Selbstbestimmt leben. Wie geht das eigentlich mit dem Herz öffnen?

Selbstbestimmt leben. Wie geht das eigentlich mit dem Herz öffnen?

Einmal wurde ich von einem guten Freund aus seiner Betroffenheit heraus nach einem Seminar gefragt: „Wie geht das eigentlich mit dem Herz öffnen?“ Ich war einen Moment sprachlos, was sollte ich da in zwei, drei Sätzen sagen? Nach einigen Sätzen, die nicht annähernd den Kern der Frage beantworten konnten, kam dann von mir der Satz: „Es ist ein großes Thema, da braucht es ein ganzes Seminar dafür.“ So entstand die Aufstellungswoche „Weite Seele – Weites Meer“ in Arillas auf Korfu, in der es um das Öffnen unseres Herzens geht.

Selbstbestimmt leben heißt, dass wir uns abgrenzen können, wenn wir es brauchen, dass wir aber ebenso unser Herz öffnen können, wenn wir uns eine zugewandte Beziehung wünschen.

Ich bin mir voll bewusst, dass auch eine Woche Seminar nur ein Einstieg in dieses große Thema sein kann. Dass es ein Lebensweg ist, immer mehr das Herz zu öffnen. Zu allererst für sich selbst. Dann für andere Menschen. Dann für alle Wesen und Wesenheiten. Dann auch für größere Kräfte, für Schicksalsbewegungen, für alles, für das Dunkle und Helle, das Schöne und Schmerzhafte, für Freude und Leid. Für das Leben wie es ist. Für alles.

Wie sollte da eine Woche ausreichen? Doch jeder Weg beginnt irgendwann mit dem ersten Schritt. Viele Schritte sind wir schon gegangen auf unserem Lebensweg, haben Erfahrungen gesammelt von der ersten Lebensstunde an, die unser Herz berührt haben, es geprägt und gestaltet haben. Wir haben keine Eile. Schauen wir also ganz entspannt auf die nächsten Schritte und gehen sie zuversichtlich in ihrer eigenen Zeit.

Wenn das Herz sich nicht öffnen kann

Es ist vollkommen berechtigt, auch manchmal das Herz zu schützen und zu verschließen, wenn wir es aus eigener Entscheidung tun. Doch es gibt immer wieder Situationen und Beziehungen, in denen sich unser Herz nicht aus eigener Entscheidung verschließt. Situationen, in denen es schwer fällt, das Herz zu öffnen, obwohl wir es uns selbst sehr wünschen. Oft sogar von ganzem Herzen wünschen.

So möchte Katrin, eine junge Frau, gern eine Paarbeziehung, aber immer wenn es ernst wird verschließt sich ihr Herz, sie bekommt Angst und Fluchtgedanken, und manchmal auch eine tiefe Abneigung. Sie weiß, dass diese Reaktion nicht zur Situation passt, denn gerade ihr jetziger Partner sei einfach freundlich und zugewandt. Dennoch kann sie nichts an ihrem inneren Rückzug ändern. Wie Katrin geht es vielen Frauen.

Oder Matthes. Sein Verhältnis zum Vater sei arg schlecht, erzählt er. Wenn er es genauer sagen würde: Er könne nur verächtlich auf den Vater schauen. Es störe ihn selbst, da der Vater ja „ganz ok.“ sei. Aber kaum mache der Vater eine Bemerkung, ziehe Matthes sich sofort in sein Schneckenhaus zurück und schaue von da aus abwertend auf den Vater.

Oft kommen Menschen, die sich ein besseres Verhältnis zur Mutter wünschen. Es gibt augenscheinlich keinen Grund für die innere Ablehnung. Aber beim besten Willen öffnet sich das Herz nicht für mehr Nähe.

Ein weites Herz

Die Natur mit ihrer Magie erreicht uns im tiefsten Herzen. Blühende Bergwiesen, ehrwürdige alte Bäume, majestätische Berge, ein Sonnenaufgang und das weite, weite Meer berühren uns zutiefst. Das Herz wird still und weit, es staunt, es ist von der Größe des Daseins berührt. Im Einklang mit dem Augenblick ist alles gut so wie es ist, wir können mit offenem Herzen frei und ruhig atmen. Mit allem verbunden sind wir im Frieden mit uns selbst.

Was macht den Zauber dieses Augenblickes? Es ist unser offenes Herz. Die Größe im Außen verbindet uns für kurze Zeit mit unserer eigenen Größe. Wir gehören dazu, zu dieser majestätischen Natur, wir sind ein Teil von ihr, wir sind wie sie selbst: Groß, berührend und voller Schönheit. In uns verbinden sich Himmel und Erde. Alles ist ein Geschenk.

Der Alltag

Im Alltag geht uns dieses Gefühl der Weite jedoch oft recht schnell wieder verloren. Ängste, Ärger, sorgenvolle Gedanken, körperliche und emotionale Schmerzen, Traumata und Mangelgefühle lassen das Herz eng werden. Doch unserer Seele ist das alles nicht wesentlich. Sie will lieben dürfen, weit werden, sich verbunden fühlen.

Die Seele

Sind unser Herz und unsere Seele das Gleiche? Ja und doch nicht ganz. Die Seele ist der fühlbare Aspekt des Geistes, des großen Geistes (spirit), der alles mit allem verbindet. Wir haben keine Seele, wir sind in einer Seele. Wir sind beseelt. Und auch unser Herz ist beseelt. Das Herz fühlt diese Seele und alles, was in ihr ist. Je näher wir verbunden sind, je mehr kann unser Herz dies fühlen.

Das Herz

Unser Herz ist mehr als ein Körperorgan. Es ist so groß in seiner Weisheit, dass unser Verstand es kaum erfassen kann. So meint das chinesische und japanische Zeichen für Herz den Herzgeist (jap. Kokoro) Bewusstsein, Inneres, Gemüt, Seele, das Wahre Wesen oder den Geist jenseits der Dualitäten.

Auch in unserem Kulturkreis wird das Herz immer mehr in seiner umfassenden Bedeutung gesehen. Das Herz hält uns nicht nur unermüdlich am Leben, es ist ein Wahrnehmungsorgan, wir können mit dem Herzen fühlen, denken, entscheiden, das Herz kann schwer sein oder leicht, eng oder weit, heiter oder traurig, wir können uns ein Herz fassen, das Herz kann schmerzen oder sogar brechen.

Das Herz ist energetisch zweigeteilt, und wenn es zu viel Leid fühlen muss, dann bricht es energetisch auseinander, es kann die Gefühle nicht mehr weiterleiten. Der Mensch kann keine Freude mehr fühlen und keinen Schmerz. Die Last war für das Herz zu schwer.

Doch nicht immer sind es existentielle Bedrohungen und schwere Verluste, die unser Herz verschließen. Das Herz schützt sich auch bei Sorgen und Angst, indem es eng wird und schmerzhaften Gefühlen nicht oder nur dosiert Einlass gewährt. Das ist sinnvoll zum Überleben. Doch ein enges Herz lässt unsere Energie nicht fließen, wir werden müde und fühlen uns im Mangel.

Selbsterlebte Verletzungen und familiäre Traumata

Ein Leben geht nicht ohne Verletzungen. Sind sie nicht so gravierend, heilt das Leben sie aus. Doch ein wesentlicher Mangel und große eigene körperliche und emotionale Verletzungen und Gefahren können die Biochemie und Erfahrungswelt so beeinflussen, dass das Herz in Vorsicht, Angst oder Groll sich eng zusammenzieht, eine Schutzmauer aufbaut und in diesem Zustand bleibt.

Selbsterlebte Verletzungen sind eine Ursache für ein sich schützendes Herz. Eine andere Ursache können systemische Traumata sein. Gefühle, die von anderen Menschen gefühlt werden, besonders von engen Familienmitgliedern, können unser Herz in Angst und Schrecken, in Wut, Groll oder Ablehnung versetzen. Das Herz reagiert so, als wären die Gefahren und Verletzungen uns selbst passiert.

Meist verbinden sich systemische Verletzungen und persönlich erlebter Herzschmerz, sie sind Folge oder bedingen sich. Aufstellungen ermöglichen einen heilsamen Weg, diese Schmerzen zu wandeln. Denn worum geht es bei der Heilung des Herzens, damit es sich trauen kann, sich neu zu öffnen? Was brauchen wir? Es sind neue Bilder. Neue innere Seelenbilder. Der Seele das zu ermöglichen, was sie im tiefsten Inneren möchte: Ankommen.

Neue innere Bilder

Für ein offenes Herz brauchen wir unbedingt das Gefühl, in der Welt willkommen zu sein, in der Welt einen Platz zu haben und dazugehören zu dürfen. Das Gefühl, dass unsere Liebe erwidert wird, dass es Sinn macht, auf dieser Welt zu sein. Wir brauchen ein offenes Herz wie die Luft zum Atmen, wir brauchen die Liebe, um gut leben zu können. Je offener unser Herz ist, desto mehr fühlen wir unsere Einbindung in das große Ganze, fühlen uns weit, reich beschenkt und fähig, liebevolle, beschützende, bereichernde Beziehungen zu leben.

Liebe und Angst

Es gibt nur zwei Grundausrichtungen: Liebe und Angst. Mit der Liebe sind viele Gefühle verbunden, so z. B. innere Weite, Freude, Zufriedenheit, Dankbarkeit, Offenheit, Zuversicht, Bereitwilligkeit, Mut, Fülle. Auch mit der Angst sind viele Gefühle verbunden, z.B. Abwehr, Groll, Ärger, Wut, Vorsicht, Unzufriedenheit, Anspannung, Enge, Missmut, Mangel.

Manchmal geschieht ein Wunder und das Herz öffnet sich wie von selbst. Wenn wir uns neu verlieben, wenn wir plötzlich in der Natur die Größe des Lebens erfahren, wenn wir große Gefahren wie durch ein Wunder überleben oder wenn wir spirituelle Erfahrungen machen dürfen. Das kann man nicht machen, das geschieht. Wir werden vom Leben beschenkt.

Doch wenn wir darauf warten, dass ein Wunder geschieht, kann darüber das Leben vergehen. Denn große Wunder kommen, wie sie wollen. Das Wunderbare ist, dass wir selbst etwas tun können, unserem Herzen zu ermöglichen, sich vorsichtig zu öffnen. Dann geschehen täglich Wunder.

Wie geht das?

Schau auf dich selbst. Wer bist du, was fühlst du, was wünschst du dir? Was sind deine Visionen, Gaben, Möglichkeiten und Grenzen? Wer ist dieses „Ich“? Stelle dir immer wieder die große Frage: Wer bin ich? Was möchte ich? Wem will ich dienen? Was will ich wirklich-wirklich?

Und wenn du nicht weiter kommst, dann mach eine Familienaufstellung. Denn familiäre Traumata können mit nachdenken nicht gelöst werden. Wenn deine Beziehung zur Mutter oder zum Vater, zu deinen Geschwistern, zu deinem Partner oder deiner Partnerin oder zu deinen Kindern belastet sind, dann ist es schwer, ein inneres Gefühl der Weite und Ganzheit zu haben.

Nur wenn wir keine Mangelbedürfnisse haben, können wir unser Herz öffnen für die Liebe, für andere Menschen und für uns selbst. Liebe können wir nicht machen, sie entzieht sich unserem Wollen. Wir können nur immer mehr bereit dafür sein. Eine Familienaufstellung kann familiäre Traumata wandeln und dich auf deinem Weg unterstützen. Hier findest du die Termine und kannst dich hier auch anmelden.

Hier noch einige Möglichkeiten, das Herz zu unterstützen:

Das sind im folgenden nur einige Ideen, sie haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Füge all dem einfach noch deine eigenen Erfahrungen hinzu.

Meditation: Meditation ist hilfreich, sich selbst kennenzulernen und sich dem, was ist, zu öffnen. Schau welcher Weg dir liegt, die Wege sind sehr verschieden. Wenn du einen Lehrer oder eine Lehrerin hast, der du vertraust, ist es einfacher, den Weg zu gehen.

Der Weg der Metta-Meditation (Herzmeditation) ist ein Weg des Mitgefühls und der Mitfreude, der das Herz sanft und nachhaltig öffnet. Du wünschst dir selbst, den anderen und allen Wesen Gutes. „Möge ich glücklich sein, möge ich sicher sein, möge ich gesund sein, möge ich mit Freude für mich selbst sorgen können“ sind ausgewählte Sätze, die im Inneren wiederholt werden. Zuerst für dich selbst, dann für andere.

Dankbarkeit: Geh den Weg der Dankbarkeit. Er ist ein Königsweg. Wenn du jede Erfahrung, die dir begegnet als eine Chance siehst, die das Leben dir schenkt, um zu heilen und damit jeder Erfahrung, wirklich jeder Erfahrung dankbar bist, dann wirst du irgendwann ganz im Frieden von dieser Welt gehen können. Und vorher leichter leben.

Handeln: Geh immer mehr vom NEIN zum JA. Zu dir selbst, deinen eigenen Gefühlen, zu dem was ist. Schau wo du „nein“ sagst. Und schau, was du brauchst, um zu dieser Situation JA sagen zu können. Was willst du ändern? Und dann schau, was du brauchst, um es zu ändern und dann tu es.

Körper: Sei freundlich zu deinem Körper, damit er neue Erfahrungen machen kann. Denn in ihm, und hier in jeder Zelle und besonders in den Faszien, sind belastende Gefühle gespeichert. Schenke ihm Fürsorge und neue Erfahrungen. Lerne ihn kennen, erhöhe deine Aufmerksamkeit, Körperempfindungen wahrzunehmen und zu verstehen. Lass dich berühren.

Natur und Atem: Geh in die Natur, so oft es geht, sie ist ein großer Lehrer und Heiler und öffnet das Herz. Ermögliche deinem Atem, frei zu fließen. Schau ob es Blockaden im Körper gibt, die deinen Atem behindern. Löse sie sanft, sie sind mit großen einengenden Erfahrungen verbunden.

Aromatherapie, Bachblüten und Pflanzenheilkunde: Rose, Jasmin, Estragon als Ätherische Öle (Duftlampe), Rosenölbäder, Duftmassagen, Basisöl Jojoba- oder Sesamöl (auf 1 EL Basisöl 2 Tr. Jasmin + 3 Tr. Estragon, Öl auf die Handflächen, Brust/Herzbereich sanft massieren)
Bachblüten: Red Chestnut (Rote Kastanie), Willow (Weide) und Chicory (Zichorie), jeweils 2 mischen
Pflanzenheilkunde: Weißdorn- oder Melissentee und Thymian-Honigwein unterstützen das Herz.

Edelsteine: Smaragd, Chrysopras, Jade und Rosenquarz, an einer Goldkette auf der Haut oder als Handschmeichler. Jade ist der Stein der Liebe. Du kannst dich auf den Rücken legen und entspannen und einen Jadestein auf die Brustmitte legen. Und Dir vorstellen, wie sich dein Herz immer weiter entspannt, wie es heilt und sich voller Vertrauen liebevoll öffnet.

Affirmationen und Vokalvibration: Kurz nach dem Aufwachen oder kurz vor dem Einschlafen, z.B.: Ich öffne mein Herz. Ich nehme mich so, wie ich bin, liebevoll an. Ich gebe und empfange mit offenem Herzen. Den Vokal „A“ tönen regt das 4. Chakra an.

Visualisieren: Lege dich auf den Rücken, die linke Hand auf die Brust in Herzhöhe, die Finger zeigen nach rechts, die rechte Hand darauf. Atme ganz entspannt. Stelle dir vor, dass du beim Einatmen in deine Hände Lebensenergie aufnimmst als goldenes Licht. Und dann stelle dir vor, wie diese Energie beim Ausatmen als goldenes Licht von deinen Händen in dein Herz fließt und du bei jedem Ausatmen ein wenig freier, weiter und heiler wirst.

Glauben: Der Glauben und die Verbindung zu größeren lichtvollen Kräften bewirkt das Gefühl, beschützt, geliebt und geborgen zu sein, wir können vertrauen, unser Herz öffnet sich wie von allein.

Zuversicht, Liebe und Ausklang

Lieben können wir von Anfang an, wir bringen diese Fähigkeit mit auf die Welt. Auch das Bedürfnis nach Verbundenheit und Geborgenheit. Von anderen Menschen gesehen, gehört, verstanden und berührt zu werden, empfinden wir als ein großes Geschenk.

Liebe erwächst aus unserer Ganzheit, sie erfüllt sich aus dem, was wir geben und ist der Sinn des Lebens. Liebe ist jetzt, Gegenwart, sie ist ein JA zu dem, was ist. Sie äußert sich in vier Aspekten: Liebevoller Zuwendung, Freude an der Freude des Anderen, Mitgefühl sowie zu wissen, wann man genug getan hat. Liebe ist absichtslos. Sie ist einfach.

Die Grundstruktur unseres Universums ist Einheit, Liebe und Verbundenheit. Wir sind alle miteinander verbunden, schon jetzt. Nur Deine Verletzungen stehen davor. Doch sie können heilen.

Du kannst ein Familienstellenseminar wählen, wenn es in deiner Familie nicht einfach ist. Hier findest du alle Termine und kannst dich hier auch anmelden. Oder du entscheidest dich für das Seminar „Selbstbestimmt leben“, in dem du üben kannst, das Eigene zu erkennen und zu schützen und ohne zu verletzen elegant Grenzen zu setzen. Und wenn du deinem Herzen viel Gutes tun möchtest, dann melde dich an für die Aufstellungswoche „Weite Seele – Weites Meer“ in Arillas auf Korfu direkt am Meer.

Sei von Herzen willkommen.
Alles Gute für dich.

Renate

 

 


Impressum:
Text: Dr. Renate Wirth
Foto: pixabay.com

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Praxis: Prinzregentenstraße 7 in 10717 Berlin
Veröffentlichen des Textes und von dessen Auszügen nur mit Erlaubnis der Autorin.