat, vielleicht auch mehrere Male oder immer wieder, dann ist das keine wirklich frei gewählte Entscheidung.

Kein Mensch ist hundertprozentig vertrauenswürdig

Kein Mensch ist hundertprozentig vertrauenswürdig. Auch du nicht und auch ich nicht. Es geht nicht, das liegt in der Natur des Lebens an sich begründet. Leben ist unablässig Veränderung. Und im Miteinander mit anderen Menschen werden wir irgendwann auch enttäuscht werden, getäuscht werden, uns verraten fühlen und diesem Menschen dann nicht mehr vertrauen können. Auch wir werden andere Menschen verletzen, meist ungewollt, es bleibt nicht aus.

Unser Leben ist ein ewiges Lernen. Versuch und Irrtum schließen auch Fehler mit ein. Auch wenn wir gern einen Menschen an der Seite hätten, dem wir immer, wirklich immer vertrauen können, so kann es passieren, dass wir auch da einmal nicht das bekommen, was wir im Moment gerade brauchen. Und dann enttäuscht sind.

Was kannst du tun, wenn ein anderer Mensch dein Vertrauen verletzt hat?

Deine Partnerin, dein Partner hat eine Nebenbeziehung, dein Freund hat dein Geld verspielt, das du ihm in seiner Notlage geliehen hast. Dein Geschäftspartner hat hinter deinem Rücken wesentliche Entscheidungen getroffen. Deine Freundin hat das, was du ihr anvertraut hast, umgehend weitererzählt. Das und vieles andere passiert. Und es schmerzt das Herz. Wie kannst du da noch vertrauen!

Vertrauen in andere Menschen heißt, sich immer wieder neu auszurichten. Da in jedem Miteinander auch Schmerz ist, ist wirkliche Veränderung ohne Vergebung nicht möglich. Doch das ist leicht gesagt und oft erst einmal überhaupt nicht möglich, wenn der Schmerz und die Enttäuschung zu groß sind. Und es ist auch bei weitem nicht gut, zu schnell zu vergeben.

Bei einer Verletzung, einem Verrat und einem Vertrauensbruch haben wir das Recht und die Pflicht, dem anderen böse zu sein und Ausgleich und Wiedergutmachung zu fordern. Nur dann hat die Beziehung eine Chance für einen Neuanfang, und beide Partner können an der Verletzung wachsen. Oder du kannst entscheiden, die Beziehung zu beenden und auseinander zu gehen, ohne im Groll und Vorwurf verhaftet zu bleiben.

Was brauchst du, um einem Menschen zu vergeben, der dich verletzt hat?

Falls du eine Verletzung ausheilen möchtest, dann schaue nach Möglichkeiten der Vergebung und Wiedergutmachung.

Vergebung hat zwei Vorstufen: Der wesentliche erste Schritt ist, die vielfältigen Gefühle des Schmerzes zuzulassen, die mit der Verletzung verbunden sind. Nicht wahrhaben wollen, Hilflosigkeit, Ohnmacht, Enttäuschung, Sehnsucht, Schmerz, Wut, Zorn, Hass und Traurigkeit brauchen Raum, um da sein zu dürfen.

Im zweiten Schritt brauchst du eine Möglichkeit der Wiedergutmachung. Frage dich: Was brauche ich, damit es wieder gut werden kann? Erst dann hat Vergebung eine Chance.

Die Gefühle des Schmerzes zulassen

All die Gefühle des Schmerzes zuzulassen ist oft kaum ohne Hilfe möglich. Unverständnis, Hilflosigkeit, Nicht-Wahrhaben-Wollen, Enttäuschung, Wut, schmerzhafte Liebe, die nicht an ihr Ziel kommt, Traurigkeit, Sehnsucht – die Gefühle wechseln sich in schneller Folge ab. Und wenn du gerade denkst: Nun habe ich es geschafft, jetzt habe ich eine Lösung gefunden, dann geht es wieder von vorn los. Diese Gefühle brauchen Zeit. Und die Chance, überhaupt da sein zu dürfen.

Manchmal helfen Freunde, körperliche Aktivitäten, eine Auszeit oder ein Rückzug für einige Zeit.

Nur allein der Zeit zu vertrauen hilft oft nur begrenzt. Denn wenn die schmerzhaften Gefühle nicht verarbeitet werden und keinen Raum haben, sich in sicherem Rahmen vollziehen zu dürfen, dann besteht die Gefahr, dass sie sich in einen stummen Groll verwandeln, der keine neue vertrauensvolle Beziehung mehr zulassen kann.

Wenn du es geschafft hast, dass deine schmerzhaften Gefühle da sein durften und sich bis zu einem Ende vollziehen konnten und du gern möchtest, dass eure Beziehung wieder gut weitergehen kann, dann braucht es eine angemessene Wiedergutmachung.

Was ist eine angemessene Wiedergutmachung für dich?

Was eine angemessene Wiedergutmachung sein kann entscheidet derjenige, der verletzt wurde. Wenn du selbst verletzt wurdest, dann überlege gut, was für dich eine gemäße Wiedergutmachung sein kann. Was kann der Andere tun, damit es gut weitergehen kann zwischen euch?

Dein Mann (oder deine Frau) hatte einen Seitensprung. Was brauchst du, damit es gut weitergehen kann zwischen euch? Vielleicht ein Versprechen, dass es nicht wieder vorkommt? Oder den lang ersehnten Urlaub zu zweit? Oder einen Ring? Oder den Angelurlaub mit Freunden? Nur du kannst es festlegen! Doch es muss so sein, dass die Wiedergutmachung möglich ist für ihn oder sie. Sie muss „angemessen“ sein, muss den Anderen „etwas kosten“, aber nicht zu viel und darf nicht unerfüllbar sein.

Ist dir selbst ein wesentlicher Fehler unterlaufen, dann benenne zuallererst den Fehler, der dir passiert ist. Und dann biete du die Möglichkeit einer Wiedergutmachung an. Aber frage du, was du tun kannst! Nicht du kannst festlegen, was für den anderen eine angemessene Wiedergutmachung ist, nur er/sie selbst kann das fühlen. Wenn du also fragst: „Was kann ich tun, damit es gut weitergehen kann?“ wirst du eine Antwort bekommen.

Wenn dir die Wiedergutmachung verweigert wird, dann hast du keine Chance für ein gutes weiteres Miteinander. Du warst und bist und bleibst dazu bereit, doch wenn der Andere keine Möglichkeit gibt, dann hat ein gutes vertrauensvolles Miteinander für die Zukunft keine Chance. Denn dann bleibst du immer „in der Schuld“. Dann trenne dich in Frieden. Verabschiede dich und lass den Anderen in Frieden ziehen.

Falls du ein schlechtes Gewissen hast und es dir keine Ruhe gibt, deinen Fehler nicht wieder gut machen zu können, dann kannst du schauen, ob du vielleicht an einer anderen Stelle Gutes tun kannst. Wir sind alle miteinander verbunden. Verzichte auf Schuldzuweisungen dir selbst gegenüber. Dann kannst du dir selbst und anderen einen Neuanfang gewähren.

Wirkliche Vergebung im Herzen ist ein Verzicht

Keine wirkliche Vergebung ist, wenn wir im Inneren sagen: „Ich vergebe dir, komme aber bei passender Gelegenheit darauf zurück.“ Oder: „Ich vergebe dir, sage nichts mehr, vergesse aber nicht und bin auf der Hut.“ Diese Art der Vergebung ermöglich keinen Neuanfang.

Wirkliche Vergebung ist ein Verzicht. Es ist der Verzicht auf eine Schuldzuweisung. Das ist eine bewusste Entscheidung, in dieser Situation auf einen Schuldvorwurf zu verzichten. Eine Entscheidung für ein wissentliches Vergessen. Dann sagst du im Inneren: „Ich vergebe dir und entscheide mich zu vergessen und uns einen Neuanfang zu gewähren und komme nie mehr darauf zurück.“

Oder gar: „Ich vergebe dir und danke dir, dass ich das durch dich erleben durfte und lernen konnte.“ Letzteres ist aber schon eine große Herausforderung und oft erst in weiseren Jahren möglich.

Eine Trennung: Lass den Anderen in Respekt gehen

Manchmal ist eine Trennung unausweichlich. Was uns zusammenführt und was uns trennt ist vom Wesen her wohl ein Geheimnis. Eine Trennung braucht einen guten Abschied und vor allem Dankbarkeit für das Gute, das wir durch das Miteinander bekommen haben. Dankbarkeit ist die schönste Form der Erinnerung. Wo Dankbarkeit ist, hat kein belastendes Gefühl mehr Platz.

Vertraue in deine Kompetenz und deine Fähigkeit zu heilen und dich neu auszurichten. Achte dich selbst und den anderen und lasse ihn, wenn du kein weiteres Miteinander möchtest, in Respekt vor seinem eigenen Weg und seinem eigenen Schicksal ziehen.

Wenn dir ein Verrat schon mehrere Male passiert ist

Falls es dir schon bei mehreren Menschen passiert ist, dass dich deine Partnerin oder dein Partner betrogen und tief verletzt hat, dann liegen dem verborgene Dynamiken zugrunde. Was wirkt da auf dich? Warum ziehst du solche Menschen und Ereignisse an? Wiederholt sich da etwas, was in deiner Herkunftsfamilie damals geschehen ist, vielleicht verschwiegen wurde und nicht ausgeheilt wurde? Gibt es da vielleicht eine unbekannte Schuld? Oder verdrängte Schuldgefühle? Oder nicht ausgeheilte Schuldzuweisungen?

Gerade auch, wenn du in der Partnerschaft einen Vertrauensbruch erlebt hast, ist eine Aufstellung ein wunderbarer Schritt, um die dahinterliegenden inneren Bewegungen zu erkennen, zu lösen und zu heilen. Denn oft wirkt hier mehr als der gute oder schlechte Wille von euch beiden. Meist wirken hier ganz andere Dynamiken, die sich deinem und eurem Willen und Wollen als Paar entziehen.

Eine Familienaufstellung ist hier ein sehr erhellender und heilsamer Schritt. Hier findest du die Termine für die Aufstellungsseminare und kannst dich hier auch für ein Seminar anmelden.

Und zweimal im Jahr leite ich ein Seminar zum Thema Vertrauen am Benediktushof in Holzkirchen. Der Benediktushof ist ein ganz besonderer Ort der Stille. Im Seminar arbeiten wir mit Familien- und Traumaaufstellungen, Körperarbeit, Gespräch und Meditation. Das Sitzen in der Stille unterstützt uns, uns zu zentrieren und aus unserer inneren Mitte heraus zu handeln. Hier findest du die Termine und kannst dich hier auch anmelden.

Eine wahre Geschichte: Thea kann nicht aufhören zu weinen

Thea erzählt im Aufstellungsseminar, dass sie kaum aufhören kann zu weinen. Sie muss überall weinen, sogar auf dem Bahnhof laufen ihr die Tränen, sie kann sie einfach nicht kontrollieren. Immer wieder kommen Wellen des Schmerzes. Dabei versucht sie schon seit Wochen, mit ihrem Schmerz fertig zu werden.

Thea hat vor 8 Wochen entdeckt, dass der Mann, mit dem sie drei Jahre zusammengelebt hat und mit dem sie alt werden wollte, eine andere Frau hat, von der sie nichts wusste. Nachdem die Gefühle der Fassungslosigkeit und Wut in ihr abgeebbt waren, kam dann diese unendliche grenzenlose Traurigkeit, die sich für Thea anfühlte, als wenn ihr Leben nun nicht mehr weitergehen konnte.

Thea selbst sagt, dass sie diese Gefühle als nicht angemessen empfindet, da ihr Kopf schon weiß, dass sie auch ohne diesen Mann gut weiterleben kann. Aber es fühlt sich für Thea ganz und gar nicht so an, was ihre Tränen zeigen, die ihr unablässig über das Gesicht laufen.

Ich frage nach vorigen wichtigen Partnerschaften. Zwei Männer gab es in Theas Leben, mit denen sie jeweils mehr als 10 Jahre zusammen war. In der Anamnese der Familiengeschichte erzählt Thea, dass ihr Vater 8 Jahre verlobt war und sich von der Verlobten unerwartet getrennt hat, da er die Mutter von Thea kennengelernt habe, die er danach geheiratet habe. Die Verlobte sei bis an ihr Lebensende allein geblieben.

Im ersten Schritt stelle ich Thea, die beiden vorigen Männer von Thea und den jetzigen Partner. Meine Annahme war, dass eventuell eine vorige Trennung nicht zu einem guten Ende gekommen ist und die jetzige Trennung Thea nicht nur den gegenwärtigen, sondern auch den vorigen Trennungsschmerz in seiner ganzen Tiefe nochmals spüren lässt.

Alle Stellvertreter können sich frei im Raum bewegen. Thea schaut nacheinander auf jeden der drei Männer, ihre Tränen werden weniger. Auf ihren letzten Mann schaut sie zwar leise weinend, aber dann schaut sie wie gebannt auf eine freie Stelle im Raum. Ich stelle eine Frau für die Verlobte des Vaters an diese Stelle und wähle einen Mann als Vertreter für Theas Vater und eine Frau als Vertreterin für Theas Mutter aus.

Jetzt geschieht eine wesentliche Veränderung. Die Verlobte des Vaters fängt tief schluchzend an zu weinen. Ihr Weinen schüttelt sie förmlich. Als es abebbt, schaut sie tränenüberströmt auf den Vater. Beide gehen langsam aufeinander zu. Sie umarmen sich und halten sich lange. Dann lösen sie sich, der Vater wendet sich langsam ab und schaut auf die Mutter.

Thea hat gebannt zugeschaut, ihre Tränen sind versiegt. Als sich der Vater und die Mutter in den Arm nehmen, kann Thea langsam zu beiden gehen. Dann lässt auch Thea sich von den Eltern in den Arm nehmen. Lange stehen die drei so da. Die Verlobte geht mit ruhigem Gesichtsausdruck zurück, wendet sich dann ab und schaut aus dem Fenster. Im Raum breitet sich Frieden aus.

Hier beende ich die Aufstellung. Die heftigen schmerzhaften Gefühle von Thea waren nur teilweise ihre eigenen Gefühle. Sie hatte die Gefühle dieser Verlobten übernommen. Ich erkläre, dass es sogenannte übernommene Gefühle gibt, die nicht wirklich zu uns gehören, die zu jemandem Anderen in der Familie gehören. Die wir aber, wenn wir in einer ähnlichen Situation sind, in der vollen Intensität fühlen, als wären sie unser eigener Schmerz.

Thea schreibt mir später, dass ihr Herzschmerz nicht wiedergekommen sei, dass sie nach der Aufstellung kein einziges Mal mehr diese unstillbaren Tränen weinen musste. Sie konnte die Verantwortung für das Verschweigen der neuen Beziehung bei dem Mann belassen und den Teil ihrer eigenen Verantwortung erkennen, der zur Trennung geführt hatte. Und nun ruhig auf die vergangenen Erfahrungen schauen.

Und noch etwas Wesentliches sei geschehen. Ihr Verhältnis zu ihren Eltern habe sich noch einmal verändert. Jetzt könne Thea ganz neu und liebevoll auf die Eltern schauen. Sie erinnere jetzt Situationen, an die sie schon lange nicht mehr gedacht habe. Und sie habe das Gefühl, mit den Eltern nun ganz in liebevollem Frieden zu sei.

Die Geschichte von Thea ist eine von vielen, vielen Aufstellungsgeschichten, die ich erlebt habe. Sie zeigt, dass sich hinter tiefen Gefühlen oft unbewusste seelische Dynamiken verbergen, die sich unserem Denken entziehen. Dass unsere Schmerzen nicht immer nur unsere eigenen sind. Wenn die Dynamiken sichtbar werden, können sie sich zu einem guten Ende vollziehen und aufhören zu wirken. Damit es gut weitergehen kann.

Schuld und Schuldgefühle sind nicht das Gleiche

Wenn wir betrogen werden oder verraten, dann sind wir ganz schnell dabei, den anderen für schuldig zu erklären, da er uns Schmerz zugefügt hat. Oder uns selbst. Doch weder eine Schuldzuweisung noch ein Schuldgefühl sind immer identisch mit einer begangenen Schuld.

Manchmal ist es eindeutig, wer wem etwas zuleide getan hat. Doch manchmal tragen auch beide Partner einen Teil der Verantwortung, dass es zu dieser Situation gekommen ist.

Manche Menschen empfinden kein Schuldgefühl, obwohl sie jemanden verletzt haben. Und umgekehrt gibt es immer wieder Menschen, die Schuldgefühle fühlen, von denen sie nicht wissen, woher sie kommen. Es ist unser Gewissen, das uns dieses Schuldgefühl fühlen lässt. Wenn wir uns unschuldig fühlen haben wir ein gutes Gewissen, wenn wir uns schuldig fühlen haben wir ein schlechtes Gewissen.

Unser persönliches Gewissen reguliert unser menschliches Miteinander. Wenn wir es nicht hätten, könnten wir nicht in einer Gruppe zusammenleben. Dann würde immer der Stärkere dem Schwächeren etwas wegnehmen, ihn bekämpfen oder ihn gar töten. Ein friedliches Miteinander wäre dann nicht möglich. Wir Menschen, die wir Gruppenwesen sind, brauchen das Gewissen für das Miteinanderleben in der Gruppe.

Nun werden viele schlimme Taten mit gutem Gewissen getan, wie wir in den Kriegen sehen können. Und vieles Gute tun wir mit schlechtem Gewissen. Ist es zum Beispiel unseren Eltern sehr schlecht ergangen, dann haben wir ein schlechtes Gewissen, wenn wir es uns einfach gut gehen lassen. Wir brauchen die innere Erlaubnis dafür, das Leben genießen zu können.

Deshalb schau genau

Deshalb schau genau: Bist du wirklich schuldig geworden? Hast du etwas falsch gemacht, den anderen wissentlich oder unwissentlich verletzt? Dann macht es dich groß, wenn du für diese Verletzung die Verantwortung übernimmst. Sage: „Es tut mir leid“ und schau, was du tun kannst zur Wiedergutmachung.

Doch lass dir keine Schuldgefühle einreden. Schau, ob du wirklich die Verantwortung trägst und wenn ja, für welchen Teil. Und schau, ob du vielleicht eine Schuld fühlst für etwas, wofür du keine Verantwortung tragen kannst. Wo die Verantwortung beim Anderen oder den Anderen liegt.

Hat dich jemand verletzt, dann rede die Situation nicht schön. Oder entschuldige das Verhalten nicht mit logischen Erklärungen: „Sie konnte ja nicht anders, bei ihrer Familiengeschichte.“ Oder: “Er ist ebenso, das hat er schon immer so gemacht, er hat auch sein Päckchen zu tragen…“ Mute ihm zu, dass er die Verantwortung trägt für das, was er getan hat!

Manche Ereignisse sind schicksalhaft. Sie wurden von größeren Kräften gelenkt. Wir können uns ihnen nicht entziehen. Dann können wir nur unseren Weg weitergehen, auch wenn wir zuerst nicht wissen, wohin er führen wird.

Wenn du mehr zum Thema Schicksal lesen möchtest, dann lies im Artikel „Vertrauen in das Leben“ den Abschnitt “Unberechenbares Schicksal” und die Aufstellung zum Schicksal. Nicht alles liegt immer in unserer Hand.

Falls dich Schuldgefühle oder Schuldzuweisungen über längere Zeit bedrücken oder du mit einem Menschen nicht in Frieden kommen kannst, dann ist eine Familienaufstellung ein sehr heilsamer Schritt. Hier findest du die Termine für die Aufstellungsseminare und kannst dich hier auch für ein Seminar anmelden.

Vertrauen in andere Menschen ist immer ein Vorschussvertrauen

Vertrauen in andere Menschen ist immer ein Vorschussvertrauen. Eine innere Entscheidung. Mal treffen wir sie bewusst, meist jedoch unbewusst. Sie beinhaltet immer ein Risiko. Ein Vorschussvertrauen heißt, unser Herz und unseren „inneren Garten“ denen zu öffnen, von denen wir glauben, dass sie unsere inneren Blumen nicht zertrampeln und unseren Garten achten.

Es heißt aber auch, den „inneren Garten“ des Anderen zu achten und fürsorglich mit seinen inneren Blumen zu sein. Dann kann ein selbstbestimmtes Miteinander entstehen, das von gegenseitigem Verständnis und Mitgefühl getragen ist.

Auch wenn du verletzt worden bist, auch wenn du schmerzhafte Erfahrungen machen musstet: Gib immer wieder einem anderen Menschen ein Vorschussvertrauen. Es ist eine Hinwendung, ein inneres Öffnen, ein inneres „Ja“ zu deiner Fähigkeit zu heilen und mit einem anderen Menschen in vertrauensvolle Beziehung zu gehen. Denn es ist ein tiefes Bedürfnis unserer Seele: Sie möchte vertrauen können und lieben dürfen.

Vertrauen in dich selbst

Wenn du dir selbst vertrauen kannst ist das eine wunderbare Grundlage, trotz erlebter Verletzungen noch einmal neu auf den Anderen zu schauen. Denn dann kennst du deine Gefühle und Reaktionsmuster, kennst deine Handlungsmöglichkeiten und hast ein gutes Gefühl, wo Vorsicht wichtig ist und wo du vertrauen kannst. Du hast ein sicheres Selbstbild und ein gutes Selbstwertgefühl.

Wenn du dir mehr Selbstvertrauen wünschst, dann klicke hier, ich sende dir dann sofort kostenlos die kurze Übersicht „Kraftquellen für mehr Selbstvertrauen“ zu.

Wir brauchen andere Menschen, um zugewandt leben zu können. Meide ganz klar Menschen, die dich und andere abwerten und nicht achten. Umgib dich mit wohlwollenden Menschen, die dich wertschätzen.

Ich wünsche dir immer wieder wunderbare Momente des Vertrauens. In das Leben, in andere Menschen, in dich selbst und ganz besonders in deine Fähigkeit zu heilen. Um innerlich frei deinen dir ganz eigenen Weg zu gehen.

Alles Liebe für dich.
Renate

 

 


Impressum:
Text: Dr. Renate Wirth
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