Enttäuschung, Verrat und Vertrauensbruch. Was du tun kannst gegen Groll und Verbitterung

Enttäuschung, Verrat und Vertrauensbruch. Was du tun kannst gegen Groll und Verbitterung

Lang anhaltender Groll und innere Schuldzuweisungen vergiften unser Leben

Lang anhaltender Groll und innere Schuldzuweisungen vergiften unser Leben. Sie verhindern fast immer eine Lösung. Denn nichts ist so zeitresistent wie Groll. Noch nachdem die Scheidung schon 20 Jahre her ist erzählen mir Menschen immer noch vorwurfsvoll die gleichen Ereignisse, die sie damals verletzt haben. Sie sind dem anderen böse, als wäre es erst vorige Woche gewesen. Doch dieser Groll verhindert, sich neuen vertrauensvollen Beziehungen zu öffnen. Denn: „Man weiß ja nie, ob so etwas einem wieder passiert“. Ein gebranntes Kind scheut ja bekanntermaßen das Feuer.

Was passiert also? Aus Angst vor neuem Schmerz verschließt sich das Herz und trifft dann die Entscheidung: „Nein, da bleib ich doch lieber alleine!“ Oder „Das muss ich mir nicht mehr antun, man weiß ja, was dabei rauskommt.“

Gut, das ist auch eine Entscheidung. Nicht jeder muss heiraten, in einer Paarbeziehung leben, mit Firmenpartnern zusammenarbeiten. Es gibt auch Menschen, die von Natur aus eher Einzelgänger sind. Doch wenn es eine Entscheidung ist, weil ein Mensch dich verletzt hat, vielleicht auch mehrere Male oder immer wieder, dann ist das keine wirklich frei gewählte Entscheidung.

Kein Mensch ist hundertprozentig vertrauenswürdig

Kein Mensch ist hundertprozentig vertrauenswürdig. Auch du nicht und auch ich nicht. Es geht nicht, das liegt in der Natur des Lebens an sich begründet. Leben ist unablässig Veränderung. Und im Miteinander mit anderen Menschen werden wir irgendwann auch enttäuscht werden, getäuscht werden, uns verraten fühlen und diesem Menschen dann nicht mehr vertrauen können. Auch wir werden andere Menschen verletzen, meist ungewollt, es bleibt nicht aus.

Unser Leben ist ein ewiges Lernen. Versuch und Irrtum schließen auch Fehler mit ein. Auch wenn wir gern einen Menschen an der Seite hätten, dem wir immer, wirklich immer vertrauen können, so kann es passieren, dass wir auch da einmal nicht das bekommen, was wir im Moment gerade brauchen. Und dann enttäuscht sind.

Was kannst du tun, wenn ein anderer Mensch dein Vertrauen verletzt hat?

Deine Partnerin, dein Partner hat eine Nebenbeziehung, dein Freund hat dein Geld verspielt, das du ihm in seiner Notlage geliehen hast. Dein Geschäftspartner hat hinter deinem Rücken wesentliche Entscheidungen getroffen. Deine Freundin hat das, was du ihr anvertraut hast, umgehend weitererzählt. Das und vieles andere passiert. Und es schmerzt das Herz. Wie kannst du da noch vertrauen!

Vertrauen in andere Menschen heißt, sich immer wieder neu auszurichten. Da in jedem Miteinander auch Schmerz ist, ist wirkliche Veränderung ohne Vergebung nicht möglich. Doch das ist leicht gesagt und oft erst einmal überhaupt nicht möglich, wenn der Schmerz und die Enttäuschung zu groß sind. Und es ist auch bei weitem nicht gut, zu schnell zu vergeben.

Bei einer Verletzung, einem Verrat und einem Vertrauensbruch haben wir das Recht und die Pflicht, dem anderen böse zu sein und Ausgleich und Wiedergutmachung zu fordern. Nur dann hat die Beziehung eine Chance für einen Neuanfang, und beide Partner können an der Verletzung wachsen. Oder du kannst entscheiden, die Beziehung zu beenden und auseinander zu gehen, ohne im Groll und Vorwurf verhaftet zu bleiben.

Was brauchst du, um einem Menschen zu vergeben, der dich verletzt hat?

Falls du eine Verletzung ausheilen möchtest, dann schaue nach Möglichkeiten der Vergebung und Wiedergutmachung.

Vergebung hat zwei Vorstufen: Der wesentliche erste Schritt ist, die vielfältigen Gefühle des Schmerzes zuzulassen, die mit der Verletzung verbunden sind. Nicht wahrhaben wollen, Hilflosigkeit, Ohnmacht, Enttäuschung, Sehnsucht, Schmerz, Wut, Zorn, Hass und Traurigkeit brauchen Raum, um da sein zu dürfen.

Im zweiten Schritt brauchst du eine Möglichkeit der Wiedergutmachung. Frage dich: Was brauche ich, damit es wieder gut werden kann? Erst dann hat Vergebung eine Chance.

Die Gefühle des Schmerzes zulassen

All die Gefühle des Schmerzes zuzulassen ist oft kaum ohne Hilfe möglich. Unverständnis, Hilflosigkeit, Nicht-Wahrhaben-Wollen, Enttäuschung, Wut, schmerzhafte Liebe, die nicht an ihr Ziel kommt, Traurigkeit, Sehnsucht – die Gefühle wechseln sich in schneller Folge ab. Und wenn du gerade denkst: Nun habe ich es geschafft, jetzt habe ich eine Lösung gefunden, dann geht es wieder von vorn los. Diese Gefühle brauchen Zeit. Und die Chance, überhaupt da sein zu dürfen.

Manchmal helfen Freunde, körperliche Aktivitäten, eine Auszeit oder ein Rückzug für einige Zeit.

Nur allein der Zeit zu vertrauen hilft oft nur begrenzt. Denn wenn die schmerzhaften Gefühle nicht verarbeitet werden und keinen Raum haben, sich in sicherem Rahmen vollziehen zu dürfen, dann besteht die Gefahr, dass sie sich in einen stummen Groll verwandeln, der keine neue vertrauensvolle Beziehung mehr zulassen kann.

Wenn du es geschafft hast, dass deine schmerzhaften Gefühle da sein durften und sich bis zu einem Ende vollziehen konnten und du gern möchtest, dass eure Beziehung wieder gut weitergehen kann, dann braucht es eine angemessene Wiedergutmachung.

Was ist eine angemessene Wiedergutmachung für dich?

Was eine angemessene Wiedergutmachung sein kann entscheidet derjenige, der verletzt wurde. Wenn du selbst verletzt wurdest, dann überlege gut, was für dich eine gemäße Wiedergutmachung sein kann. Was kann der Andere tun, damit es gut weitergehen kann zwischen euch?

Dein Mann (oder deine Frau) hatte einen Seitensprung. Was brauchst du, damit es gut weitergehen kann zwischen euch? Vielleicht ein Versprechen, dass es nicht wieder vorkommt? Oder den lang ersehnten Urlaub zu zweit? Oder einen Ring? Oder den Angelurlaub mit Freunden? Nur du kannst es festlegen! Doch es muss so sein, dass die Wiedergutmachung möglich ist für ihn oder sie. Sie muss „angemessen“ sein, muss den Anderen „etwas kosten“, aber nicht zu viel und darf nicht unerfüllbar sein.

Ist dir selbst ein wesentlicher Fehler unterlaufen, dann benenne zuallererst den Fehler, der dir passiert ist. Und dann biete du die Möglichkeit einer Wiedergutmachung an. Aber frage du, was du tun kannst! Nicht du kannst festlegen, was für den anderen eine angemessene Wiedergutmachung ist, nur er/sie selbst kann das fühlen. Wenn du also fragst: „Was kann ich tun, damit es gut weitergehen kann?“ wirst du eine Antwort bekommen.

Wenn dir die Wiedergutmachung verweigert wird, dann hast du keine Chance für ein gutes weiteres Miteinander. Du warst und bist und bleibst dazu bereit, doch wenn der Andere keine Möglichkeit gibt, dann hat ein gutes vertrauensvolles Miteinander für die Zukunft keine Chance. Denn dann bleibst du immer „in der Schuld“. Dann trenne dich in Frieden. Verabschiede dich und lass den Anderen in Frieden ziehen.

Falls du ein schlechtes Gewissen hast und es dir keine Ruhe gibt, deinen Fehler nicht wieder gut machen zu können, dann kannst du schauen, ob du vielleicht an einer anderen Stelle Gutes tun kannst. Wir sind alle miteinander verbunden. Verzichte auf Schuldzuweisungen dir selbst gegenüber. Dann kannst du dir selbst und anderen einen Neuanfang gewähren.

Wirkliche Vergebung im Herzen ist ein Verzicht

Keine wirkliche Vergebung ist, wenn wir im Inneren sagen: „Ich vergebe dir, komme aber bei passender Gelegenheit darauf zurück.“ Oder: „Ich vergebe dir, sage nichts mehr, vergesse aber nicht und bin auf der Hut.“ Diese Art der Vergebung ermöglich keinen Neuanfang.

Wirkliche Vergebung ist ein Verzicht. Es ist der Verzicht auf eine Schuldzuweisung. Das ist eine bewusste Entscheidung, in dieser Situation auf einen Schuldvorwurf zu verzichten. Eine Entscheidung für ein wissentliches Vergessen. Dann sagst du im Inneren: „Ich vergebe dir und entscheide mich zu vergessen und uns einen Neuanfang zu gewähren und komme nie mehr darauf zurück.“

Oder gar: „Ich vergebe dir und danke dir, dass ich das durch dich erleben durfte und lernen konnte.“ Letzteres ist aber schon eine große Herausforderung und oft erst in weiseren Jahren möglich.

Eine Trennung: Lass den Anderen in Respekt gehen

Manchmal ist eine Trennung unausweichlich. Was uns zusammenführt und was uns trennt ist vom Wesen her wohl ein Geheimnis. Eine Trennung braucht einen guten Abschied und vor allem Dankbarkeit für das Gute, das wir durch das Miteinander bekommen haben. Dankbarkeit ist die schönste Form der Erinnerung. Wo Dankbarkeit ist, hat kein belastendes Gefühl mehr Platz.

Vertraue in deine Kompetenz und deine Fähigkeit zu heilen und dich neu auszurichten. Achte dich selbst und den anderen und lasse ihn, wenn du kein weiteres Miteinander möchtest, in Respekt vor seinem eigenen Weg und seinem eigenen Schicksal ziehen.

Wenn dir ein Verrat schon mehrere Male passiert ist

Falls es dir schon bei mehreren Menschen passiert ist, dass dich deine Partnerin oder dein Partner betrogen und tief verletzt hat, dann liegen dem verborgene Dynamiken zugrunde. Was wirkt da auf dich? Warum ziehst du solche Menschen und Ereignisse an? Wiederholt sich da etwas, was in deiner Herkunftsfamilie damals geschehen ist, vielleicht verschwiegen wurde und nicht ausgeheilt wurde? Gibt es da vielleicht eine unbekannte Schuld? Oder verdrängte Schuldgefühle? Oder nicht ausgeheilte Schuldzuweisungen?

Gerade auch, wenn du in der Partnerschaft einen Vertrauensbruch erlebt hast, ist eine Aufstellung ein wunderbarer Schritt, um die dahinterliegenden inneren Bewegungen zu erkennen, zu lösen und zu heilen. Denn oft wirkt hier mehr als der gute oder schlechte Wille von euch beiden. Meist wirken hier ganz andere Dynamiken, die sich deinem und eurem Willen und Wollen als Paar entziehen.

Eine Familienaufstellung ist hier ein sehr erhellender und heilsamer Schritt. Hier findest du die Termine für die Aufstellungsseminare und kannst dich hier auch für ein Seminar anmelden.

Und zweimal im Jahr leite ich ein Seminar zum Thema Vertrauen am Benediktushof in Holzkirchen. Der Benediktushof ist ein ganz besonderer Ort der Stille. Im Seminar arbeiten wir mit Familien- und Traumaaufstellungen, Körperarbeit, Gespräch und Meditation. Das Sitzen in der Stille unterstützt uns, uns zu zentrieren und aus unserer inneren Mitte heraus zu handeln. Hier findest du die Termine und kannst dich hier auch anmelden.

Eine wahre Geschichte: Thea kann nicht aufhören zu weinen

Thea erzählt im Aufstellungsseminar, dass sie kaum aufhören kann zu weinen. Sie muss überall weinen, sogar auf dem Bahnhof laufen ihr die Tränen, sie kann sie einfach nicht kontrollieren. Immer wieder kommen Wellen des Schmerzes. Dabei versucht sie schon seit Wochen, mit ihrem Schmerz fertig zu werden.

Thea hat vor 8 Wochen entdeckt, dass der Mann, mit dem sie drei Jahre zusammengelebt hat und mit dem sie alt werden wollte, eine andere Frau hat, von der sie nichts wusste. Nachdem die Gefühle der Fassungslosigkeit und Wut in ihr abgeebbt waren, kam dann diese unendliche grenzenlose Traurigkeit, die sich für Thea anfühlte, als wenn ihr Leben nun nicht mehr weitergehen konnte.

Thea selbst sagt, dass sie diese Gefühle als nicht angemessen empfindet, da ihr Kopf schon weiß, dass sie auch ohne diesen Mann gut weiterleben kann. Aber es fühlt sich für Thea ganz und gar nicht so an, was ihre Tränen zeigen, die ihr unablässig über das Gesicht laufen.

Ich frage nach vorigen wichtigen Partnerschaften. Zwei Männer gab es in Theas Leben, mit denen sie jeweils mehr als 10 Jahre zusammen war. In der Anamnese der Familiengeschichte erzählt Thea, dass ihr Vater 8 Jahre verlobt war und sich von der Verlobten unerwartet getrennt hat, da er die Mutter von Thea kennengelernt habe, die er danach geheiratet habe. Die Verlobte sei bis an ihr Lebensende allein geblieben.

Im ersten Schritt stelle ich Thea, die beiden vorigen Männer von Thea und den jetzigen Partner. Meine Annahme war, dass eventuell eine vorige Trennung nicht zu einem guten Ende gekommen ist und die jetzige Trennung Thea nicht nur den gegenwärtigen, sondern auch den vorigen Trennungsschmerz in seiner ganzen Tiefe nochmals spüren lässt.

Alle Stellvertreter können sich frei im Raum bewegen. Thea schaut nacheinander auf jeden der drei Männer, ihre Tränen werden weniger. Auf ihren letzten Mann schaut sie zwar leise weinend, aber dann schaut sie wie gebannt auf eine freie Stelle im Raum. Ich stelle eine Frau für die Verlobte des Vaters an diese Stelle und wähle einen Mann als Vertreter für Theas Vater und eine Frau als Vertreterin für Theas Mutter aus.

Jetzt geschieht eine wesentliche Veränderung. Die Verlobte des Vaters fängt tief schluchzend an zu weinen. Ihr Weinen schüttelt sie förmlich. Als es abebbt, schaut sie tränenüberströmt auf den Vater. Beide gehen langsam aufeinander zu. Sie umarmen sich und halten sich lange. Dann lösen sie sich, der Vater wendet sich langsam ab und schaut auf die Mutter.

Thea hat gebannt zugeschaut, ihre Tränen sind versiegt. Als sich der Vater und die Mutter in den Arm nehmen, kann Thea langsam zu beiden gehen. Dann lässt auch Thea sich von den Eltern in den Arm nehmen. Lange stehen die drei so da. Die Verlobte geht mit ruhigem Gesichtsausdruck zurück, wendet sich dann ab und schaut aus dem Fenster. Im Raum breitet sich Frieden aus.

Hier beende ich die Aufstellung. Die heftigen schmerzhaften Gefühle von Thea waren nur teilweise ihre eigenen Gefühle. Sie hatte die Gefühle dieser Verlobten übernommen. Ich erkläre, dass es sogenannte übernommene Gefühle gibt, die nicht wirklich zu uns gehören, die zu jemandem Anderen in der Familie gehören. Die wir aber, wenn wir in einer ähnlichen Situation sind, in der vollen Intensität fühlen, als wären sie unser eigener Schmerz.

Thea schreibt mir später, dass ihr Herzschmerz nicht wiedergekommen sei, dass sie nach der Aufstellung kein einziges Mal mehr diese unstillbaren Tränen weinen musste. Sie konnte die Verantwortung für das Verschweigen der neuen Beziehung bei dem Mann belassen und den Teil ihrer eigenen Verantwortung erkennen, der zur Trennung geführt hatte. Und nun ruhig auf die vergangenen Erfahrungen schauen.

Und noch etwas Wesentliches sei geschehen. Ihr Verhältnis zu ihren Eltern habe sich noch einmal verändert. Jetzt könne Thea ganz neu und liebevoll auf die Eltern schauen. Sie erinnere jetzt Situationen, an die sie schon lange nicht mehr gedacht habe. Und sie habe das Gefühl, mit den Eltern nun ganz in liebevollem Frieden zu sei.

Die Geschichte von Thea ist eine von vielen, vielen Aufstellungsgeschichten, die ich erlebt habe. Sie zeigt, dass sich hinter tiefen Gefühlen oft unbewusste seelische Dynamiken verbergen, die sich unserem Denken entziehen. Dass unsere Schmerzen nicht immer nur unsere eigenen sind. Wenn die Dynamiken sichtbar werden, können sie sich zu einem guten Ende vollziehen und aufhören zu wirken. Damit es gut weitergehen kann.

Schuld und Schuldgefühle sind nicht das Gleiche

Wenn wir betrogen werden oder verraten, dann sind wir ganz schnell dabei, den anderen für schuldig zu erklären, da er uns Schmerz zugefügt hat. Oder uns selbst. Doch weder eine Schuldzuweisung noch ein Schuldgefühl sind immer identisch mit einer begangenen Schuld.

Manchmal ist es eindeutig, wer wem etwas zuleide getan hat. Doch manchmal tragen auch beide Partner einen Teil der Verantwortung, dass es zu dieser Situation gekommen ist.

Manche Menschen empfinden kein Schuldgefühl, obwohl sie jemanden verletzt haben. Und umgekehrt gibt es immer wieder Menschen, die Schuldgefühle fühlen, von denen sie nicht wissen, woher sie kommen. Es ist unser Gewissen, das uns dieses Schuldgefühl fühlen lässt. Wenn wir uns unschuldig fühlen haben wir ein gutes Gewissen, wenn wir uns schuldig fühlen haben wir ein schlechtes Gewissen.

Unser persönliches Gewissen reguliert unser menschliches Miteinander. Wenn wir es nicht hätten, könnten wir nicht in einer Gruppe zusammenleben. Dann würde immer der Stärkere dem Schwächeren etwas wegnehmen, ihn bekämpfen oder ihn gar töten. Ein friedliches Miteinander wäre dann nicht möglich. Wir Menschen, die wir Gruppenwesen sind, brauchen das Gewissen für das Miteinanderleben in der Gruppe.

Nun werden viele schlimme Taten mit gutem Gewissen getan, wie wir in den Kriegen sehen können. Und vieles Gute tun wir mit schlechtem Gewissen. Ist es zum Beispiel unseren Eltern sehr schlecht ergangen, dann haben wir ein schlechtes Gewissen, wenn wir es uns einfach gut gehen lassen. Wir brauchen die innere Erlaubnis dafür, das Leben genießen zu können.

Deshalb schau genau

Deshalb schau genau: Bist du wirklich schuldig geworden? Hast du etwas falsch gemacht, den anderen wissentlich oder unwissentlich verletzt? Dann macht es dich groß, wenn du für diese Verletzung die Verantwortung übernimmst. Sage: „Es tut mir leid“ und schau, was du tun kannst zur Wiedergutmachung.

Doch lass dir keine Schuldgefühle einreden. Schau, ob du wirklich die Verantwortung trägst und wenn ja, für welchen Teil. Und schau, ob du vielleicht eine Schuld fühlst für etwas, wofür du keine Verantwortung tragen kannst. Wo die Verantwortung beim Anderen oder den Anderen liegt.

Hat dich jemand verletzt, dann rede die Situation nicht schön. Oder entschuldige das Verhalten nicht mit logischen Erklärungen: „Sie konnte ja nicht anders, bei ihrer Familiengeschichte.“ Oder: “Er ist ebenso, das hat er schon immer so gemacht, er hat auch sein Päckchen zu tragen…“ Mute ihm zu, dass er die Verantwortung trägt für das, was er getan hat!

Manche Ereignisse sind schicksalhaft. Sie wurden von größeren Kräften gelenkt. Wir können uns ihnen nicht entziehen. Dann können wir nur unseren Weg weitergehen, auch wenn wir zuerst nicht wissen, wohin er führen wird.

Wenn du mehr zum Thema Schicksal lesen möchtest, dann lies im Artikel „Vertrauen in das Leben“ den Abschnitt „Unberechenbares Schicksal“ und die Aufstellung zum Schicksal. Nicht alles liegt immer in unserer Hand.

Falls dich Schuldgefühle oder Schuldzuweisungen über längere Zeit bedrücken oder du mit einem Menschen nicht in Frieden kommen kannst, dann ist eine Familienaufstellung ein sehr heilsamer Schritt. Hier findest du die Termine für die Aufstellungsseminare und kannst dich hier auch für ein Seminar anmelden.

Vertrauen in andere Menschen ist immer ein Vorschussvertrauen

Vertrauen in andere Menschen ist immer ein Vorschussvertrauen. Eine innere Entscheidung. Mal treffen wir sie bewusst, meist jedoch unbewusst. Sie beinhaltet immer ein Risiko. Ein Vorschussvertrauen heißt, unser Herz und unseren „inneren Garten“ denen zu öffnen, von denen wir glauben, dass sie unsere inneren Blumen nicht zertrampeln und unseren Garten achten.

Es heißt aber auch, den „inneren Garten“ des Anderen zu achten und fürsorglich mit seinen inneren Blumen zu sein. Dann kann ein selbstbestimmtes Miteinander entstehen, das von gegenseitigem Verständnis und Mitgefühl getragen ist.

Auch wenn du verletzt worden bist, auch wenn du schmerzhafte Erfahrungen machen musstet: Gib immer wieder einem anderen Menschen ein Vorschussvertrauen. Es ist eine Hinwendung, ein inneres Öffnen, ein inneres „Ja“ zu deiner Fähigkeit zu heilen und mit einem anderen Menschen in vertrauensvolle Beziehung zu gehen. Denn es ist ein tiefes Bedürfnis unserer Seele: Sie möchte vertrauen können und lieben dürfen.

Vertrauen in dich selbst

Wenn du dir selbst vertrauen kannst ist das eine wunderbare Grundlage, trotz erlebter Verletzungen noch einmal neu auf den Anderen zu schauen. Denn dann kennst du deine Gefühle und Reaktionsmuster, kennst deine Handlungsmöglichkeiten und hast ein gutes Gefühl, wo Vorsicht wichtig ist und wo du vertrauen kannst. Du hast ein sicheres Selbstbild und ein gutes Selbstwertgefühl.

Wenn du dir mehr Selbstvertrauen wünschst, dann klicke hier, ich sende dir dann sofort kostenlos die kurze Übersicht „Kraftquellen für mehr Selbstvertrauen“ zu.

Wir brauchen andere Menschen, um zugewandt leben zu können. Meide ganz klar Menschen, die dich und andere abwerten und nicht achten. Umgib dich mit wohlwollenden Menschen, die dich wertschätzen.

Ich wünsche dir immer wieder wunderbare Momente des Vertrauens. In das Leben, in andere Menschen, in dich selbst und ganz besonders in deine Fähigkeit zu heilen. Um innerlich frei deinen dir ganz eigenen Weg zu gehen.

Alles Liebe für dich.
Renate

 

 


Impressum:
Text: Dr. Renate Wirth
Foto: pixabay.com

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