Aufstellungen

Aufstellungen

Schwere Schicksale, wie der Verlust der Heimat, eines Partners, Kindes oder Geschwisters durch Krankheit, Unfall, Suizid, Mord oder Krieg, Adoptionen, Abtreibungen, Früh- und Fehlgeburten, schwere Behinderungen, Trennungen, schwere Schuld, Missbrauch und Gewalt können sich auf die anderen Familienmitglieder auswirken.
Sie können zu familiären, beruflichen oder gesundheitlichen Problemen führen bis hin zum Wunsch, selbst nicht mehr leben zu wollen. Und das auch, wenn wir diese Menschen nicht kennen und wenn sie vielleicht schon längere Zeit nicht mehr am Leben sind.
Diese Auswirkungen entstehen aus unbewusster Bindung und Liebe. Es sind Seelenbewegungen. Wir können diese Seelenbewegungen nicht sehen, wir können sie nur an ihren Wirkungen erkennen. Diese Seelenbewegungen zu erkennen und ihnen zu ermöglichen, dass sie sich zu einem guten heilsamen Ende vollziehen können ist das Geschenk der Aufstellungsarbeit.

Das „Systeme Stellen“ oder die Systemaufstellung ist ein Begriff, der verschiedene Aufstellungswege und Aufstellungsansätze zusammenfasst. Es geht um das Aufstellen und Sichtbarmachen von Beziehungen, die in Systemen wirken.

Dabei kann ein System eine Familie sein (Familienaufstellung) oder eine Organisation (Organisationsaufstellung), ein Mensch (Aufstellung innerer Persönlichkeitsanteile), eine Erkrankung (Symptomaufstellungen, Medikamentenaufstellung) oder eine Frage (Tetralemma-Aufstellungen). Es gibt Themenaufstellungen zu Geld, Orten und Glaubensfragen sowie Naturaufstellungen und vieles mehr.

Wie der Name Aufstellung schon sagt, man stellt jemanden hin. Die Methode basiert auf der uns Menschen eingeborenen Fähigkeit, unsere Gefühle räumlich wahrzunehmen. Das heißt, wenn man jemanden mag, dann geht man nah zu ihm hin, umarmt ihn vielleicht sogar. Im Volksmund sagen wir: „Der/die steht mir nahe.“ Wenn man aber jemanden nicht mag, sagen wir, der soll weggehen, bleiben wo der Pfeffer wächst oder wir gehen selbst weg.

Und wenn wir vor jemandem Angst haben, dann weichen wir zurück. Das macht nicht unser Kopf, der da sagt: „Geh mal 5 Schritte zurück“, das macht unser Körper, es geschieht einfach. Und wenn wir mit jemandem nichts zu tun haben wollen, dann schauen wir weg, oder wir verkreuzen die Arme vor der Brust und drehen uns weg.

All diese Bewegungen sind uns nicht bewusst. Sie geschehen einfach spontan. Und das nutzt die Aufstellungsarbeit, um tiefe innere Bewegungen ans Licht zu bringen. Die uns oft nicht bewusst sind, die aber dennoch wirken.

Das ist die große Chance der Aufstellungsarbeit. Es kommt etwas ans Licht, was tief in unserem Inneren verborgen ist und was uns oft nicht bewusst ist. Und erst wenn es sichtbar ist wird es möglich, heilsame Schritte zu gehen. Die bisher unserem Verstand verschlossen waren.

Beim Familienstellen werden Mitglieder der Familie aufgestellt. Es ist oft nicht die ganze Familie, sondern es werden die Familienmitglieder ausgewählt und aufgestellt, die eine Lösung des Problems im Einklang mit den anderen Mitgliedern der Familie ermöglichen. Man kann seine Herkunftsfamilie und/oder seine Gegenwartsfamilie aufstellen.

Alle Teilnehmer sitzen auf Stühlen im Kreis. Der Stuhl neben mir ist für diejenige oder denjenigen frei, der als nächstes aufstellen wird. Im Raum ist Stille. Dann bitte ich eine Person neben mich. Ich frage sie nach besonderen Ereignissen in der Familie und nach ihrem Anliegen. Dann bitte ich sie, sich für bestimmte Familienmitglieder Stellvertreter aus der Gruppe auszuwählen und diese im Raum aufzustellen. Die Teilnehmerin bzw. der Teilnehmer sucht sich dann z.B. eine Person für den Vater, eine für die Mutter, Personen stellvertretend für die Geschwister und eine Person für sich selbst und stellt diese im Raum auf.

Der Klient bleibt gesammelt. Er fasst die Personen an den Schultern und führt sie an einen Platz im Raum. Dabei geht er ganz nach seinem Gefühl, möglichst ohne viel zu denken. Er stellt sie einfach hin. Das ist schon alles.

Die Stellvertreter nehmen wahr, was sie fühlen. Ein Bild der Beziehungen entsteht. Es ist zumeist deutlich zu sehen und zu fühlen und berührt tief. Es gilt, zu sehen und anzuerkennen, was ist. Auch wenn es schmerzhaft ist. Erst durch dieses Sichtbarwerden ist über mehrere Zwischenschritte eine Lösung möglich.
Während in der Anamnese natürlich gesprochen wird, wenn es um das Anliegen und die Familiengeschichte geht, arbeite ich in den Aufstellungen vorwiegend im Schweigen, damit sich tiefe Seelenbewegungen vollziehen können. Denn die Seele hat keine Worte, sie hat innere Bilder.

Eine Aufstellung ohne ein Anliegen geht nicht! Es kann jedoch sein, dass Sie das Anliegen nicht genau erfassen und formulieren können, dass es sich im Laufe des Seminares ändert oder dass mehrere Anliegen sich überlagern. Das ist nicht selten so, es ist kein Problem und liegt in der Sache selbst begründet. Verstrickungen oder Identifizierungen mit Familienmitgliedern ermöglichen manchmal keine eigene Klarheit. Der vorbereitende Fragebogen und das Anamnesegespräch unterstützen Sie, Ihr Anliegen dann zur Aufstellung zu benennen.

Adoption, Abtreibungen, Angst, Beruf, Belastungen, Depressive Stimmungen, Eltern, Entscheidungen, Erfolg, Fehlgeburt, Geschwister, Kinder, Kinderwunsch, Krankheit, Krebs, Liebe, Missbrauch, Orientierung, Paarprobleme, Patchworkfamilien, Platz finden, Scheidung, Schuldgefühle, Sehnsucht, Sucht, Suizid, Todessehnsucht, Trauer, Trennung, Unfall, Verluste können Anliegen sein.
Es gibt so verschiedene Anliegen wie es Menschen gibt. Einengende Gefühle können sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext zu Kraftverlust oder gar zu Krankheit führen und uns an eine Grenze bringen, die wir bisher nicht überschreiten konnten.

Wenn du dich für ein Seminar anmeldest, erhältst du einen vorbereitenden Fragebogen zugesandt. Er ist nur für dich selbst gedacht, als Orientierung im vorbereitenden Gespräch, nicht zum Abgeben im Seminar und enthält in etwa folgende Fragen:

Gab es bei Ihnen, Ihren Eltern oder Großeltern Kinder, die tot geboren wurden, früh starben oder früh weggegeben wurden? Gab es Fehlgeburten, Totgeburten oder Abtreibungen? Hat jemand in der Familie einen Elternteil in der Kindheit oder Jugend verloren? Hatte einer der Eltern oder Großeltern vor oder während der Ehe wichtige andere Partner und sind Kinder aus diesen Beziehungen hervorgegangen? Gab es in Ihrer Herkunftsfamilie besondere und schwere Schicksale, wie Behinderung, Adoption, schwere Krankheiten, psychische Erkrankungen, Gewalt, Tod durch Unfall, Mord, Suizid oder ähnliches? Gab es Kriegsereignisse wie Gefangenschaft, Flucht, Verfolgung, Vertreibung?

Es ist hilfreich, wenn du wichtige schicksalhafte Ereignisse deiner Familie und der dazugehörigen Personen erfahren kannst. Die Ereignisse, die in unseren Familien auf uns einwirken können, sind sehr vielfältig. Besonders schwere Schicksale sind in den Familien oft mit einem Tabu belegt, um den damit verbundenen Schmerz, die Schuldgefühle und die Scham nicht zu erinnern. Doch gerade diese Ereignisse, die oft nicht geachtet wurden, wirken im System weiter.

Die Eltern, Großeltern und Verwandten zu den Schicksalen in der Familie zu befragen, ist oft schon eine große Bereicherung. So kann manchmal bereits im Vorfeld ein lange gehütetes Tabu aufgehoben werden. Oder ein vertrautes Gespräch ermöglicht ein neues Gefühl von Nähe. Je mehr du erfährst, desto klarer und hilfreicher kann die Aufstellung für dich werden.

Solltest du keine Möglichkeit haben, deine Familiengeschichte zu erfragen, ist eine Aufstellung trotzdem möglich. Die Bewegungen vollziehen sich, und was wichtig ist, wird sich zeigen, wenn wir darauf vertrauen können.

Du musst nicht. Aber du kannst. Es genügt, wenn du zunächst für dich selbst aufstellt und so deinen Lösungsweg in deiner Seele trägst. Erfahrungsgemäß hat das im Laufe der Zeit auch Auswirkungen auf die anderen Familienmitglieder, ohne dass diese dabei waren. Da gibt es immer wieder erstaunliche Erfahrungen. Plötzlich meldet sich eine Schwester wieder, die zehn Jahre keinen Kontakt gesucht hat. Und das, obwohl sie nichts von der Aufstellung wusste. Oder ein Vater sucht sein Kind, das er bisher nicht kannte.

Die Wirkung der Aufstellung vollzieht sich über den Rahmen der aufstellenden Personen hinaus. Denn wenn sich ein Element eines Systems verändert, hat das auch immer eine Wirkung auf das ganze System. Hast du jedoch die Möglichkeit, eine vertraute Bezugsperson mitzubringen, ist dies möglich und kann sehr hilfreich sein.

Es ist möglich, aber nicht notwendig, sich vor der Aufstellung mit den theoretischen Grundlagen zu beschäftigen. Die Aufstellung wirkt durch sich selbst. Die Teilnehmenden brauchen keine Vorkenntnisse. Als ich das erste Mal eine Aufstellung erlebte, hatte ich noch nie vorher vom Familienstellen gehört. Und doch vollzog sich eine Wirkung, die noch Jahre danach Gutes tut.
Später habe ich dann einige Bücher gelesen. Diese Bücher ermöglichten mir neue Sichtweisen. Wirklich wichtig ist aber ein Sich-Einlassen in das, was sich in der Aufstellung zeigt. Es ist ein Vollzug im Herzen, den man vorher nicht durchdenken kann. Doch wer sich gern im Vorfeld informieren möchte, es gibt inzwischen eine Vielzahl an Büchern zum Thema Familienstellen.

Die Anliegen der Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer sind sehr verschieden. Grundsätzlich kann jedes Anliegen, das nicht selbst gelöst werden kann, aufgestellt werden.
Auf den ersten Blick sieht das sehr willkürlich aus, als wäre mit Familienaufstellungen alles lösbar. Es liegt diesen so verschiedenen Anliegen jedoch eine gleiche Dynamik zugrunde: Verstrickungen in die Bindungen unserer Familie verhindern, das Glück und den eigenen guten Platz im Leben voll zu nehmen.
Ich habe mehr als 5000 Aufstellungen miterlebt, doch keine Aufstellung war wie die andere. Jede Familie, jedes Schicksal und jede Lösung sind einmalig.

Im Laufe der Jahre hat das Familienstellen in seiner Methodik eine deutliche Wandlung erfahren. Das Familienstellen in seiner ursprünglichen Form arbeitet überwiegend mit Sätzen, die eine heilende und lösende Wirkung zeigen. In den Aufstellungen zeigte sich später immer klarer, dass sich im Familiensystem Seelenbewegungen vollziehen, die an den Bewegungen der Teilnehmer sichtbar werden.
Ich arbeite überwiegend mit Aufstellungen in der Stille. Wenn sowohl der Aufstellende, als auch der Klient und die Gruppe gesammelt sind, entsteht so ein Seelenbild der Familie und ihrer Bewegungen. Es wird ein für die Seele wirksames neues heilendes „Lösungsbild“ anstelle des alten Bildes gesetzt, das eine Lösung auf einer tiefen Ebene möglich werden lässt.

Besonders danke ich hier auch meinem Lehrer Harald Homberger, der mir tiefe heilsame Erfahrungen ermöglicht hat und mich gelehrt hat, die Tiefe von Aufstellungen im Schweigen zu erfahren und weitergeben zu können.