Was sagt dein Herz, wenn du auf deinen Vater schaust? Die Vater-Gefühle erlösen

Was sagt dein Herz, wenn du auf deinen Vater schaust? Die Vater-Gefühle erlösen

Was sagt dein Herz, wenn du auf deinen Vater schaust? Die Vater-Gefühle erlösen

Liebe, Sehnsucht, Wut, Angst, Herzschmerz, Abwertung, Hass – die Gefühle sind vielfältig, die mit dem Vater verbunden sind. Manchmal kommt der Klient nicht mit einem Vater-Thema, sondern mit einem ganz anderen Anliegen. Er möchte Erfolg haben, einen Beruf, der ihn erfüllt oder eine gute Paarbeziehung. Oder er wünscht sich, dass er plötzliche Wut oder immer wiederkehrende Angst loswerden kann.

Wenn ich dann nach dem Vater frage, offenbaren sich meist sofort deutliche Gefühle der Abneigung, der Abwertung oder des Schmerzes. Dahinter kann ich die Ohnmacht spüren, die der Klient noch immer fühlt, wenn er an den Vater denkt. Seine Liebe zum Vater war bisher chancenlos.

Die Vaterthemen, mit denen die Teilnehmer zum Aufstellungsseminar kommen, sind vielfältig. Sehr oft sind es sehr schmerzhafte Erfahrungen. Teilnehmer erzählen von abwesenden Vätern: „Mein Vater war da und doch nicht da.“, von der Suche nach dem Vater: „Ich kenne meinen Vater nicht“ oder gar: „Ich weiß nicht, wer mein Vater ist“. Auch „Mein Vater war gewalttätig.“, „Mein Vater war alkoholkrank.“ oder „Mit meinem Vater will ich nichts zu tun haben.“ sind Anliegen, mit denen die Menschen zur Familienaufstellung kommen.

Die Wunde, die der Vater in der Kinderseele hinterlassen hat, ist oft tief. Gibt es eine Chance, sie nach vielen Jahren oder gar Jahrzehnten noch zu heilen? Aus eigener Erfahrung und den Erfahrungen vieler Aufstellungen kann ich dies aus tiefstem Herzen bejahen: Es ist möglich, in der Seele Frieden mit dem Vater zu schließen. Trotz allem, was war.

Der Wunsch nach einem starken und liebevollen Vater

Sowohl Mädchen als auch Jungen wünschen sich einen starken und liebevollen Vater. Auch du hast dir sicher immer einen Vater gewünscht, der dir zuhört, dich liebt und dich beschützt. Einen der dich ermutigt, der dich umarmt, der mit dir spielt. Einen Vater, den du achten kannst, zu dem du aufschauen kannst, der dir Vorbild ist. Einen Vater, vor dem du keine Angst haben musst. Der da ist, wenn du ihn brauchst. Der nicht streitet und freundlich ist. Einen guten, einen wunderbaren Vater eben.

Nachfolgend möchte ich aufzeigen, welche Themen dazu geführt haben, dass es in der Kindheit leider nicht so war. Dass eine Wunde im Herzen entstanden ist im Kontakt mit dem Vater. Was dem zugrunde liegt und wie es möglich wird, in einer Aufstellung heilsame Schritte zu gehen.

Vertauschte Rollen. Nicht wirklich Kind sein können

Kinder möchten Kinder sein. Doch oft waren die Eltern traumatischen Lebenssituationen ausgesetzt.
Auch wenn der Vater anwesend war, so war er doch oft nicht wirklich „anwesend“. Die Kinderseele spürt das Leid des Vaters und will helfen. Nicht er war der Gebende, sondern das Kind. So werden die Rollen unbewusst vertauscht. Das Kind kümmert sich um den Vater und will ihn entlasten.

Auch Verstrickungen mit vorigen Partnern der Eltern führen zu vertauschten Rollen. Der Sohn ersetzt der Mutter eine vorige verlorene Liebe, die Tochter dem Vater. Es fühlt sich oft gut an, schließt aber immer einen der Eltern aus. Das ist tragisch.

Wenn der Vater als Partner im Herzen nicht wirklich für die Mutter zur Verfügung steht, kann der Sohn diesen Platz unbewusst einnehmen. Er stellt sich dann im Inneren über den Vater, wertet ihn ab und lehnt ihn ab. Auch das ist tragisch.

Es gibt sehr verschiedenen Formen von vertauschten Rollen in der Eltern-Kind-Beziehung. Doch alle vertauschten Rollen belasten das eigene Leben. Was ist hier die Lösung?

Wenn die verborgene Dynamik in der Aufstellung sichtbar wird und die „gute Ordnung“ in der Familie möglich wird, kann jeder seinen eigentlichen Platz einnehmen. Erst jetzt hat die Seele eine Chance, als Sohn oder Tochter auf den Vater zu schauen und dem Vater zu begegnen.

Wenn du verbunden und verstrickt bist in die Schicksale der Familienmitglieder

Wenn es schweres Schicksal gab in der Familie kommt es nicht selten vor, dass wir mit dem Großvater oder der Großmutter oder einem anderen Familienmitglied verbunden sind. Dann fühlen wir wie diese und sind in ihr Leben „verstrickt“. So kann es sein, dass wir die Abneigung und Abwertung und den Männerhass der Großmutter fühlen und mit tragen. Oder die Kriegstraumata des Großvaters. Oder das Leid des Onkels, der durch Suizid gegangen ist.

Diese Verbindungen und Verstrickungen sind so stark, dass wir in unserem Inneren ganz darauf ausgerichtet sind. Dann wird es schwer oder unmöglich, in der Seele auf den Vater zu schauen, so wie er ist. Und den Vater in seinem Wesen zu erkennen.

In der Aufstellung kommen diese verborgenen Verstrickungen und Seelenbewegungen ans Licht. Sich in Liebe zu lösen und dem Vergangenen zuzustimmen, so wie es war schenkt die Chance, ganz neu und oft zum ersten Mal im Inneren auf den Vater zu schauen. Wenn sich der Blick begegnet, kann etwas Neues beginnen. Es öffnet sich ein Tor der Heilung.

Der zermürbende Streit der Eltern

Kinder brauchen Sicherheit. Wenn die Eltern sich anhaltend streiten, fühlt sich das Kind existentiell bedroht. Es stellt sich dann auf die Seite des Schwächeren, um die Familie so zu stabilisieren und zahlt einen hohen Preis dafür. Oft ist die Mutter die Schwächere. So wird der männliche Anteil im Kind abgelehnt. Auf keinen Fall will die Tochter oder der Sohn so werden wie der streitende und vielleicht sogar gewalttätige Vater. Das hat einen sehr hohen Preis.

Eine Aufstellung ermöglicht, beide Eltern als eigene Personen zu sehen, sodass wir in Frieden auf Mutter und Vater schauen können und die körperliche Erfahrung machen können, dass wir auch mit dem Vater in Frieden kommen können.

Ich war nie gut genug für meinen Vater. Leistungsväter und der innere Druck

„Ich war nie gut genug für meinen Vater.“ Oder „ Er hat nur etwas gesagt, wenn ich einen Fehler gemacht habe.“ So oder ähnlich zeigt sich der Schmerz, in seiner Leistung vom Vater nicht anerkannt zu werden. Besonders Söhne, aber auch Töchter, leiden darunter.

Wenn wir die Situation aufstellen, so wird der Vater selbst oft von seinem Vater nicht gesehen. Sein Vater ist von einer größeren Seelenbewegung erfasst, ist oft selbst traumatisiert, schaut auf die Erde und kann seinen Sohn nicht sehen.

Wenn es in der Aufstellung gelingt, dass der Vater das Kind wirklich sehen kann, ihm in die Augen schauen kann, dann geschieht es nicht selten, dass sich Vater und Sohn oder Vater und Tochter ganz neu begegnen können. Nicht nur in der Aufstellung, sondern auch im realen Leben danach.

Als Schattenkind mit einem alkoholkranken Vater

Auch sogenannte „Schattenkinder“ wurden nicht gesehen. Es sind Kinder, die im Schatten von Familienmitgliedern aufwachsen. Diese Familienmitglieder können behinderte oder besonders intensive, lebhafte oder hochintelligente Geschwister sein, die die volle Aufmerksamkeit der Eltern brauchen. Oder aber ein Elternteil ist chronisch krank, behindert oder suchtabhängig.

Wenn der Vater alkoholabhängig ist, können die Kinder nicht in der Sonne ihrer Kindheit aufwachsen, sie leben im Schatten des problematischen Vaters. Dazu kommen Angst, Wut und Ablehnung. Das tut weh.

In der Aufstellung können wir schauen: Wo ist der gute Platz? Wo ist das Kind sicher? Wie kann das Kind in seiner Rolle als Kind gesehen werden? Wie kann seine Leistung gewürdigt werden, die es für die anderen aus Liebe vollbringt? Damit das „Schattendasein“ ein Ende hat.

Mein Vater war da und doch nicht da. Wie Trauma wirkt

Die Schatten des Krieges sind lang. Wenn der Vater als Kind den Krieg erlebt hat, Flucht oder Vertreibung miterlebt hat, Hunger, Angst und Zerstörung, dann hat er viel Schreckliches gesehen und erfahren. Wenn sein Vater im Krieg gefallen ist, wenn er die Mutter verloren hat oder er zusehen musste, wie sie vergewaltigt wurde, dann hinterlässt es in der Kinderseele ein Trauma.

Wenn ein Vater selbst im Krieg war, als Soldat oder als Offizier, hat er unfassbar Schreckliches erlebt. Meist können die Väter nicht darüber sprechen, es war zu furchtbar, es gibt keine Worte dafür. Die Väter, die den Krieg überlebt haben, waren vom Trauma geprägt.

Trauma hat sehr verschiedene Folgesymptome. Eines davon ist eine innere Abwesenheit. Dann hören wir Sätze wie: Mein Vater hat sich nicht um mich gekümmert.“ Oder „Mein Vater hat mich nicht gesehen.“ Oder gar: „Ich hatte einen schwachen Vater.“ All das sind Wunden in der Kinderseele. Doch sie können heilen.

Ich hatte einen schwachen Vater

Wenn es ein Sohn sagt, dann sagt er das zumeist in einer sehr abwertenden Haltung. Denn so hat er es empfunden. Es fehlte die Stärke des Vaters als Vorbild.

Die Wahrnehmung des Sohnes ist natürlich wahr. Der Vater war nicht in seiner Kraft. Er war krank, traumatisiert, der Mutter unterlegen, innerlich abwesend. Das war so. Das ist die Wahrheit. Doch was bewirkt die Abwertung? Sie versucht, den Schmerz abzuwehren. Den berechtigten Schmerz.

Wenn eine Tochter von einem „schwachen“ Vater spricht, dann höre ich meist eher ein Bedauern und ein mangelnder Schutz, der aus ihren Worten spricht. Dann kann es sein, dass sie „den starken Papa“ als nicht gelebtes inneres Bild später oft noch lange sucht, auch in einer Paarbeziehung. Das führt natürlich zu einer Tragik, denn kein Partner kann die fehlende Kraft des Vaters und ihn selbst ersetzen.

Wenn es dir so geht, kann eine Aufstellung hilfreich sein. Hier findest du die Termine und kannst dich hier auch anmelden. Eine Aufstellung hilft, die verborgenen Dynamiken zu erkennen und den Vater in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Wenn wir die Abwehr lassen können wird es möglich, dem Vater zuzustimmen, so wie er war und der eigenen männlichen Kraft in uns selbst endlich Raum zu geben.

Scheidungskinder. Der Schmerz der Trennung

Scheidungskinder tragen immer mit. Sie fühlen den Schmerz der Eltern, aber auch ihren eigenen Schmerz. Es ist, als hätte sich im eigenen Inneren etwas schmerzhaft getrennt, was zusammen gehört.

Scheidungskinder brauchen vor allem das Gefühl, für die Scheidung der Eltern nicht verantwortlich zu sein. Sie brauchen die Erlaubnis der Eltern, beide Eltern lieben zu dürfen. Sie brauchen das Gefühl, dass sie nicht Partei ergreifen müssen und dass die Eltern ihre Probleme selbst lösen können.

Wenn die Aufstellung zeigt, dass du als Kind trotz der Trennung der Eltern einen guten Platz hast, dann geschieht Heilung. Und wenn es gelingt, dass die Eltern in Achtung aufeinander schauen und im Kind den jeweiligen anderen Partner achten.

Sätze der Mutter zum Kind: „Du darfst auch deinen Vater lieben. Was zwischen Papa und mir ist, das lösen wir allein, du brauchst es nicht für uns tun, das schaffen wir schon selbst“ sind oft sehr heilsam.
Haben sich deine Eltern scheiden lassen, dann kann es sehr unterschiedliche Dynamiken in der Aufstellung geben, je nachdem, was zwischen den Eltern noch offen ist und was jeder noch braucht. Manchmal fehlt ein Dank, manchmal eine gegenseitige Achtung, manchmal braucht der Schmerz der Trennung noch Platz.

Es gibt nichts Allgemeingültiges. Immer wirkt es sehr entlastend, wenn das Kind sehen kann, dass es zwischen den Eltern versöhnliche Schritte gibt. Heilsame Schritte in der Aufstellung sind, wenn sich sowohl das Kind entspannt und die Eltern auch.

„Mit meinem Vater hatte ich schon immer ein sehr seltsames Gefühl. Ich hatte die Phantasie, er wäre nicht mein Vater. Bin ich vielleicht vertauscht? Vielleicht sind das gar nicht meine Eltern? Vielleicht bin ich adoptiert?“

Kinder spüren, wenn etwas in der Familie nicht stimmt. Wenn sie aber nicht wissen, was das ist, dann übermannen sie immer wieder die verschiedensten Gefühle, die sie nicht zuordnen können. Sie fragen sich: „Es ist doch alles in Ordnung! Wie kommt es dann, dass ich mich unsicher, den Eltern gegenüber abwehrend und aggressiv verhalte, manchmal so traurig bin und mich so deplatziert fühle?“

Diese Gefühle sind sehr quälend. Denn wir verstehen die eigenen Gefühle nicht. Wenn es dir so geht, kann eine Aufstellung hilfreich sein. Hier findest du die Termine und kannst dich hier auch anmelden.

Ich weiß nicht, wer mein Vater ist. Der lange Weg der Suche.

Wir alle haben das tiefe Bedürfnis zu wissen, wer unsere Eltern sind. Es ist uns zutiefst eingeerbt. Denn Vater und Mutter prägen unsere Identität. Wenn wir den Vater nicht kennen, sind wir immer auf der Suche nach uns selbst.

Zu diesem Thema gibt es einen eigenen Blogartikel. Im Artikel: „Ich weiß nicht, wer mein Vater ist. Der lange Weg der Suche“ geht es um schweigende Mütter, um Kuckuckskinder, die dem Vater untergeschoben werden und Kinder von Samenbankvätern, die ihre Herkunft nicht kennen. Und um Kinder aus Vergewaltigungen, besonders nach dem Krieg.

Aufstellungen ersetzen keinen Vaterschaftstest Sie sind dennoch sehr heilsam, um sich selbst und die eigene Situation besser zu verstehen und der eigentlichen Liebe Raum zu geben.

Ich kenne meinen Vater nicht. Die Suche nach dem Vaterbild

Wir brauchen ein inneres Vaterbild. Wenn wir zwar wissen, wer der Vater ist, einen Namen haben und eine Geschichte, ihn aber selbst nie erlebt haben mit eigenen Erfahrungen, so bleiben wir doch auf der Suche nach einem inneren Vaterbild.

Kinder aus einer Nacht und Kinder, deren Eltern sich in der Schwangerschaft, kurz nach der Geburt oder in den ersten zwei Lebensjahren trennen, haben kein inneres Bild von ihrem Vater. Auch wenn der Vater im Krieg gefallen ist oder zeitig verstorben ist, fehlen die eigenen Erfahrungen mit dem Vater. Es gab keine Chance, den Vater kennen zu lernen. Dann bleibt Sehnsucht und immer die Frage: Wie war mein Vater?

In einer Aufstellung kann das Kind dem Vater begegnen. Es ist zwar „nur ein Stellvertreter“, doch es gibt einen ersten Kontakt. Zusammenhänge werden sichtbar. Vielleicht gibt es einen Augenkontakt, vielleicht sogar eine Hinbewegung. Oder das Kind kann den liebevollen Blick sehen, mit dem der Vater in Liebe auf das Kind schaut. Dieses Bild bleibt heilend in der Seele des nun erwachsenen Kindes. Nach der anhaltenden Suche beginnt nun ein Heilungsweg, der immer mehr inneren Frieden bringt.

Mehrere Väter in Patchworkfamilien

Das gute Miteinander in einer Familie unterliegt einer Ordnung. Diese Ordnung hat mit Achtung zu tun. Sie besagt, dass Vorrang hat, wer zuerst da war und dass alle dazugehören. In sogenannten Patchworkfamilien, in denen es Kinder vorheriger Partner gibt, kommt oft die gute Ordnung von Natur aus durcheinander. Die Aufstellung zeigt, wo jeder seinen guten Platz hat und wie Achtung und Zugehörigkeit für alle möglich werden können.

Wenn ein Abschied fehlt. Endlich beim Vater ankommen

Vielleicht lebt der Vater nicht mehr. Oder vielleicht hast du schon lange keinen Kontakt mit ihm. Vielleicht konntest du nicht Abschied nehmen oder du hast noch immer Angstgefühle, wenn Situationen deiner Kindheit auftauchen und dich an deinen Vater erinnern. Es kann sein, dass du Sehnsucht hast nach einem Vater, den du nicht kennenlernen konntest. Oder dass du sogar nicht einmal weißt, wer dein Vater ist.

Aufstellungen ermöglichen, die Situation in größerem Zusammenhang zu sehen. Sie ermöglichen, dass es einen Blickkontakt gibt, vielleicht sogar eine Hinbewegung oder gar die Erfahrung, noch erleben zu können, was dir damals gefehlt hat. Und Abschied zu nehmen auf deine ganz eigene Weise.

Die Wut meinem Vater und Männern gegenüber

Sabine kommt mit dem Anliegen, dass sie nicht nur Wut auf ihren Vater hat, sondern dass sie diese Wut auch gegen die Männer an sich empfindet. Da ihr ja nicht alle Männer dieser Welt Leid zugefügt haben, kann diese Wut den Männern gegenüber ein übernommenes Gefühl sein. Vielleicht gehört es zu den Erfahrungen der Großmutter oder der Mutter? Ich denke diesen Gedanken und bin in der Aufstellung dann sofort wieder offen für das, was sich zeigt und lege meine Vorannahmen erst einmal zur Seite.

Hinter der Wut verbirgt sich oft Liebe, die nicht ans Ziel kommen kann. Deshalb stellen wir den Vater, seine Eltern, die Wut und Sabine auf. Sabine schreibt:

„In der Aufstellung zeigte sich, dass mein Vater voller Wut war und keine Liebe zulassen konnte. Ich weiß nicht mehr, wie es später doch gelang. Doch als es ihm gelang, die Liebe zu umarmen, wichen meine Angst und meine Wut ihm gegenüber. Mehr weiß ich zu dieser Aufstellung nicht mehr. Doch das Erstaunliche war:

Ungefähr eine Woche danach war ich bei meinen Eltern zu Besuch und was ich nie für möglich gehalten hatte, ich konnte meinen Vater umarmen, ich konnte mich neben ihn setzten – es konnte gar nicht nahe genug sein. Bis zu diesem Zeitpunkt versuchte ich immer, meinem Vater aus dem Weg zu gehen – möglichst ohne ihn zu verletzen. Im Nachgang hat sich zwischen uns ein sehr offenes und von Liebe getragenes Verhältnis entwickelt.

Ich bin sehr dankbar, dass ich über die Aufstellungsarbeit mehr zu mir selbst und zu meiner Familie finden konnte. Einige „Dinge“ muss ich sicherlich noch angehen aber meine Lebensqualität hat sich enorm verbessert.“ Ich danke dir Sabine. Danke für dein Kommen und dass du deine Erfahrungen mit uns teilst.

Die Seelenwunde des Vaters

Eine abwehrende, abweisende und abwertende Haltung dem Vater gegenüber hat, wie wir bisher gesehen haben, ihre Ursachen. Doch auch wenn wir die Ursachen kennen, so bleiben die Gefühle dem Vater gegenüber oft unverändert. „Er hatte es ja auch nicht leicht.“ Diese Aussage ändert noch nichts am Schmerz des Kindes. Es überdeckt ihn nur und versucht, etwas schön zu reden, was nicht schön war. Denn wenn wir „verstehen“ was war, verändern sich noch nicht unsere Gefühle und unsere Körperempfindungen.

Es ist ja zweifelsohne so, dass du berechtigte Wunden fühlst, wenn du an deinen Vater denkst. Doch was bewirken Schuldzuweisungen und Schuldvorwürfe? Abgesehen, dass sie unserer Seele nicht gut tun, belasten sie auch den Vater. Denn zu allem, was er erlebt hat, ist er nun auch noch zum „Täter“ geworden. Zum Täter seinem eigenen Kind gegenüber. Zu all seinen eigenen Wunden kommt dies nun noch hinzu.

Vorwürfe und Schuldzuweisungen und deine Macht als Kind

Du kannst dem Vater die Verantwortung für sein Tun nicht abnehmen. Die muss und kann er nur selbst tragen. Die Verantwortung und die Schuld bleiben bei ihm. Doch die Auswirkungen dieser Schuld bestimmst du als Kind. Wie du auf das Erlebte schaust. Ob du ihm zustimmst oder ob du den Vater als Person ablehnst, das bestimmst nur du. Da hat der Vater keinen Einfluss darauf. Das liegt nur allein in deiner Macht.

Und so haben wir alle als Kinder eine gewisse Macht über den Vater. Denn nur du kannst an deinem Verhältnis zum Vater etwas ändern, nicht er. Denn selbst wenn er jetzt nett sein sollte, was dich in deiner Kindheit geschmerzt hat, kann er jetzt nicht mehr ändern.

Den Vater erlösen

Wir haben die Macht, unseren Vater von unseren Erwartungen zu erlösen, von unseren Schuldzuweisungen, von unserem Groll und unserer Abwertung. Doch wie geht das?

Wenn du versuchst, dem Schmerz vorsichtig Raum zu geben, den du damals hattest. Du kannst nicht die Vergangenheit ändern. Doch du kannst sie annehmen wie sie war, die Familiengeschichte annehmen, so wie sie war. Das Schicksal annehmen, so wie es war.

Wenn es uns gelingt, das Schwierige, das zu unserer Familie gehört anzunehmen, vielleicht auch nur einen Teil davon, und es zum Guten zu wenden, dann können wir auf Vorwürfe und Schuldzuweisungen verzichten. Dann geht es uns besser, unabhängig davon, ob die Eltern noch leben oder vielleicht schon seit vielen Jahren verstorben sind. Dann geht es auch unseren Kindern besser und letztendlich auch unseren Eltern.

Der Kindheitsschmerz ist auf der Körperebene gespeichert

Auf Schuldzuweisungen zu verzichten gelingt oft nicht ohne Unterstützung, da der Kindheitsschmerz auf unserer Körperebene gespeichert ist. Wir spüren diese Erfahrungen im Körper. Im oberen Brustkorb wird es eng, der Schmerz sitzt in der Kehle, im Herzen zieht sich etwas zusammen, der Blick ist nicht offen, der Rücken ist angespannt, das Herz ist traurig. Zur Sicherheit hat sich unser Körper verschlossen. Sich geschützt. Im Inneren gibt es die Entscheidung: „Wenn ich ohne dich lebe bin ich sicherer.“

In einer Aufstellung können wir uns mit Unterstützung wagen, dieses Verschlossene vorsichtig zu öffnen. Den Vater zu sehen, wie er in seinem Wesen ist. Ihn nicht mehr als Gefahr, sondern als unseren Vater zu sehen.

Diese Erfahrung geschieht auf der Körperebene. Es ist oft nur ein kurzer Moment, der es möglich macht, den Vater ins Herz zu nehmen. Als Vater. Genau so, wie er ist und war. Dann entsteht eine neue Weite im Herzen, ein Fließen, ein neues Durchatmen-können, eine Wärme, die sich ausbreitet im Körper, eine nie gefühlte Leichtigkeit, ein klarerer Blick, eine Entspannung. Das spüren wir im Körper.

Die Wirkung der Aufstellungen

Nach jedem Seminar sage ich den Teilnehmern, dass ich mich immer sehr freue, wenn ich ein Feedback per Mail bekomme, was sich nach der Aufstellung verändert hat. Die Teilnehmer berichten von unterschiedlichen Erfahrungen.

Nicht immer geschieht die Heilung sofort und so deutlich. Mancher Heilungsweg braucht Zeit und vollzieht sich in verschiedenen Schritten. Doch wenn die Heilung der Verletzungen, die uns in unserer Kindheit geschehen sind möglich wird und wir in inneren Frieden kommen, dann wird die Welt in unserem Inneren heller und schöner, entspannter und liebevoller.

Das wünsche ich auch dir

Ich wünsche auch dir, dass die Vaterwunde heilen kann in deinem Herzen. Dass du in Einklang kommen kannst mit dem, was war. Dass du deinem Vater im Herzen begegnen kannst in seinem tiefen Wesen.

Wenn du dir nicht sicher bist, ob eine Familienaufstellung für dich der nächste gute Schritt sein kann, dann kannst du dir hier kostenlos das eBook „5 Schritte zu mehr innerer Freiheit“ herunterladen. Oder du kannst als Stellvertreterin oder als Stellvertreter die Aufstellungsarbeit im Seminar kennenlernen. Hier findest du die Termine und kannst dich hier auch anmelden.

Oder schau in dein Herz. Was fühlt dein Herz, wenn du an deinen Vater denkst? Und was wünschst sich dein Herz?

Alles Liebe für dich.
Herzlichst
Renate

 

 


Impressum:
Text: Dr. Renate Wirth
Foto: pixabay.com

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Praxis: Prinzregentenstraße 7 in 10717 Berlin
Veröffentlichen des Textes und von dessen Auszügen nur mit Erlaubnis der Autorin.